Testbericht

Musik legal: Netz-Shops im Vergleich

P2P ist nicht alles, es geht auch legal. Wir haben die Angebote von sechs Musikläden im Internet durchleuchtet.

P2P ist nicht alles, es geht auch legal. Wir haben die Angebote von sechs Musikläden im Internet durchleuchtet.

Datenübertragung© envfx / Fotolia.com
Spätestens seit dem Erfolg der Tauschbörse Napster kaufen viele Computernutzer ihre Musik nicht mehr im CD-Laden um die Ecke, sondern saugen die Songs aus dem Internet. Das allerdings meist nicht bei kommerziellen Anbietern, für den Musiktransfer über Tauschbörsen wechselt in der Regel kein einziger Euro den Besitzer. Legal ist das nicht.

Industrie ist sauer

Das wiederum verärgert die Plattenindustrie. Inzwischen können zumindest Windows- und Applenutzer aber endlich auch legal an ihre Lieblingssongs kommen: Apple eröffnete Mitte Juni letzten Jahres mit dem iTunes Music Store Deutschlands ersten Online-Musikladen. Ein halbes Jahr später bieten auch Unternehmen wie T-Online, Sony, Microsoft, AOL und Medion digitale Musik kostenpflichtig zum Download an. Wir haben untersucht, welches der Musikangebote sich sehen und hören lassen kann.

Musikdownloadshops im Visier

Wir haben jeden Musikdownloadshop hinsichtlich Bedienbarkeit, Suchfunktion, Repertoire, Format, den Preisen und den Systemanforderungen unter die Lupe genommen. Im Testdurchlauf wurde die Kompatibilität der Plattform zu unterschiedlichen Systemkonfigurationen überprüft. Um die Breite der verfügbaren Titel zu überprüfen, haben wir nach den Top-Ten der deutschen Singlecharts der ersten Woche 2005 und nach sieben Alben aus verschiedenen Jahrzehnten gesucht. Zudem haben wir die Preise der Shops verglichen, und die Qualität der Titel hinsichtlich Bitrate, Format und Kopierschutz beurteilt.

Die Shops im Überblick:
Gesuchte Titel
Top Ten Deutsche Singlecharts Alben
"Sweetest Poison" - Nu Pagadi "How To Dismantle..." - U2 (2004)
"Living To Love You" - Sarah Connor "Palookaville" - Fatboy Slim (2004)
"Schnappi" - Schnappi, das kleine Krokodil "Burli" - Sportfreunde Stiller (2004)
"Call On Me" - Eric Prydz "Out of Time" - R.E.M (1991)
"The Sound of San Francisco" - G. Deejays "Like a Virgin" - Madonna (1984)
"Was ich an dir mag" - Lukas Hilbert "The Wall" - Pink Floyd (1979)
"Und wenn ein Lied" - Söhne Mannheims "The White Album" - The Beatles (1968)
"Lose My Breath" - Destiny's Child
"Numb / Encore" - Linkin Park / Jay-Z
"Perfekte Welle" - Juli


Abhängig von den Anbietern wandern die Songs in den unterschiedlichsten Formaten auf die Festplatte. Obwohl für den heimischen PC fast ausschließlich der vom Frauenhofer Institut entwickelte Codec MP3 zum Digitalisieren und Komprimieren von Musik genutzt wird, findet man dieses Format bei den kommerziellen Musikangeboten im Internet nur sehr selten. Das ist für die Kunden ärgerlich, da die meisten CD-Player neben den gewöhnlichen Audio-CDs bisher ausschließlich das MP3-Format unterstützten. Auch die kleinen Flash-Player spielen häufig nur MP3-Files ab.

Format und Copyright

Der Grund, weshalb die kostenpflichtige Musik im Internet mit anderen Formaten komprimiert wird, ist der bei MP3 fehlende Kopierschutz. So bietet Microsoft für Musikdateien, die im Windows-Media-Audio-Format (WMA) kodiert sind, das Digital Rights Management (DRM) an. Hierüber können Musikshops festlegen, wie oft ein Titel kopiert oder auf CD gebrannt werden darf. Die Musikdownloadshops von Sony und Apple setzen ebenfalls auf eigene Formate mit DRM. Kunden, die den iPod oder den Vaio-Player besitzen, können hier Musik im zum Player passenden Format downloaden.

