Leistung trifft Design

Das Surface Book im Test: Microsoft lässt die Muskeln spielen

Das Surface Book von Microsoft soll mit einem innovativen Konzept, reichlich Leistung und einem geschliffenen Design augenscheinlich dem Konkurrenten Apple Paroli bieten. Ob das gelingt, klärt unserer Test.

Microsoft Surface BookDas Microsoft Surface Book im Test.© Microsoft Corporation

Das Surface Book hatte Microsoft im Oktober 2015 vorgestellt. Bereits im Vorfeld konnte es viel Lob einheimsen, jetzt ist der Hybride erhältlich. Die Redmonder wollen endlich dem großen Konkurrenten Apple eine entscheidende Innovation entgegensetzen. Microsoft kombiniert mit dem Surface Book die Idee des 2-in-1-Tablets mit dem Design des Macbook Air und der Power eines Ultrabooks.

Soviel Ehrlichkeit muss sein: Das Surface Book erinnert optisch frappierend an Apples Leichtgewicht. Zudem ist der Preis selbst im Vergleich zu cupertinoschen Verhältnissen saftig: Microsoft verlangt für das Spitzenmodell stolze 2.919 Euro. Ob sich die Investition lohnt, klärt dieser Test.

Modell-Varianten

Microsoft bietet das Surface Book in vier Ausstattungsvarianten an. Neben der CPU und Speicherbestückung ist der Einsatz eines integrierten HD-520-Grafikchips von Intel beim günstigsten Surface Book der größte Unterschied. Allen anderen Modellen hat Microsoft eine deutlich schnellere, dedizierte Geforce-GPU von Nivida (950M) mit 1 GB GDDR5 VRAM spendiert.

Der Grafikprozessor ist in diesem Fall übrigens in der Tastatur untergebracht – die maximale 3D-Leistung steht also nur zu Verfügung, wenn beide Einheiten verbunden sind. Der Bildschirm lässt sich übrigens auch umgekehrt mit der Tastatur verbinden, so kann die Nvidia-GPU auch im Tablet-Modus genutzt werden.

Falls eine laufende Anwendung gerade auf den Grafikchip von Nvidia zugreift, weist Windows 10 beim Abkoppeln darauf hin, dass das Programm erst beendet werden muss.

  • 128 GB SSD/Intel Core i5/8 GB RAM integrierte GPU – 1.649 Euro
  • 256 GB SSD/Intel Core i5/8 GB RAM dedizierte GPU – 2.069 Euro
  • 256 GB SSD/Intel Core i7/8 GB RAM dedizierte GPU – 2.319 Euro
  • 512 GB SSD/Intel Core i7/16 GB RAM dedizierte GPU – 2.919 Euro

Testgerät und Ausstattung

Microsoft hat uns freundlicherweise das Spitzenmodell für knapp 3.000 Euro zur Verfügung gestellt. Als Betriebssystem kommt natürlich Windows 10 Pro zum Einsatz. Getestet haben wird das Gerät mit dem aktuellen Windows-10-Build 10586.164.

Was zunächst heraussticht, ist die hohe Auflösung des 13,5 Zoll großen Touchscreens von 3.000 x 2.000 Pixeln (267 ppi), das Seitenverhältnis liegt also bei 3:2, was sich beim Arbeiten mit Dokumenten positiv auswirkt. Auch bei der Helligkeit und dem Kontrast gibt sich die Darstellung keine Blöße.

Der Prozessor (Core i7-6600U) des Surface Book verfügt zwar nur über zwei Kerne, beherrscht als Ausgleich allerdings Hyperthreading und kann so bis zu vier Aufgaben gleichzeitig bearbeiten, falls dies von dem entsprechenden Programm unterstützt wird. Der Takt liegt beim Topmodell bei bis zu 2,81 GHz.

