Testbericht

MP3-Player-Vergleich: 5 Powergeräte unter der Lupe

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Wer mehr als einen kleinen MP3-Stick mit zwei Tasten sucht, der findet derzeit eine ganze Reihe konkurrierender Player mit allerlei Features. Wir haben uns fünf Geräte der MP3-Mittelklasse genauer angeguckt.

Viel Ausstattung und Individualität

Auf was kommt es bei einem Gerät an, das im Geschäft bereits teilweise über 100 EUR kostet und zudem nicht kleiner als ein MD-Player ist? Es muss viele Features bieten, für die sich die Mehrinvestition und auch das Mehrgewicht lohnen.

Daher sollte ein Player dieser Größe mehr können als nur 10 Stunden am Stück Musik abzuspielen. Ein großes Display, vernünftige Kopfhörer und eine gute Bedienbarkeit sind ebenso Pflicht wie pfiffige Ideen, die einen zu dem Player greifen lassen - eine gewisse Individualität des Players ist gefragt.

Und viel Klang

Daneben sollte ein derartiger Player natürlich vor allem in einer Kategorie punkten, er muss einen extrem guten Klang besitzen. Bei den getesteten Playern kam es den Herstellern offensichtlich nicht auf die Größe an, sodass es genug Platz für saftige Verstärker und gut funktionierende DACs gibt.

Und das alles muss in einem perfekten Verhältnis zueinander stehen - der Equilizer darf den Ton nicht verzerren, die Decodierung muss qualitativ gut erfolgen, der Verstärker muss für eine hohe Lautstärke ohne Rauschen sorgen und letztlich sollten auch die Kopfhörer dazu passen.

Pontis SP600

Der erste Player, den wir uns anschauen wollen, ist der Pontis SP600. Sein Äußeres erinnert entfernt an einnen MD-Player, wohl auch, weil er einen großen Karteneinschub besitzt. Der Einschub ist mit einem Plastikschieber verdeckt, dahinter verbergen sich gleich zwei Slots, für CF- und SD-Cards.

Der Player ist daher sehr gut erweiterbar, Besitzer einer Digitalkamera können in vielen Fällen sich die Karten mit der Digiknipse teilen. Das Bespielen ist sehr einfach möglich, der SP600 bindet sich schlichtweg als Laufwerk unter Windows ein. Und auch das Display ist akzeptabel, es bietet weitreichende Statusinformationen über den Zustand des Players.

Bedienung und Klang

Bei der Bedienung hapert es hingegen etwas, denn der Player wird in erster Linie über ein Scrollrad bedient - seperate Tasten für die Lautstärke fehlen. Ebenso ist auch keine Taste für einen direkten Equilizer-Zugang vorhanden, man muss sich durch das Menü hangeln. Das Menü ist allerdings leicht verständlich und damit gut bedienbar.

Klanglich ist der Pontis auf der Höhe der Zeit, auch wenn der Klang leicht dumpf geraten ist. Die beiliegenden Kopfhörer sind keine Offenbarung, sie besitzen kaum Bässe. Zudem versteht sich der Pontis derzeit nur mit MP3s, selbst nach dem neusten Update konnte er weder Ogg-Vorbis noch WMA verstehen, obwohl zumindest WMA kein "Future Format" ist.

Letztlich ist der Pontis nicht gerade ein Leichtgewicht, schon ohne die notwendige AA-Batterie wiegt er 95 Gramm. Ein Playlist-Editor, die Wechselcover und ein guter Equilizer sprechen dagegen für ihn. Der Pontis ist mit einer 128 MByte CF-Card derzeit für etwa 105 EUR (Amazon) erhältlich und damit recht günstig.

NEX IIe

Von Frontier Labs erreichten uns gleich zwei Geräte, der NEX IIe und der NEX iA. Auch wenn dem Namen nach der NEX IIe das größere Modell sein müsste, so ist er der schlechter ausgestattete Player. Sofort fällt das relativ extravagante Design mit einem V-Motiv ins Auge, das einen kleinen Auslass für das Display besitzt.

Leider hapert es etwas an der Verarbeitungsqualität, das genutzte Wechselcover ist nur eine Einlage und schlecht geschnitten, die Kanten sind teilweise nicht gerade und zudem sind die Schnittflächen weiß. Und auch das Display könnte besser sein, es ist zwar sehr hoch auflösend, doch nur leicht schräg scharf - guckt man direkt von oben auf das Display, so wirkt es etwas verschwommen.

Der NEX IIe nutzt einen CF-Slot und kommt mit Clip-On-Kopfhörern sowie einer Tasche, Software und einigen Wechseleinlagen daher. Das Menü ist funktionell, jedoch nicht schön gestaltet, zumal es etwas unübersichtlich ist. Die Anzeige bei der Wiedergabe ist dagegen gelungen, sie ist informativ und schick.

