Testbericht

Praxistest: Der Cowon A3 als mobiler Fernseher

"Extreme Portable Media Player" nennen die Koreaner ihr neuestes Multimedia-Flaggschiff. Der Taschenspieler A3 kann mit allen Audio- und Videosignalen jonglieren. Für zusätzliche Abwechslung sorgt das DVB-T-Modul.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
13,3 Zentimeter breit, 7,9 Zentimeter hoch und 2,2 Zentimeter flach – so klein kann Fernsehen sein. Der Cowon A3 hat die Nachfolge des A2 angetreten, der im Jahr 2006 mit dem IF Product Design Award ausgezeichnet wurde. Der koreanische Hersteller hat trotz der alten Optik den Player mächtig aufgewertet: Die Software wurde verbessert, der Funktionsumfang erweitert und der verfügbare Speicherplatz vergrößert. Ein optional erhältliches DVB-T-Modul verwandelt ihn in einen vollwertigen TV-Ersatz, zudem arbeitet im Inneren des Taschenspielers nun ein leistungsfähiger TI Davinci Chip-Satz. Dass Cowon von seinem A3 überzeugt ist, steht außer Frage, immerhin belässt es das Unternehmen nicht länger bei der Bezeichnung "Portable Media Player" (PMP), sondern setzt wie selbstverständlich ein "Extreme" davor. Wie "extrem" der A3 wirklich ist, hat die Redaktion von onlinekosten.de in einem Praxistest herauszufinden versucht.

Keine Anschlussprobleme

Typisch für den A3 ist seine multimediale Funktionsvielfalt. Kein Wunder also, dass Cowon den Player mit reichlich Schnittstellen gesegnet hat. Auf der linken Seite befinden sich der Kopfhörereingang und der Anschluss für das Netzteil. Unter einer diskreten Kunststoffklappe kommen zudem ein AV-Aus- und Eingang sowie ein Comp/S-Videoanschluss für die Wiedergabe und Aufnahme zum Vorschein. Zum Datentransport vom Computer und zurück dient eine USB 2.0-Schnittstelle. Auf der oberen Seite befinden sich ein integriertes Mono-Mikrofon und zwei kleine Lautsprecher, die jedoch ein wenig schwach auf der Brust sind.

Multimedial brillant

Auffallend ist sein kristallklares Display, das auch bei beträchtlicher Umgebungsbeleuchtung noch ein hervorragendes Kontrastverhältnis zu bewahren weiß. Der vier Zoll große TFT-Bildschirm verfügt über eine Auflösung von 800x480 Bildpunkten und bietet damit ein komfortables 16:9-Breitbildformat. Für ein streifenfreies Filmerlebnis hat Cowon die Pixelgröße auf je 0,108 Millimeter reduziert, die 16,7 Millionen darstellbaren Farben sorgen dabei für die richtige Brillanz des Bildes. Damit es zu keinen Kompatibilitätsproblemen kommt, hat der A3 bis zum HD- Videokompressionsverfahren H.264 eine ganze Reihe von Video-Codecs mit an Bord und spielt unter anderem AVI, WMV, ASF, MP4, OMG und MTV. Theoretisch kann der Player HD-Filme mit einer Auflösung von bis zu 1280x720 ruckelfrei wiedergeben.

Wem der Bildschirm auf die Dauer zu klein ist, der kann alternativ die Videosignale per Component-Output verlustfrei an einen Fernseher senden lassen. Dies ist auch umgekehrt möglich: Von einer beliebigen Quelle (DVD-Player, Camcorder oder Videorekorder) werden Videos ohne Qualitätsverlust direkt auf den Cowon aufgenommen – per Knopfdruck sofort oder später per Timer. Der A3 wandelt das Signal simultan in eine MP4-Datei um. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ohne das DVB-T-Modul wäre der Cowon A3 ein solider – und vor allem auch teurer – Multimedia-Player. Bei einer offiziellen Preisempfehlung von 349 Euro (für die 30 GB-Variante) sollten Käufer in der Lage sein, noch einmal rund 80 Euro für den kleinen Empfänger zu investieren. Erst dann ist der Cowon das, was die Gebühreneinzugszentrale allgemeinhin unter dem Begriff eines "empfangsbereiten Gerätes" verstehen würde: Ein vollwertiger Miniaturfernseher, der einem überall zur Verfügung stehen kann. Das Modul von der Größe einer Streichholzschachtel wird in die USB-Buchse auf der linken Seite gesteckt, die flexible Gelenkantenne kann beliebig bewegt werden – eine etwas sperrige Lösung, denn je nach Empfangslage ist der Nutzer darauf angewiesen, seinen Player während des TV-Kosums permanent in den Händen zu halten. Auf flachen Unterlagen zwingt die Antenne den A3 in eine schiefe Position.

