Testbericht

Open-Source-Router Netgear KWGR614 im Test

Netgear bringt mit dem WLAN-Router KWGR614 offiziell einen Open-Source-Router auf den Markt. Die Firmware steht unter der General Public License und kann von jedem modifiziert werden.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com
Linksys hat es vorgemacht: Die WLAN-Router der WRT54-Serie sind sehr beliebt, da die Firmware unter der General Public License (GPL) steht und von jedem Programmierer verändert werden darf. Im Internet gibt es deshalb eine Reihe alternativer Firmware-Versionen, die den Geräten mehr Funktionen und vor allem mehr Leistung spendieren. Netgear bringt nun mit dem KWGR614 einen WLAN-Router heraus, der speziell als "Open-Source-Router" vermarktet wird. Dadurch erhofft sich das Unternehmen eine bessere Resonanz. Früher gab es bereits Modelle mit einer Firmware unter GPL, jedoch wurde kein spezielles Marketing dafür betrieben. Die Redaktion hat den neuen Router getestet.

Wiederherstellungs-Funktion

Die Verwendung einer Open-Source-Firmware hat nicht nur Vorteile. Durch eine fehlerhafte Programmierung, beispielsweise durch einen unerfahrenen Softwareentwickler, kann unter Umständen nicht mehr auf das Gerät zugegriffen werden. Netgear hat deshalb den KWGR614 mit einem so genannten Recovery-Modus ausgestattet. Haben Anwender eine nicht geeignete oder fehlerhafte Firmware aufgespielt, lässt sich die vorherige mit Hilfe dieser Funktion wiederherstellen. Selbst wenn beim Updaten die Verbindung oder die Stromzufuhr unterbrochen wird, ist der WLAN-Router ohne großen Aufwand zurücksetzbar.

Zielgruppe: Ambitionierte Anwender

Nach Angaben von Netgear wurde der WLAN-Router KWGR614 entwickelt, um den Ansprüchen ambitionierter Kunden gerecht zu werden. Weniger erfahrene Anwender haben aber die Möglichkeit den Installationsassistenten zu verwenden, der über die mitgelieferte CD gestartet werden kann und automatisch das Webinterface des Open-Source-Routers aufruft. Alternativ kann das Interface auch mit der werksseitig eingestellten IP-Adresse erreicht werden.
In der Praxis arbeitet der Installationsassistent jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einwandfrei, zumindest mit unseren Testgeräten. Angeschlossen an einer AVM Fritz!Fon 7150 mit eigenem DSL-Zugang, verlangt der Assistent trotzdem die Eingabe der Internet-Einwahldaten. Lässt man die Felder frei, dann verweigert der Assistent die weitere Einrichtung. Gibt man hingegen Pseudo-Daten ein, dann erscheint eine Fehlermeldung. Das Gerät empfiehlt in einem solchen Fall sogar die Kabelverbindung zum Modem zu überprüfen.

Die aktuelle Firmware geht offensichtlich davon aus, dass ausschließlich klassische DSL-Modems an den KWGR614 angeschlossen werden. Für die Lösung des Problems gibt es zwei Ansätze: Entweder die AVM Fritz!Fon 7150 wird so eingestellt, dass sie als klassisches DSL-Modem genutzt werden kann und die Einwahldaten vom WLAN-Router KWGR614 erhält, oder wir wechseln zur manuellen Einrichtung. Bei der manuellen Einrichtung lässt sich unter "Basic Settings" einstellen, dass die Internetverbindung keine Einwahldaten benötigt. Dadurch kann die Fritz!Fon 7150 weiterhin als DSL-Breitbandrouter genutzt werden. Selbstverständlich lässt sich der KWGR614 WLAN-Router auch an ein bestehendes Netzwerk anschließen.

Für Fortgeschrittene

Abgesehen von der kleinen Panne mit dem Einrichtungsassistenten, zeigt sich der Netgear Open-Source-Router von seiner guten Seite. Das Konfigurationsmenü ist übersichtlich und logisch aufgebaut. Unter "Setup" lassen sich nicht nur der Internetzugang, sondern auch der WLAN-Zugriff konfigurieren. Werkseitig ist die WLAN-Funktion bereits aktiviert, und das ohne jegliche Verschlüsselung. Anwender sollten deshalb sofort die WLAN-Funktion ausschalten oder zumindest WEP-, WPA- oder WPA 2 aktivieren.

