Testbericht

Mio Moov M610: 5-Zoll-Navi für Einsteiger im Test

Mit dem Ende letzten Jahres vorgestellten Navigationssystem Moov M610 will Mio vor allem bei Einsteigern und preisbewussten Nutzern punkten. Wir das 5-Zoll-Gerät auf den Prüfstand gestellt.

Auto-Navi© Igor Mojzes / Fotolia.com

"Wer billig kauft, kauft doppelt", sagt der Volksmund. Andererseits muss "Gutes" ja angeblich "nicht teuer sein". Was auch immer zutreffen mag: Das erst Ende letzten Jahres vorgestellte Navigationssystem Mio Moov M610 erfüllt zumindest schon einmal die obligatorische Vorbedingung des vergleichsweise niedrigen Preises. Wie es um die Qualität und Leistung des Gerätes bestellt ist, soll unser Test zeigen. Nur so viel bereits vorab: Dass Hersteller Mio das Einstiegsmodell vorwiegend mit dem Rotstift skizziert hat, ist an vielen Stellen leider unübersehbar.

Kein USB-Kabel im Lieferumfang

Bereits der Lieferumfang des mit 23 ("Europa") oder 44 europäischen Länderkarten ("Europa Plus") erhältlichen Günstig-Navis lässt daran keinerlei Zweifel aufkommen. So finden sich neben dem schwarzen 5-Zöller im Breitbildformat nur Kurzanleitung, Garantieerklärung, eine DVD-ROM mit Kartenmaterial, Windows-Software ("MioMore Desktop 7.30") und vollständigem PDF-Handbuch sowie ein 12-Volt-Anschlusskabel und die Halterung für die Windschutzscheibe. Nicht inklusive ist hingegen ein TMC-Empfänger und – zu unserer Überraschung – ein simples USB-Kabel für die Kopplung mit dem Computer. Letzteres ist im Gegensatz zur fehlenden Verkehrsvorhersage leider nicht im Vorfeld ersichtlich.

Wer nicht zufällig ein passendes Exemplar mit dem mittlerweile nur noch selten anzutreffenden Mini-USB-Stecker Typ B in der Schublade hat, darf also nachkaufen – etwa über den Mio-Onlineshop für 4,99 Euro zuzüglich 3 Euro Versandkosten. Ärgerlich und unverständlich, dass der taiwanesische Hersteller gerade an einer Standardkomponente gespart hat, die in der Herstellung wohl nur ein paar Cent kosten dürfte. Zwar wird das Kabel für den täglichen Betrieb nicht benötigt; sollen jedoch neue Karten aufgespielt werden, ist es unverzichtbar. Gleiches gilt für das Aufladen des fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus abseits der Zigarettenanzünder-Buchse.

Scheibenhalterung aus dünnem Plastik & träger Touchscreen

Sichtbar unter dem Zwang zur Genügsamkeit entstanden ist auch die Scheibenhalterung. Wertig wirkt hier leider wenig. Aufgrund des recht dünnen Plastikgestells hinterlässt jedes Einrasten und Herausnehmen des Gerätes haptisch und akustisch den Eindruck, das Material agiere nah an der Belastungsgrenze. An der Haltbarkeit des Saugnapfes gibt es hingegen nichts zu bemängeln – dieser sitzt fest auf seinem gläsernen Untergrund. Auch das verstellbare Kugelgelenk lässt sich arretieren und bleibt selbst bei stärkerem Druck in seiner Position. Wiederum kein Glanzstück ist hingegen der resistive Touchscreen des "Moov M610" - nicht nur wegen seiner matten Oberfläche. So reagiert die Anzeige allzu oft erst nach zwei- oder dreimaliger Berührung. Im Gegensatz zu Modellen mit kapazitivem Bildschirm lässt sich das Display dafür aber beispielsweise mit einem Stylus oder sogar Handschuhen bedienen.

Ansonsten kommt der Mio-Navigator ohne Extras - einen SD-Karten-Einschub für die Erweiterung des internen 2-Gigabyte-Speichers sucht man daher vergebens. Seitlich befindet sich eine USB-Schnittstelle zur Stromversorgung und Datenübertragung - eine Status-LED auf der Frontseite zeigt per grün-rotem Farbwechsel den jeweiligen Ladezustand. Die Rückseite aus rutschfestem Kunststoff beherbergt die Reset-Taste und den Lautsprecher. Dieser neigt in der höchsten Lautstärkestufe und bei schrillen Tönen zum Übersteuern.