Komprimierte Songs in CD-Qualität?

Viele Shops bieten Songs zum Download an, die mit einer Datenrate von 128 Kilobit pro Sekunde (kBit/s) komprimiert sind. Die Qualität entspricht bei WMA- oder MP3-Foramt in diesem Fall keineswegs einer Audio-CD, auch wenn viele Anbieter diesen Vergleich aufstellen. Erst ab einer Datenrate von 192kBit/s besteht bei Formaten wie MP3 oder WMA nur noch ein geringer Unterschied zu der Klangqualität einer Audio-CD. Media Markt hat den Downloadshop gründlich überarbeitet: 700.000 Titel umfasst das aktuelle Repertoire nach Angaben von Media Online. Von den deutschen Musikdownloadshops verfügt lediglich iTunes mit 800.000 Titeln über eine größere Auswahl. Wie Medion nutzt auch der Media Markt neben dem Anbieter OD2 die Musicshop 24/7 AG als Songlieferanten. Der Kunde darf sich daher über MP3-Songs ohne Kopierschutz freuen: Insgesamt stehen 185.000 Titel im MP3-Format zur Verfügung.

Die restlichen Titel sind in Microsofts WMA-Format kodiert, das per Digital Rights Managment (DRM) die Nutzungsrechte einschränkt. Dabei ist auch die Anzahl der Übertragungen auf mobile Player beschränkt: Viele der in WMA kodierten Titel dürfen nur bis zu fünfmal auf einen mobilen Player kopiert werden. Das ist ein starker Einschnitt, die meisten anderen Musikshops bieten hier eine uneingeschränkte Übertragung. Die Datenrate beträgt bei beiden Dateiformaten 192kbit/s.

Der Weg zum Song

Wie bei T-Onlines Musicload benötigen Kunden für den Einkauf bei Media Online keine zusätzliche Software, die Titel können direkt über die Website geladen werden. Schade nur, dass hier ausschließlich der Internetexplorer ab Version 5.5 zum Ziel führt, andere Browser werden nicht unterstützt. Die Website des Shops ist erfreulich übersichtlich gehalten, bei der Bedienung gibt es keine großen Schnitzer. Die Suchfunktion erfüllt ihren Zweck, leider lassen sich die gefundenen Titel und Alben aber lediglich alphabetisch ordnen. Wer nicht präzise genug sucht und beispielsweise nur den Interpret angibt, muss sich daher mit einigen Klicks durch die Songlisten wühlen, bis der gesuchte Titel gefunden ist.

Abgesehen von dem RTL-Benefizsong für Flutopfer hat der Musikladen alle Charthits aus den Top Ten der deutschen Singlecharts (Stand 7.02.05) auf Lager. Die von uns gesuchten sieben Alben aus den Jahren 1968 bis 2005 haben wir bis auf das "White Album" der Beatles gefunden. Die Preise sind wie bei iTunes und MSN einheitlich: 99 Cent pro Song und 9,99 Euro pro Album sind zwar immer noch nicht wirklich billig, für weniger Geld gibt es digitale Musik jedoch auch bei der Konkurrenz nicht.

Firstgate ist Pflicht

Von allen Songs gibt es einen 30 Sekunden langsn Ausschnitt zum kostenlosen Vorhören. Bei WMA-Files genügt ein simpler Klick, um sich ausgiebig über die Nutzungsrechte zu informieren. Ist der Song im Warenkorb, verläuft der Bezahlvorgang nur für Firstgate-Kunden problemlos. Wer noch kein Firstgate-Konto hat, muss sich bei dem zwangsläufig bei dem Zahlungsdienst anmelden, andere Zahlungswege gibt es bei Media Online leider nicht. Firstgate bucht den fälligen Betrag dann per Lastschriftverfahren ab. Einmal bei Firstgate angemeldet, ist der Weg bis zu dem Download angenehm kurz: Nach einem weiteren Klick landet der gewünschte Titel auf der heimischen Festplatte.