Klangfrage

Beim Klang gibt nur wenig zu bemängeln, selbst die beiliegenden Kopfhörer produzieren bereits einen sauberen und kräftigen Klang mit guten Bässen. Lediglich die Höhen kreischen etwas - egal bei welcher Equilizer-Einstellung und auch mit dem Sony-Kopfhörer EX71SL, den wir zum Gegentest genutzt haben.

Die Lautstärke des Verstärkers ist sehr gut - kein Wunder, das Gerät braucht gleich zwei AA-Batterien, wodurch die 65 Gramm Leergewicht stark ansteigen. Der Equilizer leistet gute Arbeit und ist ebenso wie beim Pontis frei einstellbar, anders als der SP600 unterstützt der NEXIIe jedoch auch WMA. Das Gerät ist direkt bei Frontier Labs für 130 EUR inklusive 128 MByte CF-Speicher verfügbar

NEX iA

Der zweite Player von Frontier Labs wirkt deutlich durchgestylter, er besitzt ein großes Display, eine glänzend weiße Oberfläche und einen auffälligen Steuerstick in der Mitte. Und schon beim Start merkt man, dass das Gerät mehr kann, denn es besitzt neben der Playfunktion auch ein gut funktionierendes Radio.

Insgesamt wirkt der NEX iA deutlich hochwertiger als der NEX IIe, wohl auch, weil er nicht die schlecht geschnittenen, einlegbaren Wechselcover nutzt. Ausgeliefert wird er mit den gleichen Kopfhörern, einer Tasche und einer Fernbedienung. Diese besitzt den gleichen Stick und sogar eine seperate Hold-Funktion - wenn man die Tasten des Players sperrt, so ist die Fernbedienung trotzdem noch nutzbar.

Dank des Sticks ist auch die Steuerung des Players deutlich leichter, leider besitzt jedoch auch der NEX iA keinen direkten Zugang zu dem sonst sehr guten Equilizer. Wie alle bisher vorgestellten Player bindet sich auch der NEX iA als Laufwerk unter Windows ein und ist damit sehr leicht bespielbar.

Und der Klang

Klanglich ist der Player auf dem Niveau des NEX IIe, der besitzt einen saftigen Druck, genügend Bässe und ein ganz leichtes Klirren in den Höhen. Dank der zwei AA-Batterien ist die Output-Stärke beeindruckend, das Gewicht jedoch leider auch - schon ohne Batterien wiegt der Player 80 Gramm.

Letztlich ist die Fernbedienung ein wirklicher Vorteil, sie erlaubt eine sehr komfortable Steuerung - allerdings lediglich beim Auswählen des Tracks und der Lautstärke. Eine blinde Ansteuerung des Equilizers ist nur mit etwas Übung möglich. Der NEX iA kostet bei Frontier Labs inklusive 128 MByte Speicher 179 EUR.

MPIO DMB Plus

In Sachen Design lässt sich auch MPIO nicht lumpen, die transparenten Seitenteile des DMB Plus und die aufgeräumte Verpackung überzeugen. Und auch eine Fernbedienung liegt dem Gerät bei, ebenso wie eine Tausche und Kopfhörer.

Doch dann gehen die Fragen los - warum haben sich die Entwickler auf SmartMedia gestürzt? Inzwischen ist Compact Flash bei größeren Playern dank des Microdrives Standard, bei kleinen Playern nimmt man in der Regel die SD-Card. SmartMedia wirkt leider im Vergleich zu neueren Speicherarten etwas veraltet.

Und auch die Möglichkeiten der Playersteuerung sind begrenzt. So erlaubt der MPIO keine individuelle Einstellung des Equilizers, nur einige Presets sind vorhanden. Auf der anderen Seite werden unerfahrene Nutzer dadurch nicht überfordert, denn immerhin erlaubt der Player den direkten Zugriff ohne Menü auf alle Funktionen.

Aufnahme, Radio und Klang

Der Player ist als einziger bisher vorgestellter Player in der Lage, auch MP3s von einer Stereoanlage aufzunehmen, hierzu liegt ein entsprechendes Kabel bei. Und auch ein Radio ist vorhanden, das einen akzeptablen Empfang bietet. Der Klang der Wiedergabe ist sehr gut, sowohl die Höhen als auch die Tiefen sind fast perfekt - da wünscht man sich einen indivudell einstellbaren Equilizer, um die letzten Anpassungen selbst vornehmen zu können.

