Testbericht

Wohnzimmer-Workout: Nintendo Wii Fit im Test

Die Japaner bringen den Sport ins Wohnzimmer: Mit Wii Fit sollen Couchpotatoes und faule Konsolenrocker aktiv werden. Aber wie fit wird man mit Wii Fit? Die Redaktion hat es getestet.

Nintendo Wii Fit© Nintendo

Wer Wii Sports mag, aber mittlerweile auswendig kennt, wird sich über das neueste Spiel für die Nintendo Wii freuen: Mit Wii Fit sollen Couchpotatoes mit zu gutem Sitzfleisch und faule Konsolenrocker ihre Muskeln stählen und eine bessere Körperhaltung bekommen. Gesportelt wird hier nicht nur per Wiimote und Nunchuk, sondern meistens mit dem so genannten Balance Board – einem druckempfindlichen Brett. Aber wie fit macht Wii Fit tatsächlich? Die Redaktion von onlinekosten.de hat sich ins virtuelle Training gestürzt.

Steuerung per Board

Das Balance Board muss nicht extra angeschafft werden, sondern ist bereits im Paket für 89,99 Euro dabei. So gibt es schon durch das recht hohe Gewicht beim Transport das erste anstrengende Training. Zum sofortigen Start hat Nintendo auch gleich vier AA-Batterien für das Board spendiert, die laut beiliegender Bedienungsanleitung rund 60 Stunden Spielspaß garantieren sollen. Das weiße Brett trägt bis zu 150 Kilogramm und funktioniert im Prinzip wie eine digitale Personenwaage, ist aber zusätzlich in vier druckempfindliche Bereiche aufgeteilt. So erkennt der Controller, ob sich der Spieler zur Seite, nach vorne oder hinten neigt. Damit beim Workout kein Kabel zur Stolperfalle wird, sendet das Board die Informationen drahtlos per Bluetooth an die Wii. Insgesamt ist das Balance Board gut verarbeitet und macht einen sehr stabilen Eindruck.

Controller als Personenwaage

Nach dem Einlegen des Spiels und dem Erstellen einer Speicherdatei wird das Brett per Knopfdruck auf der Unterseite registriert. Nun kann es auch schon losgehen. Zunächst begrüßt ein sprechendes, animiertes Wii Board den angehenden Spitzensportler und versucht durch ein paar Hinweise, ihm das kommende Training schmackhaft zu machen. Jetzt sucht sich der Spieler einen Mii aus. Anschließend startet der Körpertest, der die Größe und das Geburtsdatum erfordert. Das Gewicht muss man nicht angeben – das Wiegen erledigt das Balance Board selbstständig. Damit auch nicht geschummelt wird, lässt sich das Gewicht der Kleidung auswählen.

Der Körpertest ermittelt den Schwerpunkt des Nutzers und errechnet anschließend den Body Mass Index (BMI). Nun folgen zwei zufällig ausgewählte Balance-Tests, wie zum Beispiel das Stehen auf einem Bein oder gezielte Schwerpunktverlagerung in fünf Runden, die natürlich immer schwieriger werden. Hiermit sollen die motorischen Fähigkeiten überprüft werden. Ähnlich wie bei Wii Sports wird im Anschluss das Wii Fit Alter verraten. Wer nicht gerade ein Naturtalent ist, wird sicherlich künstlich um einige Jahre gealtert sein. Zur Motivation werden die Daten des Körpertests mit einem virtuellen Stempel auf dem Kalender festgehalten.

Ziel setzen und los

Abhängig vom BMI schlägt das Avatar nun weitere Maßnahmen vor. Bei Ideal- oder Untergewicht wäre dies zum Beispiel Muskelaufbau. Hat der Spieler ein paar Pfunde zuviel auf den Rippen, kann er ein Wunschgewicht wählen, welches er innerhalb eines bestimmten Zeitraumes – von zwei Wochen bis hin zu einem Jahr – erreichen möchte. Zu kühne Abnehmwünsche erkennt das System und schlägt seinerseits ein realistischeres Ziel vor. Leider ist Wii Fit aber auch einverstanden, wenn ein Übergewichtiger weiter zunehmen möchte oder ein Spieler mit zu niedrigem BMI an Gewicht verlieren will. Ein entsprechender Hinweis wäre hier wünschenswert gewesen. Wer seine Ziele vor Familienmitgliedern oder neugierigen Blicken geheim halten möchte, kann noch ein Passwort festlegen. Ansonsten findet man sich in der Mii Lobby wieder, über die sich bis zu sieben weitere Spieler hinzufügen lassen.

Vier Trainingskategorien

Nun zum eigentlichen Spiel. Das sportliche Mii hat die Wahl zwischen vier verschiedenen Aktivitäten mit jeweils vier Übungen. Hierzu zählen Yoga, Muskelübungen, Aerobic und Balancespiele. Die ersten beiden Sportarten werden mit menschlichen Trainern absolviert und scheinen sich von der schlichten Aufmachung her eher an ernsthaftere beziehungsweise erwachsene Nutzer zu richten. Die anderen zwei wirken spielerischer und arbeiten – wie auch Wii Sports – mit anderen Miis. Vor jeder Session empfiehlt das sprechende Balance Board, sich aufzuwärmen. Grafisch wird nur Minimalkost geboten, wer sich aber an der Wii Sports Optik schon nicht störte, wird auch hier zufrieden sein.

Bei Yoga und den Muskelübungen entscheidet sich der Nutzer zuerst für einen männlichen oder weiblichen Trainer – deren Aussehen ist allerdings nicht veränderbar. Im optionalen Tutorial zeigt der jeweilige Trainer ausführlich die folgende Übung. Auch während des Trainings ist er die ganze Zeit zu sehen, wahlweise von vorne oder hinten.

Anhand der Gewichtsverteilung auf dem Board erkennt das System, ob die Übung richtig ausgeführt wird. Ist dies nicht der Fall, weist der Trainer darauf hin und gibt Tipps zur Verbesserung. Ob die Körperhaltung jedoch tatsächlich korrekt ist, lässt sich nur schwer überprüfen: Gut, wenn der Nutzer sich damit auskennt oder eine Person zur Kontrolle anwesend ist. Die Trainingseinheiten reichen von Yoga-Positionen über den so genannten Taillendreher bis hin zu Liegestützen. Der Schwierigkeitsgrad variiert von einfach bis anspruchsvoll.

Peinlich, aber lustig

Unter Aerobic verbergen sich unter anderem Hula Hoop, Step Aerobic und Joggen – allein oder zu zweit. Beim Hula Hoop muss der Spieler schnell und gleichmäßig mit den Hüften kreisen und außerdem von links und rechts anfliegende Reifen durch Gewichtsverlagerung entgegen nehmen. Dies sieht schon sehr komisch aus und macht daher mit zwei oder mehr Personen am meisten Spaß. Aufgrund der detaillierten Umsetzung ist die Übung genauso anstrengend wie das reale Vorbild. Beim Step Aerobic steigt das Mii in einer Gruppe nach hinten und zur Seite auf und ab – wie beim Training im Fitnesscenter. Die auf dem Bildschirm angezeigten Kommandos müssen schnell und exakt nachgeahmt werden, sonst droht Punktabzug.

Joggen mit Paris Hilton

Gejoggt wird mit der Wiimote in der Hand oder Hosentasche, das Board ist nicht erforderlich. Die Laufeinheiten finden auf einer grünen Insel statt, auf der außerdem 15 Symbole versteckt sind. Alleine ist man dabei nicht: Auch andere Miis sowie die Exemplare auf der eigenen Wii Konsole sind ebenfalls auf der Insel unterwegs. Damit der Nutzer im Übereifer nicht zu schnell rennt, ist ein Trainingspartner dabei, der nicht überholt werden darf. Legt man trotzdem einen Spurt hin, kann es passieren, dass das Mii stürzt.

Unter den Balancespielen befindet sich auch ein gelungenes Kopfballtraining. Hier muss der Spieler von links und rechts oder auch mittig geschossene Bälle annehmen, die natürlich in immer kürzeren Abständen auf das Mii niederprasseln. Erschwert wird das ganze noch durch Turnschuhe und abgeschnittene Panda-Köpfe, denen man ausweichen muss. Wer weniger auf Fußball steht, kann sich am gut umgesetzten Skispringen, dem kniffligen Skislalom oder einer Art Geduldsspiel versuchen.

Jede Runde endet mit der erreichten Punktzahl, bis zu vier Sternen und teilweise lustigen oder auch etwas beleidigenden Bezeichnungen vom "Sitzgemüse" über "Unbalancierter" bis hin zur "Muskel-Legende". Das so genannte "Schweinchen Fit" sammelt täglich die Trainingsminuten – je nach Fortschritt werden weitere Übungen, wie Snowboard fahren, freigeschaltet. Insgesamt stehen so am Ende 48 Aktivitäten bereit. Damit sich auch "Profis" nicht langweilen, lässt sich später der Schwierigkeitsgrad oder auch die Anzahl der Wiederholungen erhöhen. Aus den am häufigsten absolvierten Übungen bildet das Programm eine Favoritenliste, die dann zum fünften Auswahlpunkt wird.

Fazit: Wii Fit macht fit – und auch Spaß

Eine lange Eingewöhnungszeit ist nicht erforderlich, jede Übung wirkt sehr intuitiv – eigentlich das übliche Wii-Prinzip. So hat jeder Spieler schnell Erfolgserlebnisse. Dies heißt aber nicht, dass die Trainingseinheiten einfach sind: Einige Übungen sind auch für durchschnittlich sportliche Spieler recht anspruchsvoll und sogar schweißtreibend. Zum Beispiel die Liegestütze bringen den einen oder anderen definitiv an seine Grenzen. Zur Kontrolle dienen je nach Spiel die Trainer oder Miis, zusätzlich weist das Programm auf regelmäßige Pausen hin, hält Fitnesstipps parat und mahnt den Nutzer beim abendlichen Training zum Zähneputzen vor dem Zu-Bett-gehen an.

Ähnlich wie bei Wii Sports, weiß das Spiel nur mit mehreren Spielern längerfristig zu motivieren. Der Kampf um immer neue Rekorde lässt das Wii Board nicht so schnell unter der Couch verstauben. Über Nintendos angekündigtes Wii Ware, welches im Mai startet, könnten zudem neue Übungen angeboten werden. Ob die Japaner davon Gebrauch machen werden, steht aber noch nicht fest. Trotzdem nicht schlimm: Nachschub ist bereits mit "Family Ski" in Sicht, welches am 13. Juni erscheinen wird. Mit Wii Fit hat Nintendo erneut eine echte Innovation entwickelt. Das Balance Board ermöglicht eine Reihe von Anwendungen – man darf gespannt sein, welche weiteren interessanten Spiele auf die Wii Gemeinde zukommen.

(Saskia Brintrup und Marcel Petritz)

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