Der Ein- und Ausschalter wurde gut zugänglich auf die Oberseite platziert. Um das Navi vor Fahrtbeginn zu starten, muss dieser für zwei Sekunden betätigt werden. Wird der Knopf anschließend für fünf Sekunden gehalten, schaltet das Gerät ab; kürzeres Drücken versetzt es in den Ruhezustand. Im Betrieb sorgt die übersichtlich gestaltete Benutzeroberfläche dafür, dass sich selbst Anfänger schnell zurechtfinden dürften. Andernfalls hilft ein integriertes Lernprogramm, das im Test allerdings einmal mit einer Fehlermeldung abstürzte.

Große virtuelle Tastatur ohne Umlaute

Sämtliche Menüpunkte sind direkt über die Startansicht zugänglich. Ziele lassen sich per Direkt- oder Umkreissuche sowie über die Karte auswählen beziehungsweise als Favoriten speichern. Angefahrene Orte werden zudem automatisch mit Datum in einer Liste abgelegt und sind so erneut bequem auswählbar. Gleichermaßen positiv zu vermerken ist die Adresseingabe mit der selbst für große Hände gut bedienbaren virtuellen Tastatur, da diese über eine zeitsparende Vorschlagsfunktion verfügt. Nur das Fehlen jeglicher Umlaute irritierte uns anfänglich etwas. Um derartige Städtenamen einzugeben, genügt es jedoch, das Wort mit dem jeweiligen Vokal zu wählen – statt "Köln" also "Koln". Vielleicht nicht gerade elegant, aber funktional.

Eher puristisch geht es bei der Kartendarstellung zu. Während Autobahn- oder Überlandfahrten ohne naheliegende Ortschaften beschränkt sich die Anzeige teilweise ausschließlich auf die gerade befahrene Straße – alle übrigen Flächen bleiben sowohl tagsüber als auch nach der automatischen Umschaltung in den Nachtmodus einfarbig. Lediglich an Autobahnkreuzen wird die Monotonie kurzzeitig durch den integrierten 3D-Spurassistenten unterbrochen. Selbst in Städten läuft das Mio so niemals Gefahr, "in Schönheit zu sterben" – also durch eine Fülle grafischer Highlights an die Grenze der Belastbarkeit zu gelangen. Vielmehr wurde die grafische Aufmachung an die beschränkten Möglichkeiten der Hardware angepasst und auf das Notwendige reduziert. Ruckeln, Aussetzer oder "Gedenksekunden" in der laufenden Navigation gibt es daher äußerst selten. Hin und wieder reagierte unser Testgerät aber nach Betätigung einer Schaltfläche erst mit Verzögerung.

Text-to-Speech mit Robo-Stimme

Der Empfang des GPS-Signals bereitete hingegen keine Probleme. Auch die Streckenberechnung ging bei kürzeren Routen innerhalb der Stadt meist zügig vonstatten. Lag das von uns ausgewählte Ziel jedoch weiter entfernt, mussten wir uns aufgrund des erhöhten Rechenaufwandes in Geduld üben, bevor die erste Sprachanweisung zu hören war. Zwar werden Straßennamen dabei generell angesagt (Text-to-Speech); die weibliche Ausgabestimme wirkt jedoch recht unnatürlich. Zu diesem Eindruck trägt vor allem das Unterschlagen von Artikeln bei der Nennung von Straßennamen bei. Andere Sätze kommen der elektronischen Assistentin wiederum fast salopp über die Lippen – etwa "Nehmen Sie im Kreisverkehr die dritte Ausfahrt und dann die nächste rechts."

