Testbericht

myTV-2GO-m Test: DVB-T-Tuner für iPad & iPhone

Gerade in der Fußball-Saison sind DVB-T-Tuner wieder heiß begehrt. Hersteller Hauppauge hat mit dem myTV 2GO-m einen TV-Tuner für das iPad und das neue iPhone im Programm; wir haben ihn mit dem iPad der dritten Generation ausprobiert.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Mit mobilem Fernsehen verhält es sich ähnlich wie mit der 3D-Technik: Immer mal wieder gibt es neue Geräte und Vorstöße, um auch unterwegs fernzusehen. Nachdem das Handy-TV nach dem DVB-H-Standard in Deutschland vor vier Jahren eingestellt wurde, ist mobiles TV via Internet derzeit beispielsweise per WLAN mit dailyme oder Zattoo möglich. Ab Herbst will außerdem die Telekom mit Entertain to Go mit einem eigenen Angebot für iPad, Handy oder Notebook über WLAN und 3G-Mobilfunk mitmischen. Unabhängig von Datenverbindungen klappt es nur per DVB-T: Passende Empfänger lassen sich nicht nur an einem Notebook nachrüsten, auch für Apples Hardware gibt es entsprechendes Zubehör. Gerade zur Fußball-Saison sind die ansteckbaren Tuner begehrt, um das nächste Spiel auch im Freien verfolgen zu können. Hersteller Hauppauge hat ein kleines Modell namens myTV-2GO-m samt Programm-Guide und Aufnahmefunktion im Sortiment – wir haben den Tuner mit dem iPad der dritten Generation getestet.

Hauppauge myTV-2GO-m Test – Inhalt

  • Seite 1: Lieferumfang und Anschluss
  • Seite 2: Empfang und Praxiseinsatz
  • Seite 3: Aufnahmen, Fazit und Info-Tabelle

TV-Tuner mit Schlaufenantenne

Der DVB-T-Empfänger steckt in einem etwa 51x30x12 Millimeter kleinen, weißen Hochglanz-Gehäuse, das optisch gut zur weißen Version des iPad passt. In der Farbe Schwarz ist das knapp 100 Euro teure Gerät nicht erhältlich. Eine ausziehbare Antenne, wie sie Laptop-Tuner oder DVB-T-Handys bieten, gibt es bei Hauppauges Modell nicht. Die Antenne befindet sich stattdessen in einer Schlaufe und lässt sich daher zwar einerseits nicht ausrichten, kann andererseits aber auch nicht abbrechen oder versehentlich umgeklappt werden. Neben dem neuen iPad mit Retina-Display versorgt myTV 2GO-m auch das iPad 2 mit iOS-Version 4.3 oder höher und das iPhone 4S mit iOS 5.1 mit Fernsehsignalen. Darüber hinaus ist lediglich ein Benutzerkonto bei iTunes erforderlich.

Integrierter Akku

Im schmalen Lieferumfang finden sich eine Kurzanleitung und ein gerade einmal 8 Zentimeter langes USB-Kabel, das auf Micro-USB endet. Darüber lässt sich der interne Akku des Tuners laden, was gleichzeitig dem einzig nötigen Schritt zur Vorbereitung entspricht. Ein Netzteil spendiert Hauppauge nicht: Das Kabel wird an das Ladegerät von iPad oder iPhone angeschlossen, was durchaus als Vorteil zu werten ist. Immerhin wächst dadurch die eigene Netzteilsammlung nicht unnötig an und auf Reisen wird Gewicht gespart. Die mittig auf dem Gerät platzierte LED leuchtet nur, wenn der Tuner mit dem Netzteil verbunden wird. Sobald sie sich von rot auf grün verfärbt, ist der Akku vollständig geladen und der Tuner kann an den 30-poligen Docking-Port des Smartphones oder Tablets gesteckt werden. Vom Akku des iPads oder iPhones profitiert myTV 2GO-m nur, wenn der Anwender dies in den Optionen einstellt, und zwar, bevor der Tuner wieder komplett geleert ist. Andernfalls wird er vom iPad/iPhone nicht gefunden und muss zunächst kurz an die Steckdose.

Ausschließlich mit dem eigenen Akku genutzt, verspricht der Hersteller eine Laufzeit von bis zu zwei Stunden, was wir anhand des Praxistests bestätigen können. In unserem Versuch brachte der Tuner sogar knapp drei Stunden lang Fernsehprogramme auf das Display. Der genaue Füllzustand des Akkus ist übrigens nicht einsehbar. Als sich der Tuner geleert hatte und nur noch über den Tablet-PC versorgt wurde, haben wir mit dem iPad 3 eine Laufzeit von etwa acht Stunden ermittelt. Auch dieser Wert liegt über der Herstellerangabe (sieben Stunden mit dem iPad 2).

