Testbericht

onlinekosten.de-Test: Silentmaxx ST-11 vs. Eigenbau

Die Festplatte summt, Lüfter schleifen und dann fängt auch noch das Laufwerk an zu singen. Das ist zwar nicht übermäßig laut, kann aber bei der Arbeit stören.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Die Festplatte summt, die Lüfter schleifen und dann fängt auch noch das CD-Laufwerk an zu singen. Das alles ist zwar nicht übermäßig laut, kann aber beim konzentrierten Arbeiten stören. Eine vergleichsweise einfache Lösung für nervende Lüftergeräusche gibt es unter anderem von Silentmaxx. Der Hersteller hat "leises" Computerzubehör von sehr guter Qualität im Angebot, unter anderem gedämmte Gehäuse. Wir haben uns das mit 99,95 Euro günstigste Einsteigermodell ST-11 angesehen und versucht, ob sich mit eigener Bastelarbeit nicht noch ein paar Euro sparen lassen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Bereits im Karton fällt das für ein PC-Gehäuse relativ hohe Gewicht des ST-11 auf, das Dämmmaterial bringt also schon einiges auf die Waage. Im Gehäuse ist Platz für drei 5,25-Zoll- und zwei 3,5-Zoll-Laufwerke. Auf einem Front-Panel finden sich Anschlüsse für zwei USB-Geräte sowie Mikrofon und Lautsprecher. Doch die Dämmung ist das eigentlich interessante Feature: Der Hersteller verspricht eine Reduzierung der Computergeräusche von bis zu 95 Prozent.

Ein weiteres Gimmick des ST-11, das sowohl in den Farben schwarz als auch weiß erhältlich ist, ist die hydraulisch öffnende Fronttür. Auf Knopfdruck öffnet sich die Tür und gibt den Zugang zu Laufwerken und Power- sowie Resetknopf frei. Die USB- und Audio Anschlüsse liegen offen und sind so immer frei erreichbar.

Das Gehäuse unterscheidet sich bis auf Details nicht von der ungedämmten Verwandschaft und ist einfach zu handhaben. Die Dämmplatten wurden bereits im Gehäuse eingelegt und müssen nur noch festgeklebt werden. Wer sich totaler Lärmreduzierung verschrieben hat und zusätzlich ein Silentmaxx Netzteil oder speziell gedämmtes Festplattengehäuse einbauen möchte, hat eine etwas kniffligere Montage vor sich.

Denn der Platz für den Einbau dieser Komponenten ist eng bemessen. Geübte Schrauber sollten jedoch mit dem Einbau gut zurechtkommen. Für den nicht so geübten Bastler bietet die Einbauanleitung eine gute Übersicht der wichtigsten Schritte in Wort und Bild.

So dürfte auch der Einbau des optionalen Festplattengehäuses gelingen. Das HD-Case besteht aus vier Teilen. Herzstück des Ganzen ist ein Block, der ein wenig an einen CPU-Kühler erinnert. Die Festplatte wird einfach in das Gehäuse eingelegt und an der Vorder- und Rückseite fixiert. Zusätzlich wird unter das Gehäuse noch eine Bodenplatte geschraubt. Nun muss das HD-Case nur noch in einen 5,25-Zoll-Einschub eingebaut werden.

Solider Schalldämpfer

Insgesamt macht das ST-11 einen soliden Eindruck. Die Verarbeitung ist gut, auch die Leistung in Verbindung mit optionalem 420-Watt-Netzteil oder Festplattengehäuse hat überzeugt. Der Rechner ist so gut wie stumm. Nur noch ein sehr leises Surren von Netzteil und Lüfter ist zu hören. Leider hat die gute Dämmung des ST-11 auch einen Nachteil. Nach Herstellerangaben erhöht sich die Temperatur im Gehäuse um circa 10 Prozent.

In unserem Test hatten wir einen Temperaturanstieg von fünf bis acht Grad zu verzeichnen. Diesem Effekt kann jedoch durch zusätzliche Gehäuselüfter entgegengewirkt werden. Dafür befinden sich an Rückseite und Bodenplatte des Gehäuses insgesamt drei Öffnungen zum Einbau eines Lüfters.

