Testbericht

Handy im Test: Das Nokia 7710

Handy-PDA-Zwitter im Playstation-Portable-Design liefert fast alle Funktionen, die man sich aktuell von einem Smartphone wünschen kann.

Nokia 7710
onlinekosten.de stellt vor: einen wahren Alleskönner unter den Handys, das Nokia 7710. Bevor wir uns den technischen Einzelheiten widmen, eines vorweg: das Smartphone ist weit mehr als einfach nur ein Mobiltelefon. Vielmehr ist es ein PDA, der zusätzlich auch für die Telefonie genutzt werden kann.

Üppige Maße

Wer sich das 7710 zulegt, wird sich zunächst über die Verpackung wundern, in der das Multi-Funktionsgerät untergebracht ist. Statt in einer kleinen, handlichen Pappschachtel liefert Nokia sein Kommunikations-Flaggschiff in einem 28 mal 18,5 Zentimeter großen Karton aus. Darin enthalten sind neben dem 189 Gramm schweren Endgerät auch eine Leder-Schutztasche, Stereo-Kopfhörer, Datenkabel, eine 128 Megabyte große MMC-Speicherkarte sowie ein Tischständer. Hält der Nutzer das 7710 in der Hand wird eines recht schnell deutlich: handlich ist es mit seinen Maßen von 128 mal 69,5 mal 19 Millimetern nicht.

Umständlicher Start

Der Start in das Multimediavergnügen ist umständlich: Neben einer Bildschirm-Kalibrierung ist der Nutzer verpflichtet, seine Kontakte von der SIM-Karte in das Adressebuch des 7710 zu kopieren. Anders als bei einem handelsüblichen Handy fehlt beim 7710 die Wahltastatur. Stattdessen erfolgt die Eingabe sämtlicher Daten komplett virtuell wie bei einem PDA mittels eines speziellen Stiftes über den mit 640 mal 320 Pixeln sehr großen Touchscreen, der 65.536 Farben darstellen kann. Bei der Verwaltung von Kontakten ist dies von Vorteil, umständlich ist es allerdings beim Schreiben von SMS und MMS.

Apropos SMS: Diese werden beim Eingang übersichtlich direkt auf dem Display mit Absendername oder -nummer, Uhrzeit und den ersten 23 Zeichen des SMS-Textes angezeigt. Negativ fällt auf: das Symbian-Betriebssystem arbeitet ungewöhnlich langsam und braucht seine Zeit, um die SMS oder auch einzelne Menüpunkte zu öffnen. Unübersichtliches Menü

Ein Blick in das Menü lässt erahnen, dass das 7710 einiges unter der Haube hat. Dem Nutzer stehen nahezu alle Funktionen zur Verfügung, die man sich vorstellen kann. Unser Testgerät bot über die Menü-Startseite, den so genannten Arbeitsplatz, allein 42 Auswahlpunkte. Allerdings gibt es Abzüge in der B-Note, da es sich bei zahlreichen Programmen nur um Test&Buy-Applikationen handelt, die drei mal gestartet werden können, bevor eine teure Lizenz zur weiteren Nutzung erworben werden muss.

Neben bekannten Anwendungen wie der Verwaltung der Telefon- oder Sicherheitseinstellungen beziehungsweise der Bearbeitungsmöglichkeit von SMS oder Kontaktdaten finden sich auf dem Arbeitsplatz auch für ein Handy eher ungewöhnliche Menüpunkte wie ein Tabellenkalkulations- oder Textverarbeitungsprogramm, ein Programm zum Öffnen von PDF-Dateien oder ein Diktiergerät. Auch ein MP3-Player, ein Radio mit 20 Speicherplätzen, ein Währungsrechner und die integrierte Kamera können ausgewählt werden.

Ansprechende Schnellstart-Leiste

Praktisch: unterhalb des Menüs ist eine Schnellstartleiste zu finden, über die die fünf wohl am häufigsten genutzten Menüpunkte direkt ausgewählt werden können. Schnell kann hier auf das virtuelle Wahlfeld für die Telefonie-Funktion, den SMS-Eingang oder die Kontaktdatenbank zugegriffen werden.

Ebenso lässt sich mit nur einem Klick eine Internetverbindung aufbauen oder eines von insgesamt sechs individuell einstellbaren Profilen auswählen. Erfahrene Nokia-Nutzer werden nun die Frage stellen, warum sechs und nicht fünf Profile zur Verfügung stehen, doch die Antwort ist recht simpel. Zusätzlich ist das 7710 nämlich mit dem "Flight-Mode" ausgestattet, der alle Funktionen deaktiviert, die in einem Flugzeug die Bordelektronik stören könnten.

