Testbericht

Microsoft Surface 2 Pro im Test: Intel "Haswell" lässt´s krachen

Die kurze Akkulaufzeit des ersten Surface Pro hat sich durch Intels neue Prozessorgeneration im Surface Pro 2 in eine gute Ausdauer verwandelt. Einer der Hauptkritikpunkte ist damit verschwunden, doch perfekt wird das Tablet dadurch nicht.

Microsoft Surface Pro 2© Microsoft

Nicht nur das Surface RT hat Microsoft mit dem Surface 2 in neuer Version herausgebracht, auch das Surface Pro ist am 22. Oktober mit frischer Hardware in den Verkauf gestartet. Nach wie vor ist der teurere Tablet-PC der Redmonder im Innern ganz Laptop. Durch den Wechsel auf Intels aktuelle Prozessorgeneration "Haswell" dürfte sich ein Kritikpunkt des Vorgängers in Luft aufgelöst haben: die knappe Akkulaufzeit. Inwieweit sich diese verbessert hat und wie das neue Surface Pro 2 ab 879 Euro ansonsten abschneidet, verrät unser Test.

Minimal leichter, aber noch immer moppelig

Optisch voneinander abgesetzt werden Surface 2 und Surface 2 Pro durch unterschiedliche Farben: helles Grau alias Magnesium mit Windows RT und Dunkles Titangrau für die Pro-Ausführung. Das Gehäuse besteht aus dem VaporMG-Material, das bereits beim Vorgänger durch eine hohe Festigkeit überzeugt hat, und hat mit rund 275 x 173 x 13,5 Millimetern (mm) auch die gleichen Ausmaße wie zuvor. Dadurch ist das Pro-Tablet spürbar dicker als die RT-Variante, die auf nunmehr 8,9 mm verschlankt wurde. Das Gewicht ist von 916 auf 900 Gramm nur leicht gesunken, unter Strich ist das Surface Pro 2 also noch immer kein Leichtgewicht.

Leichte Tastaturen als Ergänzung

Zumindest im Tablet-Einsatz stört das hohe Gewicht, als kleines Notebook genutzt, ist das weniger schlimm: Denn durch die gerade mal 190 bis 255 Gramm leichten und 2,5 bis 5,0 mm dünnen Tastaturen, die Microsoft als Zubehörteile bereithält, steigt das Gesamtgewicht auf moderate 1,1 bis 1,15 Kilogramm an, was die Notebook-Tasche nicht allzu stark beschwert. Die neuen Tastaturen - Touch Cover 2 und Type Cover 2 - passen sowohl zum Surface 2 als auch zum Surface Pro 2 und sind abwärtskompatibel zur ersten Surface-Generation. Durch die Tastenbeleuchtung, die der Konzern ihnen neuerdings spendiert, und den jetzt zweifach verstellbaren intergrierten Standfuß des Surface wurde der Laptop-Einsatz der beiden Windows-Tablets verbessert. Zwar beschleicht einen anfangs nach wie vor ein ungutes Gefühl, mit dem angedockten Surface auf dem Schoß zu tippen, da sich Tablet und Cover aber stark aneinander klammern, klappt es. Das Touch Cover ist allerdings Geschmackssache und für Vielschreiber nur dann eine Option, wenn sie sich mit den sehr flachen Tasten ohne jeglichen Hub und ohne haptisches Feedback anfreunden können. Tendenziell ist daher eher das Type Cover mit normalen Tasten zu empfehlen, um lange Texte einzugeben.

Gut zu wissen: Die umständliche Bundle-Strategie hat Microsoft inzwischen fallen gelassen, Tablet und Eingabegerät sind nun also separat erhältlich. Immer mit beim Pro dabei ist ein Surface-Stift, der bei Nichtgebrauch an den Magnetanschluss wandert. Das war schon beim ersten Surface Pro so, dadurch ändert sich auch nichts an der Tatsache, dass sich der Stift beim Transport in der Tasche lösen kann.

