Testbericht

Liberty Tab im Test: Android-Tablet für 400 Euro

Das Liberty Tab ist das erste Tablet von Packard Bell - und hat sehr große Ähnlichkeit mit dem Acer Iconia A500. Das Android-3.0-Gerät liefert eine gute Leistung, einen Standard-USB-Port und klaren Sound; kleine Schwachstellen finden sich dennoch.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Im Sommer fiel der Startschuss für den ersten Tablet-PC von Packard Bell. Das wahlweise dunkelrote oder weiße Liberty Tab G100 für rund 400 Euro mischt sich mit Nvidias Tegra-2-Chip mit Dual-Core-Antrieb, Android 3.0 und einem 10,1-Zoll-Display unter die iPad-2-Konkurrenten. Wie das Tablet im Vergleich zu anderen Android-3.0-Geräten wie dem Motorola Xoom oder dem neuen Samsung Galaxy Tab abschneidet, zeigt unser Test.

Liberty Tab Test – Inhalt

  • Seite 1: Optik, Schnittstellen und technische Daten
  • Seite 2: Oberfläche und Apps, Browser, Flash und HD-Inhalte
  • Seite 3: Sound, Kameras, Fazit und Info-Tabelle

Zwilling des Acer Iconia A500

Wer die Produktbezeichnung des Packard Bell Geräts bei Amazon eingibt, findet unter den Treffern auch das Iconia A500 von Acer. Das ist kein Zufall: Schon auf den ersten Blick ist die enge Verwandtschaft des Liberty Tabs mit dem aktuellen Honeycomb-Tablet des Herstellers aus Taiwan, zu dem das Unternehmen seit 2007 gehört, nicht zu leugnen. Beide Modelle messen 260x177x13 Millimeter und bringen rund 770 Gramm auf die Waage. Wie wir bereits im Motorola Xoom Test feststellen mussten, sind die verglichen mit dem iPad 2 mehr als 100 zusätzlichen Gramm auf die Dauer doch deutlich zu spüren. Wer das Tablet längere Zeit hält, möchte es zwangsläufig zwischendurch ablegen. Silberfarbene Leisten ober- und unterhalb des Touchscreens, eine leicht gebogene Rückseite mit einer eckig eingerahmten 5-Megapixel-Kamera und ein microSD-Kartenschacht hinter einer knapp 5 Zentimeter breiten Abdeckung an der Oberseite sind nicht die einzigen optischen Ähnlichkeiten von Liberty Tab und Iconia A500. Auch die Anordnung der Bedienelemente (Lautstärketasten und Hold) und der Lautsprecher, die sich allerdings im Design unterscheiden, sowie der Schnittstellen entsprechen sich – und davon hat das Liberty Tab für ein Tablet einige zu bieten.

Seltener Charakterzug: Standard-USB-Port

Neben dem bereits erwähnten Speicherkartenleser gibt es allen voran einen USB-Port herkömmlicher Größe, was in der Tablet-Welt Seltenheitswert genießt. Einen Speicherkartenleser mit eingesteckter SD-Karte und eine USB-Tastatur konnten wir problemlos nutzen, bei USB-Sticks stellte sich das Tablet quer; trotz vorhandenen Inhalts wurde nur ein leerer Ordner angezeigt. Android 3.1 wird die USB-Fähigkeiten erweitern, ob das Liberty Tab ein entsprechendes Update erhält, ist aber unklar. Weitere Schnittstellen sind Micro-HDMI für den Anschluss eines Fernsehers, ein Kopfhöreranschluss und ein verkleinerter USB-Port für die Kommunikation mit dem PC. Der integrierte Akku wird – wie auch bei anderen Honeycomb-Tablets – aber nicht automatisch aufgeladen, wenn Computer und Tablet verbunden sind. Für den Energienachschub liegt daher ein Netzteil bei. Bei unserem Test-Tablet handelt es sich um ein Konstruktionsmuster, weiteres Zubehör wie Handbuch oder Kurzanleitung konnten wir daher nicht begutachten.

Im Innern ist das Liberty Tab die typische "Honigwabe": Angetrieben von einem Nvidia Tegra 250 Chip mit ARM Cortex A9 Dual-Core-CPU mit 1 Gigahertz liefert das Tablet 1 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 16 GB Speicherplatz, der per microSD-Karte um 32 GB erweiterbar ist. Surfen kann der Nutzer ausschließlich per WLAN (802.11b/g/n), eine 3G-Version des Tablets ist noch nicht zu haben. Des Weiteren zählen Bluetooth, GPS und zwei Kameras zur Ausstattung.

