Testbericht

MP3-Player und Tanz-Roboter: Sony Rolly im Test

Er ist Discokugel, Roboter und MP3-Player in einem Gerät: der Sony Rolly. Die Redaktion hat den kleinen, eiförmigen Alleinunterhalter tanzen lassen – praktischer Player oder verrücktes Gadget?

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com
Er lässt laute Musik über die Lautsprecher ertönen, fegt dazu blinkend kreuz und quer über den Fußboden und setzt auch die Arme mit ein. Ja, hier geht es tatsächlich um einen MP3-Player – und zwar um den Sony Rolly. Die Japaner lassen den eiförmigen Entertainer schon länger tanzen, jetzt ist das kuriose Technikspielzeug mit Bewegungsdrang auch in Deutschland zu haben. Die Redaktion von onlinekosten.de hat den Sony Rolly zum Vortanzen eingeladen.

Das 300-Gramm-Tanzei

Rolly tritt auch unter dem Namen SEP-30BT auf und trägt je nach Geschmack ein schwarzes oder weißes Outfit. Das weiße Testgerät misst 104x65x65 Millimeter und ist damit zwar nicht unbedingt größer, aber wesentlich dicker als ein herkömmlicher MP3-Player. Dass das Gerät mit der hübschen, glatten Oberfläche in keine Hosentasche passt, liegt daran, dass es zu Hause genutzt werden soll und nur so mobil sein muss, um von Zimmer zu Zimmer getragen werden zu können. Dies ist mit einem Gewicht von rund 300 Gramm natürlich problemlos möglich, auch wenn dies für einen MP3-Player sehr viel ist. Im Gegensatz zu einem Frühstücksei wurde das Sound-Ei sozusagen an beiden Enden "geköpft": Unter den kleinen Abdeckungen, die im ausgeklappten Zustand aussehen wie Ohren, von Sony aber als Arme angesehen werden, sitzt je ein 20-Millimeter-Lautsprecher. Die Neodym-Exemplare mit 1,2 Watt sollen einen "kraftvollen Stereo-Sound" abliefern, was bezogen auf die Geräte-Größe auch stimmt. Allerdings fallen die Bässe konstruktionsbedingt etwas schwach aus.

Mit Bluetooth

Was etwas unverständlich ist, ist der fehlende Kopfhörerausgang. Zwar ist der Player für die große Tanzeinlage im Wohnzimmer oder die Belustigung im Kinderzimmer vorgesehen, dennoch wäre es schön, wenn die lieben Kleinen auch mal nur für sich Musik hören könnten. Wer dennoch Kopfhörer nutzen möchte, könnte höchstens auf die Bluetooth-Schnittstelle ausweichen und ein entsprechendes kabelloses Exemplar verwenden. Auf diese Weise lässt sich das Gerät zum Beispiel auch als Lautsprecher für Handys verwenden. Welche Modelle unterstützt werden, ist auf rolly.sony-europe.com/support zu lesen. Die Streaming-Funktion konnte leider nicht getestet werden, da kein Bluetooth-Gerät mit Unterstützung des A2DP-Profils zur Verfügung stand – dies ist die Voraussetzung für die Verbindung.

Im Verpackungskarton befinden sich ansonsten eine Kurzanleitung, ein Handbuch eine Software-CD zum Erstellern von Tanz-Choreographien und ein USB-Kabel. Über dieses wird der Player nicht nur mit Musik in den Formaten MP3 oder AAC (nur ohne DRM) befüllt, sondern auch aufgeladen – wie üblich ist ein Akku integriert. Zusätzlich sind noch drei Songs mit passendem Bewegungsablauf dabei. Damit sich das gute Stück nicht selbständig macht, hat Sony noch eine Schale spendiert, die Rolly festhält.


Der Sony Rolly legt ordentlich los – vor allem ab Minute 1:20. Video: onlinekosten.de
Ein Schiebeschalter knippst ihn an oder aus oder wechselt in den Bluetooth-Betrieb. Zwar ist nur eine einzige Taste vorhanden, intuitiv bedienbar ist das rollende Ei aber trotzdem nicht. Ohne in die Bedienungsanleitung zu schauen, schafft es der Besitzer eigentlich nur, die Musikwiedergabe zu starten. Über die beiden Gummiringe kann man außerdem die Lautstärke und die Titel-Wiedergabe einstellen, was sich eventuell auch noch zufällig herausbekommen lässt.

Ungewöhnliche Bedienung

Um Rolly aber zum Tanzen zu bringen oder um zu erfahren, warum beim Rädchen-drehen plötzlich eine Stimme "Group one" flüstert, ist ein Blick ins Handbuch nötig. Hier erfährt man außerdem noch vom Zufallsmodus, der durch Schütteln aktiviert wird. Damit man den Überblick behält, was Rolly gerade anstellt, gibt es eine Beleuchtung mit Farbwechsel. Der Musikspieler lässt sich sowohl auf dem Boden liegend als auch in der Hand bedienen – dies funktioniert aber jeweils unterschiedlich. Insgesamt ist die Bedienung auf jeden Fall durchdacht, aber anfangs etwas ungewohnt.