DVB-T nur gegen Aufpreis

Doch davon einmal abgesehen: In Sachen Fernsehtauglichkeit braucht der A3 nicht den Vergleich mit seinen großen Brüdern scheuen. Ein kompletter Kanal-Scan dauert etwa fünf Minuten, dann erscheint eine Liste mit allen empfangbaren Sendern. Je nach Wunsch kann das Seitenverhältnis angepasst werden, auf Knopfdruck zeigt der Player (wenn verfügbar) Untertitel, ein weiterer Drücker und die Audiospur wechselt. Auf Wunsch kann der der A3 das laufende Programm jederzeit mitschneiden. Damit man auch immer weiß, was die bunte Fernsehwelt zu bieten hat, hat Cowon gleich einen Programmplaner, einen Electronic Program Guide (EPG), in den TV-Client integriert. Praktisch: Wenn man andere Funktionen des Players nutzen möchte, können die Fernsehinhalte weiterhin im Hintergrund angezeigt werden.

Ungeschlagener Tonkünstler

Im Praxistest konnte der A3 bei der Bildqualität punkten – nicht minder brillant geht es beim Ton weiter. Schon in der Vergangenheit haben die Koreaner immer wieder ihren Sinn für feine Töne bewiesen und auch bei diesem Gerät verhält es sich nicht anders. Mit an Bord sind ein Zehn-Band-Equalizer (sieben Einstellungen sind dabei bereits vorgegeben) und eine ganze Batterie an Sound-Effekten wie dem Sound-Optimierer BBE, Mach3Bass, MP3 Enhance und 3D Surround. Dabei unterstützt der Player den Frequenzbereich von 20 Hertz bis 20 Kilohertz. Von ASF über MP3 bis hin zu OGG, WMA und WAV. Das alles sind verwöhnte Tonenthusiasten von Cowon bereits seit langem gewöhnt. Wirklich neu jedoch ist die Aufnahmefunktion, die zum ersten Mal in einem PMP auf die Audiodatenkompression via Free Lossless Audio Codec (kurz: FLAC) setzt. Damit ist es möglich, völlig verlustfrei Tonsignale vom CD-Player, einer Minidisc oder vom Schallplattenspieler auf der integrierten Festplatte einzufangen. Vor allem aber auch Musikbands dürften von diesem Verfahren profitieren. Unzweifelhaft gehört die Wiedergabe von Audio- und Videodateien zu den absoluten Stärken des Cowon A3. Doch daneben gibt es noch eine Reihe weitere Funktionen, die den Player nicht nur zu einem unterhaltsamen, sondern auch funktionalem Stück Technik machen.

Fotos und Dokumente

Da wäre zum Einen die Bildwiedergabe: Professionelle Fotografen können den Player dank USB-Hosting-Funktion für das Zwischenspeichern ihrer Bilder nutzen. Die Fotoergebnisse können per Zoom-Funktion direkt auf dem Display überprüft werden. Zu den unterstützten Formaten zählen JPG, GIF, PNG, TIF, BMP und das Rohdatenformat RAW.

Darüber hinaus kann der A3 auch zum Betrachten diverser Dokumente benutzt werden. Alle druckbaren Formate wie PDF, DOC, PPT, XLS und auch HTML werden im CSD-Viewer entsprechend aufbereitet und angezeigt.