Wie bei anderen Tablets mit Android 3.0, der ersten auf große Displays zugeschnittenen Android-Version, sind für das Aufrufen des Menüs, der Optionen, der zuletzt genutzten Anwendungen und für die Zurück-Funktion keine physischen Tasten, sondern Sensor-Buttons am Rand des Bildschirms angebracht. Wer bereits mit Honeycomb gearbeitet hat, kann mit Packard Bells Mitstreiter sofort zuverlässig umgehen. Auf dem Startbildschirm befindet sich eine Auswahl von Apps, weitere Programme, Widgets und Links kann der Nutzer auf zusätzlichen Homescreens nach Belieben anordnen. Die Bedienung des Liberty Tab ist hervorragend, die Finger gleiten problemlos über den glatten Touchscreen und vergrößern Inhalte ohne zu haken. Klicks werden sofort erkannt. Mit der On-Screen-Tastatur lässt sich in gewohnter Tablet-Manier zwar nicht im 10-Finger-Stil, aber dennoch gut tippen. Hochkant gehalten klappt das mit größeren Händen auch mit den Daumen, wobei das Eigengewicht des Geräts dann nicht zum Romanschreiben einlädt.

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Installierte Apps

Zu den von Packard Bell installierten Anwendungen gehören unter anderem Acers Netzwerk-App SocialJogger, die Facebook und Twitter (leider ohne Integration der Twitter-Listen) zusammenführt, der Nemo Player, die HD-Spiele NFS Shift und Let's Golf, ein Medienserver-Tool, sowie die Google-Dienste Talk, Kalender, Mail und Maps mit Navigation. Per GPS ermittelte das Gerät in einem kurzen Test zügig die aktuelle Position. Weitere Apps lassen sich aus dem ebenfalls installierten Android Market herunterladen, wobei nach wie vor die meisten Programme für Android-Smartphones und nicht explizit für -Tablets gedacht sind. Auf die Hardware abgestimmte Spiele bietet die TegraZone-App von Nvidia, die zum Testzeitpunkt 17 Titel umfasste. Inhaltlich ist also noch Potenzial zur Aufholjagd auf Apple vorhanden, bis dahin kann sich der Nutzer an flüssigem Spielen und flotter Navigation erfreuen. Mit der Acer-eigenen E-Book-App LumiRead lässt sich das Tablet zudem zum Lesegerät umfunktionieren. Der Nutzer kann E-Book-Anbieter hinzufügen, Bücher kaufen, sie wie auf dem iPad in ein virtuelles Bücherregal stellen und auch direkt lesen. Leider stört dabei die spiegelnde Oberfläche.


Gutes, blickwinkelstabiles Display

Verglichen mit dem Acer Iconia A500, dessen Rückseite mattiert ist, glänzt das Liberty Tab von allen Seiten. Die dunkelrote Gehäuseverkleidung ist glatt und in den silbernen Leisten kann man sich spiegeln – kein Wunder, dass schon ein paar Minuten Nutzung die ersten Fingerabdrücke verursachen. Insbesondere trifft das für den Touchscreen zu. Das 1.280x800-Pixel-Display ist stark bei der Farbwiedergabe und der Schärfe, in Fensternähe oder im Freien leidet die Sichtbarkeit aber unter störenden Spiegelungen. Bei frontalem Blick ist das Ergebnis noch gut, dreht man das Tablet oder schaut ein zweiter Nutzer von der Seite auf den Bildschirm, wird es jedoch schwieriger. Farben und Kontrast bleiben hingegen auffallend stabil.

Das kommt auch der Videowiedergabe zugute. Das Liberty Tab spielt 720p-HD-Inhalte ruckelfrei ab, an Videos in 1080p-Auflösung wollten sich im Test weder der Android-eigene noch der integrierte Player heranwagen. Dank Flash-Support lassen sich auch auf der herkömmlichen Desktop-Website von YouTube Videos ansehen, sobald wir von der SD- zur HD-Auflösung (720p oder 1080p) wechselten, geriet die Wiedergabe jedoch ins Stocken. Ganz anders bei der YouTube-App; sie spielt HD-Dateien genauso problemlos ab wie herkömmliche Videos. Zum Surfen ist das Tablet insgesamt gut geeignet, nicht nur, weil Flash-Elemente angezeigt werden. Websites sind flott geladen, lange Seiten schnell scrollbar, ohne dass der Browser stockt oder nur Weißraum anzeigt. Seit Android 3.0 unterstützt der hauseigene Browser auch Tabs und einen privaten Modus.

Als gut zu bezeichnen sind die Lautsprecher. Statt Mono-Sound hat Packard Bell zwei Speaker mit Dolby-Mobile-Technologie eingebaut, die Filme oder Musik auch bei höherer Lautstärke weder schrebbelig noch blechern klingen lassen. Einen Treffer haben die Konstrukteure mit ihrer Platzwahl gelandet. Beim Festhalten werden die Lautsprecher nicht von den Händen verdeckt, auch auf dem Tisch abgelegt bleibt der Musikgenuss ungetrübt.