Rollys Showeinlage

Der Bedienknopf kann ebenfalls in verschiedenen Farben aufleuchten. Die LEDs dienen aber nicht nur praktischen Zwecken, sie blinken auch passend zur Tanzeinlage auf. Laut Sony können die Ringe mehr als 700 Farben darstellen. Die Tanzschritte kann man Rolly entweder als Choreographie vorgeben oder selbständig ausführen lassen. Wie er es genau schafft, sich im Rhythmus der Musik zu bewegen, hat Sony nicht verraten, die Basis bilden allerdings eine Bewegungssteuerungs-Technologie mit künstlicher Intelligenz sowie sechs bewegliche Teile: die Lautsprecher-Schalen mit je zwei Gelenken und die beiden Bedienringe, die gleichzeitig zur Fortbewegung dienen.



Tanzschritte befehlen

Zwar kann der Nutzer seine Musik auch per Drag&Drop auf den Player ziehen, die passenden Tanzschritte lassen sich aber nur mit dem "Rolly Choreographer" automatisch dazupacken. Außerdem können hier die Songs in verschiedene Gruppen eingeteilt werden, die später während der Wiedergabe angewählt werden können. Dies schafft Übersicht – trotz fehlendem Display. Das Tool dient außerdem zum Erstellen von Tanz-Abfolgen, was jedoch nicht ganz einfach ist. Hierbei lassen sich auch die Farbeffekte individuell einstellen. Bastelfreaks können mit dem Programm sicherlich Stunden verbringen. Wer möchte, kann seine Tänzchen auch hochladen und von anderen Rolly-Fans bereitgestellte Bewegungsdateien herunterladen. Wie sind Rollys tänzerische Fähigkeiten nun zu bewerten? Die automatisch erstellten Moves sind zwar ganz niedlich, die besten Noten erhält er aber für die vorab gespeicherten Songs, zu denen Sony die passenden Bewegungen ausgetüftelt hat – ein gutes Taktgefühl ist jedenfalls vorhanden. Am besten tanzt er auf einer glatten Oberfläche, vorzugsweise auf dem Boden, damit er im Eifer des Gefechts nicht herunterfällt. Nach Angaben von Sony soll Rolly mit einem komplett aufgeladenen Akku fünf Stunden Musik beziehungsweise vier Stunden mit Tänzchen abliefern. Im Test dudelte der Alleinunterhalter bei leiserer Lautstärke sogar sechs Stunden, bis sich die Akkuleuchte meldete.

Fazit: Etwas Besonderes

Wer sich das Tanz-Ei in die Wohnung holt, darf sich über einen ungewöhnlichen MP3-Player freuen, dessen Lautsprecher ganz und gar nicht nach Handy-Sound, sondern tatsächlich gut klingen. Auf einer Party sorgt der kuriose Player sicherlich für Aufmerksamkeit und es macht auch Spaß, ihm beim Tanzen zuzusehen und neue Bewegungsabläufe zu basteln. Praktisch ist zudem die Bluetooth-Integration, die Rolly zum verlängerten Arm der Musiksammlung auf dem PC oder Handy macht. Ein Wecker ist ebenfalls integriert. Dennoch ist Rolly insgesamt eher ein Technikspielzeug als ein praktischer Musikspieler für zuhause, da weder ein Kopfhöreranschluss noch ein Radio vorhanden ist. Auch der hohe Preis von 350 Euro schreckt ab, selbst im günstigsten Onlineshop werden noch rund 300 Euro fällig – da hätte wenigstens eine Fernbedienung enthalten sein können, um zum Beispiel eine Tanzeinlage abzubrechen. Ob man nach längerer Zeit noch Freude an dem gestikulierenden Gerät hat, ist fraglich.

Name: Rolly SEP-30BT
Hersteller: Sony
Internet: www.sony.de
Preis: 349 Euro
Technische Daten:
Schnittstelle: USB 2.0/Bluetooth
Speicher: 2 GB Flashspeicher
Abmessungen: 104 x 65 x 65 Millimeter
Gewicht: ca. 300 Gramm
Dateiformate: MP3, AAC (kein DRM)
Lieferumfang: Player, USB-Kabel, Software-CD, Kurzanleitung, Handbuch, Schale
Besonderheiten: Tanzfunktion, Streaming per Bluetooth
Pro & Contra:
guter Sound
innovatives Konzept
hübsches Design
stabile Verarbeitung
programmierbare Tänze
Weckfunktion
Bluetooth-Schnittstelle
gewöhnungsbedürftige Bedienung
unterstützt nur zwei Formate
keine Fernbedienung
hoher Preis
Bewertung:
Klang (30%): gut
Laufzeit (20%): gut
Funktionsumfang (15%): gut
Bedienung (15%): befriedigend
Formatunterstützung (10%): befriedigend
Gewicht/Maße (10%): gut
Gesamtnote: gut (2,35)
Preis-Leistung: ausreichend

(Saskia Brintrup)

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