Video on Demand

Netflix im Test: Wie gut ist der VoD-Newcomer in Deutschland wirklich?

Die großen Erwartungen konnte Netflix in Deutschland bislang nicht erfüllen, trotzdem kann der US-Anbieter mit eigenen großen Vorzügen punkten. Wir haben Netflix unter die Lupe genommen.

Fernbedienung© roxcon / Fotolia.com

Der Deutschlandstart von Netflix im vergangenen September wurde hierzulande mit Spannung erwartet, war doch nur Gutes über den Streamingdienst aus den USA für Filme und Serien zu hören. Danach machte sich allerdings etwas Ernüchterung breit. Auch Netflix kann nur mit Wasser kochen und muss sich erstmals um die entsprechenden Film- und Serienrechte auf dem hart umkämpften deutschen Markt bemühen. Nach der Schonfrist hat unsere Redaktion geschaut, ob das Angebot trotzdem überzeugen kann.

Paketpreise und Zahlungsmöglichkeiten

Die Anmeldung (auch mit Facebook-Account möglich) geht einfach und ist schnell abgehakt: Email-Adresse eingeben, Passwort aussuchen - fertig. Gezahlt werden kann wahlweise per Lastschrift, PayPal oder den gängigen Kreditkarten. Danach muss eine PIN für die Kindersicherung vergeben werden, anschließend fragt Netflix nach den drei aktuellen Lieblings-Serien oder -Filmen und ermittelt daraus personalisierte Empfehlungen. So weit, so normal.

Es stehen drei verschiedene Abomodelle zur Auswahl, die sich hinsichtlich der Videoqualität und der Anzahl der maximal benutzbaren Endgeräte unterscheiden.

Abos und Verfügbarkeit

Preis pro Monat:

  • Videos auf einem Gerät mit SD-Auflösung für 7,99 Euro
  • Videos auf zwei Geräten mit SD-, HD-Auflösung für 8,99 Euro
  • Videos auf vier Geräten mit SD-, HD-, Ultra-HD-Auflösung (4K) für 11,99 Euro

Wie mittlerweile auch bei der Konkurrenz üblich, gewährt Netflix einen Monat (egal welches Abo) gratis, danach wird der Vertrag automatisch um einen Monat verlängert. Kündigen kann man aber per Mausklick.

Netflix OberflächeDas Design von Netflix ist schnörkellos und übersichtlich (Screenshot)© onlinekosten.de

Netflix ist für zahlreiche Geräte und Plattformen verfügbar. Dazu zählen Smart-TVs und Blu-ray-Player von LG, Panasonic, Samsung, Sharp, Sony und Toshiba sowie den Set-Top-Boxen Apple TV und Google Chromecast. Auch im Tablet- und Smartphone-Segment ist Netflix breit vertreten, unterstützt werden Android, iOS (iPad, Phone und iPod Touch) und Microsofts Windows Phone. Auch Kindle Fire von Amazon ist dabei. Im Konsolen- und Handheld-Bereich ist Netflix ebenfalls recht aktiv. Wer mag, kann Filme und Serien auch über die Playstation 3 und 4, Wii, Wii U und Xbox 360 schauen.

Was Netflix vergessen hat

Anscheinend hat das Unternehmen mittlerweile selbst den Überblick verloren: Dass Netflix beispielsweise auch für Telekom Entertain erhältlich ist, findet man auf der Website nur, wenn man es woanders gelesen hat. Auch die Xbox One und der 3DS findet trotz Unterstützung keine Erwähnung auf der entsprechenden Website.

Kindersicherung mit Macken

Die Kindersicherung lässt sich in den Altersstufen 0-,6-,12- und 16-Jahren einstellen. FSK-18-Titel verlangen generell die Eingabe der PIN. Für Inhalte ab 18 Jahren ist kein Altersnachweis via PostIdent-Verfahren oder Ähnlichem erforderlich, bezahlt haben wir mit Kreditkarte.

Netflix bietet die Möglichkeit, mehrere Profile anzulegen, ein Profil für Kinder ist generell vorhanden. Nach einem Klick auf dieses, findet man sich auf einer kindgerechten Netflix-Startseite mit entsprechenden Inhalten wieder. Das Problem: Da beim Profilwechsel kein Sicherheitsmechanismus greift, verhindert das nicht, dass der Nachwuchs von den "Schlümpfen" auch mit wenigen Klicks in der Horror-Abteilung landen kann (samt Plotbeschreibung und aussagekräftigen Szenen aus dem Film). Hier besteht auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf. Im Test funktionierte die eigentliche Sicherung für das Abspielen aber einwandfrei, wenn es nicht auf Anhieb klappt, ist dieser Eintrag hilfreich.