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Qualität der Kameras

Für Videochats und Webcam-Fotos steht eine 2-Megapixel-Kamera zur Verfügung, das zweite Exemplar auf der Rückseite liefert 5 Megapixel, einen LED-Blitz, Zoom und Autofokus. Beide Cams können auch Videos aufnehmen. Die höchste Stufe der Hauptkamera speichert 720p-Filme im 3GP-Format mit 30 Bildern pro Sekunde ab. Die Qualität reicht auf jeden Fall aus, auch schnelle Schwenks bringen die Kamera nicht ins Schwitzen. Bei den Fotos zeigt sich, dass das Tablet kein adäquater Ersatz für eine gute Digicam ist. Für Schnappschüsse ist das Equipment ausreichend dimensioniert, wer ein bestimmtes Motiv festhalten möchte, kommt um mehrere Anläufe beim Fokussieren nicht herum; trotz Autofokus ist der gewünschte Ausschnitt nicht immer scharf. Eine Mitschuld dürfte das Tablet-Format tragen. Mit einem knapp 26 Zentimeter breiten und mehr als 700 Gramm schweren Gerät, dessen Auslöser ein Button auf dem Touchscreen ist, lässt sich eine Szene einfach nicht so leicht einfangen wie mit einer kompakten Kamera. Außerdem ist in dunklen Bereichen Rauschen erkennbar. Bezüglich der Fotoqualität muss sich das Liberty Tab somit dem Samsung Galaxy Tab 10.1v mit 8-Megapixel-Linse geschlagen geben, am iPad 2 zieht es locker vorbei.


Fazit

Das Packard Bell Liberty Tab ist ein hochwertiges Tablet mit guter Anwendungsleistung. Genau wie bei den Netbooks kristallisiert sich für jede Android-Version eine Art Standard- oder Mindestbestückung bei den Tablets heraus – wie Nvidia Tegra 2 für Android 3.0. Was ein Tablet vom anderen unterscheidet, spielt sich dann bei den Schnittstellen und Kameras sowie den Feinheiten ab. Die Lautsprecher des Liberty Tabs gehören zu den besseren Vertretern und die Schnittstellen sind umfangreich; klare Pluspunkte. Verglichen mit anderen Honeycombs ist es mit rund 400 Euro außerdem günstiger. Wer das Liberty Tab mag, aber mehr als 16 GB Flashspeicher möchte und mobiles Internet benötigt, kann sich nach dem Iconia A500 von Acer umschauen. Da unser Testgerät noch aus der Muster-Schublade stammt, lässt sich zur Verarbeitung der im Handel erhältlichen Geräte kein abschließendes Urteil fällen. Das Test-Tablet macht aber – abgesehen vom Hang zu Fingerabdrücken – einen guten Eindruck.

Name: Liberty Tab G100
Hersteller: Packard Bell
Internet: www.packardbell.de
Preis: UVP 399 Euro

ab 403,53 Euro
(Stand: 08/2011)
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 250 - Dual-Core-Prozessor (ARM Cortex A9) mit 1,0 GHz
Bildschirm: 10,1 Zoll 16:10 (1.280x800 Pixel) TFT Touchscreen, 300 NIT
Speicher: 16 GB Flashspeicher / 1 GB RAM
Akku: Herstellerangaben: bis 11 Stunden Surfen / 400 Stunden Standby
gemessen: 375 Minuten YouTube-Videos per WLAN, 412 Minuten HD-Videos (WLAN aus), 327 Stunden (ca. 14 Tage) Standby (Flugmodus/WLAN aus)
Kommunikation: WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth
Betriebssystem: Android 3.0 (Honeycomb, 3.01)
Abmessungen: HxBxT: 260x177x13 mm Millimeter; 760 Gramm
Anschlüsse: Micro-USB, USB 2.0, Micro-HDMI, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD-Slot (bis 32 GB)
Sonstiges: GPS, Lagesensor, Lichtsensor, 5-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos mit Fotolicht und Autofokus, 2-Megapixel-Webcam, Flash-Support
Lieferumfang: Tablet, Netzteil, USB-Kabel, Kurzbeschreibung, Tuch
Garantie: zwei Jahre Pick-up & Return
Display und Leistung überzeugen
Multitasking ist möglich
Standard-USB-Port und HDMI (Micro)
lange Laufzeit
zwei Kameras mit zufriedenstellender Qualität
ordentliche Lautsprecher
GPS
Bluetooth
Flash-Unterstützung
E-Book-Anwendung
zu glänzend, daher anfällig für Fingerabdrücke
relativ schwer
Flash-Videos ruckeln in HD, keine Full-HD-Abspielmöglichkeit
lädt nicht über USB
keine UMTS-Version verfügbar
Bewertung:
Geschwindigkeit (20%): gut
Ausstattung (20%): gut
Display (20%): gut
Bedienung/Handhabung (15%): gut
Akkulaufzeit (15%): gut
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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