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Nokia Lumia 920 im Test - Es polarisiert und überzeugt

Mit dem Lumia 920 hat Nokia ein neues Top-Smartphone im Angebot. Es ist mit einer sehr guten Kamera ausgestattet, hat aber auch den ein oder anderen Makel. Wir geben einen Überblick.

Nokia Lumia 920© Nokia

Nokia hatte in den zurückliegenden Monaten wahrlich wenig zu lachen. Die Verkäufe der Lumia-Smartphones auf Basis von Windows Phone 7.5 und 7.6 verliefen nicht wirklich erfolgreich, die Verluste steigerten sich in schwindelerregende Höhen und in diesem Zusammenhang sackte auch der Aktienkurs immer weiter ab. Grund genug, das Ruder herumzureißen. Und genau das soll mit dem Lumia 920 gelingen – Nokias erstem Smartphone auf Basis von Windows Phone 8. Wir haben uns das quietschgelbe Telefon genauer angesehen.

Lumia 920 – Ein Smartphone, das polarisiert

Die wichtigste Botschaft vorweg: das Lumia 920 spaltet die Geister schon beim ersten Anblick. Während die einen es als echtes Schmuckstück wahrnehmen, kritisieren die anderen die recht markanten Züge scharf. Nachvollziehbar sind beide Sichtweisen. Denn einerseits kommt das Telefon mit (s)einem großen Touchscreen und klar sichtbaren Kanten als sehr robustes Smartphone daher. Das insgesamt auffällige Äußere zieht aber auch viele Blicke auf sich. Zweifelsohne ist das Lumia 920 ein Telefon, das als Statussymbol dienen kann.

Die Bedienung des Multimedia-Smartphones ist denkbar einfach. Denn auch wenn die Einstellungen zum Teil ein wenig unübersichtlich sind, ist die generelle Menüführung von Windows Phone 8 bewusst schlicht gehalten worden. Auf dem Startbildschirm können die so genannten Live-Kacheln in bis zu drei Stufen in der Größe angepasst und nach persönlichem Belieben angeordnet werden. Außerdem ist es möglich, aus insgesamt 20 Farben für das Kachel-Design auszuwählen. Mit einem Fingerwischer von rechts nach links wird das Hauptmenü sichtbar, in dem alle installierten Anwendungen in einer langen Liste untereinander dargestellt werden – unterstützt durch ein kleines Suchfenster. Übersichtlicher geht es kaum.

Tolle Verarbeitung

Keine Blöße hat sich Nokia bei der Verarbeitung gegeben. Das Display mit Glas-Oberfläche ist fast nahtlos mit dem eigentlichen Handykörper aus glattem Polycarbonat verbunden. Bei den seitlich angebrachten Keramik-Tasten ist kein Knarzen zu vernehmen und die Kameralinse ragt anders als bei anderen Smartphones nicht aus dem Gehäuse heraus. Einziger Wermutstropfen ist das recht hohe Gewicht: satte 185 Gramm bringt das Lumia 920 auf die Waage und das spürt man auch. Hinzu kommen die recht sperrigen Abmessungen von 130 x 71 x 11 Millimetern, die insbesondere kleinere Hände vor Herausforderungen stellen. Im Hochformat mit dem Daumen die oberen Ecken des Displays zu erreichen, erfordert nicht selten ein Umgreifen.

Feststellen muss man aber auch, dass es viel Freude bereitet, mit dem 4,5 Zoll großen Display im Alltag zu arbeiten. Auf Internetseiten und in Apps muss vergleichsweise wenig gescrollt werden, die bis zu 16,78 Millionen Farben werden mit einem tollen Kontrast wiedergegeben und auch die Auflösung von 1.280 x 768 Pixeln ist ein Erlebnis. Hinzu kommt, dass der Bildschirm mit schnellen Reaktionszeiten und gut zu bedienenden virtuellen QWERTZ-Tastaturen im Hoch- und Querformat punkten kann.

Ergänzend zur Touchscreen-Bedienung sind unter dem Display drei Sensortasten zu finden, die für die Navigation durch das Menü wichtig sind: eine Zurück-Taste, eine Windows-Taste, mit der immer wieder der Startscreen aufgerufen werden kann und eine Such-Taste, die eine Verbindung zur Microsoft-Suchmaschine Bing herstellt.