Media Online Musikdownload
Plattform: 24/7 MusicShop AG / OD2
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

0,99 Euro
9,99 Euro
0,99 Euro
Format / Bitrate: WMA/MP3 / 192kBit/s
Kopierschutz: begrenztes Brennen und Kopieren der WMA-Songs
Repertoire: 700.000
Zahlungsarten: Firstgate (Lastschrift)
Vorhören: 30 Sekunden
Anforderungen: Internet Explorer 5.5 oder höher
Ganze 800.000 Songs umfasst Apples europäischer Ableger der Musikplattform iTunes. Voraussetzung für den Einkauf im Music Store ist die Installation der 25 Megabyte großen iTunes Software. Über die Software erfolgt der Zugriff auf den Music Store, zudem lassen sich heruntergeladene Songs verwalten. Der Aufbau des Music Store ist übersichtlich. Die Hilfefunktion der Software ist nur in englischer Sprache gehalten. Ein nettes Extra: Per Videostreaming kann man sich die neuesten Musikvideos ansehen.

Schlaue Suchfunktion

Dem Auffinden neuer Titel dient die etwas versteckte Suchfunktion am oberen rechten Fensterrand. Die Suche dauert recht lange, liefert dafür aber präzise Ergebnisse. Bei Schreibfehlern schlägt die Suchfunktion alternative Songtitel vor. Aus den Top Ten der deutschen Singlecharts fanden wir sieben Titel. Von den sieben gesuchten Alben waren zum Testzeitpunkt vier erhältlich. Bei einem Repertoire von 800.000 Songs hatten wir eigentlich mehr erwartet. Um einen ersten Eindruck der Songs zu erhalten, lassen sich die Titel 30 Sekunden lang vorhören. Die Qualität der Previews ist dabei zufrieden stellend.

Apfelformat

Alle Songs sind ausschließlich in Apples AAC-Format kodiert, die Bitrate liegt bei nur 128 kbit/s. Immerhin ist die Qualität hörbar besser als bei MP3-Songs mit gleicher Bitrate. Die Songs können über die iTunes Software lediglich als Audio-CD gebrannt, aber nicht direkt in ein anderes Format umgewandelt werden. Vorbildlich sind die Einheitspreise im Music Store: Jeder Song kostet 99 Cent, jedes Album 9,99 Euro. Damit gehört Apple zu den günstigsten Musicshops für copyrightgeschützte Musik. Der iTunes Music Store akzeptiert VISA- und MasterCard-Kreditkarten.

Update 10.06: Jetzt auch mit Firstgate

iTunes Deutschland bietet Kunden ab sofort auch das Bezahlen per Bankeinzug über den Internet-Zahldienst Firstgate an.


iTunes Music Store
Plattform: Apple
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

0,99 Euro
9,99 Euro
0,99 Euro
Format / Bitrate: AAC / 128kBit/s
Kopierschutz: beliebig oft auf CD Brennen, bis zu fünf mal auf unterschiedlichen Computern abspielen
Repertoire: 800.000
Zahlungsarten: Kreditkarte, Firstgate
Vorhören: 30 Sekunden
Anforderungen: iTunes-Software
Connect heißt der Musikservice von Sony. Die Japaner setzten für den Zugriff auf ihre Musikplattform den Internet Explorer in der Version 5.5 voraus. Doch auch wer bereits mit Microsofts aktuellem Browser im Netz surft, darf nicht direkt mit dem Musikdownload loslegen: Ebenfalls notwendig ist die SonicStage Software, deren Download mit 35 Megabyte zu Buche schlägt. Mit Hilfe der Software lassen sich die Musikdateien, die in Sonys Atrac-Format auf die Festplatte wandern, als Audio-CD brennen oder in das MP3-Format umwandeln.

