Testbericht

Nokia N91 im Test - Erstaunlicher Musik-Klotz

Ein Handy mit acht Gigabyte großer Festplatte ist das N91 von Nokia. Unter anderem mit an Bord: WLAN und eine 2-Megapixel-Kamera. Ob der 165 Gramm schwere Knochen auch in der Praxis überzeugen kann, haben wir getestet.

Nokia N91

Wer viel unterwegs ist, sei es privat oder geschäftlich, wünscht sich zur Entspannung zwischendurch meist nicht nur ein Handy, sondern auch einen MP3-Player mit möglichst großer Speicherkapazität. Apple hat es mit dem iPod vorgemacht, viele andere namhafte Hersteller von Unterhaltungselektronik sind nachgezogen. Nokia ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat mit dem N-Series-Modell N91 den Spagat gewagt, ein Handy inklusive integrierter Festplatte auf den Markt zu bringen. Neben einer Version mit vier Gigabyte großer Festplatte ist inzwischen auch ein Modell mit doppelt so großer Speicherkapazität erhältlich. Wir haben das Speicherwunder mit acht Gigabyte Festplatte genauer unter die Lupe genommen.

Schwerer Knochen

Der erste Eindruck nach Öffnen des Kartons ist zwiespältig. Zwar kann sich der Nutzer über eine lange Liste an mitgeliefertem Zubehör freuen, ein Stereo-Headset inklusive Fernbedienung, Datenkabel, Audio-Kabel zur Verbindung mit Aktivboxen und Ladegerät liegen bei, das eigentliche Endgerät wirkt aber mehr wie ein schwerer Knochen aus den Anfängen der Mobilfunk-Ära. Stolze 165 Gramm bringt das Telefon bei eher unhandlichen Abmessungen von 113 x 55 x 22 Millimetern auf die Waage. In der Hemd- oder Hosentasche wirkt es daher leider eher wie ein lästiger Fremdkörper.

Herzstück des Kompakthandys ist das Betriebssystem Symbian S60 3rd Edition. Das hat zur Folge, dass eine von Nokia gewohnte und intuitive Menüführung zur Verfügung steht. Erleichtern wird die Navigation durch das Menü über kleine Grafiken, die allerdings nicht animiert sind. Praktisch: Das Menü lässt sich mit nur einem Druck auf die Menütaste starten. Die findet sich aber nicht unterhalb des Bildschirms, sondern an der rechten Seite des Handys. Rechtshänder reicht zur Aktivierung ein Daumendruck. Weit weniger praktisch ist die kleine Schiebetaste auf der Kopfseite, wo auch die Taste zum Ein- und Ausschalten sitzt. Sie dient zur Tastensperre, rutscht aber leider zu schnell hin und her.

Praktischer Steuer-Joystick

Durch das Menü wird über einen kleinen, aber durchaus bedienfreundlichen Steuer-Stick navigiert. Im Vergleich zu einer klassischen Steuertaste ist der 5-Wege-Stick, der zentral unter dem Display angeordnet wurde, einfacher zu bedienen. Menüpunkte werden ausgewählt, indem der kleine Joystick nach unten drückt wird. Neben dem Stick stehen zwei frei programmierbare Menütasten sowie die Tasten zum Annehmen und Beenden des Gesprächs zur Verfügung.

Um ein Telefonat führen zu können, muss zunächst die Zifferntastatur zum Vorschein gebracht werden. Wer denkt, dass es sich beim N91 um ein Slider-Modell handelt, bei dem die Tastatur hinter das Display geschoben wird, irrt. Vielmehr muss eine Klappe mit Bedientasten für den integrierten MP3-Player nach unten geschoben werden. Dann lassen sich die blau beleuchteten Zifferntasten bedienen, die allerdings sehr klein geraten und somit nichts für dicke Finger sind.

Display ordentlich

Ordentlich, aber nicht der neueste Schrei, ist das Display. Es kann bei einer Auflösung von 176 x 208 Bildpunkten immerhin 262.144 Farben darstellen. Andere Nokia-Handys, wie das E65 oder das 6300, sind da aber schon weiter und liefern eine Darstellung von bis zu 16,7 Millionen Farben. Positiv hervorgehoben werden muss aber, dass sich die Helligkeit des Displays automatisch der Umgebung anpasst. Besonders bei starker Sonneneinstrahlung ist dadurch noch ein akzeptables Lesen der Bildschirminhalte möglich.

Eine zweite Kamera fehlt

Für Multimediafreunde, die gerne auch mal Fotos oder Videos aufnehmen, bietet das N-Series-Telefon auf der Rückseite eine 2-Megapixel-Kamera. Qualitativ liefert die Kamera aber nicht das, was sie verspricht. Die Bilder wirken leider grundsätzlich unscharf – besonders wenn Aufnahmen mit Bewegungsabläufen aufgenommen werden sollen. Da hilft auch der 20-fache (!) Digitalzoom und die sehr ansprechende Gestaltung der rotierenden Fotogalerie wenig. An Sonderfunktionen bietet die Kamera einen Nachtmodus und Selbstauslöser, der Bilder wahlweise nach zehn, 20 oder 30 Sekunden aufnimmt. Eine Serienbildfunktion nimmt im Sekundenabstand sechs Bilder in direkter Folge auf. Die Auflösung lässt sich wahlweise auf 1600 x 1200 Pixel oder 640 x 480 Pixel bei Fotos beziehungsweise 352 x 288 Pixel, 176 x 144 Pixel oder 128 x 96 Pixel bei Videos einstellen.