Design & Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von Netflix konzentriert sich auf das Wesentliche, daher ist die Bedienung auf für weniger technikversierte Nutzer problemlos möglich. Das Netflix-Design ist plattformübergreifend schlicht, dafür aber übersichtlich. Alle Features wie Tonspuren und Untertitel sind leicht zugänglich, die Live-Suche arbeitet zuverlässig. Netflix merkt sich auch, wo das Video beendet wurde, was nerviges Suchen erspart.

Bei den Kategorien setzt Netflix auf die gängigen Schablonen wie: Thrillerserien, Neuerscheinungen und "Beliebt auf Netflix" und natürlich "Zuletzt angesehen". Persönliche Vorschläge macht Netflix in den Kategorien Top-Auswahl und "Weil Sie XYZ sehen gesehen haben". Generell können individuelle Empfehlungen nicht deaktiviert werden, im Konto lässt sich lediglich der "Verlauf" löschen.

Es ist nicht möglich eine individuelle Wiedergabeliste zu erstellen, Serien und Filme können zum schnellen Zugriff nur unter dem Punkt "Meine Liste" hinzugefügt werden.

Der VoD-Anbieter bietet auch keine Zufallswiedergabe, weder im Browser noch in der App. Dafür wird auf Wunsch automatisch die nächste Folge abgespielt, was "Binch-Viewing", also das Anschauen mehrerer Folgen bis zur ganzen Staffel am Stück, deutlich erleichtert.

Streaming über Mobilfunknetze ist bei Netflix im Vergleich zu maxdome möglich und sogar vorab aktiviert. In den App-Einstellungen kann bei Bedarf auch ausschließlich die Wiedergabe über WLAN aktiviert werden.

Video- & Ton-Qualität, Untertitel

Netflix auf SmartphoneAuch auf Smartphone gibt es nicht zu beanstanden. Hier im Bild, die Netflix-App für Android (Screenshot)© onlinekosten.de

Für einen Streaming-Dienst gibt es an der Video- & Ton-Qualität nichts auszusetzen: Schnelle Ladezeiten (je nach Verbindung 2 – 10 Sekunden), flüssige Wiedergabe, keine Komprimierungsartefakte im gesamten Testzeitraum auf PC, Android-Smartphone oder Samsung Smart TV Die meisten Inhalte werden mit 5.1-Sound wiedergegeben.

An Qualitätsstufen stehen "SD", "HD" und eingeschränkt 4K zur Wahl. Die Einstellung "Automatisch" passt die Videoqualität basierend auf der aktuellen Übertragungsgeschwindigkeit an. Laut Netflix kann es bis zu 8 Stunden dauern, bis Änderungen hier wirksam werden.

Die Ausstattung mit 4K-Inhalte ist derzeit zwar noch spartanisch (in erster Linie Netflix-Eigenproduktionen), das ist aufgrund der geringen Verbreitung von 4K-fähigen Geräten aber auch nicht weiter verwunderlich oder tragisch.

Die mittlere Qualität ist für große Fernseher nur mit Abstrichen akzeptabel, Full HD ist auf jeden Fall die bessere Wahl. Die niedrige Qualitätsstufe eignet sich nur für kleine Smartphone- und Tablet-Bildschirme.

Netflix EinstellungenDie Qualitätseinstellungen und der Datenverbrauch (Screenshot)© onlinekosten.de

Full HD ist unter guten Bedingungen auch mit WLAN 802.11g möglich, für eine optimale Abdeckung ist aber der schnellere N-Standard zu empfehlen. Getestet haben wir in diesem Fall mit FullHD und 16 Mbit/s, für 4K sind mindestens 25 Mbit/s erforderlich, als Browser kam Googles Chrome zum Einsatz.

Die Untertitel können den eigenen Vorstellungen angepasst werden. Zur Wahl stehen verschiedene Schriftarten und -farben.

Das 5.1-Problem

Wer vor hat, Netflix auf seinem (HT)PC im Browser zu nutzen, muss aufgrund mangelnder Unterstützung von Silverlight oder HTML5 auf 5.1-Sound verzichten. Es gibt jedoch Abhilfe: Die Netflix-App für Windows 8 unterstützt Raumklang.

Bedienung auf Smart TV & Smartphone

Die Netflix-App für Android gibt sich im Test ebenfalls keine Blöße und läuft stabil. Netflix ist auch auf dem Smart TV zufriedenstellend bedienbar, was auch nicht selbstverständlich ist. Als Testgerät diente ein Smart TV von Samsung.

Netflix im Ausland, kein Offline-Modus

Im Ausland ist – wenn verfügbar – nur das lokale Netflix-Angebot nutzbar, also in der jeweiligen Landessprache, im besten Fall mit englischen Untertiteln. Einen eventuellen Offline-Modus, wie Konkurrent Watchever ihn bietet, hat ein Pressesprecher des Unternehmens vor wenigen Monat vehement verneint.