Abzüge: Bedienung und Akkulaufzeit

Deutliche Abzüge muss der Player hingegen in puncto Bedienung einstecken. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, dem Cowon Q5W, verfügt der A3 über keinen Touchscreen, der eine einfache Steuerung per Fingereingabe erlauben würde. Stattdessen haben die Koreaner dem Gerät einen Mini-Joystick verpasst, mit dem man zugleich durch die Menüs navigiert und per leichten Druck von oben Programme aufruft. In der Praxis gestaltet sich der Start einzelner Anwendungen zum Geduldsspiel: Nicht selten verrutscht der markierte Menüeintrag in letzter Sekunde und anstelle des TV-Clients öffnet sich die Einstellungskonsole. Unter einer "intuitiven" Bedienung hätte man etwas anderes erwartet. Einen weiteren Wermutstropfen steuert das Energiemanagement bei: Bei einem voll aufgeladenen Akku soll die Batterieleistung für bis zu zehn Stunden Audiogenuss reichen – im Praxistest machte der Player jedoch schon nach etwas mehr als acht Stunden schlapp. Ähnlich verhält sich die Lithium-Polymer-Zelle im Videoeinsatz: sieben Stunden sind die Vorgaben des Herstellers. Tatsächlich brachte es der A3 nur auf etwas weniger als sechs Stunden. Die ist vor allem dann ärgerlich, wenn man bedenkt, dass der Cowon später zum Aufladen für rund fünfeinhalb Stunden wieder an die Steckdose angeschlossen werden muss. Käufer des Players müssen also mit einer eingeschränkten Mobilität rechnen – oder Vorsorge treffen und das Netzgerät stets dabei haben.

Fazit

Der Cowon A3 ist ein Profi auf seinem Gebiet – keine Frage. Die Brillanz des Bildes ist beeindruckend, die Qualität des Tones - verglichen mit dem Angebot der Konkurrenz - bis heute ungeschlagen. Dazu kommt die Möglichkeit, zu jeder Zeit und an jedem Ort einen vollwertigen Fernsehempfänger zur Hand zu haben. Kurz: Der Cowon ist ein nützlicher Helfer für Film- und Sound-Ästheten, aber auch für Fotografen, die ihn als Kontroll- und Speicherinstrument für geschossene Fotos einsetzen können. Doch dafür müssen die Nutzer des Elite-Spielers auch einiges auf den Tisch legen. Damit der A3 richtig Spaß macht, wären das rund 430 Euro – in der kleinen 30-GB-Ausgabe, versteht sich. Doch leider wirkt sich nicht alleine der Preis abschreckend bei der Kaufentscheidung aus. Da wären ja noch die leicht hakelige Bedienung und die ausbaufähige Akkulaufzeit. Beides erwies sich im Praxistest als nicht gerade förderlich für eine Flexibilität im Alltag. Darüber sollte man sich also vor der Anschaffung im Klaren sein.

Name: Cowon A3
Hersteller: Cowon
Internet: www.cowon-germany.com
Preis: 30 GB: 349 Euro, 60 GB: 399 Euro
DVB-T-Modul: 80 Euro
Technische Daten:
Schnittstelle: USB 2.0, USB 1.1
Speicher: 30, 60 GB HDD
Abmessungen: 13,3 x 7,8 x 2,2 Zentimeter
Gewicht: ca. 300 Gramm
Dateiformate: Audio: MP3, WMA, ASF, OGG, WAV, FLAC, AAC
Video: AVI, ASF, WMV, MP4, MPG, VOB, DAT, MTV,
Bilder: JPG, BMP, PNG, NEF, TIF, RAW
Lieferumfang: Player, Ohrhörer, USB-Kabel, AV-Kabel, S-Video-RGB-TV-Kabel, USB-Host-Kabel, Netzteil, Software-CD, Kurzanleitung
Besonderheiten: Optionales DVB-T-Modul, USB-Hosting-Funktion, AV-Ausgang für den Anschluss an den Fernseher
Pro & Contra:
brillante Bild- und Tonqualität
umfangreiche Formatunterstützung
Exzellente Aufnahmefunktionen für Audio und Video
solide Verarbeitung
leicht hakelige Bedienung
relativ kurze Akku-Laufzeit
hohe Anschaffungskosten
Bewertung:
Klang und Bild (30%): sehr gut
Laufzeit (20%): ausreichend
Funktionsumfang (15%): gut (mit DVB-T-Modul)
Bedienung (15%): ausreichend
Formatunterstützung (10%): sehr gut
Gewicht/Maße (10%): gut
Gesamtnote: gut (2,3)
Preis-Leistung: befriedigend

(André Vatter)

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