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Prada Phone by LG 3.0 im Test

Das von LG gefertigte Smartphone mit spezieller Menü-Oberfläche im Prada-Design kann mit einem breiten Umfang an Technik-Features punkten. Es gibt aber auch Schwachstellen.

LG Prada phone 3.0© LG

Ein Smartphone dient in vielen Fällen nicht nur als Statussymbol, sondern auch als eine Art Fashion-Produkt. LG Electronics versucht das nicht nur durch attraktive Design-Elemente zu untermauern, sondern arbeitet auch mit namhaften Modelabels zusammen. Neben dem Jil Sander Mobile auf Basis von Windows Phone bietet das südkoreanische Unternehmen auch Telefone im Namen von Prada an - mit installiertem Android-Betriebssystem. Wir haben uns das so genannte Prada Phone by LG 3.0 genauer angeschaut.

Hübsche Front, enttäuschende Rückseite

Die generelle Intention von LG ist bei diesem Modell, ein Smartphone anzubieten, das als echte Multimedia-Maschine verwendet werden kann. Und auch wenn diese Idee an vielen Stellen erfolgreich umgesetzt wurde, bleibt festzuhalten: wie beim Jil Sander-Telefon hat LG auch beim neuesten Prada-Gerät an einer hochwertigen Verarbeitung gespart. Wer das Telefon in den Händen hält, hat nicht das Gefühl, ein Luxus-Produkt bedienen zu dürfen. Wieder einmal steht eine Plastik-Verarbeitung im Mittelpunkt, die sich ziemlich billig anfühlt und so ungefähr alles vermitteln kann, aber ganz sicher keinen hochpreisigen Gesamteindruck.

Schade ist das vor allem vor den Hintergrund, dass die Front mit Glas-Display und Prada-Schriftzug einiges hermacht. Das allein reicht aber nun einmal nicht aus und so wird der positive Eindruck der Vorderseite von einer billigen Kunststoff-Abdeckung auf der Rückseite zerstört - trotz Leder-Optik, die LG Saffiano-Dekor nennt. Hauptkritikpunkt: die Rückseite bietet einfach keine anschmiegsame Haptik. Für die Zukunft hoffen lässt aber die Tatsache, dass LG auch an diesem "Problem" gearbeitet hat. Beim LG Optimus True HD LTE kommt beispielsweise eine neue Oberfläche zum Einsatz, die sich richtig gut anfühlt.

Auf Hochglanz wurde der schmale Rand poliert, der wenige Millimeter auf der Front zu sehen ist und komplett an den Seiten verbaut wurde. Im Originalzustand sieht das ohne Zweifel toll aus. Wenn das Prada Phone aber ohne Schutzhülle den Alltag meistern muss, ist die Gefahr recht groß, dass Gebrauchsspuren in Form von Kratzern oder größeren Macken sichtbar werden.

Design-Tasten auf der Kopfseite

Richtig stilvoll präsentiert sich das Telefon auf der Kopfseite. Denn hier ist nicht nur der Audio-Eingang zum Beispiel für ein Headset zu finden, sondern auch ein Micro-USB-Anschluss, der als Ladeanschluss genutzt und durch eine Schiebevorrichtung vor Schmutz- und Staubpartikeln geschützt wird. Außerdem wurden zwei runde, physische Tasten integriert. Einerseits ein Knopf zum Ein- und Ausschalten des Telefons, aber auch - und das ist ungewöhnlich - eine Kamerataste. Wollte man es kurz machen, könnte man sagen, dass dieser Knopf an eben dieser Stelle völlig fehl am Platz ist. Wir wollen aber aus Sicht eines Rechtshänders auch verraten, warum.

