Testbericht

Playstation Portable auf dem Prüfstand

Der neue Spiele-Handheld im Test: Die PSP gibt auch einen ausgezeichneten Multimediaplayer für Videos, Audio und Bilder ab.

Der neue Spiele-Handheld im Test: Die PSP gibt auch einen ausgezeichneten Multimediaplayer für Videos, Audio und Bilder ab.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Es wird das Jahr der Gamer. Bei Microsoft, Sony und Nintendo steht die nächste Generation der Heimkonsolen schon in den Startlöchern. Zuerst steht für deutsche Zocker aber eine echte Neuheit an. Am 1. September kommt Sonys Spiele-Handheld Playstation Portable, kurz PSP, in die Läden. Wir haben das Ding schon jetzt in die Finger bekommen.

Importgeschäft boomt

In Japan und den USA ist die Mini-Konsole schon seit Ende des letzten (Japan) beziehungsweise Anfang dieses Jahres (USA) erhältlich und verkauft sich in beiden Ländern blendend. In Europa boomt derweil das Importgeschäft mit der neuen Plattform. Viele Zocker wollen nicht bis September warten und organisieren sich schon jetzt eine asiatische PSP samt Software. Da das Gerät keine Regio-Codes bei Spielen abfragt, sind später auch deutsche Spiele problemlos mit den ausländischen Versionen der PSP kompatibel.

Ausstattung

In der Mini-Konsole werkelt eine eigens für die PSP entwickelte CPU mit einer Taktfrequenz von 333 Megahertz. Das 260 Gramm schwere Gerät (inklusive Akku) ist mit 32 Megabyte Arbeitsspeicher und vier Megabyte Grafikspeicher ausgestattet. Neben einem Kopfhöreranschluss steht für die Audio-Wiedergabe ein integrierter Stereo-Lautsprecher zur Verfügung. Die Verbindung zu anderen Geräten ist via USB-2.0-Anschluss (Typ B), Infrarot-Schnittstelle und eingebautem WLAN-Adapter auf Basis des IEEE 802.11b Standards möglich.


Fotos: onlinekosten.de


Eine Festplatte hat nicht mehr in den 170 mm (L) x 74 mm (W) x 23 mm (D) großen Spiele-Handheld gepasst. Speicherstände und andere Daten müssen auf Memory Sticks gespeichert werden, die in die PSP eingesteckt werden können. Ohne Netzteil kann der eingebaute Lithium-Ionen-Akku die PSP je nach Anwendung zwischen vier und sechs Stunden unterwegs betreiben.

Als Datenträger für Spiele und Filme verwendet Sony bei der PSP so genannte UMDs (Universial Media Disk), die aber nur lesefähig sind. Die Discs haben einen Durchmesser von 60 mm und ein maximales Speichervolumen von 1,8 Gigabyte.

Spieletauglich

Auf Spieletauglichkeit testeten wir die Mini-Konsole mit den beiden Titeln "Tony Hawk’s Underground 2" und "Ridge Racer". Bei beiden Games beeindruckte uns die scharfe und flüssige Grafikdarstellung, die der PC-Grafik schon sehr nahe kommt. Überzeugt haben auch die detaillierten Spiegelungen und Schatten-Effekte sowie die Audio-Qualität, die trotz der kleinen Lautsprecher als gut zu bezeichnen ist.

Gesteuert werden die Spiele über sechs Tasten an der PSP - von denen zwei Schultertasten sind - ein digitales Steuerkreuz und einen analogen Steuerstick. Dieser ist zwar nicht ganz so leichtgängig zu bedienen wie Sticks an handgroßen Gamepads, ist beim Spielen jedoch genauer als die digitale Steuerung.

Schattendasein

Das 4,3 Zoll große Display im 16:9 Format hat eine Auflösung von 480 x 272 Pixel und kann 16,77 Millionen Farben darstellen. In punkto Helligkeit kann man eine von vier Gamma-Stufen wählen: 80 cd/m², 130 cd/m², 180 cd/m² und 200 cd/m², wobei letzte Einstellung nur bei Netzbetrieb wählbar ist. Leider spiegelt das Display um so stärker, je niedriger man die Helligkeit wählt. Bei sonnigem Wetter sind Details auch im Schatten nur mit höchster Helligkeit gut zu erkennen.


Fotos: onlinekosten.de


Unter direkter Sonneneinstrahlung empfanden wir die PSP sogar als komplett untauglich zum Spielen. Ein Manko also, bedenkt man, dass der Spiele-Handheld primär für den Einsatz unterwegs entwickelt wurde.