Anstecken, App laden, Sender suchen

Die eigentliche Inbetriebnahme verläuft unkompliziert. Nach dem Anschluss erscheint auf dem Display automatisch ein Hinweis auf die kostenlose App myTV 2GO powered by Fuugo im App Store, zu dem der Nutzer über einen Link geleitet wird. Anschließend sind der Receiver-Typ und das Nutzungsland auszuwählen. Wer sich dann mit der Bedienung vertraut machen möchte, kann sich die Gestensteuerung zeigen lassen. Ein Senderwechsel wird mit einer Wischgeste mit einem Finger vorgenommen, bei einer Berührung mit zwei Fingern wird eine Infoleiste mit Buttons zum Vor- und Zurückspulen und Pausieren eingeblendet. Um Details zum laufenden Programm zu erhalten oder das Menü aufzurufen, muss lediglich auf das Display getippt werden. Das Menü besteht aus einer Hilfefunktionen, Einstellungen, einem elektronischen Programmführer (EPG) und dem Punkt Aufnahmen, in dem Mitschnitte gespeichert werden.

Zunächst müssen aber Sender eingestellt werden. Bei der ersten Verwendung beginnt der Sendersuchlauf automatisch, anschließend lässt er sich jederzeit über das Optionsmenü anstoßen. Wer bereits DVB-T genutzt hat, weiß, wie stark die Empfangsleistung von jeweiligen Ort abhängt. Auf der Website www.ueberallfernsehen.de lässt sich bereits vorab ermitteln, an welchem Standort mit welcher Empfangsqualität zu rechnen ist. So gibt es Bezirke, in denen eine Zimmerantenne ausreicht, aber auch Gegenden, die nur über eine Dach- oder Außenantenne eine gute Leistung versprechen.

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Fernsehempfang

Wir haben den Tuner an einem Ort der Kategorie "Dachantenne" ausprobiert, allerdings ohne eine solche zu benutzen. Dementsprechend wechselhaft war dann auch insgesamt die Zahl der aufgefundenen Sender. Dennoch lassen sich in der Praxis selbst bei kleinen Änderungen des Standorts große Unterschiede feststellen. Da eine Anzeige der Signalstärke fehlt, wird die Wahl des geeigneten Platzes jedoch erschwert. Während in Zimmern mit suboptimalem Empfang lediglich wenige öffentlich-rechtliche Sender in der Liste landeten und nur mit Bildfehlern angezeigt werden konnten, waren im Zimmer nebenan beispielsweise zusätzlich die privaten Kanäle Vox, RTL II und Super RTL verfügbar. Zudem wurde die Qualität deutlich besser; die unliebsame Klötzchenbildung verschwand. Am besten Standort innerhalb unseres antennenlosen Testorts empfingen wir 21 Sender. Wer sich in einem stärkeren Empfangsgebiet aufhält oder die geforderte Antenne besitzt, kann infolgedessen mit der vollen Senderzahl und flüssiger Wiedergabe rechnen. Eine komplette Kanalliste, nach Bundesländern und Orten sortiert, findet sich zum Download (PDF) bei ueberallfernsehen.de.

Ist der Empfang stabil genug, sodass sich keine Klötzchen oder Tonaussetzer abzeichnen, gibt es an der Bildqualität mit dem myTV-2GO-m nichts zu beanstanden. So knackig wie HD-Inhalte oder Blu-ray-Filme ist die Darstellung jedoch nicht.