Eine separate Kamerataste hat den Sinn, im Foto- und Videomodus als Auslöser zu dienen. Das funktioniert bei diesem Smartphone gut, wenn es waagerecht mit der Kopfseite nach rechts gehalten wird. Dann werden die beiden Lautstärke-Regler an der linken Flanke für die Regulierung des integrierten Digitalzooms verwendet und die Kamerataste mit dem rechten Zeigefinger bedient. Das Problem ist nur: die Software spielt nicht mit. Denn trotz aktiviertem Bewegungssensor steht das Menü mit all seinen Auswahlpunkten auf dem Display im wahrsten Sinne des Wortes Kopf.

Kamera-Bedienung mit Tücken

Nun wäre es einfach, zu sagen: Smartphone drehen und glücklich sein. Doch dann muss die Kamerataste mit dem Ringfinger (!) ausgelöst werden und das ist alles andere als komfortabel. In der horizontalen Verwendung rotiert das Kamera-Menü übrigens zuverlässig in die richtige Ausrichtung. Die Kamerataste ist dann mit dem linken Zeigefinger zu bedienen, deutlich angenehmer ist aber, den virtuellen Auslöser auf dem Smartphone-Display zu drücken. Aus technischer Sicht betrachtet ist das Prada-Telefon mit einer 8 Megapixel starken Kamera ausgestattet, deren Autofokus und Kameralicht zuverlässige Arbeit verrichten und deren Linse im Fotomodus auch bei Nahaufnahmen gute Ergebnisse liefert. Im Videomodus sind Aufnahmen nicht nur in klassischem HD (720p), sondern erfreulicherweise sogar in Full HD (1.080p) möglich. Dann jedoch arbeitet der Autofokus weit weniger akzeptabel. Im Grunde macht die Videofunktion nur in der freien Natur bei Panoramaaufnahmen so richtig Spaß.

Wer trotzdem viele Videos dreht und ggf. auch MP3-Dateien auf dem Telefon speichern möchte, sollte sich auf jeden Fall eine MicroSD-Karte besorgen, um den Speicher zu erweitern. Der fasst nämlich nur 8 Gigabyte, wovon aber nur 6 Gigabyte zur freien Nutzung zur Verfügung steht. Der Rest wird vom Betriebssystem belegt. Apropos Betriebssystem: zum Einsatz kommt nicht die neueste Android-Version 4.0 Ice Cream Sandwich, sondern der Vorgänger 2.3.7 Gingerbread.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass das vorinstallierte Hauptmenü und die Widgets auf den bis zu sieben Startseiten in Schwarz-Weiß daher kommen - nach Angaben von LG ein exklusives Prada-Design. Verknüpfungen mit Google-Diensten und heruntergeladene Apps präsentieren sich hingegen in knalligen Farben. Etwas störend ist das vor allem auf den Startseiten, wenn diese angepasst und vorinstallierte Anwendungs-Verknüpfungen mit heruntergeladenen App-Verweisen auf einer Seite sichtbar werden.

Rundum ordentliche Performance

Für eine weitgehend ruckelfreie Bedienung sorgt ein Dual Core-Prozessor, der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang aber, dass LG dem Telefon satte 1 Gigabyte Arbeitsspeicher spendiert hat. Durch das Menü wird über ein 4,3 Zoll (10,9 Zentimeter) großes Display navigiert, dessen Auflösung bei soliden 800 x 480 Pixeln liegt. Die Helligkeit lässt sich wahlweise manuell einstellen oder automatisch über einen Helligkeitssensor regulieren.

Nutzbar ist das neue LG Prada-Telefon in GSM-Netzen (Quadband) und überall dort, wo ein UMTS-Netz in den Frequenzspektren um 900, 1.900 bzw. 2.100 Megahertz eingesetzt wird. Mobile Datenverbindungen sind auf Basis von HSPA+ mit bis zu 21,1 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Download möglich, Uploads erfolgen über HSUPA mit bis zu 5,7 Mbit/s. Ergänzend steht eine WLAN-Schnittstelle zum Einsatz bereit, die sich im Stand-by-Betrieb komplett abschaltet.