Die Schnittstellenauswahl hat Microsoft unangetastet gelassen: Das Surface Pro 2 versammelt einen USB-3.0-Port regulärer Größe für den problemlosen Anschluss von Peripheriegeräten, eine Kopfhörerbuchse und auch einen Speicherkartenleser. Genau wie beim RT-Surface handelt es sich dabei um ein microSD-Modell, allerdings sind nur beim Pro Karten bis zum Standard microSDXC nutzbar. Für ein externes Display steht ein Mini-DisplayPort bereit, ohne Adapter ist damit also kein Monitor anschließbar. Kommuniziert wird per WLAN und Bluetooth, eine 3G-/4G-Version für mobiles Surfen gibt es leider noch nicht. Auch auf GPS verzichtet Microsoft wie gehabt, dadurch lässt sich der Standort nur per WLAN ermitteln.

Das 10,6-Zoll-Display war schon in der ersten Surface-Pro-Generation top, ein blickwinkelstabiles IPS-Panel sowie eine Full-HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten begleiten das Pro-Surface auch in der Neuauflage. Eine höhere Pixeldichte ist unnötig, denn das Display ist bereits knackscharf und selbst kleingeschriebene Texte sind hervorragend lesbar. Im Desktop-Modus wird der eine oder andere sicher gerne zum Stift greifen, denn in so mancher App sind die Bedienelemente recht eng beieinander. Nicht zuletzt kommen detailreiche Fotos und hochauflösende Videos durch die kräftige Farbwiedergabe des Displays gut zur Geltung. Spiegelungen sind trotz glänzender Oberfläche nicht allzu stark, es zeigt sich aber ein kleiner Nachteil gegenüber dem Surface 2 mit Windows RT: Letzteres hat den helleren Touchscreen. Dadurch ist der Bildschirminhalt beim Surface Pro 2 draußen bei Sonnenschein schlechter zu erkennen als auf dem günstigeren Schwestermodell. Vermutlich hat Microsoft zu diesem Mittel gegriffen, um die Akkulaufzeit noch weiter zu verlängern.

Neuer Intel-Chip lässt Hauptkritikpunkt schmelzen: Die Akkulaufzeit

Daran ist - wie eingangs erwähnt - Intels "Haswell" Prozessorgeneration maßgeblich beteiligt. Wie sein Vorgänger bedient sich also auch das neue Surface Pro 2 an Notebook-Hardware und ist dementsprechend üppig gerüstet. Wählbar sind insgesamt vier verschiedene Konfigurationen, die alle auf einem Intel Core i5 Dual-Core-Prozessor basieren. Minimum sind 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, die Microsoft in den Versionen mit 64 und 128 GB Speicherplatz verbaut. Wer eine größere SSD wünscht, der kann zu 256 oder 512 GB greifen und erhält dann automatisch 8 GB RAM. Zum Testzeitpunkt war das Surface Pro 2 aber nur mit 64 oder 256 GB im Microsoft Store vorrätig.

Bis 512 GB SSD-Speicher und 8 GB RAM möglich

Unser Testgerät entspricht der Einstiegsvariante mit 4 GB RAM und 64 GB Speicherplatz. Für ein Tablet ist das mehr als ausreichend, soll das Surface 2 Pro aber ein Notebook ersetzen, kann es eng werden, auch wenn der Kartenleser Nachschub ermöglicht. Zwar gilt wie für das Surface 2 mit RT: 200 GB Online-Speicher im SkyDrive sind für zwei Jahre lang gratis (ebenso ein Jahr Skype-Gespräche in die Festnetze von mehr als 60 Ländern), wer aber viele Programme installieren und dauerhaft eine Menge an Daten mit sich herumtragen möchte, der sollte trotzdem abwägen, eine der größeren Varianten zu wählen. Dann steigt natürlich auch der Preis. Für 128 GB wird ein Aufpreis von 100 Euro fällig, so dass das Surface dann 979 Euro kostet. Der Zuwachs auf 256 GB erfordert Kosten in Höhe von 1.279 Euro und für die Maximalausstattung müssen schließlich 1.779 Euro hingeblättert werden.

Der Prozessor weist sich im Testgerät als Intel Core i5-4200U aus. Der Zweikerner kann vier Threads bearbeiten, aus dem Basistakt von 1,6 Gigahertz (GHz) per TurboBoost bis zu 2,6 GHz machen und liefert zudem eine Intel HD 4400 Grafik mit. Die Leistung ist folglich überzeugend: Das Surface Pro 2 kann es mit den Ultrabooks aufnehmen, Bilder bearbeiten und sogar Videos schneiden, wenn das nicht gerade seine Haupttätigkeit sein soll. Der Windows-Start ist binnen 16 Sekunden bewerkstelligt.