Auffällig ist, dass eine zweite Frontkamera für Videoanrufe fehlt. Das ist vor allem verwunderlich, weil das N91 nicht nur in klassischen GSM-Netzen funkt (Triband), sondern auch in UMTS-Netzen. Ebenfalls schade: Schnelle Internetverbindungen über den UMTS-Datenbeschleuniger HSDPA sind nicht möglich, immerhin kann aber auf EDGE gezählt werden. Das heißt, in UMTS-Netzen kann mit bis zu 384 Kilobit pro Sekunde im Internet gesurft werden, in GSM-Netzen mit gut 200 Kilobit pro Sekunde.

Dafür kann das N91 an anderer Stelle punkten: Dank einer WLAN-Schnittstelle ist ein Internetzugriff an allen Hotspots möglich. Der Aufbau einer Verbindung klappte sowohl an einer Fritz!Box in den heimischen vier Wänden als auch an einem T-Mobile-Hotspot in Köln problemlos. Unterstützt werden die WLAN-Standards 802.11b und 802.11g. Ein HTML-Browser erlaubt das Surfen im Internet, ein E-Mail-Client macht das Abrufen von Nachrichten möglich.

Dickes Plus: der Musikplayer

Das absolute Highlight des Handys ist die Musikfunktion. Der interne Speicher von 30 Megabyte wird durch eine integrierte Festplatte ergänzt, die acht Gigabyte an Daten speichern kann. Das reicht für viele, viele Musikdateien und auf Wunsch sogar das ein oder andere komplette Album oder Hörbuch. Auf der anderen Seite hat die Festplatte aber auch zur Folge, dass das Handy schwer und eher unhandlich ist. Neben MP3-Dateien werden auch AAC-, eAAC+-, Real-, WAV-, WMA-, M4A- und AMR-WB-Dateien vom integrierten Musicplayer wiedergegeben.

Anders als viele andere Handys kann das N91 auch in Sachen Klangqualität überzeugen. Die Musikstücke klingen kraftvoll mit einem ordentlichen Bass und klar, sodass dem Hörspaß nichts im Wege steht. Mit Hilfe eines 5-Band-Equlizers lässt sich die Klangqualität den eigenen Wünschen anpassen. Außerdem lassen sich verschiedene Klangprofile auswählen, wie Rock oder R&B. Als vorteilhaft erweist sich, dass der Musikplayer auch ohne eingelegte SIM-Karte funktioniert und eine Navigation über separate Bedientasten auf der Front des Handys möglich ist. Etwas kompliziert gestaltet sich aber das Speichern von Musikdateien im richtigen Ordner. Hat der Nutzer die Ordnerstruktur aber einmal verstanden, steht dem Musikgenuss nichts mehr im Wege.

Auch ein Radio fehlt nicht

Wem das mitgelieferte Stereo-Headset inklusive Fernbedienung nicht reicht, hat die Möglichkeit, den eigenen Wunsch-Kopfhörer an das Handy anzuschließen. Auf der Kopfseite findet sich ein klassischer Eingang für einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker. Und wer unterwegs mal die aktuellen Nachrichten statt der Lieblingsmusik hören möchte, kann auf die Dienste eines UKW-Radios zählen.

Um Musikdateien auf das Handy zu übertragen steht wahlweise für kabellose Übertragung eine Bluetooth 1.2-Schnittstelle zur Verfügung oder es kann auf einen USB 2.0-Anschluss gezählt werden. Beide Schnittstellen arbeiten mit einer ordentlichen Geschwindigkeit, sodass auch große Datenmengen recht zügig auf die Festplatte des Handys übertragen werden können.

Fazit: Klobiger Musikgenuss

Wer sich ein Handy wünscht, das gleichzeitig auch als umfangreicher und guter MP3-Player dienen soll, kann mit dem Nokia N91 eine Alternative zu klassischen Musikplayern finden. Der integrierte MP3-Player macht richtig Spaß und kann mit einer Tonwiedergabe überzeugen, die durchaus als sehr gut bezeichnet werden kann. Schade ist nur, dass es Abzüge für die Verarbeitung geben muss. Das Handy ist nicht nur schwer, sondern auch unhandlich.

Bei der Gesprächsqualität müssen Nutzer keine Abstriche in Kauf nehmen. Bei unseren Testanrufen konnten beide Seiten ohne Komplikationen oder Störgeräusche telefonieren. Nur bei aktivierter Freisprecheinrichtung ist der Nutzer des N91 eher blechern zu verstehen.

Schwacher Akku

Alles in allem ist das N91 ein Kompakthandy mit Schwächen im Design, aber auch mit nicht zu vernachlässigenden Stärken bei den Extras. Erwähnt werden sollte hier neben der WLAN-Schnittstelle auch die schnelle Datenübertragung. Der Akku erfüllt die hohen Anforderungen von Businessnutzern nur bedingt. In unserem Test kamen wir auf gut drei Stunden Sprechzeit und gut acht Stunden ununterbrochenen Musikgenuss. Die Standbyzeit liegt laut Nokia bei bis zu acht Tagen, im Test wurde dieser Wert knapp verfehlt.

Das Nokia N91 mit acht GB kostet laut Nokia 519 Euro, ist im Fachhandel aber bereits für rund 450 Euro zu haben. Alternativ ist auch eine Version mit vier Gigabyte großer Festplatte erhältlich. Dieses Modell kostet laut Nokia 499 Euro, im Fachhandel hingegen nur 420 Euro. Preise, die niemanden vom Hocker hauen werden, aufgrund der gelieferten Handyextras aber gerechtfertigt sind.

(Hayo Lücke)

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