Testbericht

Microsoft Surface 2 im Test: Tegra-4-Tablet mit Top-Ausdauer

Wir haben den Nachfolger des Surface RT, das Surface 2 ab 429 Euro, getestet. Nicht nur Nvidia Tegra 4 und ein ausgesprochen helles Full-HD-Display gefallen, sondern auch die enorme Akkulaufzeit.

Wir haben den Nachfolger des Surface RT, das Surface 2 ab 429 Euro, getestet. Nicht nur Nvidia Tegra 4 und ein ausgesprochen helles Full-HD-Display gefallen, sondern auch die enorme Akkulaufzeit.

Microsoft Surface 2© Microsoft

Mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 legte Microsoft im Herbst vergangenen Jahres eine eigene Tablet PC-Familie vor: das Surface. Jetzt, rund ein Jahr später, ist die zweite Generation gestartet - wieder wahlweise mit Windows RT oder Windows 8 in vollem Umfang. Wir haben beide Versionen getestet, dieser Testbericht widmet sich zunächst dem Surface 2 ab 429 Euro. Der Nachfolger des Surface RT hat zwar den Namenszusatz eingebüßt, da dieser laut Microsoft die Kunden irritiert habe, dafür aber leistungstechnisch zugelegt. Vorweg sei schon einmal verraten: Die ohnehin gute Akkulaufzeit des Vorgängers wird übertroffen.

Eine Verarbeitung, die überzeugt

Wie bereits die erste Generation steckt auch das Surface 2 in einem VaporMg-Gehäuse, das Material ist laut Microsoft etwa 70 Prozent leichter und dabei aber widerstandsfähiger als Aluminium und wird aus einer Magnesiumschmelzlegierung gewonnen. Die Festigkeit lässt sich in der Handhabung bestätigen, der Tablet-PC ist ausgesprochen stabil und darüber hinaus hervorragend verarbeitet. Auch festes Zupacken entlockt dem Gehäuse kein Knarzen, sogar der Bereich der Rückseite, in dem der integrierte Standfuß untergebracht ist und daher eigentlich anfälliger, wirkt solide. Dieser hatte sich schon beim Vorgänger bewährt: Andere Tablets benötigen dazu separates Zubehör wie faltbare Cover, das Surface kann von Haus aus schräg aufgestellt werden, zum Beispiel zum Surfen oder für Videos. Der Fuß ermöglicht nun zwei verschiedene Positionen und rastet jeweils sicher ein. Allerdings ist er beim Surface 2 mit RT nur von einer Seite aus ausklappbar, denn nur dort weist das Gehäuse eine entsprechende Ausbuchtung auf.

Neue, dünnere Tastaturen mit Beleuchtung

Durch die matte Oberfläche ist das hellgraue Äußere vor Fingerabdrücken sicher und außerdem rutschfest. Das Gewicht hat sich mit 676 Gramm gegenüber dem Surface 1 nicht geändert, aber dünner ist das Tablet mit 10,6 Zoll großem Display geworden - wenn auch marginal: 8,9 statt 9,4 Millimeter (mm) beschreiben nun die Dicke. Zwar gibt es durchaus leichtere Flachrechner, dennoch lässt sich das rund 275 x 173 mm große Gerät insgesamt komfortabel festhalten. Dem kommt auch entgegen, dass die Zubehörtastaturen von Microsoft schön dünn und leicht sind. Touch- und Type-Cover haben in zweiter Generation Gewicht verloren. 190 bis 255 Gramm sind die jetzt nur noch 2,5 und 5,0 mm dünnen Tastaturen leicht, die gleichzeitig als Schutzabdeckung für das Display dienen. Und das, obwohl sie in der Neuauflage beleuchtet sind. Praktisch: Alle verfügbaren Cover passen zu allen Surface-Varianten, auch zum Pro. Für alle Vielschreiber gilt: Das Type-Cover ist dem Touch-Exemplar vorzuziehen.