Dank des Bedienkonzepts ohne Menüs ist auch die Fernbedienung mit mehr Knöpfen ausgestattet und erlaubt daher den direkten Zugriff auf alle Funktionen. Dagegen ist ein direkter Zugriff unter Windows nicht möglich, der Player bindet sich nicht als Laufwerk ein und ist daher nur über eine spezielle Software bespielbar. Das Gerät ist im Internet für etwa 170 EUR inklusive 128 MByte internem Speicher erhältlich.

Loomax FC-100

Bereits vor einiger Zeit konnten wir Ihnen den Loomax FC-100 vorstellen, der exlusiv bei MediaMarkt und Saturn verkauft wird. Der Player ist im Vergleich zu den anderen Geräten dieses Test sehr klein und mit 55 Gramm erstaunlich leicht - der integrierte Akku macht es möglich.

Und auch die Ausstattung ist vorbildlich - 128 MByte interner Speicher, SD-Slot, großes Display, externes Batteriefach, Fernbedienung, Aufnahmefunktion, Radio, der Loomax klotzt geradezu mit Features. Doch der Preis von 130 - 150 EUR, je nach Angebot, sorgt auch dafür, dass es an der Umsetzung mangelt.

So ist die Bedienung für das hochauflösende Display schlecht gelungen, die Menüeinträge sind zu groß, sodass man nur drei Wörter gleichzeitig sieht. Und der Equilizer schafft es nicht, den Ton ausreichend zu beeinflussen, zumal er ebenfalls nicht individuell einstellbar ist.

Kein guter Klang

Dies resultiert in einem recht schlechten Klang, es fehlt an saftigen Höhen und tiefen Bässen. Auch der Sony-Kopfhörer, der mit seinem In-Ear-Prinzip (echtes In-Ear, keine Knöpfe) in der Lage ist, Bässe wie ein Subwoofer zu erzeugen, scheitert an dem Loomax, die Basskraft des Kopfhörers kommt einfach nicht zur Geltung.

Da hilft es auch nicht, dass die Aufnahmefunktion recht gut funktioniert un der Player sehr leicht ist, die Grundfunktion des Geräts ist jedenfalls mit der aktuellen Software nicht akzeptabel. Möglicherweise wird es irgendwann ein Update geben, das die Mängel beseitigt, bis dahin sollte man sich jedoch stark überlegen, ob man den Playern kaufen möchte.

Fazit

Der Test zeigt, dass es eigentlich kein Gerät auf dem Markt gibt, welches alle Erwartungen erfüllt. Mal ist der Sound sehr gut, mal die Verarbeitung und mal die Benutzerführung - ein Gerät, das alle Eigenschaften vereint, ist leider nicht im Test vertreten gewesen.

Und so ist jedes Gerät für einen anderen Käufer geeignet. Der Pontis ist universell einsetzbar und auch für die Linux-Gemeinde bestens geeignet. Sogar Spiele können auf seinem Display dargestellt werden, dafür mangelt es bislang an der erwarteten Erweiterung durch Ogg-Vorbis und WMA.

Die Frontier Labs-Geräte sind dank der Nutzung von zwei Batterien relativ schwer, wodurch sie fast schon in den Bereich leichter Festplattenplayer reichen. Gerade der NEX iA glänzt jedoch mit einigen sinnvollen Funktionen, einzelne Bedienungsprobleme sorgen jedoch für eine etwas geminderte Freude.

Der MPIO ist hingegen eigentlich ein sehr gutes Gerät, wäre da nicht die fehlende Equilizer-Einstellbarkeit. Dieses fehlende Feature und der etwas veraltete SmartMedia-Slot sowie die fehlende Einbindung als Laufwerk sorgen dafür, dass er nicht aus dem Testfeld herausstricht, denn ein Player dieser Preisklasse sollte einen individuell einstellbaren Equilizer besitzen - jeder Kopfhörer hat einen anderen Klang und verlangt daher nach anderen Einstellungen.

Der Loomax ist hingegen vom Konzept her ein Siegertyp, an der Umsetzung mangelt es dagegen. Daher kann er nicht überzeugen, denn gerade die wichtigste Funktion, die Wiedergabe von Musikstücken, gelingt ihm nicht in bester Qualität.

Ausblick

Der Markt der MP3-Player wandelt sich ständig, daher darf man mit neuen Geräten in den nächsten Monaten rechnen, die nochmals bessere Features besitzen. Erste Geräte sind bereits am Horizont zu sehen, beispielsweise der Rio Nitrus, der 1,5 GByte Festplattenspeicher mit 55 Gramm Gewicht und einem extrem schicken Design verbindet - es bleibt abzuwarten, was derartige Player in der Praxis leisten.

(Alexander Moritz)

Weiterführende Infos zum Thema:

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang