Testbericht

Nokia 8600 Luna im Test - Edel-Handy mit Puls

Ein echter Hingucker ist das neue Edelstahl-Handy mit Rauchglas-Abdeckung von Nokia. Neben diversen Extras sorgt insbesondere die pulsierende Tastaturbeleuchtung für Aufsehen. Wir haben das neue Design-Wunder getestet.

Nokia 8600 Luna

Für gewöhnlich kosten Handys für die Nutzung in klassischen GSM-Netzen heutzutage meist nicht mehr als 400 Euro. Dass es auch deutlich teurer geht, beweist die finnische Handy-Schmiede Nokia mit dem neuesten Edelstahl-Modell 8600 Luna. Das pechschwarze Mobiltelefon ist erst seit wenigen Wochen erhältlich und überzeugt in erster Linie durch ein attraktives Äußeres. Was es unter der Haube zu bieten hat, hat sich unsere Redaktion einmal genauer angeschaut.

Viele Extras

Wer bereit ist, im Fachhandel zwischen 700 und 800 Euro für ein einfaches Quadband-Handy zu zahlen, könnte am Luna-Phone schnell Gefallen finden. Schon das Öffnen der Verpackung macht schnell deutlich, dass hier ein Design-Telefon darauf wartet, genutzt zu werden. Im Inneren der schwarzen Kartonage erwartet den künftigen Nutzer nicht nur das eigentliche Endgerät, sondern auch eine ganze Reihe Extras. Neben einem Ladekabel, sind auch ein Stereo-Headset inklusive Adapterkabel zum Anschluss an die USB-Schnittstelle, ein Datenkabel, eine Leder-Handytasche und eine Trageschlaufe enthalten.

Sind Akku und SIM-Karte eingelegt, fällt auf, dass das 8600 vieles ist, aber sicher kein Leichtgewicht. Das Edelstahlgehäuse und die Tastaturabdeckung aus Rauchglas sorgen dafür, dass im Alltag rund 140 Gramm in der Tasche umher getragen werden. Mit einer Höhe von 107 Millimetern, einer Breite von 45 Millimetern und einer Tiefe von 16 Millimetern bleibt das Handy aber trotzdem handlich und hinterlässt nicht den Eindruck, zu klein oder zu groß geraten zu sein.

Hilfe, es lebt!

Auf den ersten Blick unentdeckt bleibt die Tastatur. Sie verbirgt sich hinter einer Rauchglasabdeckung, wird aber durch einen außergewöhnlichen Effekt bereits sichtbar, wenn das Handy noch geschlossen ist. Ähnlich dem Herzschlag eines Tiers im Winterschlaf, pulsiert die Tastaturbeleuchtung im 10-Sekunden-Rhythmus unter dem Rauchglas und leuchtet für wenige Sekunden weiß auf. Ein Effekt, den niemand wirklich braucht, der optisch aber bestens zum Gesamterscheinungsbild des Edel-Handys mit integrierter Antenne passt. Das mit einer Diagonalen von 2,2 Zoll recht große Display wird aktiviert, sobald eine der nicht abgedeckten Menütasten oder die Lautstärke-Taste an der linken Seite gedrückt beziehungsweise die Tastaturabdeckung nach unten geschoben wird. Dann erstrahlt auch die Tastaturbeleuchtung dauerhaft in Weiß. Bei einer Auflösung von 240 x 320 Bildpunken liefert der Bildschirm eine Darstellung von bis zu 16,7 Millionen Farben.

Abzüge fürs Tastenfeld

In der Praxis macht das Display einen ordentlichen Eindruck. Farben und Kontrast wirken sehr gut aufeinander abgestimmt und Fotos, selbst auf dem vergleichsweise kleinen Display, sehr kräftig. Navigiert wird über eine Fünf-Wege-Taste unterhalb des Bildschirms. Die grafischen Symbole der insgesamt neun vorgegebenen Menüpunkte der Series40-Plattform werden mit Hilfe von Java animiert dargestellt. Abzüge gibt es für die Tastatur: Die einzelnen Tasten liegen auf kleinem Raum zu dicht aneinander und sind Gift für dicke Finger. Insbesondere die Tasten "6", "9", "0" "Stern" und "Raute" sind nur recht mühsam optimal zu treffen, da der Daumen mit den seitlichen und oberen Ausläufern der Rauchglasabdeckung kollidiert.

Ein Minuspunkt ist auch der integrierte Flashspeicher. Zwar ist er mit 128 Megabyte noch ordentlich groß, er lässt sich aber nicht erweitern. Für Musikfreunde, die gerne den integrierten Musicplayer nutzen möchten, der neben MP3- unter anderem auch AAC-, MIDI- und WMA-Dateien abspielt, ist das eindeutig zu wenig. Insbesondere dann, wenn über die integrierte 2-Megapixel-Kamera der ein oder andere Schnappschuss aufgenommen und im Handy gespeichert wird.