Auf die beiden Gehäuseseiten des Surface 2 verteilen sich ein USB-3.0-Port, ein Kopfhörerausgang, ein microSD-Kartenleser und ein verkleinerter HDMI-Ausgang, der einen Adapter erfordert. Dieser ist nicht im Preis enthalten. WLAN 802.11a/b/g/n und Bluetooth sind mit an Bord, ein Mobilfunkmodul für mobiles Internet ist aber noch nicht wählbar. Auch ein GPS-Empfänger fehlt, wobei die Karten-Anwendung den eigenen Standort trotzdem ziemlich genau anzeigt. Hierzu wird WLAN genutzt, wer mit dem Surface unterwegs ist, der hat davon entsprechend wenig.

Das Display: Jetzt in Full-HD

Eingeschaltet wird das Surface 2 über eine Taste an der Oberseite, die Lautstärke lässt sich über eine seitliche Wippe regulieren. Mittig unter dem Display thront eine Windows-Sensortaste mit haptischem Feedback, die den Nutzer jederzeit zur Kachel-Oberfläche bringt. Und diese sieht auf dem neuen Surface-Tablet aus mehreren Gründen ausgezeichnet aus: Microsoft hat die Auflösung von HD auf Full HD mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten angehoben, wodurch auch kleine Schriftgrößen und Symbole gestochen scharf aussehen. Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch das zugrundeliegende IPS-Panel, das eine rundum unverfälschte Sicht ermöglicht, so dass auch von der Seite aus betrachtet keine Verdunklung oder Aufhellung des Bildschirms zu beobachten ist. Zu guter Letzt kann der Touchscreen mit kräftigen Farben überzeugen, die von einer hohen Helligkeit profitieren. Das hilft auch beim Einsatz unter freiem Himmel, wenn sich die Umgebung auf der glänzenden Oberfläche spiegelt. Generell halten sich diese Einbußen aber in Grenzen, was deutlich wird, wenn man ein glänzendes IPS- und ein TN-Panel vergleicht.

Der Nachteil der hohen Auflösung ist, dass Texte ganz schön klein dargestellt werden und die Bedienung in so mancher App fummelig werden kann. Seltsam ist auch, dass die Karten-App offenbar nicht angepasst wurde, denn sie zeigt sich mit matschiger Schrift auf dem ansonsten so knackscharfen Display. Einen Eingabestift bietet Microsoft übrigens nur für das Surface Pro an.

Herzstück des RT-Tablets ist wie gehabt ein Nvidia Tegra-Chip, im neuen Modell entsprechend aus der aktuellen Tegra-4-Serie. Der Quad-Core-Prozessor mit 1,7 Gigahertz Taktrate basiert auf der ARM A15-Technologie mit 72 Grafikkernen und soll vor allem in Bezug auf den geringeren Energieverbrauch punkten.

Nvidia Tegra 4 für ordentlich Leistung

Zusammen mit 2 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher gestattet der Chip eine zügige Bedienung. Apps starten schnell und der Wechsel zwischen parallelen Anwendungen geht flott von der Hand, der zuletzt aufgerufene Status wird nahezu unmittelbar wieder angezeigt. Mehrere Apps gleichzeitig zu nutzen, das macht dem Tegra-Chip nichts aus. Nur der RAM kann an seine Grenzen stoßen; 15 Browser-Tabs im IE für die Kachel-Oberläche lasteten ihn im Test zu zwei Dritteln aus. Der Internet Explorer 11 überzeugt beim Surfen mit einem schnellen Seitenaufbau, auch lange Webseiten mit zahlreichen Fotos tauchen ohne lange Verzögerungen auf dem Display auf. Im JavaScript-Benchmark SunSpider erreichte der IE 11 ein besseres Ergebnis als der Chrome-29-Browser im Nexus 7 2013 Test: er benötigte nur ein Drittel der Zeit. Auch im 3DMark zieht das Tegra-Surface am Snapdragon-Nexus vorbei und holt sich 50 Prozent mehr Punkte. Auf einen Systemstart muss nicht lange gewartet werden, in unserem Test zeigte das Surface 2 binnen 18 Sekunden das Log-In-Fenster an. Unter die Arme greift der Flashspeicher, die Speicherkapazität liegt wahlweise bei 32 oder 64 GB. In diesem Bereich hat Microsoft demnach alles beim Alten belassen.