Wenige Treffer

Über die Software erfolgt auch der Zugriff auf den Musicshop, in dem sich dank der übersichtlichen Suchfunktion präzise in Sonys Musikarchiv stöbern lässt. Wir fanden in unserem Test sechs Titel aus den Top Ten der deutschen Singlecharts. Bei der Suche nach Alben bekamen wir ein wenig erfreuliches Ergebnis: Kein einziges der sieben Alben hat Sony auf Lager. Immerhin sind von den Interpreten Fatboy Slim und Pink Floyd aber jeweils zwei andere Alben vorhanden. Als Hörproben gibt es pro Song einen 30 Sekunden langen Ausschnitt, die Qualität ist dabei allerdings sehr schlecht.

Die Preise für einzelne Titel reichen meist von 1,19 bis 1,39 Euro. Alben kosten zwischen 9,99 und 13,99 Euro. In unserem Test kosteten die Songs aus den deutschen Singlecharts durchschnittlich 1,19 Euro. Um die Downloads zu bezahlen, gibt es bei Connect zahlreiche Möglichkeiten: So kann mit Visa, MasterCard, Amex, Diners oder per Lastschrift bezahlt werden.

Eigen: Format und Bitrate

Alle Songs sind in Sonys ATRAC3-Format mit der ungewöhnlichen Bitrate von 132kBit/s kodiert. Das ist umständlich, da das Format nur mit Playern von Sony kompatibel ist. Daher müssen die Songs meist in das MP3-Format umgewandelt werden. Lästig ist, dass die Titel dabei gleichzeitig auf CD gebrannt werden müssen, zumal dieses aufgrund des Kopierschutzes nur bis zu fünfmal möglich ist.


Connect
Plattform: Sony
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

1,19 - 1,39 Euro
9,99 - 13,99 Euro
1,19 Euro
Format / Bitrate: ATRAC3 / 132kBit/s
Kopierschutz: unterschiedlich je nach Song
Repertoire: n/a
Zahlungsarten: Kreditkarten, Lastschrift
Vorhören: 30 Sekunden in 32kBit/s
Anforderungen: Installation der SonicStage-Software, Internet Explorer ab Version 5.5, Windows Media Player ab 7.0
Für die Musikplattform musicload hat T-Online kräftig die Werbetrommel gerührt. Rund 300.000 Songs umfasst das Repertoire des Shops. Im Gegensatz zu Connect Europe und iTunes muss für den Musikkauf bei musicload keine spezielle Software installiert werden. Sogar über den Browser Firefox klappte der Einkauf problemlos. Die Website ist übersichtlich gestaltet. Wer häufig im Internet surft, findet sich auf Anhieb zurecht.

Magere Bitrate

Die Suchfunktion liefert die gewünschten Ergebnisse. Aus den deutschen Single-Charts sind alle Titel verfügbar, von den sieben Alben konnten aber lediglich drei gefunden werden. Vor dem Kauf können nicht alle Songs vorgehört werden. Zumindest bei den gefragten Titeln ist eine Hörprobe von 30 Sekunden möglich. Wenig erfreulich ist auch, dass die gekauften Titel in nur 128kBit/s kodiert sind. Dabei kommt Microsofts WMA-Format zum Einsatz, dass mittlerweile die meisten mobilen Player unterstützen. Die Titel sind per DRM geschützt. Das Kopieren und Brennen der Songs ist daher nur begrenzt möglich.

Teurer Spaß

Spätestens an der Kasse gibt es eine böse Überraschung: Bis zu 1,49 Euro wird bei musicload pro Song fällig. Alben kosten bis zu 14,95 Euro. Die Songs aus den Top Ten der Singlecharts kosten im Durschnitt 1,31 Euro. Das ist für einen Song mit minderwertiger 128kBit/s-Qualität eindeutig zu viel. Erfreulich sind die zahlreichen Zahlungsmöglichkeiten: Per Kreditkarte, Firstgate, T-Com-Rechnung, oder T-Pay kann die digitale Musik bezahlt werden.


musicload
Plattform: T-Online
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