Betrieb über eine Micro-SIM

Spezielle Hardware-Tasten sind nur an der rechten Seite des Telefons zu finden. Mittig wurde eine Taste zum Ein- und Ausschalten in das Gehäuse integriert, die von Rechtshändern sehr gut mit dem Daumen getroffen werden kann. Darüber wurden eine Wipptaste zur Regulierung der (Klingelton-) Lautstärke und eine separate Kamerataste integriert. Der Micro-USB-Anschluss wurde am Fußende verbaut, der Kopfhörer-Eingang an der Kopfseite. Dort ist auch ein kleiner Schacht zu finden, in den über einen Adapter eine SIM-Karte im Micro-Format eingelegt werden muss.

Gefunkt wird nicht nur in allen GSM- und UMTS-Netzen, sondern auch – und das ist ein wichtiger Unterschied im Vergleich zu Apples iPhone 5 - in sämtlichen LTE-Frequenzbereichen. Das Lumia 920 unterstützt also nicht nur den von der Telekom verwendeten 1800er Frequenzblock, sondern verrichtet unter anderem auch auf der in Deutschland genutzten 800er und 2.600er LTE-Frequenz seinen Dienst. Die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit liegt in LTE-Netzen bei 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Download und 50 Mbit/s im Upload. Per HSPA+ sind Downloads mit maximal 42,2 Mbit/s möglich. Ergänzend dazu lässt sich an Hotspots eine WLAN-Schnittstelle nutzen.

Dual Core-Prozessor als Herzstück

Für eine flüssige und ruckelfreie Bedienung sorgt ein Dual-Core-Prozessor Snapdragon S4 von Qualcomm. Beide Kerne sind mit 1,5 Gigahertz getaktet und liefern zusätzliche Leistung, wenn sie sie benötigen – zum Beispiel bei mobilen Spielen oder der Kamerafunktion. Beide Kerne können sich unabhängig voneinander ein- oder ausschalten, was die Akkuleistung schonen soll.

Doch am Ende des Tages ist es wie bei so vielen Smartphones der integrierte Akku, der aus dem ansonsten tollen Nutzungserlebnis eine kleine Enttäuschung macht. Trotz einer Kapazität von 2.000 mAh muss bei regelmäßiger Nutzung schon recht zügig der Gang zur Steckdose angetreten werden. Insbesondere bei intensiver Nutzung mobiler Datenverbindungen leert sich der Akku sehr zügig.

Eine Idee wäre es natürlich, auf längeren Reisen in der Tasche einen Ersatzakku mit sich zu tragen. Dieses Vorhaben scheitert aber daran, dass der Energiespeicher fest verbaut wurde und ein einfacher Wechsel deswegen nicht möglich ist.

Mehr noch: obwohl Windows Phone 8 die Möglichkeit bieten würde, eine Speichererweiterung per MicroSD-Karte zu gestatten, ist das Lumia 920 nicht mit einem entsprechenden Slot ausgestattet. 32 Gigabyte Flash-Speicher und 7 Gigabyte Online-Speicherplatz in Microsofts SkyDrive-Dienst müssen dem Nutzer reichen. In der Regel sicherlich ausreichend, aber trotzdem ist die fehlende MicroSD-Unterstützung vor allem für Multimedia-Fans ärgerlich.

Eine Kamera, die Laune macht

Viel Wert hat Nokia auch auf die integrierte Digitalkamera gelegt. Und man muss einfach feststellen, dass die integrierte 8,7 Megapixel-Linse von Carl Zeiss zum Besten gehört, was jemals in einem Smartphone verbaut wurde. Dinge, die fokussiert werden sollen, müssen auf dem Display lediglich angetippt werden, es stehen verschiedene Aufnahmemodi inklusive Nah- und Nachtaufnahme zur Verfügung und Aufnahmen sind sowohl im 16:9- als auch im 4:3-Format möglich.

Qualitativ überzeugen die Aufnahmen vor allem bei Tageslicht mit einer selten zuvor gesehen Schärfe und einer imposanten Farbtreue. Verschlechtern sich die Lichtverhältnisse, lässt aber auch die Qualität der Aufnahmen nach. Gleichwohl wird ein hohes Niveau gehalten – unterstützt durch einen zuverlässig arbeitenden Autofokus und ein leistungsstarkes Blitzlicht, das seinen Namen zurecht trägt.