Schon im ersten Surface RT Test konnte Microsofts Tablet mit einer langen Akkulaufzeit punkten, das ist beim Nachfolger nicht anders. Etwa 7,5 Stunden spielte unser Testgerät HD-Clips über YouTube ab. Wer das WLAN-Modul abschaltet und HD-Filmchen von der Festplatte aus startet, der kann noch einen draufsetzen: Ganze 13 Stunden waren im Test über Kopfhörer möglich - ein Spitzenwert. Für ein zusätzliches Plus an Akkuleistung kann das Power Cover sorgen, das Anfang kommenden Jahres erhältlich ist. Wie hoch der Energienachschub damit genau ausfällt, lässt Microsoft aber noch offen.

Verbesserte Kameras, aber hakelige App

Verglichen mit der ersten Surface-Generation verbessert hat Microsoft in der RT-Ausgabe die Kameras. Die Webcam liefert nun 3,5 Megapixel und das rückwärtige Exemplar eine 5-Megapixel-Linse. Auf ein Blitzlicht muss aber ebenso verzichtet werden wie auf einen einstellbaren Fokus. In der Praxis führt der Fixfokus dazu, dass die Aufnahmen nicht immer wie gewünscht aussehen. Wer Zeitungssausschnitte oder Präsentationsfolien abfotografieren möchte, der muss sich mit verschwommenen Schriften zufrieden geben. Landschaftsaufnahmen sehen da schon besser aus, ein Fotowunder wird das Surface dadurch aber immer noch nicht. Die Kamera-App könnte im Übrigen hinsichtlich der Usability optimiert werden. Sobald der Touchscreen berührt wird, löst sie aus, ein Heranzoomen von Bildausschnitten ist dadurch vor der Aufnahme nicht möglich. Obendrein ist die Live-Anzeige vergrößert, was das Fotografieren von nahen Objekten erschwert.

Nur okay sind überdies die Stereolautsprecher. Sie können sich keine Plätze unter den Top-Exemplaren im Tablet-Sektor sichern, dafür sind sie zu leise und der Klang erscheint zu flach.

Mit dem Update auf Windows 8.1 hat die RT-Version des Betriebssystems Microsofts Office-Apps (Office 2013 RT) kostenlos erhalten. Verknüpfungen zu Word, Excel, PowerPoint sowie dem E-Mail-Client Outlook sind daher ebenso von Haus aus als bunte Kachel auf dem Bildschirm verewigt wie Skype, das Zeichenprogramm Fresh Paint und der Online-Speicher SkyDrive. Ihn können Käufer eines Surface 2 zwei Jahre lang kostenfrei mit bis zu 200 GB ausreizen und außerdem ein Jahr lang kostenfreie VoIP-Gespräche mit Skype in Festnetze von mehr als 60 Länder führen. Weitere Anwendungen können und müssen aus dem Store heruntergeladen werden, herkömmliche Desktop-Programme bleiben damit unverändert dem Pro-Surface mit vollwertigem Windows 8 vorenthalten. Bekanntes wie Facebook, Twitter oder Napster gibt es bereits als Windows-App und die Mediatheken der Fernsehsender sind über den Browser zugänglich. Bei RTL Now fiel uns aber auf, dass der IE für die Touch-Oberfläche ein pixeliges Bild zeigte, im Dekstop-IE hingegen ruckelte die Anzeige. Die ZDF Mediathek lief dagegen in beiden Browser-Versionen einwandfrei. Komischerweise fehlt eine Abkürzung zur Desktop-Ansicht, die sich nun unter dem Punkt "Apps" versteckt. Dass trotz fehlender x86-Unterstützung immer mal wieder ein Wechsel nötig ist, macht sich nicht nur beim Hantieren mit Dateien bemerkbar, auch die Office-Apps öffnen sich automatisch in der Desktop-Ansicht.

Fazit: Schnelles Tablet mit deutlichen Verbesserungen

Mit dem Surface 2 hat Microsoft eine verbesserte, aktualisierte Version des ersten Surface mit Windows RT auf die Beine gestellt: Das Gehäuse verschlankt, das Display aufpoliert und die Hardware aktualisiert. Um GPS und Mobilfunkvarianten macht der Hersteller noch einen Bogen - schade für mobile Anwender. Praktisch leider wenig bringt das Kamera-Update, solange Blitz und Autofokus ausbleiben. Nichts geändert hat sich an der Tatsache, dass auch auf Windows 8.1 RT keine Desktop-Programme laufen und daher der Store herhalten muss. Sein App-Angebot wächst zwar stetig, die Marktplätze in iOS und Android blicken aber noch immer auf die größere Auswahl. Somit ist das Surface 2 für diejenigen geeignet, die insbesondere auf das Original-Office von Microsoft Wert legen und ihm gegenüber Dokumenten-Apps für die Konkurrenz-Systeme den Vorzug geben.

Komplett umgemodelt hat Microsoft das Preismodell. Die erste Surface-Generation startete noch mit einer teils unnachvollziehbaren und wenig kundenfreundlichen Bundle-Strategie, die Neuauflage ist davon nun völlig gelöst - Tablet und Zubehör werden strikt einzeln verkauft. Das Surface 2 ist mit einem Startpreis von 429 Euro 50 Euro günstiger zu haben als das erste Surface damals; Letzteres kostete zur Markteinführung 479 Euro. Mittlerweile verkaufen die Redmonder den Vorgänger für 329 Euro mit 32 GB, für 429 Euro mit 64 GB und für 479 Euro gibt es ein Touch Cover dazu.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Surface 2
Hersteller: Microsoft
Preis: UVP: 429 Euro mit 32 GB / 529 Euro mit 64 GB
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Nvidia Tegra 4 - Quad-Core-Prozessor mit 1,7 GHz

Benchmarks:

SunSpider 1.0.1: Internet Explorer 11: 387,5 ms
3DMark: 9.547 (Ice Storme Extreme); 14.323 (Ice Storm Unlimited)
Bildschirm: 10,6 Zoll IPS (1.920 x 1.080 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, 32 oder 64 GB Speicherplatz
Akku: Herstellerangabe: bis 10 Stunden Betrieb,
7 bis 15 Tage Ruhezustand;
gemessen: 7,5 Stunden YouTube (WLAN),
13 bis 14 Stunden HD-Videos (offline)
Kommunikation: WLAN 802.11a/b/g/n, Bluetooth 4.0
Betriebssystem: Windows RT 8.1
Abmessungen: HxBxT: 274,6 x 172,5 x 8,9 Millimeter;
676 Gramm
Anschlüsse: USB 3.0, Micro-HDMI, Kopfhörer (3,5 mm Klinke), microSD-Kartenleser
Sonstiges: Umgebungslichtsensor, Beschleunigungssensor, Gyroskop, Magnetometer, 5-Megapixel-Kamera
für Fotos/Videos, 3,5-Megapixel-Webcam
Pro & Contra
Robustes Gehäuse, Top-Verarbeitung
Standfuß
sehr gutes, helles IPS-Display in Full-HD
flüssige Bedienung und Performance
sehr gute Akkulaufzeit
Kamera ohne Blitzlicht und Autofokus
kein GPS
keine 3G-/4G-Version wählbar
keine x86-Programme
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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