0,99 - 1,59 Euro
9,95 - 14,95 Euro
1,31 Euro
Format / Bitrate: WMA / 128kBit/s
Kopierschutz: vorhanden (DRM)
Repertoire: 300 000
Zahlungsarten: Kreditkarte, Firstgate, T-Com-Rechnung, T-Pay
Vorhören: 30 Sekunden in 32kBit/s
Anforderungen: Windows Media Player
Nach Apple, Sony, T-Online und Microsoft bietet auch der Aldilieferant Medion seit dem 6. Dezember eine kostenpflichtige Musikdownload-Plattform. Medion empfiehlt zum Download der Songs die Software medionmusic-manager, die ähnliche Funktionen wie Apples iTunes und Sonys Sonicstage bietet. Doch nicht nur Nutzer des Internet Explorer können auf den Download der knapp 15 Megabyte großen Software verzichten: Der Kauf im Musicshop funktioniert auch mit den aktuellen Versionen von Netscape und Firefox problemlos.

Wenige Treffer

Der Musicshop umfasst bisher rund 450.000 Songs. Leider verzeiht die Suchfunktion keine Schreibfehler: Wer sich vertippt wird in Medions Musicshop nicht fündig. Die von uns gesuchten Titel konnten nicht immer gefunden werden. Die Suche nach den Top Ten der deutschen Singlecharts ergab sechs Treffer, von den sieben Alben aus den Jahren 1968 bis 2004 konnten sogar nur drei gefunden werden. Immerhin waren aber die kürzlich veröffentlichten Alben von U2 und Fatboy Slim verfügbar. Vorgehört werden können die Titel 30 Sekunden lang, wobei WMA-Songs in 64- und MP3-Songs mit 128kBit/s erklingen.

Die Songs sind überwiegend in Microsofts WMA-Format zu finden. Sie sind per DRM geschützt: So ist das Brennen und Kopieren der Songs begrenzt. Auf mobile Player dürfen einige Songs nur bis zu fünfmal kopiert werden. Einige wenige Titel sind im MP3-Format kodiert, sie besitzen keine Einschränkung der Nutzungsrechte. Die Bitrate beträgt durchweg 192kBit/s.

Keine Aldipreise

Leider sind auch die Preise von medionmusic deutlich zu hoch. Zwar werden einige Songs auf der Startseite für 24 Cent angepriesen, gefragte Titel sind dafür aber umso teurer: Die gefunden Titel aus den Top Ten der Singlecharts kosten durchschnittlich 1,27 Euro, die Alben kosten meist 11,99. Für das neue Fatboy Slim Album "Palookaville" werden sogar 15,99 Euro fällig. Bezahlt werden kann per Kreditkarte oder Firstgate.


medionmusic
Plattform: 24/7 MusicShop AG
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

0,24-1,39 Euro
9,99 - 15,99 Euro
1,27 Euro
Format / Bitrate: WMA und MP3 / 192kBit/s
Kopierschutz: bei WMA-Titeln begrenztes Brennen und Kopieren (DRM, Wasserzeichen)
Repertoire: 450 000
Zahlungsarten: Kreditkarte, Firstgate
Vorhören: 30 Sekunden, 64/128 kBit/s
Anforderungen: Windows Mediaplayer
Microsoft bietet den Musikdownload für deutsche Nutzer über die MSN-Website. Der Musicshop ist dabei allerdings nicht mit dem amerikanischen Ableger zu verwechseln, der über eine Million Songs im Angebot hat. Das Repertoire des europäischen Service ist davon mit 400.000 verfügbaren Titeln noch weit enfernt. Microsoft greift hierbei auf das Angebot der englischen OD2-Plattform zu, die unter anderem auch von Karstadt und MTV für ihr Musikportal genutzt wird. Die Systemanforderungen zum Herunterladen der Musikdateien sind etwas verwirrend: Besitzer von Windows XP oder 2000 und dem Windows Media Player 9 müssen ein Music-Plugin installieren um die Downloadfunktion zu nutzen, Windows 98 Nutzer benötigen das Plugin nicht zwingend.

