Testbericht

Raidsonic: Powerline-Adapter Icy Box im Test

Raidsonic bietet mit der Icy Box IB-PL500 einen Powerline-Adapter mit bis zu 500 Mbit/s Datendurchsatz an. Doch wie schlägt sich die Lösung für den Internetzugang über das Stromnetz im Alltag? Unsere Redaktion testete das Gerät in der Praxis.

Icy Box von RaidsonicKompakt, in weißem Gehäuse und mit drei LEDs präsentiert sich die Icy Box von Raidsonic.© Raidsonic

Neue internetfähige Flachbild-Fernseher erobern das heimische Wohnzimmer. Außerdem lässt sich mit immer mehr Geräten wie Spielkonsolen oder Receivern auf das Internet zugreifen. Die Verbindung ins Netz finden diese neben der direkten Anbindung per LAN-Kabel alternativ meist drahtlos per WLAN. Doch die Tücken zeigen sich hier manchmal im Detail: Der WLAN-Router steht beispielsweise im Keller, der Standort des Fernsehers befindet sich im Erdgeschoss. Die Qualität der WLAN-Verbindung kann da schon mal schlechter ausfallen. Zwar lässt sich die Reichweite des Funknetzwerkes mit einem zusätzlichen WLAN-Repeater vergrößern, doch es geht auch anders und einfacher – ganz ohne WLAN oder mühselige Kabelverlegung: mit einer Powerline-Lösung. Die bereits seit Jahren verfügbare, aber immer noch eher in einer Nische befindliche Internetzugangstechnologie, wird über das hausinterne Stromnetz realisiert. Hierzu griffen wir im Rahmen eines Tests auf den Powerline-Adapter Icy Box IB-PL500 des Herstellers Raidsonic zurück, der nach Unternehmensangaben theoretisch Brutto-Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bietet. Was die Hardware in der Praxis leistet, haben wir in verschiedenen Alltagssituationen auf die Probe gestellt.

Kompakter Powerline-Adapter

Der Icy Box Adapter kommt mit Abmessungen von 94 x 60 x 28 Millimetern in weißem, kompaktem Gehäuse daher und sieht recht unspektakulär aus. Auf der Rückseite findet sich nur ein Schuko-Stecker, der sich an jeder beliebigen Standard-Steckdose verwenden lässt. Auf der Oberseite hat Raidsonic drei LEDs platziert, die Auskunft geben über Betriebsstatus, Ethernet- sowie Powerline-Verbindung. Zusätzlich informiert die Powerline-LED je nach Art der Blinkfrequenz über die aktuell erreichten Datenraten.

Frontseitig ist der Powerline-Adapter mit einem Gigabit-LAN-Anschluss für die Verbindung per Ethernetkabel (RJ45) sowie einer kleinen Taste zum Gruppen-Pairing, zum Einbinden weiterer Adapter in ein Netzwerk, ausgestattet. Seitlich findet sich zudem ein Reset-Taster.

Über eine zusätzliche integrierte Steckdose verfügt das Modell IB-PL500 nicht. Wer mit dem Adapter nicht eine Anschlussdose komplett belegen möchte, kann beispielsweise zur Icy Box PL550 greifen, die einen entsprechenden Steckplatz mitbringt. Für unseren Test nutzten wir zwei identische IB-PL500, die im Doppelpack als Adapter-Set IB-PL500D erhältlich sind.

Einfache Handhabung per Plug and Play

Die Inbetriebnahme erfolgt schnell und ohne Installation einer Software per Plug and Play. Zunächst muss ein mit einem Internetmodem oder Router verbundenes Ethernetkabel an den RJ45-Anschluss des Adapters angeschlossen werden, die Icy Box selbst wird in eine freie Steckdose gesteckt. In unserem Test nutzten wir unter anderem auch Mehrfachsteckdosen. Um eventuelle Störungen beispielsweise durch andere Geräte zu vermeiden, wird aber die Verwendung direkt an Wandsteckdosen empfohlen. Mit dem zweiten Adapter verfahren wir ähnlich: Das Powerline-Gerät wird im gleichen oder einem anderen Raum in eine Steckdose geschoben, ein Ethernetkabel an die Icy Box angeschlossen und mit einem PC, Notebook oder anderem Gerät mit RJ45-Anschluss verbunden.

Die Internetverbindung steht ist in der Regel in weniger als 30 Sekunden nach Synchronisation der Adapter mit dem Internetrouter bereit. Leuchten alle drei LEDs grün, ist der Weg für die Internetnutzung frei und die Adapter sind im Heim-Netzwerk eingebunden. Maximal bis zu 64 Icy Box-Adapter lassen sich in einem Netzwerk zusammenschalten. Ob die Leistung merklich sinkt, je mehr Adapter gleichzeitig genutzt werden, konnten wir nicht überprüfen, da uns lediglich zwei Geräte zur Verfügung standen. Dank Unterstützung des Homeplug AV Standard soll die Icy Box auch zu Adaptern anderer Hersteller kompatibel sein. Im Betrieb erwärmten sich die Powerline-Adapter nur leicht. Der Stromverbrauch unter Last liegt laut Raidsonic bei 3,8 bis 4,3 Watt, im Bereitschafts-Modus wird weniger als 1 Watt verbraucht.

Icy Box im Betrieb problemlos

Für unseren Test schlossen wir die Icy Box unter anderem an den Ethernetanschluss eines Philips LED-Fernsehers der 7000er-Serie an. Das TV-Gerät befand sich im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses, der DSL-Router war im Keller platziert. Der Powerline-Adapter musste in den Einstellungen des Philips-Fernsehers lediglich als kabelgebundener Internet-Zugang angegeben werden. Weitere Konfigurationen waren nicht erforderlich, die SmartTV-Funktionen des TV-Geräts standen damit unmittelbar in vollem Umfang zur Verfügung.

In einer in der ersten Etage eines Mehrfamilienhauses befindlichen Wohnung verrichtete die Icy Box ihren Dienst ebenfalls ohne Murren. Beim Anschluss des Powerline-Adapters an eine im Wohnzimmer platzierte Fritz!Box 6360 Cable übertrug die IB-PL500 die Daten mit nahezu voller Bandbreite. Der Kabelanschluss bot maximal rund 16 Mbit/s, bei Verwendung über die Icy Box konnten wir auf einem Notebook auch in den Nachbarräumen mit dem Unitymedia-Speedtest fast konstant rund 15,94 Mbit/s im Download messen. YouTube-Videos (Länge bis zu 20 Minuten) liefen in mehreren parallel geöffneten Browserfenstern auch in HD-Qualität ruckelfrei.

Stabile Verbindung auch über mehrere Etagen

Auch bei Zuschaltung weiterer elektrischer Geräte im Haushalt wie Mikrowelle, Bügeleisen, TV-Gerät und Surroundanlage blieb die Bandbreite stabil und die Internetverbindung störungsfrei. Selbst die Verbindung von der ersten Etage bis zum Keller realisierte die Icy Box ohne messbare Bandbreitenverluste. Per WLAN konnten wir dagegen auf dieser Distanz schwankende maximale Bandbreiten zwischen 12 und knapp über 15 Mbit/s verzeichnen. Raidsonic gibt die Reichweite für seine Powerline-Adapter mit rund 300 Metern an, vergleichbar dem Nutzungsradius aktueller WLAN-Router. Die Icy Box schützt Verbindungen mit einer AES 128-Bit-Verschlüsselung. Außerhalb des eigenen Stromkreises funktioniert die Powerline-Lösung nicht, sondern endet in der Regel am Stromzähler.

Getestet haben wir auch eine Kombination von Powerline und WLAN. Zu diesem Zweck hatten wir in unserem Redaktionsbüro einen Powerline-Adapter per Ethernetkabel direkt mit unserem Internetzugang verbunden, an den zweiten Adapter hatten wir einen WLAN-Router angeschlossen. Nach Einrichtung der Powerline-Verbindung konnten wir beispielsweise mit einem Smartphone auf den WLAN-Router zugreifen. Damit sei hier aber auch ein Nachteil der Icy Box angeführt. Sie lässt sich nur kabelgebunden mit anderen Geräten verbinden, eine eigene WLAN-Funktionalität bringt sie nicht mit.

Doch welche Leistung bietet der Powerline-Adapter nun in der Praxis? In unserem Redaktionsbüro erreichten wir am frühen Abend Downloadraten von über 70 Mbit/s über den Ethernetanschluss, per Icy Box verzeichneten wir dagegen nur Bandbreiten von maximal 16,25 Mbit/s. Mit der freien Software jperf konnten wir den in den jeweiligen Räumen über die Stromleitung tatsächlich erreichbaren maximalen Datendurchsatz messen. Von den theoretisch unter optimalen Bedingungen mit den Powerline-Adaptern erzielbaren 500 Mbit/s sind die Ergebnisse in der Praxis weit entfernt. Raidsonic weist selbst darauf hin, dass es sich hierbei um einen Bruttowert handelt. Die Messergebnisse schwanken je nach Einsatzort zudem recht stark, abhängig vom Zustand der Verkabelung in den genutzten Gebäuden.

Datendurchsatz im Test maximal 36,4 Mbit/s

Um den direkten Datendurchsatz zu messen, haben wir jeweils ein Notebook mit einem Powerline-Adapter verbunden und an verschiedene Steckdosen angeschlossen und die Laptops als Server bzw. Client konfiguriert. Das Tool jperf hat dann die erreichbare Bandbreite über die Stromleitungen gemessen. In der Wohnung in der ersten Etage eines Mehrfamilienhauses aus den 60er-Jahren erreichten wir dabei bei Anschluss der Adapter an einzelne Wandsteckdosen maximal einen Datendurchsatz von 36,4 Mbit/s. Ein Kabelanschluss mit 32 Mbit/s ließe sich beispielsweise gut nutzen, Abstriche gibt es damit aber bereits bei VDSL 50.

Bei Anschluss eines Adapters an eine Mehrfachsteckdose reduzierte sich die Bandbreite spürbar und erreichte teils nur noch 33,1 Mbit/s. Nach dem Einschalten einer Stehlampe mit Dimmer, die ebenfalls an der Mehrfachsteckdose im gleichen Raum hing, ging der Messwert bis auf 29,8 Mbit/s hinunter. Bei Messungen im Nachbarraum sackte die Bandbreite weiter bis auf 27,1 Mbit/s ab. Die Internetverbindung von der ersten Etage in den Keller funktionierte zwar problemlos, jperf ermittelte hier aber teils nur noch Werte von 23,2 Mbit/s.

Zum Vergleich haben wir auch Messungen in unseren Redaktionsräumen durchgeführt, erreichten dort aber offenbar wegen der Belastung des Netzes durch zahlreiche PCs und andere Geräte maximal einen Datendurchsatz von 28,4 Mbit/s. In den Nachbarräumen fiel die gemessene Bandbreite sogar in einer Messung bis auf 19,6 Mbit/s ab. Die Bandbreitenmessungen zeigen recht deutlich wie stark die Einsatzmöglichkeiten der Powerline-Adapter von der Hausverkabelung und der jeweiligen Belastung des Netzes abhängig sind.

Zum Lieferumfang der Icy Box gehört neben dem Adapter ein 1,8 Meter langes Ethernetkabel sowie eine Kurzanleitung. Eine ausführliche Bedienungsanleitung im PDF-Format steht online auf der Raidsonic-Homepage zum Download bereit. Ein einzelner Powerline-Adapter Icy Box IB-PL500 ist im Internet beispielsweise bei Amazon aktuell für knapp 44 Euro erhältlich, das Set Icy Box IB-PL500D mit zwei Adaptern wird für rund 70 Euro angeboten.

Fazit: Powerline-Adapter als Alternative zu WLAN gut geeignet

Der Einsatz des Icy Box Powerline-Adapters von Raidsonic erwies sich in der Praxis als problemlos: Innerhalb kürzester Zeit war das Gerät einsatzbereit. Die Nutzung der Icy Box ist unabhängig von einem bestimmten Betriebssystem möglich. Eine Benutzeroberfläche oder spezielle Software gibt es nicht, es lassen sich keinerlei Einstellungen vornehmen. Die Internetverbindung über das Stromnetz lässt sich in wenigen Schritten per Plug and Play realisieren. Einen direkten Zugriff per WLAN bietet die Icy Box aber nicht. Wegen der einfachen Handhabung ist die Icy Box auch für Internet-Einsteiger gut geeignet. Ein Internetzugang mit 16 Mbit/s ließ sich ohne große Abstriche nutzen, die vom Hersteller angegebenen 500 Mbit/s sind allerdings nur Bruttowerte, die zudem je nach baulichen Merkmalen vor Ort unterschiedlich ausfallen. Mit einem Preis von knapp 70 Euro für zwei Adapter ist die Powerline-Lösung eine erschwingliche WLAN-Alternative zum Anschluss von internetfähiger Hardware per Ethernetkabel.

(Jörg Schamberg)

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