Testbericht

nüvi 3597LMT im Test: Premium-Navi im Alukleid

Seit Ende Mai hat der US-Navi-Spezialist Garmin ein neues Flaggschiff seiner Premium-Serie im Angebot: das nüvi 3597LMT mit optionaler Live-Anbindung via Smartphone. Wir haben uns das Gerät einmal näher angesehen.

nüvi 3597LMT Premium-NaviSeit Ende Mai hat der US-Navi-Spezialist Garmin ein neues Flaggschiff seiner Premium-Serie im Angebot: das nüvi 3597LMT mit optionaler Live-Anbindung via Smartphone© Garmin Deutschland GmbH

In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, Garmin biete die "Smartphone-Link"-App nur für Android-Geräte an. Dies ist nicht korrekt. Seit Anfang des Jahres ist auch eine iOS-Version verfügbar. Wir haben den Text entsprechend angepasst, an der Gesamtwertung ändert sich dadurch aber nichts. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Urlaubszeit ist Reisezeit. Millionen Deutsche starten in diesen Tagen wieder in die Ferien – viele davon mit dem eigenen Auto. Bei der Streckenplanung kommt dabei nur noch selten die klassische Karte zum Einsatz, vielmehr bestimmen mittlerweile im Regelfall Navigationssysteme über die richtige Route zum Urlaubsort. Seit Ende Mai hat der US-Navi-Spezialist Garmin dabei ein neues Flaggschiff seiner Premium-Serie im Angebot: das nüvi 3597LMT mit optionaler Live-Anbindung via Smartphone und Karten für 45 europäische Länder - Quartals-Updates für 30 Jahre inklusive. Wir haben uns das Gerät einmal näher angesehen.

Neue Magnet-Halterung

Zum Lieferumfang des 5-Zöllers gehören ein USB-Kabel, ein Ladekabel für den Zigarettenanzünder mit integriertem TMC-Empfänger, das TMC-Empfängerkabel mit zusätzlichen Saugnäpfen, eine Kurzanleitung mit Garantievereinbarungen sowie die Scheibenhalterung mit Kugelgelenk und externem Lautsprecher. Letztere offenbart bereits eine erste Besonderheit: ein im Vergleich zu früheren Modellen teilweise geändertes Befestigungskonzept. Während die Verbindung zur Glasfront weiterhin per Saugnapf mit Unterdruck gehalten wird, bleibt das Navi nun dank eines Magneten in seiner Position. Das mitunter etwas fummelige Einsetzen in die üblichen Plastik-Nasen entfällt - das Gerät schnappt fast von allein aus der Hand an den richtigen Platz.

Allerdings ist die Anziehung so stark geraten, dass zum Ablösen durchaus etwas mehr Kraft aufgewendet werden muss. Wer hier, womöglich aus Angst etwas zu beschädigen, zu zaghaft agiert, wird sich anfangs schwer tun. Andererseits vermittelt die Magnetverbindung so jederzeit das Gefühl, selbst in Extremsituationen keinen Millimeter nachzugeben – nicht nur bei Unfällen und den dabei entstehenden Fliehkräften ein wichtiger Aspekt. Hat man den Dreh einmal raus, gelingt das Anheften und Abziehen zudem durchaus schneller und einfacher als mit der alten Methode - insgesamt also ein Fortschritt. Da Ladekabel und TMC-Empfänger Garmin-typisch direkt in die Scheibenhalterung eingesteckt werden und damit im Auto verbleiben können, hält sich auch der Kabelsalat in Grenzen. Zudem startet das Gerät automatisch, sobald es sich in der Halterung befindet und Strom zugeführt wird; nach dem Abstellen des Motors schaltet sich das Navi nach wenigen Sekunden aus.

Gebürstetes Aluminium-Gehäuse

Ansonsten weiß das nüvi 3597LMT auch optisch zu überzeugen. Das gebürstete Aluminium-Gehäuse macht einen edlen Eindruck. Ebenfalls sauber verarbeitet ist das nahezu rahmenlose Glas-Display, das allerdings Finderabdrücke magisch anzieht und relativ stark spiegelt. An Ober- und Unterkante finden sich schwarz-glänzende Klavierlack-Applikationen. Ein-Aus-Schalter, Mini-USB-Port, Kontakte und der integrierte Lautsprecher sind auf der Rückseite platziert; am unteren Rand steht zudem ein microSD-Karteneinschub zur Verfügung.

