Testbericht

Online-Speicher im Test: Festplatten im Netz

Was leisten die kostenlosen Angebote von Online-Speicherplatz im Netz? onlinekosten.de hat einige Anbieter getestet und die Praxistauglichkeit geprüft.

Daten Cloud© lassedesignen / Fotolia.com

Videos, Musik, Fotos: Multimedia-Daten verschlingen viel Festplattenspeicher. Die Größe der Datenspeicher hat mittlerweile den Terabyte-Bereich durchbrochen, dennoch kann der Platz auf dem heimischen Rechner schon mal eng werden. Auf der Suche nach Speicherplatz können Datensammler im Internet Alternativen finden. Im Netz tummeln sich immer mehr Anbieter, die Speicherplatz online für wenig Geld oder sogar ganz kostenlos anbieten. onlinekosten.de hat sich aus diesem Angebotsdschungel drei deutschsprachige und ein englischsprachiges Angebot herausgegriffen und näher angeschaut.

Zehn Gigabyte kostenloser Online-Speicher

Humyo.de gehört nach eigener Aussage mit circa 300.000 Nutzern zu den größten europäischen Online-Speicherplatz Providern und bietet im Internet ein kostenfreies Paket mit zehn Gigabyte (GB) Online-Speicher an.

Nach einer kostenlosen Registrierung auf www.humyo.de können humyo-Nutzer ihre Daten schnell und einfach via Drag and Drop über das in deutsch oder englischer Sprache verfügbare WebInterface hochladen. Alternativ kann auch eine PC-Software genutzt werden, die sich als virtuelles Laufwerk auf dem Desktop einbinden lässt. Der Online Speicherplatz kann automatisch mit beliebig vielen PCs synchronisiert werden und ermöglicht die Erstellung von Backups. Alle Dateien können geteilt, verschickt oder via eigenem Media-Player in Webseiten eingebunden werden. Humyo.de unterstützt zahlreiche Bild- und Videoformate. Die Größe einer einzelnen Datei unterliegt dabei keiner Beschränkung.

Auch Premium-Pakete erhältlich

Humyo.de bietet auch kostenpflichtige Pakete an: Einen Premium Account mit 100 GB für 4.99 Euro pro Monat mit vielen Extrafeatures sowie ein Business-Paket für Geschäftskunden ab 12,99 Euro monatlich. Hier können bis zu 100 unterschiedliche Nutzer angelegt werden, die vom Admin einstellbar, Zugriffsrechte auf verschiedene Ordner bekommen können. Die Nutzer können dann standortunabhängig gemeinsam an Dateien arbeiten sowie große Dateien und Mails austauschen ohne einen FTP-Server nutzen zu müssen. Das spart Kosten im Bereich der File- und Backup-Server Infrastruktur.

Um die Sicherheit der Daten müssen sich die Anwender nach Angaben von humyo.de keine Sorgen machen. Alle Daten werden SSL verschlüsselt und liegen auf verschiedenen Clustern in dem ehemaligen Goldtresor der "Bank of England". Das Rechenzentrum wird betrieben von dem Schwesterunternehmen und Webhoster GX-Networks.

Der Schweizer Anbieter MyDrive bietet registrierten Nutzern Online-Speicherplatz mit einer Kapazität von einem Gigabyte (GB) an. Die Registrierung und Aktivierung über einen Link in der Bestätigungsmail verläuft schnell und unkompliziert. Nach dem Einloggen präsentiert sich die Menüoberfläche übersichtlich und funktional. Der verbleibende freie Speicherplatz wird gut sichtbar angezeigt. Die Menütexte können englisch- oder deutschsprachig angezeigt werden.

Ein Gigabyte Speicher

Mithilfe des übergroßen Flash Upload-Buttons im oberen Bildbereich finden eigene Dateien den Weg auf die Internetfestplatte. Dabei können Dateien aller Formate gespeichert werden. Ein Downloadlimit hat der Anbieter auf seiner Website nicht angegeben. Dateien und Ordner zu erstellen, zu verschieben und zu löschen ist einfach und übersichtlich durchführbar. Ein Mehrfach-Upload gleichnamiger Dateien ist möglich. Eine Meldung warnt in dem Fall vor dem Überschreiben der Datei.

Reicht der kostenlos zur Verfügung gestellte Speicherplatz von einem GB nicht mehr aus, so kann zusätzlicher Speicher hinzugebucht werden. Ein GB mehr kostet 60 Cent pro Monat, fünf GB schlagen mit 2,70 Euro monatlich zu Buche. Ein zehn GB-Upgrade gibt es für 4,80 Euro im Monat. Die Nutzung von MyDrive ist jederzeit kündbar.

Der DSL- und Mailprovider GMX stellt in seinem Mailpaket GMX FreeMail unter anderem auch das Mediacenter mit einem GB kostenlosen Speicherplatz für Fotos, Videos und andere Daten zur Verfügung. Im Mediacenter gespeicherte Dateien können wie auf einer Festplatte umbenannt, verschoben oder gelöscht werden. Zusätzlich können die Daten auch direkt per E-Mail versandt werden.

GMX mit Mediacenter

Dabei will das GMX-Angebot aber mehr sein, als nur einfacher Festplattenersatz. Das Mediacenter fasst unter seinem Dach neben der virtuellen Festplatte auch Filesharing-Funktionen, einen Fotoservice, eine Auswahl elektronischer Grußkarten und Bilder-Diashows zusammen. Außerdem können MMS für 36 Cent an Handys versandt werden.