Wer statt Fotos lieber Videos aufnehmen möchte, kann die Camcorder-Funktion aktivieren und Aufnahmen in Full-HD (1.080) abdrehen. Auf Wunsch lassen sich das Kameralicht und Zoom zuschalten. Beeindruckend ist zudem der optische Bildstabilisator, der Videoaufnahmen mit deutlich weniger Verwackelungen gestattet.

Frontkamera mit 720p

Und damit auch Freunde von Videochats sich nicht vernachlässigt fühlen, haben die Nokia-Techniker eine Frontkamera integriert, die sich leistungstechnisch ebenfalls nicht verstecken muss: sie löst mit bis zu 1.280 x 720 Pixeln auf.

Leichte Abstriche muss man beim neuen Lumia-Smartphone in Bezug auf die nutzbaren Apps machen. Zwar sind inzwischen die meisten wichtigen Applikationen auch auf Basis von Windows Phone nutzbar, doch es gibt immer noch viele Anwendungen, die eben nicht zur Verfügung stehen. Zum Beispiel "Tweetdeck", "Handyticket Deutschland" oder auch "Spotify". Schön ist, dass das App-Design in vielen Fällen hübscher daher kommt als bei Android und iOS. Pluspunkt Nokia: umfangreiches Kartenmaterial für die Navigation im Auto (Nokia Navigation) zu Fuß (Nokia City-Kompass) oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Nokia Bus & Bahn) ist ab Werk vorinstalliert und kostenlos nutzbar.

Fazit: Das beste Lumia, das es je gab

Auch wenn es hier und da noch leichte Abzüge in der B-Note gibt, ist das Lumia 920 das zweifelsohne beste Windows-Smartphone, das jemals von Nokia produziert wurde. Nicht nur wegen der tollen Gesamtperformance und der sehr guten Kamera, sondern auch wegen des schnörkellosen Designs. Sicher, das Gewicht und das sehr kantige Äußere sind nicht jedermanns Sache und auch die gelbe Färbung trifft nicht jeden Geschmack. Zumindest in diesem Punkt kann Nokia aber Abhilfe schaffen und zusätzlich Telefone in Weiß, Schwarz und auf Wunsch sogar in Rot anbieten.

Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch das sehr gute Display, das sich notfalls sogar (weniger komfortabel) mit Handschuhen bedienen lässt. Auch die Möglichkeit, das Telefon kabellos aufladen zu können und der breite Umfang an Extras (NFC, Bluetooth, GPS) sowie die umfangreiche LTE-Unterstützung lassen aufhorchen. Schade: die Rückseite des Telefons ist mehr rutschig als wirklich griffig.

Bleibt noch eine Frage: Was kostet das Lumia 920 überhaupt? Die Antwort muss lauten: nicht wenig. Im Online-Fachhandel sind es aktuell mindestens 585 Euro, bei Amazon ohne zusätzliche Versandkosten immerhin je nach Farbe mindestens 649 Euro. Den Puls der Zeit hat Nokia aber ganz offenbar getroffen, denn vielerorts ist das neue Flaggschiff der Finnen derzeit vergriffen. Ein schlafender Riese scheint wieder zu erwachen.

Name: Lumia 920
Hersteller: Nokia
Internet: www.nokia.de
Preis: ab ca. 585 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Windows Phone 8
Prozessor: 1,5 Ghz. Dual-Core Snapdragon S4
Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
SIM: MicroSIM
Antenne: GSM, UMTS, HSDPA, LTE
Abmessungen: 130 x 71 x 11 Millimeter
Gewicht: 185 Gramm
Display: 4,5 Zoll, 1.280 x 768 Pixel, 16,8 Mio. Farben
Speicher: 32 GB intern (nicht erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, NFC
Digitalkamera: 8,7 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera (720p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset in Gehäusefarbe, USB-Kabel, PIN zum öffnen des SIM-Fachs
SAR-Wert: 0,70 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, GPS, WLAN, HD-Unterstützung
Akkulaufzeit im Test: 5-6 Stunden Sprechzeit
12-16 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
umfangreiche LTE-Unterstützung
sehr gute Verarbeitung
kontraststarkes Display
starke Kamera
kostenlos nutzbares Kartenmaterial
Akku mit geringer Ausdauer
Speicher nicht erweiterbar
kein UKW-Radio
sehr schwer

Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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