Testbericht

Nokia C7 im Test: Smartphone für den Massenmarkt

Wer nicht auf Apple oder ein Android-Smartphone setzen möchte, findet im Nokia C7 eine interessante Alternative. Es liefert viele Extras zu einem fairen Preis. Wir haben das Mittelklasse-Telefon getestet.

Nokia C7

Bis Nokia voraussichtlich Anfang 2012 erste Smartphones auf Basis von Windows Phone 7 des Software-Riesen Microsoft anbieten wird, müssen noch ein paar Monate vergehen. Bis dahin kommt auf diversen Endgeräten noch ein Symbian-Betriebssystem zum Einsatz. Auf dem C7 beispielsweise Symbian^3. Wir hatten die Möglichkeit, das Mittelklasse-Telefon auf die Probe zu stellen.

Hochwertige Verarbeitung

Wer das Nokia C7 das erste Mal in den Händen halten darf, wird sich einerseits zwar darüber wundern, dass es schwer ist (130 Gramm), aber auf der anderen Seite auch durch eine sehr wertige Optik überzeugt. Dazu trägt insbesondere der verbaute Edelstahl-Rahmen bei. Ebenfalls metallisch präsentiert sich die leicht zu entfernende Akkuabdeckung, was das hochwertige Gesamterscheinungsbild verstärkt. Optisch ist das Nokia C7 zweifelsohne ein echter Hingucker.

Gleichwohl gibt es auch Schattenseiten. Und die kommen insbesondere dann zur Geltung, wenn das Telefon unter freiem Himmel eingesetzt wird. Zwar kann das verbaute AMOLED-Display durch satte Farben und ordentliche Kontraste überzeugen, die Glas-Oberfläche spiegelt aber häufig überdurchschnittlich stark.

Insbesondere mit der Sonne im Rücken wird es schwierig, auf dem Display überhaupt noch etwas abzulesen. Fast hat man als Nutzer das Gefühl, tatsächlich eher in einen Spiegel statt auf ein Handydisplay zu schauen. Hinzu kommt, dass Fingerabdrücke sehr schnell auf dem 3,5 Zoll großen Touchscreen sichtbar werden und nahezu täglich intensives Polieren angesagt ist. Ein Problem, das man aber auch von anderen Touchscreen-Telefonen gut kennt.

Die Navigation durch das Menü erfolgt nahezu ausschließlich über den Bildschirm. Nur die Home-Taste und die beiden Tasten zum Annehmen und Beenden von Telefonaten weichen von der Touch-Agenda ab. An der Seite sind zudem Bedienelemente zur Lautstärkeregelung und zum Sperren des Displays zu finden. Außerdem eine separate Kamerataste, die als Schnellstart-Element und Auslöser für die integrierte Digicam dient. Mit der Home-Taste ist es wahlweise möglich, von einem der drei individuell anpassbaren Home-Screens ins Hauptmenü oder aus dem Menü zurück auf den zuletzt genutzten Homescreen zu wechseln.

Tipp: Schnellzugriff-Widget nutzen

Das Symbian-Menü selbst ist übersichtlich strukturiert und lässt nach einer kurzen Eingewöhnungszeit eine weitestgehend intuitive Navigation zu. Schade ist allerdings, dass aus dem Ovi Store heruntergeladene Apps nicht einfach auf einem der Homescreens abgelegt werden können. Um zum Beispiel die App des "kicker", von Foursquare oder Whatsapp von einem Startbildschirm starten zu können, muss der Umweg über ein Schnellzugriff-Widget eingeschlagen werden. In diesen Widget können bis zu vier Programme eingebunden und mit einem Antipper gestartet werden. Im Verglich zu Android und Apples iOS ist das zwar umständlich, mit etwas technischem Grundverständnis aber durchaus noch zu handhaben.