Gut zu bedienende QWERTZ-Tastatur

Grundsätzlich Spaß macht die zuverlässig reagierende virtuelle QWERTZ-Tastatur. Sie ist sowohl im Hoch- als auch im Querformat nutzbar und mit ausreichend großen Tasten versehen worden. Dadurch ist auch bei längeren Texten eine komplikationslose Bedienung möglich. Aber: selbst wenn in den Telefon-Einstellungen die Tastentöne ausgeschaltet werden, sind sie trotzdem zu hören. Insbesondere in Bus und Bahn ist das nicht nur für den Benutzer selbst störend. Um das Klackern zu vermeiden, muss zusätzlich eine Deaktivierung in den Einstellungen der LG-Tastatur vorgenommen werden.

Positiv anzumerken ist, dass LG dem knapp neun Millimeter flachen Prada-Smartphone auch einen NFC-Chip spendiert hat. Zwar gibt es hierzulande noch nicht viele Möglichkeiten, ihn einzusetzen, in Zukunft wird es aber immer mehr Möglichkeiten geben, zum Beispiel bargeldlos zu bezahlen. Heute ist das zum Beispiel schon an Touch & Travel-Punkten bei der Deutschen Bahn möglich.

Fazit: Viele Funktionen, aber Schwächen im Design

Wer heute ein neues Smartphone kauft, erwartet von dem Gerät in der Regel nicht nur viele Funktionen, sondern auch eine ansehnliche Optik. Während LG den Funktionsumfang des Prada Phone by LG 3.0 auf ein rundum ordentliches Level gehoben hat, gibt es für die Verarbeitung in diversen Punkten Abzüge. So liegt die Akku-Abdeckung zum Beispiel nicht flach auf, sondern steht einige Millimeter ab, damit die integrierte Kamera mit der gesamten Rückseite auf einer Ebene liegt. Wer sich trotzdem für das Prada-Smartphone entscheidet, sollte auf jeden Fall die bereitstehenden Updates installieren (Einstellungen > Telefoninfo > Software Update).

Preislich rangiert das Telefon im oberen Mittelfeld der Smartphone-Liga. Im Online-Fachhandel ist es zu Preisen ab knapp 340 Euro zu haben. Amazon verkauft das Gerät sogar für rund 496 Euro (Stand: Mitte Mai 2012). Das ist gemessen an der eher billigen Verarbeitung und dem inzwischen als veraltet geltenden Gingerbread-Betriebssystem zu viel. Auch wenn die technischen Aspekte - insbesondere der helle und kontraststarke Bildschirm und die insgesamt gute Telefon-Akustik - überzeugen können. Abzüge gibt es allerdings für den schwachen Akku mit einer Kapazität von 1.540 mAh, der im Testbetrieb im o2-Netz in der Regel nicht viel länger als 12 bis 14 Stunden durchhielt.

Name: Prada Phone by LG 3.0 (P940)
Hersteller: LG
Internet: www.lge.de
Preis: ab ca. 340 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.3.7 Gingerbread
Prozessor: 1,0 GHz Dual Core
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: Standard-SIM
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 128 x 69 x 9 Millimeter
Gewicht: 140 Gramm
Display: 4,3 Zoll, 800 x 480 Pixel, 16,7 Millionen Farben
Speicher: 8 GB intern (über MicroSD erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, NFC
Digitalkamera: 8 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, HD-Videofunktion (1.080p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, Datenkabel
SAR-Wert: 0,32 W/kg (sehr gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth (Version 3.0), RDS-Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, NFC
Akkulaufzeit im Test: 4-5 Stunden Sprechzeit
12-14 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
ordentliche Performance
sehr gute Akustik
gute Kamera
starkes Display
wenig werthaltige Plastikrückseite
schwacher Akku
Kamerataste für Rechtshänder fast nutzlos
keine Status LED
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (2,3)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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