Viel gefunden

Die Suchfunktion ist übersichtlich und findet Titel oder Künstler auch bei kleineren Tippfehlern zuverlässig. Allerdings unterscheidet die Suchfunktion nicht zwischen Song- und Albumtitel. Von den Top Ten der deutschen Singlecharts waren sieben Titel verfügbar. Insgesamt konnten wir fünf unserer sieben Alben finden. Ein gutes Ergebnis. Leider bekommt der Nutzer weder nach einem Klick auf den Titel, noch im Warenkorb die Bitrate des ausgewählten Songs angezeigt. Eine unfaire Geste, da alle Songs OD2-typisch in nur 128 kBit/s kodiert sind. Kostenlos vorgehört kann jeweils ein 30-Sekunden-Ausschnitt des jeweiligen Songs. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, alle Songs für jeweils einen Cent in ganzer Länge anzuhören.

Gute Preise, dreister Kopierschutz

Die Preise hat sich Microsoft von Apple abgeguckt: Mit 0,99 Cent pro Song und 9,99 Euro pro Album ist msn.music vergleichbar günstig. Allerdings sind die Songs mit einem Kopierschutz versehen, der es in sich hat: Teilweise dürfen Songs nur einmal auf CD gebrannt werden, dann ist Schluss. Das Bezahlen ist nicht benutzerfreundlich, da zuerst festgelegte Guthabenpakete aufgeladen werden müssen, die für 12 Monate gültig sind. Bezahlt wird per Visa oder Mastercard. Zudem ist das Bezahlen über die Handyrechnung möglich.


msnmusic
Plattform: OD2
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

0,99 Euro
9,99 Euro
0,99 Euro
Format / Bitrate: WMA / 128kBit/s
Kopierschutz: vorhanden (DRM)
Repertoire: 400 000
Zahlungsarten: Visa, Mastercard, Handyrechnung
Vorhören: 30 Sekunden, Stream für 1 Cent
Anforderungen: Internetexplorer ab 5.5, Music-Plugin, Media Player ab 7.1
Auch der Internetprovider AOL bietet für deutsche Kunden einen Downloadservice. Das Angebot von etwa 250.000 Titeln gilt ebenfalls für Nicht-AOL-Mitglieder. Für den Musikdownload ist keine zusätzliche Software erforderlich, der Internet Explorer ab Version 5.5 ist allerdings Pflicht. Der Musicshop ist leicht zu bedienen, aber es gab Probleme bei der Suchfunktion: So ist die Suche nach einzelnen Songs oder Alben zwar denkbar einfach, aber sehr unpräzise. Daher empfiehlt es sich, die erweiterte Suchfunktion zu nutzen. Das Pink Floyd Album "The Wall" konnte bei Eingabe von Titel und Interpret nicht gefunden werden, obwohl es eigentlich verfügbar ist.

Charts vorhanden

Alle Songs aus den Top Ten der deutschen Singlecharts konnten wir finden. Bei der Albensuche bekamen wir dagegen nur wenige Treffer: Lediglich "Burli" (Sportfreunde Stiller), "How To Dismantle An Atomic Bomb" U2 und "The Wall" (Pink Floyd) sind bei AOL verfügbar. Vorhören ist 30 Sekunden lang möglich, die Qualität ist bei einer Datenrate von 32kBit/s miserabel. Infos zu den Rechten werden erst im Warenkorb angezeigt, Angaben zum Format und der Datenrate lassen sich nur über die FAQ-Seite finden.

Zu viel verlangt

Kodiert sind alle Titel mit nur 128kBit/s im WMA-Format. Auch bei AOL sind die Titel per DRM geschützt. Immerhin können viele Songs bis zu zehnmal auf CD gebrannt werden. Die Preise liegen deutlich über der Schmerzgrenze: Die Top Ten aus den Charts kosten im Durchschnitt 1,29 Euro. Alben kosten meist 13,99 Euro. AOL-Kunden können schnell und einfach über die Internetabrechung zahlen. Wer kein AOL-Mitglied ist, muss ausgerechnet per T-Pay, dem Zahlungssystem der Telekom-Konkurrenz bezahlen.