Wer die Sendeleistung einstellen möchte, der kann unter "Advanced" zwischen den vier Einstellungen 12,5, 25, 50 und 100 Prozent auswählen. Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis jemand an der Leistungsschraube dreht und 125 Prozent oder mehr ermöglicht. Schließlich erreicht der KWGR614 mit den zwei dBi-Antennen noch nicht die maximal zulässige Sendeleistung von 20 Dezibel (dB) bzw. 100 Milliwatt (mW).

Viele Sicherheitsfunktionen

Unter "Content Filterung" lassen sich bestimmte Schlüsselwörter und ganze Seiten temporär oder komplett blockieren. Bei Bedarf kann die Blockierung für bestimmte Rechner aufgehoben werden. Darüber hinaus lassen sich auch einzelne Ports oder Bereiche sperren, um beispielsweise die Nutzung von Tauschbörsen zu unterbinden. Wer immer auf dem Laufenden sein möchte, der kann sich die Log-Dateien und System-Hinweise per E-Mail zuschicken lassen.

Für Online-Spieler ist die Funktion "DMZ Server" (demilitarisierte Zone) interessant, mit der eine bestimmte IP-Adresse im LAN für den Zugriff aus dem Internet freigegeben werden kann. Dadurch können andere Spieler auf den dahinter liegenden Rechner zugreifen. Weiter nützliche Funktionen sind: Port Forwarding, Dynamic DNS, Quality of Service (QoS) und das Remote Management für den Fernzugriff. Netgear hat mit dem KWG614 einen leistungsfähigen WLAN-Router auf den Markt gebracht, der mit dem neuen Linksys WRT54GL konkurrieren soll. Beide Unternehmen werben mit den installierten Linux-Systemen und der Firmware, die unter GPL steht.

Fazit

Der Netgear KWG614 hat durchaus das Potenzial seinen Konkurrenten das Wasser zu reichen. Der Funktionsumfang ist mehr als zufriedenstellend, die wichtigsten Sicherheitsfunktionen sind vorhanden und die Bedienung ist durchaus akzeptabel. Trotzdem erhält das ansonsten gute Gerät bei der Bedienung nur ein "befriedigend". Der Grund: Der Installationsassistent arbeitet mit der aktuellen Firmware noch nicht einwandfrei. Einsteiger müssen sich einarbeiten, um die manuelle Konfiguration erfolgreich durchführen zu können. Für fortgeschrittenere Anwender ist das Gerät aber durchaus zu empfehlen. Was die Übertragungsgeschwindigkeit bei WLAN angeht, liegt der KWGR614 der mit maximal 23,5 Megabit pro Sekunde effektiven Datendurchsatz im guten Bereich.

Produkt: KWGR614
Hersteller: Netgear
URL: www.netgear.de
Preis: 64,90 Euro (UVP)
Gewährleistung: 24 Monate
Technische Daten:
  • WLAN IEEE802.11 b/g
  • Verschlüssleung: WEP, WPA-PSK,
    WPA2-PSK
  • Protokolle: TCP/IP, UDP, NAT,
    RIP-1, DNS, DHCP,
    VPN-Passthrough
  • Schnittstellen:
    WAN (10/100 MBit/s),
    4 x LAN (10/100 MBit/s)
  • Antenne: 2 dBi (zwei Stück)
  • Firewall mit Packetüberprüfung
    (SPI) und Schutz vor DoS-Attacken
  • Abmessungen: 28 x 175 x 118 mm,
    Gewicht: 300g
  • Lieferumfang: Router, Netzteil,
    Konfigurations-CD, Netzwerkkabel
Pro & Contra
Open-Source-Firmware
Wiederherstellungsfunktion
kompakte Abmessungen
viele Zusatzfunktionen
Installationsassistent nicht optimal
WLAN werksseitig aktiviert
BewertungGewichtung
Ausstattung (30%): gut
Übertragungsgeschwindigkeit (30%): gut
Sicherheit (20%): gut
Bedienung (20%): befriedigend
Gesamt: gut (2,2)
Preis-Leistung: gut

(Nam Kha Pham)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang