Testbericht

Heiße Kufen auf kaltem Eis - NHL 08 im Test

Auch für die neue Saison hat sich die Spieleschmiede EA Sports dazu entschlossen, eine Version der beliebten NHL-Reihe auf den Markt zu bringen. onlinekosten.de hat die PC-Version genauer unter die Lupe genommen.

Jugendlicher© Klaus Eppele / Fotolia.com

Wenn es in Deutschland eine Wintersportart gibt, die Woche für Woche viele Tausend Zuschauer begeistert, ist es das Kufenspektakel in den deutschen Eishockey-Stadien. Seien es die Eisbären Berlin, die Kölner Haie oder die Adler Mannheim - deutschlandweit wird um den Einzug in die Play Offs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gezittert. Auch in den USA zieht die National Hockey League (NHL) viele Zuschauer in ihren Bann. Kein Wunder: Die stärkste Eishockeyliga der Welt lockt mit Stars wie Nicklas Lidström, Ilja Kowaltschuk oder auch dem deutschen Nationalspieler Jochen Hecht. Für die Spiele-Entwickler von Electronic Arts ist das alles Grund genug, auch für die aktuelle Saison eine neue Version der NHL-Reihe auf den Markt zu bringen. Unsere Redaktion hat sich NHL 08 in der PC-Version genauer angeschaut.

Aller Anfang ist schwer

Bevor die Kufen-Cracks aufs Eis geschickt werden, gilt es, die Installation hinter sich zu bringen. Sie läuft zwar problemlos ab, allerdings sollten rund zehn Minuten eingeplant werden, um Daten von der DVD-ROM auf den Rechner zu schaufeln. Wurde die 2,7 Gigabyte große Software auf dem PC installiert, treffen Eishockey-Freunde auf das Spielmenü. Was auf den ersten Blick etwas unübersichtlich wirkt, erweist sich in der Praxis als sauber strukturiert. Einziger Nachteil: Die Navigation mit dem Gamepad erweist sich als zu umständlich. Während die PC-Tastatur im eigentlichen Spielmodus viel zu kompliziert zu bedienen ist, erweist sie sich im Spielmenü als bessere Variante für die Steuerung.

Dickes Plus: Original-Lizenzen

Stichwort Spielmenü: Hier sind nicht nur die Optionen individuell auf die eigenen Bedürfnisse einstellbar, auch die gewünschte Liga, in der die Spieler über das Spielfeld flitzen sollen, ist hier auszuwählen. Neben der NHL steht unter anderem auch die DEL zur Verfügung. EA Sports hat es sich nicht nehmen lassen, die Original-Lizenz zu kaufen, wodurch Team- und Spielernamen den realen Namen entsprechen. Im Vergleich zu den Vorgängern neu integriert wurde die American Hockey League (AHL), die in Deutschland zwar weniger bekannt ist, aber zu den ältesten Eishockey-Ligen der Welt gehört. Hier spielen die Stars von morgen.

Doch so sehr der Gamer sich über den Umfang an Ligen freuen und sogar die Nationalmannschaft aufs Eis schicken kann, so sehr wird er in Sachen Grafik enttäuscht. Spieler, Trainer und Zuschauer wirken alles andere als liebevoll programmiert. Grobe Gesichtszüge, eckige Körper und ein langweilig animiertes Publikum wirken sich negativ auf den Spielspaß aus. Es scheint fast so, als sei die Entwicklung auf dem Stand der letzten Jahre stehen geblieben. Die Animation ist mit jener der menschlichen Charaktere aus dem Fim "Ice Age" vergleichbar. Dass dieser Film aus dem Jahr 2002 ist, spricht für sich.

Deutlich mehr Spaß macht die Soundkulisse von NHL 08. Hier fühlt sich der Spieler fast so, als wäre er Teil der Mannschaft auf dem Eis. Bandenchecks klingen realistisch, das Jubeln der Zuschauer ebenfalls. Zur Topnote in diesem Bereich des Spiels reicht es trotzdem nicht, weil Electronic Arts den Eishockey-Fans hierzulande leider keine deutschen Kommentatoren spendiert hat. Das Reporter-Duo berichtet leider während aller Spiele auf Englisch. Das macht bei NHL- oder AHL-Spielen vielleicht noch Sinn, spätestens bei DEL-Partien wirkt es aber sehr befremdlich. Erst Recht, wenn der Stadionsprecher die erzielten Tore in deutscher Sprache bekannt gibt.

Steuerung nicht gerade einfach

Wer richtig Spaß mit NHL 08 haben will, sollte entweder erfahrener Eishockey-Zocker sein, oder sich viel Zeit für die Spielfindung nehmen. Gamer, die schon die Vorgänger der NHL-Serie begeistert hat, haben kaum Probleme, das Handling des Gamepads zu meistern. Einsteiger sehen sich hingegen mit dutzenden Funktionen konfrontiert, die trainiert werden sollten, bevor heiße Duelle bevor stehen. Möglich sind zum Beispiel Bewegungen wie Schuss antäuschen, Schlagschuss, Handgelenkschuss, Haken, Sprint, Bodycheck, Schwalbe

…

Wer sich mit den vielen Möglichkeiten der Steuerung vertraut gemacht hat, wird schnell Spaß an den wendigen Kufenflitzern haben. Doch es ist Präzision gefragt, denn wer seine Pässe im falschen Moment spielt, steht im Abseits und der Angriff wird von den Schiedsrichtern abgepfiffen. Verzweiflung kann auch bei den Torhütern aufkommen. Die "Goalies" fangen viele der kraftvollen Schüsse und Schlenzer ab. Gefährlich ist auch eine einseitige Taktik. Wer immer wieder den gleichen Spielzug auf dem Eis wählt, wird auf Dauer keinen Erfolg haben. In unserem Test mussten wir feststellen, dass sich der Computer ab einem gewissen Punkt auf wiederholende Spielzüge einstellt und diese entsprechend unterbinden kann.

Viele Spielmodi

Erfreulich ist die Vielzahl an Spielmodi. Freundschaftsspiele für ein schnelles Game zwischendurch sind ebenso möglich, wie das Durchspielen einer kompletten Saison. Im so genannten Shootout lassen sich Schussübungen gegen den Computer machen und wer lieber eine Nationalmannschaft zum Erfolg führen möchte, darf an einem Weltturnier teilnehmen.

Darüber hinaus steht der so genannte Dynasty Mode bereit. Hier sind Manager-Fähigkeiten gefragt, indem nicht nur Spiele gespielt, sondern auch das Umfeld eines Vereins überblickt und verwaltet wird. Das heißt, es müssen Talente gesichtet, schwächelnde Spieler verkauft, das Training geleitet und die Moral in der eigenen Truppe gehalten werden. Zudem gilt es, Ticketpreise festzulegen und das Vertrauen des Clubeigentümers nicht zu enttäuschen. Die Regel ist einfach: Wer die Erwartungen nicht erfüllen kann, fliegt.

Fazit: Spaß ja, viele Änderungen nein

Wer Spaß an Eishockey hat und gerne DEL-Spiele besucht, wird NHL 08 mögen, vielleicht sogar lieben. Original-Lizenzen und eine perfekte Sound-Kulisse sorgen für eine richtig ordentliche Atmosphäre. Enttäuschend ist hingegen die Grafik, die von den Machern stark vernachlässigt wurde. Das gibt deutliche Punktabzüge und nur mit viel gutem Willen reicht es bei der 08er Version der NHL-Serie noch für ein "gut" in der Endabrechnung. Eines bleibt aber festzuhalten: Wer sich NHL 07 bereits zugelegt hat, muss sich den Nachfolger nicht kaufen. Die Änderungen halten sich in Grenzen und rechtfertigen nicht, den hohen Preis von derzeit circa 45 Euro auszugeben.

(Hayo Lücke)

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