Testbericht

Klassik, die auffällt: Nokia 3110 classic im Test

Mit dem neuen 3110 classic besinnt sich der finnische Marktführer unter den Handyherstellern auf die grundlegenden Elemente des Mobilfunks: einfache Bedienung, gepaart mit klassischem Design. Wir haben das neue Triband-Telefon getestet.

Nokia 3110 Classic

Wer heutzutage ein Handy kauft, erwartet von seinem künftigen Alltagsbegleiter in den meisten Fällen mehr als nur die Möglichkeit, Telefonate zu führen oder SMS zu verschicken. Zumindest ein MP3-Player oder Radio werden als Extra erwartet – parallel zu einem attraktiven Design und einem erschwinglichen Preis. Dieser Kundengruppe versucht sich auch Nokia anzunehmen und hat zu diesem Zweck das 3110 classic entwickelt. Ein Handy in klassischem Design, gepaart mit übersichtlicher Bedienoberfläche. Unsere Redaktion hat das neue Modell genauer unter die Lupe genommen.

Riesige Tasten

Der erste Eindruck ist positiv: Wer das Handy in den Händen halten darf, wird nicht nur überrascht sein, dass es mit 87 Gramm vergleichsweise leicht ist, sondern auch, dass es mit der gummierten Rückseite und mit Abmessungen von 109x46x16 Millimetern sehr gut in der Hand liegt. Ein Blickfang ist es aber nicht nur wegen seines komplett in Schwarz gehaltenen Gehäuses. Sofort ins Auge fallen vor allem die überdurchschnittlich großen Tasten. Wurden die Zifferntasten in der Vergangenheit bei immer mehr Modellen zu sehr minimiert, ist Nokia beim 3110 classic den umgekehrten Weg gegangen und hat die Tasten deutlich nutzerfreundlicher gestaltet. Die Finnen möchten damit wohl nicht nur Personen mit dickeren Fingern ansprechen, sondern auch die ältere Generation, die zunehmend über die schlechte Bedienbarkeit neuer Handymodelle klagt.

Abstriche müssen Nutzer hingegen bei der Bedienung der Menütasten hinnehmen. Sie sind leider auch für schmale Finger zu klein gehalten und hohe Tasten-Umrandungen stören bei der Bedienung recht stark. Wie von Nokia-Handys gewohnt, ist eine Steuerung durch das Menü über eine 5-Wege-Taste möglich, die zentral unter dem Display angeordnet wurde. Sie reagiert schnell und präzise.

Altes Menü

Stichwort Menü: Hier ist etwas enttäuschend, dass Nokia dem Handy nur eine Series40-Oberfläche spendiert hat. Die Menüführung wirkt auf dem 128x160 Pixel großen Display mit bis zu 262.144 Farben leider im Vergleich zu anderen Modellen, wie etwa dem neuen Kassenschlager 6300 oder dem Design-Handy 8300 Luna, bei denen auf eine Series60-Oberfläche gesetzt wird, wenig modern. Auf der anderen Seite macht das 3110 classic seinem Namen dadurch auch in diesem Punkt alle Ehre und präsentiert sich mit einer klassischen Menüstruktur, wie man sie von älteren Nokia-Handys kennt.

Verzicht müssen Nutzer des 3110 classic auch in Sachen Funktionalität üben. So lässt sich das Handy dank der integrierten Triband-Antenne zwar in vielen GSM-Netzen weltweit nutzen - beispielsweise auch in Nordamerika - auf UMTS und in diesem Zusammenhang auf schnelle Datenverbindungen muss hingegen verzichtet werden. Hier muss auf klassische GPRS- oder maximal auf EDGE-Verbindungen vertraut werden, die maximal eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilobit pro Sekunde im Downstream möglich machen. Und das auch nur überall dort, wo das genutzte Mobilfunknetz mit EDGE-Technik aufgerüstet wurde.

Kamera für Anspruchslose

Wie so viele Handys, ist das 3110 classic auch mit einer Kamera ausgestattet, die Fotos mit einer maximalen Auflösung von 1280x1024 Bildpunkten (1,3 Megapixel) aufnimmt. Wahlweise lässt sich die Auflösung in sechs Stufen auf bis zu 160x120 Pixel herunterregulieren. An Kamera-Extras steht, neben einem Nachtmodus, auch Serienbild- und Selbstauslöser-Funktion bereit. Auf Wunsch können auch kleine Video-Clips gedreht werden. Hier fällt die maximal mögliche Auflösung allerdings mit 176x144 Bildpunkten deutlich geringer aus.