Der leuchtstarke und reaktionsschnelle kapazitive Multitouch-Bildschirm erreicht eine Auflösung von 800 x 480 Pixeln und ist sowohl im Hoch- als auch Querformat nutzbar, wobei sich die Anzeige der Lage entsprechend automatisch ausrichtet. Die Menüführung ist einfach gehalten – auch Garmin-Anfänger finden sich relativ schnell zurecht. Die verschiedenen Konfigurationspunkte sind selbsterklärend und meist ohne langes Suchen erreichbar. Bei der Zieleingabe lässt sich direkt eine Adresse eintragen oder eine gespeicherte Heimatadresse mit einem Klick anfahren ("Nach Hause"). Zudem könnten verschiedene Points of Interests (POIs) wie Restaurants, Parkplätze, Tankstellen oder Geldautomaten in der direkten Umgebung ausgewählt sowie beliebig als Kurzbefehl hinzugefügt, sortiert oder wieder entfernt werden.

In den POIs dabei ebenfalls vertreten ist der zunächst etwas merkwürdig anmutende Punkt "Städte". Dies hat aber einen einfachen Grund: Ohne Straßenname und Nummer stellt sich das Garmin-Navi bei der Adresseingabe quer – der Routenvorgang lässt sich nicht starten. Wer einfach spontan in das Zentrum einer unbekannten Stadt fahren will, muss daher entweder zunächst eine Straße mit Nummer recherchieren oder eben auf die "Städte"-Liste in der POI-Übersicht ausweichen. Wie es intuitiver geht, machen noch heute Geräte des ehemaligen deutschen Herstellers Navigon vor, der inzwischen zu Garmin gehört. Dort war es ohne weiteres möglich, die Navigation direkt in der Adresseingabe nach Angabe einer Stadt zu starten. Das Gerät berechnete dann automatisch eine Route in die City.

Routenführung mittels markanter Punkte

Sind die Zieldaten aber einmal über die mit einer Vorschlagsfunktion ausgerüstete Bildschirmtastatur eingegeben, besteht die Möglichkeit, entweder sofort mit der jeweils vom Gerät als optimal erkannten Strecke loszulegen oder zunächst manuell aus bis zu drei Routen inklusive Zeit- und Entfernungsangaben auszuwählen. Nettes Detail: Führt die Route durch eine Umweltzone, wird vorab darauf hinwiesen und auf Wunsch – soweit möglich - eine Alternativroute erstellt. Wer seine Route vorab planen will, findet zudem unter "Apps" einen Routenplaner. Soll dabei während der Fahrt noch ein weiteres Ziel angesteuert werden, ist dies ebenso möglich, wie die nachträgliche Änderung der Reihenfolge einzelner Stationen. Diese lässt sich zudem automatisch optimieren, wobei die gewählten Ziele möglichst sinnvoll sortiert werden.

Die Berechnung einer Route dauert meist nur wenige Sekunden; die GPS-Verbindung wurde im Test in der Regel ebenfalls zügig hergestellt. Rollt der Wagen schließlich, leitet das nüvi sowohl mit optischen Hilfestellungen wie realen Schildergrafiken als auch detaillierten Sprachansagen souverän durch den Verkehr. Zur besseren Orientierung werden dabei neben Straßennamen auch markante Punkte wie Tankstellen, Ampeln oder sogar Gebäude einbezogen ("Biegen Sie an der Ampel links ab"; "Biegen Sie nach dem Hotel Christina rechts ab").

Für mehr Übersicht an Autobahnkreuzen und Ausfahrten sorgt ein neuer Fahrspurassistent, der auf animierten Spurpfeilen basiert und so das frühzeitige Einordnen deutlich erleichtert. Für die Sprachausgabe stellt Garmin männliche und weibliche Stimmen zur Auswahl. Diese erfreuen durch einen natürlichen Klang und warnen etwa auch vor Verkehrsbehinderungen ("3D Traffic"). Details über Art und Umfang der Störung werden parallel dazu auf dem dann geteilten Display angezeigt. Ist ein längerer Stau zu erwarten, wird je nach Voreinstellung eine Alternativroute vorgeschlagen beziehungsweise automatisch ausgewählt.

Viele Anzeigen, integrierte Freisprechfunktion

Am unteren Bildrand sind während der Fahrt jeweils zwei Infoboxen sichtbar. Während links standardmäßig die per GPS gemessene Geschwindigkeit zu sehen ist, lässt sich die rechte Seite durch Antippen wahlweise mit Daten zu Ankunfts- und Fahrtzeit, Distanz bis zum (nächsten) Ziel, Richtung oder Höhe belegen. Weitere Extras können über das unten rechts platzierte Menü am rechten Bildrand ausgeklappt werden. Diese informieren wahlweise etwa über POIs entlang der Route, wichtige Reisedaten, aktuelle Verkehrsmeldungen oder auch die letzten drei gewählten Nummern eines per Bluetooth verbundenen Mobiltelefons. Welche Punkte zu sehen sein sollen, kann über die zentralen Konfigurationsoptionen individuell festgelegt werden.

Bereits in der Voreinstellung im Menü zu finden ist die manuelle Regulierung der Lautstärke. Diese ist in ihrer höchsten Stufe im Regelfall mehr als ausreichend und wird auf Wunsch vom Gerät automatisch angepasst. Der zusätzlich in die Scheibenhalterung integrierte Lautsprecher erweist sich dabei insbesondere bei Nutzung der Freisprechfunktion von Vorteil. Diese ist für kurze Gespräche durchaus brauchbar, eignet sich allerdings keineswegs als Dauerlösung für Vieltelefonierer. Zudem sind die Sprachansagen während eines laufenden Telefonats abgeschaltet. Die Verbindung zwischen Telefon und Navi wird nach Ersteinrichtung automatisch hergestellt, sobald die Geräte in gegenseitiger Reichweite sind. Im Test mit einem Samsung Galaxy Mega, einem Samsung Galaxy S4 mini und einem Nokia Lumia 920 funktionierte das - trotz mitunter kleinerer Verzögerungen - stets zuverlässig. Eingehende Anrufe signalisiert das nüvi mit einem eigenen Klingelton – die Annahme ist allerdings nur über das Display möglich. Bei SMS-Nachrichten können die Hände hingegen am Steuer bleiben – diese werden nach Aufforderung über den Sprachbefehl "Lesen" wiedergegeben.

In der Umgebungskarte angezeigte POIs wie Tankstellen oder Restaurants ermöglichen spontane Zwischenstopps ohne lange Menüsuche; bekannte Gebäude sind zudem als 3D-Modelle sichtbar. Wird das Autosymbol angetippt, öffnet sich ein Erste-Hilfe-Menü mit Daten zur aktuellen Position und Informationen zu den nächsten Kliniken, Polizeistationen und Tankstellen. Ebenfalls verzeichnet sind die Nummern der ADAC-Pannenhilfe – leider ist es trotz eines gekoppelten Mobiltelefons nicht möglich, diese direkt über das nüvi anzuwählen. Das ist nur nicht intuitiv, hier bleibt auch vorhandenes Synergiepotenzial auf der Strecke.

Live-Daten per Smartphone

Wird das nüvi in Verbindung mit der für Android und iOS verfügbaren App "Smartphone Link" für den Empfang von Live-Daten gerüstet, sind zusätzliche Informationen zur Wetterlage abrufbar. Um weitere Echtzeit-Dienste nutzen zu können, ist der Abschluss gebührenpflichtiger Abos notwendig. Die Live-Anzeige von mobilen Radarfallen sowie Staumeldungen ("3D Live Traffic") kostet dabei rund 20 Euro pro Jahr; erweiterte Wetterdaten sowie Informationen zu Parkmöglichkeiten und –gebühren schlagen jährlich mit je 5,50 Euro zu Buche. Werden die offerierten Dienste genutzt, empfiehlt sich generell ein Datentarif mit genügend Inklusivvolumen, da monatlich doch schnell einige Megabyte zusammen kommen können. Schön wäre es derweil, wenn künftig auch andere Systeme wie Windows Phone oder BlackBerry mit einer App bedacht würden. Ebenfalls zu begrüßen wäre eine größere Zahl kostenloser Zusatzdienste.

Ausgereifter ist da die Sprachsteuerung des nüvis, über die viele Funktionen direkt angesteuert werden können. Der Start erfolgt über ein simples Stichwort – im Auslieferungszustand lautet dieses "Sprachbefehl". Anschließend lassen sich per Stimmgewalt etwa Lautstärke- und Helligkeitseinstellungen ändern, nach Adressen, POIs oder Kreuzungen suchen, sowie Favoriten aufrufen. Im Test ergab sich dabei ein gemischtes Bild: Auf kurze Kommandos reagierte das Gerät meist zuverlässig; bei komplexeren Aufgaben wie der Erkennung von gesprochenen Straßennamen waren demgegenüber selbst bei ruhiger Umgebung oft mehrere Versuche notwendig.

