Testbericht

Putpat im Test - Besser als MTV und Viva zusammen

"Werde Dein eigener Programmchef!" Frei nach diesem Motto ist es unter www.putpat.tv möglich, sein eigener Musik-Video-Programmdirektor zu werden. Wir haben getestet.

Musikvideo-Plattform Putpat.tvDer Putpat-Vequalizer steuert das, was auf dem persönlichen Kanal zu sehen ist.© onlinekosten.de

Was waren das noch für Zeiten, als der Fernseher eingeschaltet werden konnte und auf MTV, Viva und Co rund um die Uhr Musikvideos zu bestaunen waren. Das ist Geschichte. Insbesondere im Nachmittags- und Abendprogramm stehen seit Monaten Serien und Trash-Dokus im Fokus. So ganz sind die Musik-Clips aber trotzdem nicht tot zu kriegen. Das Internet bietet Künstlern und Plattenfirmen ein Medium, die Musik an den Fan zu bringen. Auf der einen Seite auf Portalen wie YouTube oder MyVideo. Neuerdings aber auch über die Musikvideo-Plattform putpat.tv .

Betatest gestartet

Bereits im Oktober letzten Jahres wurde ein Betatest von Putpat angekündigt. Eine Freischaltung der Beta-Tester ließ aber trotz unmittelbarer Anmeldung auf sich warten. Bis jetzt. Seit dem vergangenen Wochenende kann auch onlinekosten.de das Portalangebot genauer unter die Lupe nehmen. Und um es vorweg zu nehmen: für Musikfans sind die Inhalte mehr als eine Spielerei für zwischendurch. Es wartet ein echter Augen- und Ohrenschmaus.

Nach eigenen Angaben ist Putpat das neue Musikfernsehen. Was genau das heißt, haben wir bereits im Form eines ersten Eindrucks über unseren Twitter-Account präsentiert. Die Idee: jeder Nutzer ist sein eigener Programmchef und sieht im Browser-Fenster nur jene Musikvideos, die er auch wirklich sehen möchte.

Bei unserem Test funktionierte das sowohl in der neuesten Version des Internet Explorer, als auch im Firefox problemlos. Einzige Voraussetzung für die Nutzung ist, dass die neuste Version des Flash Players auf dem zu nutzenden PC oder Notebook installiert wurde. Dann steht nach einem Login der breit aufgestellte Fundus von derzeit knapp 20.000 Musikvideos uneingeschränkt zur Verfügung. Von den vier großen Plattenfirmen ist EMI bisher aber noch nicht dabei. Mittelfristig planen die Putpat-Macher mit 50.000 Videos. Dann sollen auch die Clips zahlreicher Independent-Labels abrufbar sein.

Trotz hoher Bandbreiten und reichlich Arbeitsspeicher kommt es beim Abspielen der Videos hier und da allerdings zu kleineren Rucklern. Daran ändert auch die mehrstufig einstellbare Auflösung kaum etwas. Der Audiostream läuft hingegen jederzeit flüssig und ohne Fehler.

Um das eigene Musikvideoprogramm zu starten, steht unter anderem ein eigener Kanal zur Verfügung, der (fast) nur Musik des eigenen Geschmacks abspielt und den Namen seines Nutzers trägt. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet auch die Audio-Webseite last.fm. Einstellungen von dort können bei der Putpat-Registrierung übrigens übernommen werden. Ergänzend dazu sind acht Kanäle nutzbar, deren Inhalt von den Putpat-Machern vorgegeben wird. Hier gibt es zum Beispiel Charts, Rock oder Retro-Sounds.

Auf die Vorgaben kommt es an

Über einen so genannten Veequalizer ist es möglich, das eigene Musik-Programm individuell zusammen zu stellen. Bis zu fünf verschiedene Künstler können hier ausgewählt und jederzeit getauscht werden. Der Nutzer legt auf diese Weise sozusagen für den Moment seine persönlichen Favoriten fest. Alternativ können statt der Künstlernamen spezielle Musikrichtungen wie Dance, Hip Hop, Rock oder Indie eingetragen werden. Als weitere Option sind alle Tracks in spezielle Stimmungs-Kategorien eingeordnet. Zum Beispiel "Party", "Ausgeglichen" oder "Aggressiv".