Qualitativ können die mit der Kamera geschossenen Bilder anspruchsvolle Foto-Fans nicht überzeugen. Für den ein oder anderen Erinnerungs-Schnappschuss von Freunden mag die Kamera gerade noch ausreichen, sobald schnelle Bewegungsabläufe oder weniger gute Lichtverhältnisse im Spiel sind, stößt die Digitalkamera aber schnell an ihre Grenzen. Bilder wirken verschwommen und unscharf, Details in größerer Entfernung kommen kaum zur Geltung. Da kann auch der achtfache Digitalzoom kaum helfen. Ein Kameralicht fehlt ganz.

Multimedia-Feeling wecken

Deutlich mehr überzeugen kann das kleine Schwarze aus Finnland in Sachen musikalischer Unterstützung. Es kann nicht nur auf ein Radio zugegriffen werden, auch ein Musik-Player steht zur Nutzung bereit. Der kann nicht nur MP3-Dateien abspielen, sondern auch Formate wie MP4, AAC oder WMA. Einziger Nachteil: Der interne Speicher fällt mit 8,5 Megabyte viel zu gering aus. Immerhin ist über eine microSD-Karte eine Speichererweiterung auf bis zu zwei Gigabyte möglich, jedoch ist im Lieferumfang nicht einmal eine Speicherkarte mit 128 oder 256 Megabyte enthalten. Hier werden also Extra-Kosten fällig, will der Nutzer mit Musik unterhalten werden. Ebenfalls etwas enttäuschend: Statt eines Stereo-Headsets, liegt dem Paket nur ein Mono-Ohrstöpsel bei.

Wer Musik-Dateien auf das Handy übertragen möchte, kann wahlweise auf das klassische Datenkabel setzen (nicht im Lieferumfang enthalten) oder auf die zur Verfügung stehenden Bluetooth- und Infrarot-Schnittstellen setzen. Ein E-Mail-Client erlaubt den Versand von E-Mails über das Mobilfunknetz, ein HTML-Browser den Zugriff auf klassische Internetseiten über das Handydisplay.

Organizer verfügbar

Sofern im genutzten Mobilfunknetz verfügbar, steht auch die Walkie-Talkie-Funktion Push-To-Talk zur Verfügung. In Deutschland kann dieser Dienst aber bisher nur im Netz von T-Mobile genutzt werden. Wer gerne ohne Handy am Ohr telefoniert kann auf eine integrierte Freisprechfunktion setzen, ein Organizer mit Wecker, Kalender, Aufgabenliste, Stoppuhr und Countdown-Zähler sorgt für Ordnung im Alltag.

Keine Abstriche muss der Nutzer in Sachen Gesprächsqualität machen. Zwar kann es vorkommen, dass der Gesprächspartner etwas blechern klingt, das stört die Kommunikation aber nur geringfügig. In den meisten Fällen sind – von möglichen Funklöchern im genutzten Mobilfunknetz abgesehen – störungsfreie Gespräche möglich. Mögliche Echo-Störungen, die bewirken, dass der Nutzer sich noch einmal über den Lautsprecher seines Handys hört, konnten bei den von uns geführten Gesprächen nicht verzeichnet werden.

Fazit: Ein schmucker Begleiter ohne große Stärken

Wer ein Handy sucht, das seinen Zweck als Kommunikationsmittel erfüllt und das ein oder andere Extra zu einem erschwinglichen Preis bietet, kann mit dem 3110 classic keinen Fehler machen. Eine einfache Bedienung, gepaart mit multimedialen Extras sollte bei weniger anspruchsvollen Nutzern für Zufriedenheit mit dem neuen Handy sorgen. Enttäuschend ist das altmodisch wirkende Menü und die mangelhafte Beilage an Extra. Fehlende microSD-Karte, nicht beiliegendes Datenkabel und nur ein Mono-Headset sorgen für Extrakosten.

Punkten kann das neue Nokia-Handy in Sachen Ausdauer. Der beiliegende Akku hält im Dauersprechbetrieb nach Erfahrungen unserer Redaktion über fünf Stunden durch. Im Standbybetrieb ist ein Betrieb über fast drei Wochen möglich, bevor das Handy neue Energiezufuhr verlangt. Insgesamt bietet das 3110 classic viel Handy zu einem fairen Preis. Nokia verlangt im eigenen Online-Shop 179 Euro, in anderen Shops ist es aber bereits für 130 Euro zu haben.

(Hayo Lücke)

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