Testbericht

Nokias Design-Handy 7900 Prism im Test

Viele kleine Dreiecke sind das Kennzeichen der Prism-Collection von Nokia. Ob das edle UMTS-Handy das halten kann, was es auf den ersten Blick verspricht, hat unsere Redaktion genauer untersucht.

Nokia 7900 Prism
Zweifelsohne steht es derzeit hierzulande nicht gerade gut um das Image des weltgrößten Handyproduzenten Nokia. Die Querelen um die Schließung des Bochumer Handywerks hindern das finnische Unternehmen aber freilich nicht daran, neue Modelle auch auf dem deutschen Markt einzuführen. Eines davon folgt der Design-Schiene und trägt den klangvollen Namen 7900 Prism. Unsere Redaktion hat sich den schlanken Hingucker genauer angeschaut und die einzelnen Funktionen auf die Probe gestellt.

Der erste Eindruck

Der Name ist bei Nokias neuem Designtelefon Programm: Das Handy zeichnet sich nicht nur durch einen breiten Funktionsumfang aus, sondern auch durch ein Design, das am Mobilfunkmarkt bisher einzigartig ist. Viele kleine Dreiecke auf Oberschale und Tastatur sorgen dafür, dass das Telefon immer wieder neugierige Blicke auf sich zieht. Hinzu kommt, dass es mit seinen zwölf Millimetern Tiefe sehr flach gehalten ist und mit 112 Millimetern Länge beziehungsweise 45 Millimetern Breite sehr gut in der Hand liegt. Auf der anderen Seite ist es aber auch vergleichsweise schwer. 101 Gramm bringt es nicht zuletzt aufgrund der eingesetzten Alu-Schale auf die Waage.

So schick das schwarz glänzende Handy aussieht, so kritisch muss berücksichtigt werden, dass die dreieckigen Tasten nicht immer praktisch zu bedienen sind. Sie gehen praktisch ineinander über und sind vergleichsweise klein gehalten, wodurch den Nutzer immer das ungute Gefühl beschleicht, im nächsten Moment die falsche Taste zu treffen. Das ist insbesondere für SMS-Schnelltipper ein echtes Manko.

Modernes Menü

Deutlich nutzerfreundlicher zeigt sich das 7900 Prism bei der Menüführung. Eine in Rautenform gehaltene Navigationstaste, die sich silberfarben markant von der sonst komplett schwarzen Oberfläche absetzt, erlaubt schnellen Zugriff auf das Menü, das Nokia-typisch modern und übersichtlich strukturiert ist. Für Kenner: Zum Einsatz kommt hier die Series 40-Plattform der dritten Generation. Rein technisch gesehen ist das 7900 ein echter Weltenbummler. Es funkt auf allen gängigen GSM-Frequenzen und ist somit als Quadband-Telefon praktisch weltweit nutzbar. Überall dort, wo ein UMTS-Netz bereits aufgebaut wurde, können die Vorzüge der dritten Mobilfunkgeneration genutzt werden, beispielsweise schnelleres Surfen im Internet. Videotelefonate werden hingegen nicht unterstützt. Außerdem muss auf den Datenbeschleuniger HSDPA verzichtet werden.

Spiel mit den Farben

Richtig Spaß macht das OLED-Display. Kraftvoll und kontrastreich werden bei einer Auflösung von 240x320 Bildpunkten bis zu 16,7 Millionen Farben angezeigt. Wirklich groß ist es mit einem Durchmesser von zwei Zoll allerdings nicht. Apropos Farben: Als nette Spielerei hat Nokia Nutzern des 7900 die Möglichkeit geschenkt, nicht nur Hintergrundbilder oder Klingeltöne den eigenen Wünschen anzupassen, sondern auch die Tastaturbeleuchtung. Insgesamt 49 Farben stehen zur Auswahl. Mehr noch: Im Standby-Modus pulsieren auf der Kopfseite LEDs in der ausgewählten Farbe, als hätte das Handy einen Herzschlag. Eine ähnliche Funktionen bietet zum Beispiel auch das Nokia 8600 Luna.

MP3 ja, Radio nein

Mit seinen Extras taucht das Prisma-Handy zwar nicht in die Welt unbegrenzter Möglichkeiten ein, hat aber durchaus Nennenswertes zu bieten. So wurde es zum Beispiel mit einem Gigabyte Flashspeicher ausgestattet. Nachteil: Es ist nicht möglich, den Datenplatz mit einer zusätzlichen Speicherkarte zu erweitern. Musikalische Unterhaltung gewährleistet der integrierte Music-Player. Er unterstützt die Formate MP3, AAC, eAAC+ sowie WMA und ist intuitiv bedienenbar. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass die Wiedergabe der Titel mit Drücken der Gesprächstaste nicht unterbrochen wird.

Der Transfer von Dateien auf das Handy ist wahlweise kabellos über die Bluetooth-Schnittstelle oder über das mitgelieferte Datenkabel möglich. Für den Musikgenuss kann auf den etwas blechern klingenden Lautsprecher oder das beiliegende Stereo-Headset gesetzt werden. Bei Bedarf lässt sich das Handy in einen Flugzeug-Modus versetzen, der alle Telefon-Funktionen deaktiviert. Enttäuschend ist, dass ein Radio nicht zur Verfügung steht. Für Foto- und Video-Freunde haben die Nokia-Techniker dem eleganten Fashion-Telefon zusätzlich eine 2-Megapixel-Digitalkamera spendiert. Sie ist mit achtfachem Digitalzoom und einem leistungsstarken Kameralicht ausgestattet. Allerdings fehlt eine Autofokus-Funktion, und das macht sich qualitativ bei den Bildern schnell bemerkbar.

Kamera mit Schwächen

So wirken die Schnappschüsse schnell schlecht oder falsch belichtet und zudem häufig unscharf. Daran können auch die siebenstufig einstellbare Auflösung und die dreistufig anpassbare Bildqualität nichts ändern. Wirklicher Kameraspaß kommt so nicht auf. An Foto-Extras stehen ein Selbstauslöser (drei, fünf und zehn Sekunden Wartezeit) und verschiedene Effekte wie die Aufnahme in falschen Farben oder Schwarz-Weiß zur Verfügung. Wer kleine Videos drehen möchte, muss mit einer deutlich geringeren Auflösung von 176x144 Pixel auskommen. Abgerundet wird der Funktionsumfang durch einen Organizer, der vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet. So stehen beispielsweise ein Wecker, ein Kalender, eine Aufgabenliste und ein virtueller Notizblock zur Verfügung. Außerdem sind Rechner und Stoppuhr sowie ein Countdown-Zähler nutzbar. Im Lieferumfang enthalten ist neben Datenkabel und Headset auch eine Stoff-Schutztasche. Die Gesprächszeit lag im Test bei eher enttäuschenden 3,5 Stunden, die Bereitschaftszeit lag bei knapp einer Woche. Fazit: Tolles Design mit diversen Schwächen

Wer auf der Suche nach einem Handy ist, das vor allem in Sachen Design überzeugen soll, kann mit dem Nokia 7900 Prism nichts falsch machen. Es sieht trotz der fleckempflindlichen schwarzen Oberfläche gut aus, ist schön flach und lässt sich mit verschiedenen Hintergrundfarben den eigenen Wünschen individuell anpassen.

Doch Design ist nicht alles. Schwächen offenbart vor allem die integrierte Kamera, die ohne Autofokus auskommen muss. Zudem fehlt es an HSDPA-Unterstützung und einem Radio. Somit ist der aktuelle Verkaufspreis in Höhe von etwa 290 Euro auch nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen. Hier muss klar das außergewöhnliche Design mitbezahlt werden.

Name: 7900 Prism
Hersteller: Nokia
Internet: www.nokia.de
Preis: ca. 290 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband; UMTS
Abmessungen: 112 x 45 x 11 Millimeter
Gewicht: 101 Gramm
Display: 2 Zoll, 240 x 320 Pixel, 16,7 Mio. Farben
Speicher: 1 GB intern
Schnittstellen: USB, Bluetooth
Digitalkamera: 2 Megapixel mit achtfachem Digitalzoom, Kameralicht
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel, Schutztasche
Extras: MP3-Player, Bluetooth 2.0, externer Lautsprecher, Flugzeugmodus
Akkulaufzeit im Test: 3,5 Stunden Sprechzeit, ca. zehn Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
Quadband
UMTS-Kompatibilität
kontrastreiches Display
schickes Design
kein HSDPA
kein Radio
Kamera mit Schwächen
Speicher nicht erweiterbar
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): befriedigend
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Preis-Leistung: gut
Gesamtnote gut (2,4)

(Hayo Lücke)

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