Testbericht

Handy im Test: Das Nokia 3230

Mit dem Nokia 3230 bietet das finnische Unternehmen Nokia viel Multimedia zum vergleichsweise günstigen Preis.

Nokia 3230
Mit dem Nokia 3230 bietet das finnische Unternehmen viel Multimedia zum vergleichsweise günstigen Preis. 339 Euro ohne Vertrag kostet das Mobiltelefon beim Hersteller. Beim näheren Hinsehen zeigen sich allerdings auch kleinere Defizite. Wir zeigen im Rahmen unseres Tests die Stärken und Schwächen des Symbian-Smartphones.

Gut und hochwertig verarbeitet, das ist der erste Eindruck, den das Nokia 3230 hinterlässt. Das schlichte Design und das silberne Tastenfeld verleihen dem Mobiltelefon ein edles Aussehen. Mit seinen Abmessungen von 109 mal 49 mal 19 Millimetern macht das Nokia 3230 zwar keine allzu schlanke Figur, das TFT-Diplay fällt mit seinen Abmessungen von 176 mal 208 Pixeln aber erfreulich groß aus. Bis zu 65.536 Farben bildet es ab und wird somit den Ansprüchen an ein Mittelklasse-Handy gerecht.

Großes Display, mini Tastenfeld

Die Größe des TFT-Displays geht auf Kosten des Tastenfeldes, das darunter etwas klein und verloren wirkt. Die Tasten sind einen Tick zu schmal und das Verfassen von Textmitteilungen fällt dadurch unnötig schwer. Die "Lösch-Taste C" befindet sich nicht neben den anderen Zifferntasten, sondern rechts unterhalb des Displays neben den Menü-Tasten. Das stiftet Verwirrung und erschwert die schnelle Korrektur fehlerhafter Eingaben. Mit seinen 110 Gramm gehört das 3230 zwar nicht zu den Ultraleichtgewichten, in Relation zur Größe ist das Gewicht aber annehmbar. Erste Schwierigkeiten bereitet das 3230 beim Einsetzen der SIM-Karte: bis diese am richtigen Platz steckt können schon mehrere Minuten verstreichen. Das Einstecksystem ist unübersichtlich und erfordert Fingerspitzengefühl.

Vor dem Aufräumen herrscht Ordnerchaos

Einen weiteren Minuspunkt kassiert das Nokia 3230 beim Einschalten – rund 25 Sekunden benötigt das Handy vom Einschalten bis zur Eingabe des PIN-Codes. Das Menü wirkt mit seinen vorinstallierten 29 Ordnern auf den ersten Blick etwas überladen und unübersichtlich. Hier kann der erfahrene Nutzer allerdings selbst Abhilfe schaffen, sich ein eigenes Menü zusammenstellen und leicht eigene Ordner anlegen oder vorhandene Ordner verschieben. Die Series 60-Benutzeroberfläche und die Menüführung sind logisch und verständlich angelegt und auch Nokia-Neulinge finden sich hier nach kurzer Zeit zurecht.

1,23 Megapixel für gelungene Schnappschüsse

Die integrierte Megapixel-Kamera schießt Fotos in einer Auflösung von 1280 mal 960 Pixeln und sorgt für annehmbare Schnappschüsse, die das Mobiltelefon auf dem TFT-Display in akzeptabler Qualität abbildet. Allerdings wirken die Bilder in Originalgröße zum Teil sehr verschwommen.

Die Kamera besitzt einen digitalen Zoom, einen Nachtmodus, eine Selbstauslöser-Funktion und die Möglichkeit die Qualität der Fotos manuell einzustellen. Die Software des Nokia 3230 ist dabei allerdings etwas träge. Bewegt der Nutzer das Handy direkt nach Drücken des Auslösers, so wird das Foto verschwommen und unscharf. Nach Betätigen des Auslösers darf das Handy für ein bis zwei Sekunden nicht bewegt werden, damit die Aufnahme nicht verzerrt. Auch beim Betrachten der Fotos auf dem Nokia-Telefon erweist sich die Software als träge und langsam: Bis zu fünf Sekunden benötigt das Nokia 3230, um ein ausgesuchtes Foto zu öffnen und anzuzeigen.

Das Smartphone unterstützt auch Videoaufnahmen, die qualitativ aber nur mäßig ausfallen. Es besitzt einen internen Speicher von 5 Megabyte und im Lieferumfang ist zusätzlich eine 32 Megabyte Speicherkarte (RS-MMC) enthalten. Wer allerdings mit dem Handy MP3s hören möchte, wird sich nach einer größeren Speicherkarte umsehen müssen. Die Fotos können per Infrarot-, Bluetooth- oder USB-Schnittstelle auf Computer überspielt werden. Ärgerlich ist allerdings, dass die Software zur Synchronisation dem Mobiltelefon nicht beiliegt und erst aus dem Internet geladen werden muss. Auch nach einem Datenkabel sucht der frischgebackene Besitzer eines Nokia 3230 vergeblich. Das Kabel ist nicht im Lieferumfang enthalten und Nokia verlangt dafür im Shop auf der Unternehmens-Internetseite zusätzlich 45 Euro.