Die PSP ist neben ihrer Haupteigenschaft als Spielekonsole ein hervorragender Mediaplayer. Via USB 2.0 können Musik-, Film- und Bilddateien vom Computer auf die PSP überspielt und wiedergegeben werden. Das Gerät versteht Musik-Dateien in den Formaten MP3, ATRAC3plusTM, PCM, MPEG4 AVC und Video-Dateien in den Formaten MPEG4 AVC, ATRAC3plusTM, Caption PNG, MP4.

Multitalent

Videos in den gängigen AVI- und MPEG-Formaten sind leider nicht kompatibel, können aber mit dem kostenlosen Tool PSP Video 9 per Knopfdruck in das MPEG4-Format konvertiert werden. Die MPEG4-Clips brauchen dann mehr Speicherplatz, was sich problematisch auswirkt, wenn man ganze Spielfilme auf dem Sony-Gerät anschauen will. Denn heutige Memory Sticks haben ein maximales Fassungsvermögen von einem Gigabyte – und diese kosten dann auch um die 100 Euro. Je nach Filmlänge reicht dieser Platz nicht aus, sodass sich eher kurze Clips zum Anschauen anbieten.

In Japan und den USA verkaufen sich mittlerweile aktuelle Spielfilme auch auf UMD gut. Anders als bei Spielen sind die Filme jedoch mit Regional-Codes gesichert. Importierte amerikanische Konsolen werden nach dem Deutschland-Launch keine deutschsprachigen Filme abspielen können, die japanischen Geräte haben hingegen den gleichen Regio-Code wie die kommenden europäischen Geräte.

Ruckelfrei

Die konvertierten Videos gibt die PSP in beachtlich guter Qualität wieder. Bei unserem Test wurden alle Clips ohne Fehler ruckelfrei abgespielt, die Rechen- und Grafikleistung reicht also aus. Bei der Wiedergabe stehen Spul- und Zeitlupen-Funktionen ebenso zur Verfügung wie etwa die Bildschirmanpassung auf das 16:9-Format. Auch direkte Sprünge zu einem bestimmten Timecode sind möglich.

Bei der Wiedergabe von Audio-Dateien stehen ebenso viele Funktionen und Modi zur Verfügung, sodass die PSP-Software einem Media-Player auf dem PC sehr nahe kommt. Gespeicherte Bilder auf der PSP kann man sich in einer Diashow wiedergeben lassen, in die einzelnen Bilder hereinzoomen oder sie drehen.

Die PSP ist zwar mit einem Wireless-LAN-Adapter ausgestattet, hat jedoch keinen integrierten Internet-Browser. Zunächst ist der drahtlose Funk nur für Multiplayer-Spiele ausgelegt. Leider konnten wir mit nur einer Konsole nicht testen, wie gut sich die Konsolen gegenseitig im Netz finden.

Netzstation

Eine Verbindung zu einem Access Point konnten wir hingegen problemlos herstellen. Dabei ist der Handheld nicht nur auf offene Netze angewiesen. Manuell können für den Netzzugang IP-Adresse und WEP-Passwort konfiguriert werden, um Zugang auch zu verschlüsselten Netzwerken zu erhalten. Beim Multiplayer-Spiel können Gamer selber entscheiden, ob sie über einen Access Point miteinander spielen oder die Konsolen über den Ad-Hoc-Modus direkt miteinander verbinden. Offene Ports, also Sicherheitslücken, konnten wir bei der PSP übrigens nicht finden. Auch der Datentausch zwischen PC und PSP ist via WLAN nicht möglich.

Ein Internet-Browser samt E-Mail-Client soll später folgen und ist auch in den USA und in Japan noch nicht erhältlich. Jedoch fanden PSP-Nutzer heraus, wie man mit einem kleinen Trick schon jetzt durch das World Wide Web surfen kann. Das Surf-Vergnügen soll jedoch auf dem kleinen Display nur mäßig sein.

September geht’s los

Die PSP kommt in Deutschland erst am 1. September für rund 250 Euro auf den Markt, der Preis für europäische Spiele wird auf etwa 40 bis 50 Euro geschätzt. Von Beginn an sollen nach offiziellen Angaben rund 40 Spiele und 15 Filme erhältlich sein. Der späte Einführungstermin ist auf Lieferschwierigkeiten in den USA und Japan zurückzuführen, mit denen Sony derzeit noch zu kämpfen hat.

Interessant ist das angekündigte Zubehör für die PSP. Neben den schon angesprochenen Online-Tools soll definitiv auch ein DVB-T-Adapter angeboten werden. Damit könnte man dann ohne Mehraufwand auch unterwegs fernsehen. Weiterhin sollen eine Tastatur, eine Kamera und ein GPS-Modul angeboten werden. Wird die PSP dann noch zu einem Navigationssystem? Wir werden sehen.

(Filip Vojtech)

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