An Anschlüssen stehen zwei USB 3.0-Ports, ein SD-Kartenleser, eine Kopfhörerbuchse, ein Mini-Displayport sowie Surface Connect bereit. Online geht das Gerät via WLAN 802.11ac. Auch Bluetooth wird geboten, allerdings nur in der Version 4.0. Darüber hinaus stehen ein Umgebungslichtsensor, ein Beschleunigungssensor, ein Gyroskop und ein Magnetometer zur Verfügung. Die Front- und Rückkamera lösen mit 5 MP beziehungsweise 8 MP auf, auch ein Stereomikrofon sowie Stereolautsprecher mit Dolby-Audio fehlen nicht. Für den Einsatz in Unternehmen hat Microsoft einen TPM-Chip (Trusted Platform Module) verbaut.

Das Surface Book wiegt mit Tastatur 1.578 Gramm, das Tablet kommt allein – trotz Größe und Leistung auf angenehme 728 Gramm. Zum Vergleich: Das Gewicht des 13 Zoll großen Macbook Air liegt bei 1,35 Kilogramm.

Der bereits vom Surface Pro bekannte Stift zum Zeichnen oder Schreiben gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Auch beim Surface Book lässt sich der Stift via Magnetkraft sicher und einfach am linken Rand des Tablets befestigen.

Tastatur mit Entriegelungsknopf

Was das Surface Book aber einzigartig macht, ist der Mechanismus, der den Bildschirm bzw. das Tablet mit der Tastatur verbindet. Zu diesem Zweck haben die Entwickler dem Keyboard einen zusätzlichen Entriegelungsknopf spendiert, der die Tablet-Bildschirmeinheit elektronisch entkoppelt. Zum Schutz vor versehentlichen Auslösen muss der Knopf circa drei Sekunden lang betätigt werden, anschließend informiert ein sattes Klickgeräusch, ein grünes Licht auf der Taste und eine entsprechende Windows-Meldung über den Vorgang.

Der Übergang zwischen Notebook- und Tablet-Modus funktionierte während unseres Tests reibungslos. das von uns ebenfalls getestete Surface Pro 4 hatte damit manchmal Schwierigkeiten. Offenbar hat Microsoft das Problem in den Griff bekommen. Wie beim Surface Pro erleichtert auch hier ein magnetischer Kontakt den Anschluss. Ebenfalls hervorzuheben ist das Gelenk, was Tablet und Tastatur miteinander verbindet - dieses wirkt ziemlich stabil.

Das Tippverhalten der Tastatur eignet sich durchaus auch für längerer Texte, zudem fällt das Touchpad angenehm groß aus. Das Surface Book bietet in diesem Bereich alles, was ein Ultrabook auch kann. Intensiv-Nutzer könnten aber die fehlende STRG-Taste auf der rechten Seite vermissen Zudem weist die Tastatur noch einen kleinen Kritikpunkt auf: Die Hintergrundbeleuchtung fällt nicht gleichmäßig stark aus, was natürlich besonders bei wenig Umgebungslicht auffällt. Das ist zwar Kritik auf hohem Niveau, in diesem Preissegment dürfte so etwas aber eigentlich nicht passieren.

Benchmarks, Akkulaufzeit und Spieletauglichkeit

PCMark 8 3DMark Cinebench
Home: 2.908 Punkte Fire Strike 1.1: 1.892 Punkte Ergebnis: 309 Punkte
Creative: 3.772 Punkte Sky Diver 1.0: 6.208 Punkte Open GL: 60,79 FPS
Work: 3.838 Punkte Cloudgate 1.1: 7.794 Punkte

Für ein 2-in-1-Tablet-PC erreichte das Surface Book hervorragende Werte in den durchgeführten Benchmarks, selbst die 3D-Leistung reicht bei den Modellen mit Nvidia GPU für das ein oder andere PC-Spielchen. Echte Performance-Fresser, wie beispielsweise GTA 5 oder The Witcher 3, gehören allerdings nicht dazu. Auch hier zur Veranschaulichung: Ein ausgewachsener Gaming-PC (Core i5-2500K, Radeon R9 280X, 8 GB RAM) erreicht im anspruchsvollsten Benchmark Fire Strike rund 5.900 Punkte

Wenn die Tastatur angedockt ist, versprechen die Redmonder 12 Stunden Akkulaufzeit bei Videowiedergabe, was durchaus realistisch ist: In unserem Test konnten wir 10 Stunden und 30 Minuten lang ein Video bei YouTube wiedergeben, die Bildschirmhelligkeit lag bei 50 Prozent. Anders sieht die Sache im Tablet-Modus aus. Da Microsoft die Tablet-Einheit konstruktionsbedingt (es gibt keinen Standfuß wie beim Surface Pro) leicht halten muss, fällt der Akku relativ schwachbrüstig aus. Nach rund 3,5 Stunden YouTube war der Energiespeicher leer. Vollständig geladen ist das Surface Book innerhalb von zwei Stunden.