Als mobiler MP3-Player kaum geeignet

MP3-Dateien und Videoclips lassen sich über die Software "Real-Player" abspielen. Freunden guter Musikqualität wird das Nokia 3230 aber kaum Freude bereiten, denn die Abspielqualität ist mäßig. Über das mitgelieferte Stereo-Headset erklingen Musikstücke nur in Mono, die Klangqualität der MP3's über die eingebauten Lautsprecher ist nochmal um ein Vielfaches schlechter. Die Kopfhörer-Anschlussbuchse auf der Unterseite des Nokia 3230 ist dazu so konzipiert, dass nur das original Nokia Headset angeschlossen werden kann und keine anderen Kopfhörer.

Neue Dienste, kaum Anbieter

Das Nokia 3230 unterstützt einen neuen Dienst, der "Radio zum Sehen" anbietet. Das so genannte Visual-Radio ist eine noch relativ junge Technik, bei der die Radiostationen parallel zum aktuellen Radio-Programm Informationen über GPRS auf das Handy senden. Der Nutzer kann so beispielsweise Informationen zum Song oder zur Band abrufen. Das einzige Manko: Visual-Radio wird bis jetzt nur vom hessischen Hit Radio FFH oder im Ausland angeboten. Der Empfang und die Klangqualität sind über das mitgelieferte Headset sehr gut, über die eingebauten Lautsprecher aber nur mäßig bis schlecht.

Mit Push-To-Talk ist das Nokia 3230 zusätzlich ähnlich wie ein Funkgerät einsetzbar. Der Nutzer baut die Sprechverbindung über die Push-To-Talk-Taste auf, einem länglichen schwarzen Knopf auf der linken Seite des Mobiltelefons. Auf diese Weise ist das Handy auch für direkte Sprechverbindungen zu einer Gruppe von Personen verwendbar. Allerdings ist T-Mobile bislang der einzige Anbieter dieses Sprach-Chats und die angesprochenen Mitglieder der Gruppen müssen auch Push-To-Talk kompatible Handys besitzen.

Smartphone für Einsteiger

Bei den so genannten Smartphones legen die Mobilfunk-Kunden besonderen Wert auf umfangreiche und detaillierte Organizer-Funktionen. Mit dem 3230 von Nokia kann der Nutzer seine Microsoft-Outlook Einträge abgleichen, Kalendereinträge, Notizen und Aufgaben synchronisieren. Eine Funktion zur Synchronisation von E-Mails ist allerdings nicht vorhanden und auch Office-Dokumente sind dem 3230 fremd. Das Versenden von SMS, MMS und E-Mails funktioniert mit dem Nokia 3230 ohne Probleme, der Internetzugriff erfolgt beim 3230 über GPRS Klasse 10. Bei Telefongesprächen gibt es im Bezug auf die Sprachqualität nichts zu meckern, auf der Seite des Nokia 3230-Nutzers und des Gesprächspartners erfolgte eine gute Bewertung von Verständlichkeit und Klang.

Die Standby-Zeit des Akkus beträgt rund vier bis sechs Tage, die reine Sprechzeit ist mit höchstens vier Stunden aber etwas mager. Bei dauerhaftem Bluetooth-Betrieb ist der Akku schnell leer und ein Ladegerät sollte bei regem Betrieb am besten in greifbarer Nähe liegen. Da sich das 3230 der Triband-Technik bedient, ist es fast überall rund um den Globus einsatzbereit, mit Ausnahme von Südamerika und Asien.

Fazit

Das schicke Nokia 3230 lockt als Smartphone weniger die Business-Kunden, dafür mehr die breite Masse der Mobiltelefon-Nutzer. Das 3230 ist zu einem vergleichsweise günstigen Preis von 339 Euro ohne Vertrag erhältlich und bietet so ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die kleinen Schwächen des Handys sind angesichts des niedrigen Preises gut zu verkraften. Wer allerdings wert auf ein Handy legt, das MP3's in guter Qualität wiedergibt, wird mit dem 3230 nicht glücklich. Für Handy-Gamer hingegen ist das Nokia 3230 interessant. Drei Spiele sind bereits vorinstalliert, darunter ein Autorennspiel, das mit einer brillanten Grafik und Umsetzung überzeugt. Dazu sind eine ganze Palette neuer Multimedia-Funktionen und Dienste im 3230 enthalten. Diese stehen zum Teil aber noch nicht flächendeckend zur Verfügung, wie das Push-To-Talk oder das Visual Radio.

Alles in allem bietet das Nokia 3230 dem Nutzer aber viele Funktionen zu einem vergleichsweise günstigen Preis und ist daher sehr empfehlenswert - besonders für den ersten Umstieg auf ein Smartphone.

(Denise Bergfeld)

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