Versteckte 2-Megapixel-Kamera

Die Linse der Kamera mit vierfachem Digitalzoom wird erst sichtbar, wenn das Handy aufgeschoben wird. Erfreulich intuitiv gestaltet sich die Bedienung des Telefons im Kameramodus. Waagerecht gehalten lässt sich sowohl der Zoom über die Menütaste steuern als auch der Auslöser. Mit einem Klick lässt sich zwischen Foto- und Video-Modus hin und her wechseln.

Die Bild- und Video-Qualität lässt sich jeweils in drei Stufen regeln. Während Fotos qualitativ allenfalls als akzeptabel eingestuft werden können, fallen Videos komplett durch. Mehr als "Pixelbrei" ist hier kaum zu erkennen. Hier wird schnell deutlich, dass die kleinen Filme mit einer maximalen Auflösung von 176 x 144 Bildpunkten aufgenommen werden. Fotos lassen sich in gleich sieben Auflösungsstufen, angefangen bei 160 x 120 Pixel bis hin zu 1600 x 1200 Pixel, aufnehmen.

An Extras stehen unter anderem eine Serienbildfunktion, ein Selbstauslöser und ein Nachtmodus zur Verfügung. Ein Kamera- oder sogar ein Blitzlicht fehlt aber. Ebenfalls nicht unerwähnt sollte bleiben, dass das 8600 Luna zwar dank integrierter Quadband-Antenne praktisch überall verwendet werden kann, sobald eine GSM-Netzabdeckung gegeben ist, UMTS-Verbindungen oder Videoanrufe sind hingegen nicht möglich. Datenverbindungen sind immerhin über EDGE mit bis zu 200 Kilobit pro Sekunde möglich – sofern das genutzte Mobilfunknetz entsprechend ausgerüstet ist. E-Mails lassen sich wahlweise über POP3, IMAP4 oder SMTP abrufen beziehungsweise versenden.

Der Funktionsumfang des Handys wird durch eine Stereo-Bluetooth-Schnittstelle, einen microUSB-Anschluss sowie einen integrierten Organizer abgerundet. Hier kann nicht nur ein Wecker eingestellt, sondern auch ein Kalender und eine Aufgabenliste verwaltet werden. Auch ein Rechner, ein Countdown-Zähler und eine Stoppuhr stehen hier zur Nutzung bereit. Auf Wunsch lässt sich das Handy in einen Flug-Modus versetzen, der alle Funktionen deaktiviert, die an Bord eines Flugzeuges die empfindlichen Bordinstrumente stören könnten.

Fazit: Optisch top, technisch mit Mängeln

Insgesamt ist Nokia mit dem 8600 Luna ein Mobiltelefon gelungen, das, gemessen an der Optik, sicherlich viele Herzen für sich gewinnen kann. Technisch überzeugt es aber nicht vollends. Geschäftskunden dürften insbesondere über fehlende UMTS-Unterstützung klagen, für Privatkunden ist, neben dem hohen Anschaffungspreis, der geringe Speicher ein K.O.-Kriterium. Da Handys heutzutage aber häufig auch als Statussymbol dienen, werden viele Nutzer ihre eigenen Wünsche einschränken und trotzdem zum neuen Design-Handy von Nokia greifen. Das war auch schon beim Luna-Vorgänger, dem 8810, so.

Keinen Anlass zur Kritik bietet das Nokia 8600 Luna in Sachen Gesprächsqualität. Bei unserem Testlauf im Netz von E-Plus und Vodafone konnten wir keine Schwächen erkennen. Der Gesprächspartner ist bei guter Netzversorgung klar und deutlich, und ohne starkes Rauschen zu verstehen. Blecherne Hintergrundgeräusche konnten wir nur bei einem von vielen Telefonaten vernehmen. Schwach fällt aber die Akkuleistung aus. Nur etwa drei Stunden Durchhaltevermögen bei einem Dauergespräch und gut zehn Tage im Bereitschaftsmodus sind eher durchschnittliche Werte.

Kritisch anzumerken ist, dass das Handy in Sachen Design sicherlich zu den Top-Modellen am Markt gehört, auf der anderen Seite aber auch sehr anfällig für Kratzer ist. Ferner droht die Gefahr, dass die Glasabdeckung zu Bruch geht, sollte das Handy unglücklich zu Boden fallen. Bei einem Gebrauchsgegenstand des Alltags ist das alles andere als ein Vorteil.

(Hayo Lücke)

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