Der Eigenbau

Auch jeder Heim-PC kann zu einem Low-Noise-Rechner werden. Dazu bedarf es nur einiger kleiner Umbauten, die je nach Aufwand in circa einer Stunde durchgeführt sind. Wer sich nicht auf die Wirkung von handelsüblichem Schaumstoff verlassen möchte, wird bei verschiedenen Herstellern fündig. Neben zahlreichen einfachen Dämmplatten hat auch Silentmaxx verschiedene Sets im Angebot. Wir haben unserem Normalo-Computer mit dem für 34,95 Euro erhältlichen Basic-Kit den Krach abgewöhnt.

Das Paket beinhaltet neben vier verschiedenen Dämmmmatten in doppelter Ausführung noch ein Teppichmesser, mit dem die einzelnen Teile zugeschnitten werden können. Zunächst wird KF-25-Schwerfolie auf die Gehäuseseiten geklebt. Die Folie ist recht stabil und dient der Resonanzdämmung, sie filtert zum Beispiel hochfrequente Störgeräusche der Laufwerke.

Maßanzug

Auf die Folie werden nun weitere Matten geklebt. Da die einzelnen Matten Einheitsgrößen haben, müssen sie hier und da ein wenig zugeschnitten werden. Dabei ist Vorsicht geboten: Bei ungenauem Zuschnitt passt der Deckel unter Umständen nicht mehr auf das Gehäuse. Gegen den Krach von Grafikkarten und CPU-Kühler wird am Seitenteil eine PU-420 Matte angebracht. Der Schaumstoff mit rauer Oberfläche eignet sich besonders zur Dämmung von Lüftergeräuschen.

Um Laufwerke und Festplatte kümmert sich eine weiter oben angebrachte Schaumstoffmatte, die zusätzlich mit einer dünnen Schicht Filz überzogen ist. Am Boden des Gehäuses bringen wir eine nach Eierpappe aussehende Schaumstoffschicht an. Nun steht einem geräuscharmen und entspannten Arbeiten am eigenen PC nichts mehr im Wege.

Leise kreiselt der Lüfter

Nach Herstellerangaben lässt sich so eine Geräuschminderung von circa 70 Prozent erreichen, die unser subjektiver Eindruck bestätigen konnte. Wer seinen Rechner noch leiser machen möchte, kann zusätzlich auf gedämmte Festplattengehäuse und Netzteile zurückgreifen. Grundsätzlich sollten so wenig Lüfter wie gerade nötig in dem PC verwendet werden, da diese besonders geräuschintensiv sind. Hier bietet sich alternativ eine passive Kühlung für die Grafikkarte an. Doch Vorsicht: Wie beim ST-11 steigt durch die Dämmung auch im eigenen Rechner die Temperatur. Hier muss die eigene Ruhe eventuell hinter dem Kühlungsbedarf des Rechners zurückstehen.

Im Test konnten beide Alternativen überzeugen. Das vorkonfigurierte Gehäuse bietet zwar mehr Leistung in Sachen Lärmreduktion, dafür ist das ST-11 mit 99,95 Euro auch eine entsprechend teure Investition. Der Eigenbau hingegen ist leicht zu realisieren und dennoch günstig.

Extra für die Festplatte

Trotz der guten Leistung, die unser Eigenbau und das ST-11 an den Tag gelegt haben, raten wir zusätzlich zum Kauf eines extra gedämmten Festplatten-Gehäuses. Das HD-Case schluckt jeden nur erdenklichen Ton, den die Festplatte von sich gibt und sorgt gleichzeitig für Kühlung. So kann auch einem vorzeitigen Platten-Crash vorgebeugt werden. Das Netzteil hat uns dagegen vergleichsweise weniger überzeugt. Zwar bietet es ein hohes Maß an Ruhe, jedoch liegen die Komponenten mit 89,95 Euro preislich in der gehobenen Klasse.

Oder bei obi?

Wer ganz auf Selbermachen setzt sollte vielleicht einen Ausflug in den Baumarkt machen. Hier findet sich vielseitiges Dämmmaterial zu vernünftigen Preisen. Bevor man sich allerdings dort eindeckt, sollte geklärt sein, ob sich das Material für den gewünschten Zweck eignet. Wir werden uns in Zukunft auch mit diesem Thema beschäftigen.

Wer seinen Rechner erfolgreich zum Leisetreter macht, kann sich auf einen gesunden Büroschlaf freuen. Süße und von Lüfterschnarren unbeeinflusste Träume hat dann auch, wer den Heim-PC im 24/7-Betrieb neben dem Bett stehen hat - warum auch immer.

(Patrick Neubert)

Weiterführende Infos zum Thema:

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