Verarbeitung, Bildschirm, Koppelungsmöglichkeit und Lautstärke

Direkt nach dem Auspacken des Testexemplars war klar: In Puncto Verarbeitung und Optik gehört das Surface Book zur absoluten Referenz und muss sich in keiner Form vor Apple-Geräten verstecken. Das Gerät fühlt sich einfach hervorragend an, sowohl im Tablet- als auch im Notebook-Modus.

Die Bildschirmeinheit erwärmt sich unter Last vor allem in der Mitte spürbar, die Ränder sind aber deutlich kühler. Im Normalfall fällt die Hitzeentwicklung also nicht ins Gewicht. Bei der Tastatur konnten wir nur während des aufwendigen Benchmarks 3DMark eine moderate Erwärmung feststellen – alles im grünen Bereich.

Unter Last dreht der Lüfter des Surface Book hörbar auf, so laut wie beim Surface Pro 4 wird der neueste Microsoft-Hybride aber bei weitem nicht. In normalem Betrieb kommt der Lüfter praktisch nicht zum Einsatz.

Kurzer Exkurs mit Cortana: "Was ist Siri?" - "Hoffentlich gut"

Die Bedienung von Cortana per Surface-Stift (Doppel-Klick auf den Knopf am Ende) ist praktisch und intuitiv, allerdings gibt es wohl noch reichlich Potential nach oben: Die Testfragen "Wie spät ist es in Tokio?" oder "Wie hoch ist der Eiffelturm?" werden immer noch mit einer profanen Websuche beantwortet. Da ist die Konkurrenz von Apple und Google schon einen ganzen Schritt weiter – hier werden die Antworten von den Assistenten blitzschnell "mündlich" vorgetragen.

Fazit: Microsoft beeindruckt mit dem Surface Book

Wie beim Surface Pro 4, bietet Microsoft das Surface Book nicht optional mit LTE an - schade. Bei unserem Test gab es einen "Bluescreen" direkt beim ersten Abkoppeln des Tablet-PCs, nach dem Update lief das System aber stabil. In den vier Testtagen konnten wir keine weiteren Abstürze verzeichnen.

Mit dem Surface Book kann Microsoft Apple in den Bereichen Design und Innovation endlich Paroli bieten. Auch die verbaute Hardware lässt keinerlei Wünsche offen, mehr ist derzeit praktisch nicht möglich. Natürlich lassen sich die Redmonder das Surface Book gut bezahlen - allerdings vollkommen zurecht. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Surface-Book-Generation günstiger ausfällt.

Testlogo Microsoft Surface Book

Im Normalfall dürfte das Einsteigermodell für 1.649 Euro für die meisten Anwendungsszenarien ausreichend Leistung bieten. Der SSD-Speicher ist mit 128 GB allerdings nicht wirklich üppig bemessen. Wer unterwegs auch auf eine ansprechende 3D-Leistung besteht, sollte zum Modell für 2.069 Euro greifen. Als weitere Alternative sei das neulich von uns getestete Surface Pro 4 empfohlen, das aber eine Nummer kleiner ist, dafür aber erschwinglicher ausfällt.

Unser Testfazit zum Microsoft Surface Book
Pro Contra
  • Tablet und Ultrabook in einem
  • Herausragende Verarbeitung
  • Sehr leistungsstark
  • Lange Akkulaufzeit im Notebook-Modus
  • Eingabestift liegt bei
  • Hochauflösendes Retina-Display
  • Sehr hoher Preis
  • Keine LTE-Option
  • Geringe Akkuleistung im Tablet-Modus

Marcel Petritz

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