Über den GMX-Fotoservice kann der Nutzer für seine im Mediacenter gespeicherten Fotos Papierabzüge bestellen oder über den Button Foto-Funprodukte auch direkt Tassen, Mousepads oder T-Shirts mit den eigenen Motiven bedrucken lassen. Wird weiterer Speicherplatz benötigt, stehen auch kostenpflichtige Pakete zur Auswahl, die mit fünf GB für 2,99 Euro monatlich starten.

Kostenlose Zusatzfunktionen

Fortgeschrittene Nutzer können über Web-based Distributed Authoring and Versioning (WebDAV) das Mediacenter auch direkt in ihr Betriebssystem einbinden. Dies erlaubt den Anwendern einen ähnlich komfortablen Zugriff auf die Daten wie bei einer Festplatte. Dazu muss nur der rund 2,7 Megabyte große GMX Upload-Manager aus den GMX Tools ausgewählt und heruntergeladen werden. In einer Minute und nur wenigen Schritten ist die Online-Festplatte mit einem eigenen Laufwerkbuchstaben wie ein lokales Laufwerk nutzbar.

Sehr spartanisch präsentiert sich der amerikanische Onlinespeicher-Anbieter ADrive. Auf der Startseite prangt neben dem Namen noch die Bezeichnung Beta. Die schlichte Gestaltung kann aber leicht verschmerzt werden, da registrierte Nutzer bei ADrive satte 50 GB kostenlos speichern können. Dafür muss man aber auch Werbeanzeigen am oberen und unteren Rand des ADrive-Menüs in Kauf nehmen.

Share-Funktion

Der Upload erfolgt mit einem Tool auf Java-Basis. Eine Dateiübertragung per FTP wird nicht unterstützt. Bis zu zwei Gigabyte große Dateien können hoch geladen werden. Die Inhalte können über die Share-Funktion als öffentlich markiert und dadurch auch für andere Nutzer freigegeben werden. Es ist aber nicht möglich, Musik- oder Videodateien zu streamen.

Im Test hat sich gezeigt, dass einmal hoch geladene Dateien nicht mit einer gleichnamigen Datei überschrieben werden können. Zunächst muss die bereits auf ADrive gespeicherte Datei heruntergeladen, modifiziert und dann erneut hoch geladen werden. Gerade wenn man eine häufiger aktualisierte Datei zur Sicherung hochladen möchte ist dieser Weg ein wenig umständlich. In der aktuellen Betaphase gibt es noch kein automatisches Daten-Backup.

Die Speicherangebote im Netz zeigen Licht- und Schattenseiten. Erfreulich ist die schnelle und unkomplizierte Registrierung für den kostenlosen Speicherplatz in Größen von einem bis 50 GB.

Fazit

Die Benutzerführung der Online-Festplatten ist teils noch verbesserungswürdig. ADrive ist sehr schlicht gehalten, bietet aber 50 GB Speicherplatz. Huymo ist technisch ausgereifter und bietet mit zehn GB kostenlosen Speicherplatz ausreichend Kapazität für Daten aller Art. Die beiden anderen deutschen Angebote bieten nur jeweils ein GB kostenlosen Speicherplatz. Humyo.de und GMX enthalten kostenlose Zusatzfunktionen wie die gut gelöste Einbindung des Onlinespeichers in die lokale Festplatte und automatische Synchronisierung der Daten.

Datenschutz und -sicherung muss gewährleistet sein

Auf die weitere Entwicklung in diesem Bereich kann man jedenfalls gespannt sein. Etliche Dienste werkeln noch im Beta-Stadium vor sich hin. Grundvoraussetzung für einen breiteren Erfolg der Online-Speicherservices ist das Vertrauen der Nutzer in den Anbieter und die Verlässlichkeit der Datensicherung. Gerade bei kleineren Anbietern sollte man sich vorab über die technische Ausstattung, die Durchführung von Backups und Datenspiegelung informieren. Bei ausländischen Anbietern könnten rechtliche Probleme hinzukommen. Im betreffenden Land könnten Datenschutz oder Vorkehrungen gegen Angreifer von den Standards hierzulande abweichen. Wer bei Anbietern skeptisch ist, kann seine Daten auf den virtuellen Festplatten mit entsprechenden Programmen verschlüsseln und damit vor neugierigen Blicken schützen.

Auf den Markt drängen zudem immer mehr große Player des IT-Bereichs und wollen mitmischen. So gab es Ende vergangenen Jahres wieder Gerüchte um den Start eines neuen Online-Festplattenservice von Google. Bereits heute kann man über den Dokumenten-Dienst des Suchmaschinenriesen 5.000 Dokumente und Präsentationen und 5.000 Fotos speichern. Mit der Firefox-Erweiterung GSpace kann man auf eigenes Risiko den Google-Speicherplatz ähnlich wie bei GMX in die Festplatte einbinden. Weitere bekannte Speicheranbieter sind IDrive, Mozy oder das kostenpflichtige Carbonite. Verbunden mit Online-Anwendungsprogrammen und schnellen Internetzugängen wird die Größe der heimischen Festplatte in Zukunft zunehmend unwichtiger.

(Jörg Schamberg)

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