Darüber hinaus bezieht das "Moov M610" auch Points of Interest (POI) in die Kommandos mit ein – leider nicht immer zum Vorteil einer besseren Orientierung des Fahrers. Manche der Sonderziele sind offenbar falsch in dem von Tele Atlas bereitgestellten Kartenmaterial abgebildet, weshalb die darauf bezogenen Navigationsanweisungen bei unseren Testfahrten ebenso unstimmig waren. So forderte uns das Gerät beispielsweise auf, nach einer Tankstelle abzubiegen, obwohl die betreffende Straße davor einmündete. In einem anderen Fall war eine Zapfstation an der genannten Stelle schlichtweg nicht vorhanden. Stattdessen befand sich diese rund 300 Meter entfernt - für Ortsunkundige sicherlich 300 Meter zu viel.

Wie bei den meisten Navis ist daher auch bei diesem Gerät ein gelegentlicher Blick auf das Display unerlässlich, will man in fremden Städten einigermaßen zügig zum Ziel gelangen. Dieses ist mit einer Diagonale von 12,7 Zentimetern nicht nur erfreulich groß, sondern lässt sich in der höchsten Helligkeitsstufe aufgrund der Entspiegelung selbst bei stärkerer Sonneneinstrahlung noch recht gut ablesen.

Teils unsinnige Anweisungen

Ausschließlich den Sprachansagen zu vertrauen, ist bei dem Mio-Modell jedenfalls nicht zu empfehlen. Im Test waren einige der Kommandos mitunter unsinnig bis gefährlich. So forderte uns das Mio etwa mitten auf einer zweispurigen Straße auf, "jetzt" zu wenden. Ein anderes Mal sollten wir links abbiegen, obwohl dies in der Verkehrsführung so nicht vorgesehen war. Wird in solchen Situationen vom ursprünglichen Vorschlag abgewichen, erfolgt aber innerhalb weniger Sekunden eine positionsabhängige Anpassung des Streckenverlaufs. Welche Straßen bei der Routen-Berechnung bevorzugt genutzt werden, lässt sich dabei im Vorfeld in den Menüoptionen über die Präferenzen "Schnellste", "Kürzeste", "Einfachste" und "Sparsamste" festlegen.

Wer sich hier für die "einfache" Variante entscheidet, soll laut Mio mit einem Minimum an Abzweigungen relativ geradlinig zum Ziel gelangen – im Zweifelsfall aber über Umwege. "Spar"-Fahrten meiden laut Bedienungsanleitung hingegen vorwiegend Stopps und Stadtgebiete. Für Eilige eignet sich eher die "kürzeste" und "schnellste" Variante. Vor unliebsamen Konsequenzen rasanter Fahrweise schützt dabei auf Wunsch der als Testversion bereits vorinstallierte Radarwarner. Aktuelle Blitzer-Informationen sind im Abo ab 29,99 Euro pro Jahr erhältlich. Weitere Details zeigt unser Ratgeber "Blitzerwarner für das Navigationssystem: Kosten, Konditionen, aktuelle Rechtslage".

TMC-Modul nur gegen Aufpreis erhältlich

Ein generelles Manko des Billigheimers bleibt allerdings das fehlende TMC-Modul. Staus und andere spontan entstehende Behinderungen werden somit nicht bei der Streckenführung berücksichtigt. Lediglich das TomTom-Feature "IQRoutes" soll für eine auf historischen Verkehrsdaten basierende, tageszeitabhängige, Navigation mit daran angepasster Routen-Auswahl sorgen. Eine Nachrüstung ist zwar theoretisch möglich – der TMC-Empfänger wird von Mio zum Preis von 39,99 Euro angeboten. Angesichts der Mehrkosten von bis zu 40 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Gerätepreis lohnt sich dies jedoch nicht. Wer auf TMC nicht verzichten will oder kann, sollte sich daher bereits von Anbeginn für ein anderes Modell entscheiden. Gleiches gilt für Nutzer, die ihr Navigationssystem auch zu Fuß oder per Fahrrad einsetzen wollen: Beides ist mit dem "Moov M610" ebenfalls nicht möglich.

Nicht mehr zeitgemäß sind darüber hinaus die Aktualisierungsintervalle für neues Kartenmaterial. Während andere Hersteller wie Garmin, TomTom oder Navigon längst Abo-Modelle mit Quartals-Versorgung anbieten, müssen Mio-Nutzer immer noch mit vergleichsweise teuren, nur einmal jährlich erscheinenden, Updates Vorlieb nehmen. Eine Übersicht dazu bietet unser Hintergrundbereich "Navigationsgeräte - Kosten für Karten-Updates im Vergleich".

