Testbericht

Touchlet X2G Test: Tablet-PC mit Navi für 199 Euro

Versandhändler Pearl steigt mit dem Touchlet X2G ins das Tablet-PC-Geschäft ein: Die Ausstattung kann sich mit Android 2.2 und einer Navifunktion sehen lassen. Unser Test klärt, was der günstige Tablet-PC taugt.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Tablet PCs liegen im Trend. Kaum ein Hersteller, der nicht einen Tablet-PC auf den Markt gebracht hat. Wie Netbooks scheinen die leichten Geräte viele PC-Nutzer anzusprechen. Auch der Versandhändler Pearl steigt mit dem Touchlet X2G ins das Tablet-PC-Geschäft ein. Was als erstes auffällt, ist trotz der guten Ausstattung der günstige Preis. Ob sich das Touchlet X2G nun in die Kategorie "billig" oder doch eher "preisgünstig" fällt, klärt unsere Redaktion im folgenden Test.

Guter erster Eindruck

Die Verarbeitung kann auf den ersten Blick überzeugen. Das Gerät liegt gut in der Hand, die gummierte Oberfläche sorgt für einen sicheren Griff, die Spaltmaße stimmen. Auch die Knöpfe machen einen soliden Eindruck. Das Touchlet X2G bietet einen resistiven 7-Zoll-Bildschirm, reagiert also auf Druck statt auf Spannungsänderungen. Das Display liefert eine Auflösung von 800x480 Pixel. Die Maße des Tablets betragen 209x114x16 Millimeter, insgesamt bringt das Touchlet knapp 400 Gramm auf die Wage. Als Betriebssystem werkelt Android 2.2 (Froyo), angetrieben von einem 800-MHz-Prozessor. Der Arbeitsspeicher (SDRAM) ist 256 Megabyte groß. WLAN nach dem 802.11 b/g Standard ist natürlich auch an Bord.

Die Ausstattung ist umfangreich ausgefallen: Unser Testmodell X2G für 199 Euro bietet gegenüber dem Touchlet X2 (169 Euro) zusätzlich Bluetooth, einen GPS-Empfänger und Kartenmaterial zur Navigation in Deutschland. Gegen 30 Euro Aufpreis gibt es auch Karten für Westeuropa, für 50 Euro für 43 europäische Länder. Für die Videotelefonie wurde eine Webcam installiert, deren Qualität aber als bescheiden einzustufen ist und sich aufgrund des mangelnden Autofokus nicht für weitere Aufgaben wie die Auswertung von QR- oder Barcodes eignet. Via MicroSD-Karte kann der interne 2-Gigabyte-Speicher um bis zu weitere 32 Gigabyte aufgestockt werden. Zusätzlich wurde ein USB-Anschluss integriert, mit dessen Hilfe sich komfortabel USB- oder UMTS-Sticks anschließen lassen.

Nach dem Betätigen des Power-Knopfes dauert es circa 40 Sekunden bis das Touchlet einsatzbereit ist und Android vollständig gestartet wurde. Die Bedienung klappt im Großen und Ganzen gut, wer allerdings kapazitive Touchscreens gewohnt ist, wird die Steuerung zunächst als leicht bockig empfinden. Der Beschleunigungssensor macht seine Sache ebenfalls gut und sorgt meist für eine korrekte Darstellung. Jede Drehung dauert aber einen kurzen Augenblick, Darstellungsfehler treten dabei aber nicht auf. Negativ fallen die fehlende Anpassung an einen Tablet-PC auf: Meldungen wie "kein Dienst" auf dem Homescreen oder der Ausdruck "Klingeltonlautstärke" passen nicht so recht ins Tablet-Bild.

Apps

Bei der Installation von Apps zeigt sich das Touchlet eher divenhaft. Der Verzicht auf den original Android Market, bedeutet auch, dass einige Apps nicht auf dem Gerät laufen. Die installierte Alternative App Center kann leider nicht überzeugen, das Angebot ist im Vergleich zum Google Vorbild einfach zu klein. Der Umweg über APK-Dateien funktioniert ebenfalls nicht immer, die Installation wird entweder abgebrochen oder das Programm startet nicht. In unserem Test haben beispielsweise das beliebte Spiel Angry Birds und das Geocaching App c:geo den Dienst verweigert.

Browsen

Das Browsen gestaltet sich komfortabel, der Touchscreen funktioniert genau und der für eine Reaktion nötige Druck hält sich in Grenzen. Da der resistive Touchscreen nur jeweils eine Fingerposition auswerten kann, entfällt das Vergrößern und Verkleinern von Webseiten, Bildern und Co. per Pinch-to-zoom. Die Aufgabe übernimmt ein einfacher Doppelklick, der den Bildschirmtext zuverlässig an das Display anpasst. Weitere Zoomstufen stehen nur über die entsprechenden On-Screen-Buttons zur Verfügung.

Das leidige Thema Flash bereitet auch dem Touchlet X2G Probleme. Flash-Videos kann das Gerät nicht wiedergeben. Abhilfe schafft jedenfalls für YouTube das entsprechende App, das sich allerdings auch nicht im App Center findet, sondern via APK von Hand installiert werden muss. Hier funktioniert allerdings der Beschleunigungssensor nicht korrekt, und zeigt in der Hochansicht das Bild quer.

Als Alleinunterhalter bietet das Touchlet natürlich die Möglichkeit Mp3s abzuspielen, Bilder lassen sich ebenfalls betrachten. Die Klangqualität aus den kleinen Lautsprechern ist ausreichend, Musik hört man – in dieser Geräteklasse üblich – besser über Kopfhörer. Mit der Darstellung von Filmen tut sich das Touchlet schwer. Als Testparcours wählten wir den frei erhältlichen Kurzfilm Big Buck Bunny in verschiedenen Auflösungen. Das Gerät schaffte weder die Datei in 480p (avi) noch in der Auflösung 640x360 (m4v) flüssig darzustellen. Rund lief der Film erst mit winzigen 320x180 Pixeln (mp4). Generell hängt es allerdings stark vom verwendeten Format ab, andere MP4-Videos laufen auch in höheren Auflösungen ruckelfrei.

Bluetooth

Bluetooth-Verbindungen zum Datenaustausch mit anderen Geräten funktionierten reibungslos. Getestet haben wir den Betrieb mit einem LG HB620T und einem LG KP500, das ebenfalls mit Android 2.2 läuft.

GPS & Navigationssoftware

Die mitgelieferte Navigationssoftware NavGear ist schnell installiert, die Anweisungen (auch die gesprochenen) des Programms sind klar und verständlich. Leider fehlt dem Paket für Autofahrer eine entsprechende Halterung für die Windschutzscheibe und ein KFZ-Ladekabel. Beides kann separat oder im Set für 10 Euro beziehungsweise 20 Euro erworben werden.

Akkulaufzeit

Im Test mit permanent eingeschalteten Display lieferte der Akku für vier Stunden Energie. WLAN war dabei aktiviert, die Display-Helligkeit betrug 100 Prozent. Wird WLAN abgeschaltet und die Leuchtkraft heruntergeschraubt, steigert sich der Wert entsprechend. Laut Hersteller hält das Touchlet sechs Stunden während der Videowiedergabe durch.

Fazit: Nichts für Perfektionisten

Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Touchlet X2G stimmt, allerdings krankt das Gerät noch an einigen Kinderkrankheiten, was sich in vereinzelten Abstürzen äußert. Ob sich der Aufpreis für die Navifunktion samt Bluetooth lohnt, muss der Käufer selbst entscheiden. Ein Android-2.2-Tablet inklusive vollständiger Navigation und Kartenmaterial ist für 200 Euro jedenfalls durchaus einen Blick wert. Ohne diese Zusatzfunktion wäre das Preis-Leistungs-Verhältnis "befriedigend" ausgefallen. Den größten Kritikpunkt stellt der fehlende Android Market dar, weil so die Auswahl an Apps eingeschränkt ist. Das resistive Display ist sicherlich auch nicht jedermanns Sache, aber diese Einschränkung ist ganz klar dem günstigen Preis geschuldet. Das Touchlet X2G ist kein Gerät für Perfektionisten, trotzdem kann man mit dem Tablet-PC durchaus Spaß haben.

Name: Touchlet X2G
Hersteller: Pearl
Internet: www.pearl.de
Preis: UVP 199 Euro
Zubehör: Kartenmaterial, USB-Kabel, Netzteil, Standfuß, gedrucktes Handbuch
Pro & Contra
einfache Handhabung
GPS
Bluetooth
günstiges Android-2.2-Tablet
Navifunktion integriert
Kameraqualität
Keine Flash-Inhalte
resistives Display
kein Android Market
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): befriedigend
Bedienung/Handhabung (15%): befriedigend
Akkulaufzeit (15%): ausreichend
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: befriedigend (≈2,7)
Preis-Leistung: gut

(Marcel Petritz)

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