Neben der Menüauswahl mit Hilfe des kleinen Stiftes kann über eine 5-Wege-Navigationstaste durch das Menü gesteuert werden. Ferner stehen fünf weitere Menütasten zur Verfügung, die seitlich des Displays angebracht sind. Eine der Tasten dient zum Beispiel dazu, dass aus jedem Menü-Unterpunkt sofort auf den Arbeitsplatz zurückgekehrt werden kann. Über eine weitere Taste können die auf dem Arbeitsplatz abgelegten Symbole deutlich vergrößert werden. Wer auf das Internet zugreifen möchte, kann dies wahlweise über GPRS, EDGE oder auch HSCSD tun. Internetseiten lassen sich über einen Internetbrowser mit Unterstützung für HTML- und Flash-Inhalte aufrufen. Ferner stehen eine USB- und Bluetooth-Schnittstelle zur Verfügung. Eine Infrarotschnittstelle fehlt hingegen. Dank Triband-Technik ist das Handy auch in weiten Teilen der USA nutzbar.

Kamera mit Schwächen

Ein besonderes Augenmerk haben wir in unserem Test auch der integrierten Kamera gewidmet. Die Megapiel-Cam bietet neben der Möglichkeit, einzelne Bilder aufzunehmen, auch eine Video-Funktion. Sowohl im Foto- als auch im Video-Modus hat der Nutzer die Möglichkeit, zwischen drei Auflösungsstufen auszuwählen. Außerdem können Kontrast und Helligkeit individuell angepasst werden. Im Praxistest enttäuscht die Cam allerdings: der integrierte Digitalzoom bringt es gerade einmal auf eine zweifache Vergrößerung und selbst bei höchster Auflösung wirken Fotos unscharf und zum Teil verschwommen.

Praktisch ist der große Speicher des 7710. Der interne Flashspeicher liefert bereits Platz für 90 Megabyte, über MMC-Speicherkarten lässt sich der Speicherplatz auf bis zu einen Gigabyte erweitern. Zum Dateitransfer steht neben einer seriellen Schnittelle auch Bluetooth zur Verfügung. Nicht mit an Bord ist allerdings eine Infrarot-Schnittstelle.

Klotz am Ohr

Wer das Nokia 7710 als Mobiltelefon nutzen möchte, muss sich damit abfinden, wegen der üppigen Abmessungen des Gerätes von Mitmenschen skeptisch beobachtet zu werden. Während Dauergespräche mit dem Telefon am Ohr keinen Spaß machen, ist es im Freisprechmodus auch für lange Telefonate geeignet. Der Gesprächspartner ist über den integrierten Lautsprecher klar und deutlich zu verstehen.

Fazit: Weniger ist eben doch mehr

Wer sich für das Nokia 7710 entscheidet, bekommt ein Luxus-Smartphone mit vielen Extras, die von Otto-Normal-Verbraucher kaum genutzt werden dürften. Geschäftskunden hingegen dürften sich über die zahlreichen Extras freuen, die der PDA-Handy-Zwitter liefert.

Negativ fällt die langsame Rechenleistung des Gerätes auf. So dauert es zum Beispiel fast vier Sekunden bis eine SMS, die auf dem Handy eingegangen ist, geöffnet und gelesen werden kann. Da das Menü völlig überfrachtet ist, geht der Umgang auch nach zwei Wochen intensiver Nutzung nicht leicht von der Hand. Hinzu kommen die weniger praktischen Maße, die es zu einem kleinen Balance-Akt machen, das Gerät in der einen Hand zu halten und mit der anderen Hand über den Stift gleichzeitig durch das Menü zu navigieren.

Das alles soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Interessenten mit dem 7710 ein Produkt in den Händen halten können, das Funktionen von Telefon, PDA, MP3-Player, Diktiergerät und Digitalkamera unter einem Gehäuse vereint. Verzichten muss der Nutzer trotz des stolzen Preises von knapp 500 Euro auf WLAN- und UMTS-Funktionalität. Erfreulich ist die trotz der zahlreichen Funktionen hohe Bereitschaftszeit von 14 Tagen. Bei intensiver Nutzung ist allerdings eine Akkulaufzeit von sechs Tagen realistisch.

(Hayo Lücke)

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