Film und Serien-Angebot

Die Serien-Dauerbrenner "The Big Bang Theory", How I met your mother", "The Walking Dead", "Dexter" und Co. dürften mittlerweile bekannt sein und sind auch bei Netflix erhältlich, wenn natürlich auch nur eingeschränkt. Wahllos weitere Filme und Serien aufzuzählen ergibt an dieser Stelle wenig Sinn: Eine stetig aktuelle Übersicht über das aktuelle Angebot der VoD-Anbieter bieten die Websites JustWatch und WerStreamt.es.

Netflix Kids-ModusDer "Kids"-Modus bietet ausschließlich Inhalte ohne Altersfreigabe (Screenshot)© onlinekosten.de

Bei der Anzahl der Filme (rund 1.100) wird schnell klar, dass Netflix derzeit nicht auf Augenhöhe mit Amazon Prime, Maxdome und Watchever agiert, die mindestens dreimal so viele Einträge verzeichnen können. Insgesamt sind rund 270 verschiedene Serien streambar.

Was auffällt ist, dass Netflix vornehmlich auf aktuelle Serien setzt, selbst auf ältere Simpsons-Staffeln hat der Anbieter verzichtet, als Ausgleich gibt es dafür "Family Guy" bis Staffel 9.

Zu den Highlights des Netflix-Angebots zählen aber natürlich die Eigenproduktionen wie "Orange is the new Black" oder "House of Cards". Aber auch hier hat Netflix einen kleinen Dämpfer erhalten: Die neue "House of Cards"-Staffel kommt (zumindest in Deutschland) jetzt zuerst beim Konkurrenten Sky. Zurzeit ist das gerade gestartete "Breaking Bad"-Spin off "Better Call Saul" das neue Aushängeschild. Zuletzt hatte Netflix angekündigt, Nintendos Videospielreihe "Zelda" als Serie zu produzieren.

Fazit: Gute Technik und erfolgreiche Eigenproduktionen, quantitativ unterdurchschnittlich

Trotz schlichter Oberfläche wirkt Netflix technisch nach gut 20 Stunden Dauerbetrieb sehr ausgereift, auch der 4K-Support ist lobenswert. Ein weiterer Vorteil ist die sehr gute Geräte-Versorgung. Das Angebot ist zwar deutlich kleiner als bei der Konkurrenz, kann dafür aber mit eigenen und erfolgreichen Produktionen punkten. Vorbildlich bei Netflix ist die Versorgung mit dem (englischen) Originalton und Untertiteln.

Abzüge gibt es für die mangelhafte Kindersicherung. Auch die Tatsache, das Kunden das komplette Angebot erst nach der Anmeldung zu sehen bekommen, ist – Probemonat hin oder her – zumindest dis­kus­si­ons­wür­dig. Zudem ist die Begrenzung auf nur zwei Geräte im "Standard-Abo" für 8,99 Euro nicht mehr zeitgemäß, es sollten in unseren Augen mindestens drei sein.

Anbieter: Netflix
Webseite: www.netflix.com
Vertragsart: Abo, monatlich kündbar
Kosten: Monatspreise:
  • Videos auf einem Gerät mit SD-Auflösung für 7,99 Euro
  • Videos auf zwei Geräten mit SD-, HD-Auflösung für 8,99 Euro
  • Videos auf vier Geräten mit SD-, HD-, Ultra-HD-Auflösung (4K) für 11,99 Euro
Zahlweise: Lastschrift, Kreditkarte, PayPal
Inhalte: Zugriff auf >1.000 Filme und ~270 Serien
fast alle Titel in HD und OV verfügbar
Zugriffswege: Internetanschluss: 1,5 Mbit/s empfohlen für niedrige Qualität Mbit/s, 3 Mbit/s für Standardaufösung, für HD mindestens 5 Mbit/s, 25 Mbit/s für 4K-Videos
Smartphones und Tablets: App für iOS und Android, auch für Kindle Fire
Smart-TV: Aktuelle TV-Modelle der Hersteller Samsung, LG, Panasonic, Sharp und Toshiba
Spielkonsolen: Playstation 3, Playstation 4 sowie Xbox 360, Xbox One, Wii, Wii U, Nintendo 3Ds
Weitere Geräte: Chromecast, Apple TV, Entertain, Bluray-Player
Sicherheit: PIN / Jugendschutz:
Kindersicherung per vierstelligem PIN
kein Altersnachweis bei Kreditkartenzahlung erforderlich
Unser Testfazit zum Netflix Video-Streamingdienst
Pro Contra
  • Unterstützung von zahlreichen Geräten
  • Sehr gute Ton- und Videoqualität
  • Technisch sehr ausgereift
  • Erfolgreiche Eigenproduktionen
  • Gratismonat
  • monatlich kündbar
  • Das mit Abstand kleinste Angebot im Testfeld
  • Kein Offline-Modus
  • Nur zwei Geräte im Standard-Abonnement
Gesamtnote der Redaktion

(Marcel Petritz)

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