Apropos Apps: davon gibt es im Ovi Store zwar weiterhin nicht jene Masse, die für Android-Smartphones oder iPhones zur Verfügung steht, diverse interessante Applikationen sind aber durchaus zu finden. Wer schon zuvor ein Nokia-Smartphone genutzt hat, erhält im Ovi Store eine Übersicht zu den bereits heruntergeladenen Apps. Sie müssen aber manuell noch einmal geladen und auf dem C7 installiert werden. Mit der Zeit ziemlich ärgerlich sind die zum Teil langen Ladezeiten innerhalb des Ovi Stores und auch die teils sehr langen Installationsprozesse einzelner Apps kosten viel Zeit. Überhaupt war bei unserem Test-Modell eine App-Installation erst möglich, nachdem die Symbian-Software von Version 012.004 auf Version 014.002 aktualisiert wurde. (Einstellungen > Telefon > Tel.managem. > Aktualis. F. Gerät)

Ausgerichtet auf Social Networking

Ansprechen möchte Nokia mit dem C7 unter anderem Personen, die häufig im Internet unterwegs sind und dort gerne Portale wie Twitter und / oder Facebook nutzen. Informationen aus beiden Netzwerken sind entweder über Apps oder in Form spezieller Widgets direkt auf einem der drei Homescreens abrufbar. Allerdings sind die Widgets für soziale Netzwerke derart klein gehalten, dass ihre Nutzung nicht wirklich Spaß macht und in der Regel doch auf die im Ovi Store bereitgestellten Apps zurückgegriffen wird. Ein weiterer Widget-Fauxpas: die vorinstallierte Anwendung für die Google-Suche liefert eine weiße Schrift auf grauem Hintergrund, ist deswegen praktisch unleserlich und für die Augen eine echte Belastung.

Einen Pluspunkt kann das C7 für seine Home-Taste einstreichen. Sie hat mit ihrer langgezogenen Form nicht nur einen guten Druckpunkt, sondern dient ergänzend auch als Status LED. Wer einen Anruf, eine SMS oder beispielsweise eine WhatsApp-Nachricht verpasst hat, wird darüber durch ein Aufleuchten der Home-Taste informiert. Nicht angenommene Anrufe und nicht gelesene SMS werden durch ein weißes Flackern signalisiert, bei verpassten WhatsApp-Nachrichten war im Rahmen unseres Tests ein rotes Dauerleuchten der Status LED zu beobachten. Praktisch, um die Relevanz verpasster Nachrichten unterscheiden zu können.

Display wird im Standby-Betrieb zur Uhr

Als mindestens ebenso angenehm - insbesondere auf dem Nachttisch - erweist sich die Uhr, die auf dem Display sichtbar wird, sobald das Telefon in den Standby-Betrieb schaltet. Sie wird nur mit einer schwachen Beleuchtung auf den Bildschirm gezaubert und erhellt abgedunkelte Räume dadurch praktisch nicht. Je nach persönlichem Empfinden ist eine Digital- oder Analog-Uhr auswählbar.

Weil auch bei diesem Telefon keine physische Tastatur zum Einsatz kommt, sondern sämtliche Eingaben über das Display erfolgen, stellt sich insbesondere für SMS-Fans die Frage: bietet das Nokia C7 eine ordentliche virtuelle QWERTZ-Tastatur? Die Antwort ist simpel: ja, mit Einschränkungen. Generell ist es weitestgehend problemlos möglich, Kurznachrichten über das Display zu schreiben. Es reagiert ohne Verzögerungen, was schnelles Tippen insbesondere im Querformat möglich macht. Aber: das integrierte Wörterbuch schlägt immer mal wieder Verbesserungen vor (oder korrigiert Worte automatisch), obwohl dies gar nicht notwendig wäre.

Auch ein Blick auf die integrierte Kamera sei an dieser Stelle abschließend noch gestattet. Und hier kommen Vor- und Nachteile zum Vorschein, die wir auch schon beim Test des Nokia E7 beobachten konnten. Grundsätzlich ist es Nokia gelungen, eine vorbildliche Kameratechnik zu verbauen, die Tücken liegen aber im Detail.