AOL Musikdownloads
Plattform: AOL
Preise:
- Songs
- Alben
- Top Ten Charts

0,79 - 1,49 Euro
9,99 - 13,99 Euro
1,29 Euro
Format / Bitrate: WMA / 128kBit/s
Kopierschutz: vorhanden (DRM)
Repertoire: 250 000
Zahlungsarten: AOL-Kunden per Internetrechung, sonst T-Pay
Vorhören: 30 Sekunden in 32kBit/s
Anforderungen: Internet Explorer ab 5.5, Windows Media Player
And the winner is? Keiner so richtig. Denn vollständig überzeugen konnten uns die getesteten Anbieter nicht. Aber es gibt gute Angebote. Es ist davon auszugehen, dass sich die noch sehr junge Branche weiter entwickelt. Die bisher teilweise deutlich überzogenen Songpreise dürften dann sinken. Ob dabei alle sieben Anbieter am Ball bleiben können, darf bezweifelt werden.

Gute Ansätze

Ein paar gute Ansätze zeigt der Music Store von Apple. Hier gibt es einheitliche Preise und einen benutzerfreundlichen Kopierschutz: Alle Songs kosten 99 Cent und können beliebig oft als Audio-CD gebrannt werden. Leider fixiert Apple den Music Store auf den eigenen Player iPod. Kunden sollen die Songs downloaden und direkt auf den iPod übertragen. Gewöhnliche MP3-Player können Apples Songformat AAC dagegen nicht abspielen.

Bei Media Markt kann zu den gleichen Preisen eingekauft werden. Wer keinen iPod besitzt und auf die Schnelle einen Song laden möchte, darf hier zugreifen: Der Einkauf geht zügig, benötigt keine zusätzliche Software und ist vergleichbar günstig. Lediglich die Pflichtregistrierung bei Firstgate dürfte für manche ein Stolperstein sein. Das kompatible und kopierschutzfreie MP3-Format ist ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Hier kann lediglich der Downloadshop von Medion mithalten, wo die MP3-Titel aber teils deutlich teurer sind. Der Kauf von WMA-Songs sollte aufgrund der stark eingeschränkten Nutzungsrechte jedoch gründlich überlegt werden.

MSN? OD2!

Der MSN Service bietet zwar die gleichen Preise wie Apple, verärgert Kunden aber mit strengem Kopierschutz und einer magereren Songqualität von 128kBit/s. Nervig ist das Bezahlen über festgelegte Guthabenpakete. Kunden, die nur ein oder zwei Songs kaufen möchten werden hier abgeschreckt. Es ist verwunderlich, dass die Technik und das Repertoire von der Musikplattform OD2 stammen, wo doch Microsoft in den USA eine eigene Plattform mit einem Repertoire von mehr als einer Million Songs betreibt.

T-Onlines musicload glänzt durch gute Kompatibilität und eine übersichtliche Homepage, die keine zusätzliche Software erfordert. Aktuelle Chartbreaker sind hier durchweg verfügbar, ältere Titel lassen sich dafür kaum finden. Die Songqualität beträgt ebenfalls nur 128kBit/s, zudem sind die Preise mit bis zu 1,59 Euro pro Song deutlich überzogen.

Echte MP3-Hits

Obwohl Medions Musikangebot erst kürzlich gestartet wurde, sind zahlreiche Songs verfügbar. Für Medion spricht auch, dass einige Titel im beliebten MP3-Format kodiert sind. Durch den unübersichtlichen Webshop und die hohen Preise hinterlässt das Angebot dennoch keinen guten Eindruck.

Sony enttäuscht

Enttäuschend ist der Downloadservice von Sony. Hier gibt es außer der schnieken Software, die allerdings einen Download von 35 Megabyte voraussetzt, keinen Lichtblick: Sony-eigenes Format, hohe Preise, kleines Songangebot und nur fünfmaliges Brennen der Songs auf CD schrecken den Kunden ab.

Einzig und allein für AOL-Kunden, die mal eben ohne aufwendige Registrierung den Lieblingssong downloaden möchten, ist der AOL Musikdownloadservice eine Alternative.

(Klaus Wiesen)

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