Fazit: Günstig-Navi für Puristen

Zwar auf den ersten Blick vergleichsweise günstig und mit seiner Displaygröße keines der für diesen Preis üblicherweise erhältlichen "Mäusekinos", nötigt das "Mio Moov M610" dem Nutzer zahlreiche Kompromisse ab, die den Kauf im Nachhinein doch schnell zur Fehlinvestition werden lassen können. Zugreifen sollte nur, wer mit der absoluten Basisausstattung ohne grafische Highlights zufrieden ist, das Gerät ausschließlich im Auto einsetzen will, auf stets aktuelles Kartenmaterial weniger Wert legt und vor allem ohne Stau-Vorhersage per TMC auskommt.

Allerdings trüben selbst dann kleine Nachlässigkeiten das Bild - etwa das im Lieferumfang nicht enthaltene USB-Kabel oder der reaktionsträge Touchscreen. Alles in allem ist das "Moov M610" daher ein Navigationssystem, das trotz einer Unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) von 99 Euro für das "Europa"- beziehungsweise 129,99 Euro für das von uns getestete "Europa-Plus"-Modell wohl nur absolute Navi-Puristen überzeugen wird.

Name: Mio Moov M610
Hersteller: Mio
Internet: www.mio.com
Preis (UVP): 99 Euro ("Europa 23") / 129,99 Euro ("Europa Plus 44")
Technische Daten
Abmessungen: 14,2 x 8,6 x 1,5 cm
Gewicht: 172 Gramm
Display: 5 Zoll (12,7 cm), resistiver Touchscreen
Prozessor: Samsung 6443 (400 MHz)
RAM: 64 MB
Speicher: 2 GB interner Flash-Speicher
Speicher erweiterbar: nein
Betriebssystem: Windows CE 6.0
Kartenmaterial: Westeuropa (23 Länder) / Europa (44 Länder)
Karten-Updates: 49,99 Euro (West-/Zentraleuropa) / 59,99 Euro (Europa)
Verkehrsdienst: TMC optional gegen Aufpreis (39,99 Euro)
Live-Funktionen (mobiles Internet): nein
Ansage von Straßennamen (Text-to-Speech): ja
Radarwarner: ja (gegen Aufpreis; Testversion vorinstalliert)
Tag-Nacht-Modus: ja (automatisch)
Routenprofile: PKW
Routenoptionen: "schnell", "kurz", "einfach", "sparsam"
Fahrspurassistent: ja
Routenplanung: nein
Points of Interest (POI): ja
Sprachsteuerung: nein
Freisprechen: nein
Media-Player (Audio/Foto/Video): nein
Lieferumfang: Autohalterung mit Saugnapf, Auto-Ladekabel, Kurzanleitung, Garantieerklärung, DVD-ROM mit Kartenmaterial, PDF-Handbuch und Desktop-Software
Anschlüsse/Konnektivität: USB
Akku: Lithium-Ionen (720 mAh)
Weitere Extras: 3D-Spurassistent, Geschwindigkeitsassistent
Pro & Contra
automatischer Tag-Nacht-Modus
zügiger GPS-Fix
großes Display
laute Ansagen
integriertes Lernprogramm
übersichtliches Menü
TMC nur gegen Aufpreis
kein USB-Kabel im Lieferumfang
Touchscreen reaktionsträge
Scheibenhalterung aus dünnem Plastik
teils unsinnige oder falsche Navi-Anweisungen
teure Karten-Aktualisierungen
nur ein Karten-Update jährlich verfügbar
Bewertung (Teilnoten) [Anteil]:
Navigation (Features/Praxis) [30%]: 3,5 (4,0/3,0)
Ausstattung (Umfang/Funktion) [25%]: 3,5 (4,0/3,0)
Bedienung (Handhabung/Menüführung) [25%]: 2,5 (3,0/2,0)
Display (Anzeige/Touchscreen) [20%]: 3,0 (2,0/4,0)
Gesamt: befriedigend (3,2)
Preis-Leistung: befriedigend

(Christian Wolf)

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