Mit Hilfe überdimensionaler Schieberegler wird über ein digitales Mischpult bestimmt, welche der fünf Vorgaben stärker und welche weniger Berücksichtigung finden sollen. Darf es zum Beispiel etwas mehr Dance-Musik sein, wird der entsprechende Regler weit nach oben in Richtung 100 Prozent geschoben. Und wenn zwischendurch auch immer mal wieder beispielsweise ein Track von R.E.M. im Putpat-Player landen soll, wird der entsprechende Regler auf einen Wert von etwa 20 Prozent gestellt. Mit ein bisschen Übung findet jeder Musikfan so schnell die passenden Einstellungen.

Aus den ausgewählten Favoriten mischt Putpat schließlich einen bunten Mix an Musikvideos zusammen und spielt sie nacheinander in voller Länge ab. Dabei kommen nicht nur aktuelle Videos zum Einsatz, sondern zum Teil auch Clips, die schon vor einigen Jahren aktuell waren. Das sorgt nicht nur bei Musikfans für Freude, sondern kann zum Beispiel auch auf Partys zu einer netten Unterhaltung werden.

Werbung oder Grundgebühr

Der Spaß könnte aber etwas getrübt werden, wenn in Zukunft Werbung zwischen den Clips geschaltet wird. Derzeit ist das noch nicht der Fall, sei aber im Anschluss an die Beta-Phase fest eingeplant, wie Managing Director Tobias Trosse gegenüber onlinekosten.de erklärte. Wer keine Werbung sehen will, soll die Möglichkeit haben, eine monatliche Grundgebühr für die putpat-Nutzung zu zahlen. Im Gegenzug verzichtet Putpat auf die Schaltung von Werbeunterbrechungen.

Und wenn einmal ein Clip abgespielt wird, der so gar nicht den Geschmack des Putpat-Nutzers trifft, reicht ein Klick auf einen "Verbannen"-Button und er wird nach Angaben der Macher nie wieder in den persönlichen Playlisten auftauchen. Sollte sich der Musikgeschmack einmal ändern, ist es jederzeit möglich, verbannte Tracks wieder zu reaktivieren.

Tracks bewerten

Ferner ist es möglich, allen Clips eine Wertung zu verpassen. Auch dahinter steckt nicht nur eine Spielerei für zwischendurch, sondern eine spezielle Funktion: je häufiger eine Wertung abgegeben wird, desto schneller soll der Putpat-Player lernen, welche Musik sein Nutzer mehr mag und welche weniger. Beliebte Songs werden dann häufiger abgespielt als jene, die eine schlechte Wertung erhalten haben.

Und wenn es mal schnell gehen soll, kann direkt zum nächsten Clip gesprungen werden. In die umgekehrte Richtung funktioniert das allerdings nicht und auch eine Wiederholung oder Unterbrechung der Musikvideos ist nicht möglich. Dafür gibt es zu jedem Künstler eine spezielle Hintergrundseite mit Biografie (nicht immer auf Deutsch) und Links zur Künstler-Homepage sowie auf den MP3-Store von amazon.de.

Was bis hier positiv klingt, hat aber doch einen Nachteil. Zwar kann Putpat auf ein breit aufgestelltes Angebot an Musikvideos zurückgreifen, noch sind aber von vielen namhaften Interpreten keine Clips verfügbar. Bei unserem Test haben wir beispielsweise vergeblich versucht, Songs von Lily Allen, Peter Fox, Blank & Jones, Janet Jackson, ATB oder Depeche Mode abzuspielen.

Und trotzdem: putpat.tv macht richtig Spaß und ist eine nette Alternative zum mühsamen Zusammensuchen von Videoclips auf den bekannten Videoportalen. Abzuwarten bleibt, wie häufig in Zukunft Werbung eingeblendet wird, um das Angebot finanzieren zu können.

Zunächst weiter ein geschlossener Benutzerkreis

Und wie geht es weiter? Spätestens im Sommer soll es allen Interessenten möglich sein, das Angebot nach einer Registrierung sofort zu nutzen. Bis dahin geht es zunächst in einem geschlossenen Benutzerkreis weiter. Wir haben allerdings Dank freundlicher Unterstützung von putpat.tv an dieser Stelle die Möglichkeit, 100 Putpat-Zugänge zur Verfügung zu stellen. Einfach über das nachfolgende Widget anmelden und Spaß haben.

(Hayo Lücke)

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