Kein Fußgängermodus, schwache Akkulaufzeit

Rückschritte gegenüber älteren Geräten wie dem nüvi 3590LMT oder dem nüvi 3790 leistet sich Garmin zum Beispiel bei den verfügbaren Routenprofilen, die nicht nur für ein Premium-Gerät sehr einseitig ausfallen. Gehörten bei vielen Vorgängermodellen noch Fußgängermodus und/oder Fahrradmodus zum Leistungsumfang, ist das nüvi 3597LMT nur noch mit dem PKW sinnvoll verwendbar. Weil das Navi deshalb in der Regel mit Stromanschluss genutzt wird, leistet wohl auch der integrierte Lithium-Ionen-Akku nur das Mindeste: Spätestens nach 2 Stunden gehen den Herstellerangaben zufolge alle Lichter aus; im Praxistest war bei maximalen Helligkeitseinstellungen, aktiviertem Bluetooth und schwierigen GPS-Empfangsbedingungen sogar bereits nach 1,5 Stunden Schluss - ein außerordentlich schwacher Wert.

Ebenfalls nicht gerade ein Glanzstück ist die inzwischen seit Jahren vorherrschende Garmin-Marotte des nicht abstellbaren Quittungstons bei Fingereingaben. Obwohl von vielen Kunden in den Garmin-Foren bereits bei früheren Modellen bereits unzählige Male moniert, gibt es auch beim 3597LMT keine Möglichkeit, den so nervenden wie überflüssigen Ton separat ruhig zu stellen. Wieder lässt Garmin dem Nutzer nur die Wahl, entweder die Gesamtlautstärke – und damit auch die Sprachansagen – abzustellen oder zwangsläufig mit der akustischen Bestätigung zu leben. Vor allem bei voll aufgedrehter Lautstärke kann das auf die Dauer ziemlich anstrengend sein.

Ein anderes Manko hat Garmin hingegen endlich beseitigt. So hielt es der Weltmarktführer zum Leidwesen vieler Nutzer lange Zeit nicht für nötig, eine zentrale Desktop-Software zur Installation von Firmware-Updates, neuen Karten und Extras wie Autosymbolen oder Stimmen anzubieten. Stattdessen musste entweder mit mehreren Einzeltools hantiert oder die über das Kundenkonto erreichbare Weboberfläche genutzt werden. Hier hat sich mittlerweile viel getan: Mit Garmin Express ist seit einigen Monaten ein übersichtliches und einfach zu bedienendes Programm erhältlich, das die Verwaltung des Navigationsgerätes erheblich vereinfacht. Das sowohl für Windows als auch Mac OS X verfügbare Tool fertigt zudem Backups an und hilft dabei, Routen, Wegpunkte und Favoriten auf ein anderes Garmin-Navi zu übertragen.

Fazit: Insgesamt überzeugend - mit Abstrichen

Das nüvi 3597LMT ist mit kleinen Abstrichen ein überzeugendes Gerät für PKW-Piloten, die nicht zuletzt Wert auf eine schöne Optik legen. Gefallen können zudem vor allem die neue Magnet-Halterung, das leuchtstarke Multitouch-Display sowie der erweiterte Fahrspurassistent. Auch das umfassende Verkehrswarnsystem mit Sprachansagen und Text-Hinweisen ist ebenso ein dicker Pluspunkt, wie die Möglichkeit, Echtzeit-Daten für Radarfallen, Staumeldungen oder Parkplatzgebühren optional via Smartphone hinzuzubuchen.

Weniger gefallen hat im Test zudem der (weiterhin) nicht einzeln abstellbare Quittungston, der fehlende Fußgängermodus und die äußerst knapp bemessene Akkulaufzeit. Wer diese Aspekte verschmerzen kann, ist mit dem nüvi 3597LMT nicht schlecht beraten. Gleichwohl hält sich der technologische Sprung gegenüber dem Vorgänger 3590LMT in engen Grenzen, teilweise liegt das ältere Gerät sogar vorn. Wenn es also nicht immer das neuste Modell sein muss, lässt sich hier dank des mittlerweile deutlich niedrigeren Preises bei vergleichbarer Leistung bares Geld sparen.

(Christian Wolf)

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