Umschalten und Favoriten

In jedem Fall müssen sich Nutzer, die über DVB-T Fernsehprogramme anschauen möchten, darauf einstellen, dass beim Zappen etwa zwei bis vier Sekunden vergehen, bis der nächste Sender zu sehen ist. So flott wie am Fernseher lassen sich die Kanäle also nicht wechseln. Leider ist das Umschalten auch nicht durchgehend: Ist der letzte Kanal in der Senderliste erreicht, kann nicht einfach zum ersten Programmplatz weitergeschaltet werden; es geht nur noch rückwärts weiter. Um direkt zum gewünschten Sender zu springen, lässt sich aber eine Leiste einblenden. Auch vom EPG ausgehend können Kanäle gezielt angesteuert werden. Eine weitere Möglichkeit stellt die seitlich einblendbare Leiste dar, die die jeweils aktuell laufenden Sendungen skizziert und so Zeit für unnötiges Zapping spart. Um die Lieblingssendung hervorzuheben, gibt es den Punkt "Favoriten". Markierte Inhalte werden dann im Programm-Guide mit einem Sternchen gekennzeichnet. Einzelne Sender lassen sich leider nicht favorisieren und auch nicht zu Lieblingslisten zusammenstellen. Nur durch Ausblenden einzelner Kanäle kann der Nutzer die Senderliste beeinflussen. In Anbetracht der Tatsache, dass höchstwahrscheinlich bei jedem Ortswechsel ein neuer Suchlauf gestartet wird, ist das nachvollziehbar und nur für diejenigen ärgerlich, die ihr Tuner-Gespann ausschließlich an einem festen Platz nutzen möchten.

Die Aufnahmefunktion ist denkbar simpel. Über die einblendbaren Details kann ein Mitschnitt sofort gestartet und auch wieder beendet werden. Alternativ lassen sich auch Sendungen über den Programmguide im Vorfeld programmieren und sind dann rot markiert. Aufgezeichnet werden sie aber nur, wenn zum Startzeitpunkt der Tuner angeschlossen und die App geöffnet ist. Ruht das iPad im Standby-Modus, verschläft es auch die Sendung. Während der Aufnahme ist außerdem keine weitere Aktion am Tablet oder Handy ausführbar. Wer das Programm verlässt, erhält einen entsprechenden Hinweis. Die Aufnahmen sind ausschließlich innerhalb der App abspielbar und finden sich beispielsweise nicht im Ordner Videos wieder. Dank Timeshifting ist es zudem möglich, innerhalb laufender Sendungen zu pausieren.

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Fazit: Schnelle Lösung, aber kein Schnäppchen

Der myTV 2GO-m Tuner stellt eine unkomplizierte Methode dar, um Fernsehinhalte auf iPad oder iPhone zu bringen. Nach dem Plug&Play-Prinzip lässt er sich schnell in Betrieb nehmen und ist abseits von Steckdosen auch über den Akku des Endgeräts nutzbar. Mit einer Laufzeit von knapp zehn Stunden bei gefüllten Akkus ist die gebotene Leistung mehr als ausreichend. Allerdings hängen Senderauswahl und Bildqualität über DVB-T vom Standort ab, nicht überall sind optimale Ergebnisse zu erwarten. Dafür ist der Empfang kostenfrei und ohne WLAN- oder UMTS-Verbindung realisierbar. Punkten kann das Gerät auch mit der leicht bedienbaren App.

Angesichts des relativ hohen Preises von 99,95 Euro hätten wir uns aber eine Aufbewahrungstasche oder zumindest eine Verschlusskappe für den Anschluss gewünscht, um den Tuner unterwegs sicher verstauen zu können. Ähnliche TV-Tuner gibt es unter anderem von Elgato (EyeTV), LogiLink (iDTV) und Equinux (tizi/tizi+); Letzterer zeichnet auf eine mitgelieferte microSD-Karte auf.

Name: myTV 2GO-m
Hersteller: Hauppauge
Internet: http://www.hauppauge.de
Preis: 99,95 Euro (UVP)
Technische Daten:
Abmessungen: 30 x 51 x 12 mm
Übertragungsstandard: DVB-T
Kompatibilität: iPad 2 mit iOS 4.3 oder höher, iPad 3, iPhone 4S mit iOS 5.1
Anschlüsse: 30-poliger Dock-Anschluss, Micro-USB
Sonstiges: Schlaufenförmige Antenne, integrierter Akku
Lieferumfang: TV-Tuner, USB-Kabel, Kurzanleitung
Pro & Contra:
schnell und unkompliziert anzuschließen
zugehörige App lässt sich gut bedienen
Gesten-Unterstützung
Aufnahmefunktion
(auch Pausieren und Programmieren)
Favoritenmarkierungen
kein zusätzliches Netzteil erforderlich
kein Schutzbeutel oder -kappe dabei
keine Auskunft über Akkufüllstand
und Signalstärke
Antenne nicht ausrichtbar
für Aufnahmen muss die App
im Vordergrund laufen
hoher Preis
Bewertung:
Installation (20%): sehr gut
Bedienung (25%): gut
Empfang (30%): gut
Funktionsumfang (15%): befriedigend
Verarbeitung (10%): gut
Gesamtnote gut (2,0)
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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