Kamera mit Stärken und Schwächen

Zunächst die technischen Fakten: das C7 liefert eine 8-Megapixel-Kamera, die mit einem Dual-LED-Fotolicht ausgestattet ist und auch Video-Aufnahmen erlaubt. Letzteres sogar in HD-Qualität mit einer Auflösung von 720p. Und keine Frage: die HD-Videos fressen zwar einerseits viel Speicherplatz, sie liefern aber eine durchweg überzeugende Qualität. Weil parallel dazu auch das integrierte Mikrofon seinen Dienst ordentlich verrichtet, machen aufgenommene Bewegtbilder richtig Spaß.

Anders sieht es bei den Fotos aus, die bei Panorama-Aufnahmen zwar ebenso überzeugen können wie Videos, aber immer dann versagen, wenn Dinge aus kürzerer Distanz abgelichtet werden sollen. Weil dem C7 ein Autofokus verweigert wurde, sind insbesondere Makro-Aufnahmen häufig unscharf und falsch belichtet. Schade!

Fazit: Ein Smartphone für Otto-Normal-Nutzer

Am Ende ist das Nokia C7 ein im Funktionsumfang umfassend aufgestellter Alltagsbegleiter, der in vielen Punkten ordentlich die Muskeln spielen lässt. HD-Videos, 8 Gigabyte interner Speicher, AMOLED-Display und WLAN-Schnittstelle mit schnellem N-Standard sind nur vier Extras, bei denen das Smartphone Pluspunkte sammelt. Schön ist auch, dass der Ovi Store langsam aber sicher immer mehr Apps vorweisen kann, mit denen deutsche Nutzer etwas anzufangen wissen. Die wertige Verarbeitung sorgt für ein attraktives Gesamterscheinungsbild, der Akku hält bei normaler Nutzung in der Regel 18 bis 24 Stunden.

Schwächen? Ja, auch die gibt es. Die eher maue Bildqualität der integrierten Kamera bei Nahaufnahmen haben wir bereits angesprochen. Hinzu kommt, dass das Telefon immer mal wieder hakt, wenn mehrere Programme parallel laufen. In diesem Fall hilft es nur den Taskmanager aufzurufen (Home-Taste gedrückt halten) und einzelne Anwendungen zu löschen. Unverzeihlich ist es allerdings, wenn einzelne Apps auch nach einer Neuinstallation gar nicht mehr starten wollen. In zwei Fällen half im Rahmen unseres Tests nur noch ein Zurücksetzen des Telefons auf die Werkeinstellungen mit anschließender Neuinstallation der Apps. Positiv: Heruntergeladene Applikationen und einzelne Unterpunkte des Hauptmenüs können in neuen Ordnern nach den persönlichen Wünschen sortiert werden.

Und was kostet das C7? Ohne Vertrag werden in etablierten Online-Shops mindestens 247 Euro fällig. Ohne Versandkosten ist das Gerät bei Amazon für 289 Euro zu haben. Bei o2 und Fonic ist es derzeit zudem in Ratenzahlung über zwei Jahre für 15 Euro monatlich erhältlich; also für insgesamt 360 Euro. In Verbindung mit einem Laufzeitvertrag kostet es bei o2 einmalig 9,99 Euro.

Name: C7
Hersteller: Nokia
Internet: http://www.nokia.de
Preis: ca. 250 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Symbian^3
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 117x57x11 Millimeter
Gewicht: 130 Gramm
Display: AMOLED 3,5 Zoll, 640x360 Pixel
Speicher: 8 GB intern
per microSD um max. 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth 3.0, WLAN
Digitalkamera: 8 Megapixel, Digitalzoom, HD-Videos möglich, ohne Autofokus
Lieferumfang: Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,73 W/kg (gering)
Extras: MP3-Player, RDS-Radio, GPS-Empfänger,
FM Transmitter
Akkulaufzeit im Test: ca. 7 Stunden Sprechzeit
ca. 1,5 Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
umfangreiche Ausstattung
WLAN-Schnittstelle
UMTS-/HSDPA-Unterstützung
kontraststarkes Display
HD-Videos möglich
gute Verarbeitung
Kamera mit Schwächen (kein Auto-Fokus)
 stark spiegelndes Display
nur wenige brauchbare Apps im Ovi Store
teils unübersichtliche Menü-Navigation
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befriedigend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (1,8)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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