Gesteigerte Laufzeit, leiser Betrieb

Konnte das erste Surface Pro mit einer Akkuladung nur etwa 4,5 Stunden lang surfen, so schafft es der Nachfolger etwa 1,0 bis 1,5 Stunden länger. YouTube-Besuche sind für rund 7,5 Stunden möglich. Deutlicher ist der Zuwachs bei abgeschaltetem WLAN: Hier hat sich die Akkulaufzeit beim Abspielen von HD-Videos von der Festplatte von 4,5 Stunden auf etwa 10,0 Stunden mehr als verdoppelt.

Lüfterlos ist das Tablet nicht: Wird es kaum gefordert, ist es aber flüsterleise, nur Anspruchsvolleres wie ein 3D-Spiel kann ihm Geräusche und Luftwirbel entlocken.

Während das Surface 2 zwei neue Kameras für Fotos mit höherer Auflösung spendiert bekommen hat, bleibt es beim Surface Pro auch in der zweiten Generation bei zwei HD-Kameras. Für mehr als die sprichwörtlichen Schnappschüsse und Videochats reicht es an dieser Stelle also nicht. Da ein fast ein Kilogramm schweres Gerät aber ohnehin nicht gerade der ideale Kandidat für ausgedehntes Filmen und Fotografieren ist, ist Microsofts Schritt nachvollziehbar. Der Lautsprecher-Klang ist in Ordnung, insgesamt ist das Surface Pro 2 lauter als das dünnere Surface 2.

Fazit: Auf dem (richtigen) Weg zum idealen Hybriden

Das Surface Pro von Microsoft ist und bleibt ein Notebook im Tablet-Gewand - mit all den Vor- und Nachteilen, die sich daraus ergeben. Durch den Griff zum neuen "Haswell"-Chip hat sich ein großer, wichtiger Kritikpunkt der ersten Generation erledigt: die knappe Akkulaufzeit. Das Surface Pro 2 hat hier klar die Nase vorn. Aber: Als Tablet ist es nach wie vor zu dick und zu schwer und im Laptop-Einsatz wünscht man sich ein größeres Touchpad. In puncto Leistung kann das Surface Pro 2 wiederum Mittelklasse-Ultrabooks das Wasser reichen, diese sind auch seine Konkurrenten, wenn sie aus der 2-in-1-Sparte stammen.

Ein günstiger Spaß ist das Surface nicht: Wird die Konfiguration mit 128 GB Speicherplatz zusammen mit den Kosten für das Type-Cover berücksichtig, so ergibt sich ein Gesamtpreis von etwa 1.110 Euro. Die Convertibles der Konkurrenz bieten da oftmals mehr, das Lenovo IdeaPad Yoga 11S ist für etwa 1.000 Euro beispielsweise mit der doppelten RAM-Kapazität bestückt. Zugutehalten muss man dem Surface, dass sich Tastatur und Touchscreen komplett trennen lassen, das können die Mitbewerber-Modelle nicht immer.

Das Surface Pro 1 ist übrigens aus dem Microsoft Store verschwunden, nur vom Surface mit Windows RT verkauft Microsoft noch die erste Generation - zum vergünstigten Preis. Das kommende Jahr bringt ferner interessante Accessoires für das Surface: eine Docking-Station und ein Tastatur-Cover mit Akku für noch mehr Ausdauer. Alles in allem hat Microsoft noch nicht den idealen Universal-Hybriden entwickelt, ist aber auf dem Weg dorthin. Die dritte Generation dürfte gerne dünner und leichter sein.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Surface Pro 2
Hersteller: Microsoft
Preis: UVP: 879 Euro mit 64 GB / 979 Euro mit 128 GB /
1.279 Euro mit 256 GB / 1.779 Euro mit 512 GB

Testkonfiguration: 879 Euro

ab 929 Euro bei Amazon
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Intel Core i5-4200U Dual-Core-Prozessor
mit 1,6 GHz Standardtakt und Intel HD 4400

Benchmarks:
SunSpider 1.0.1 Internet Explorer 11: 106,9 ms
PCMark 7: 4.734 Punkte
PCMark 8: Creative Accelerated: 2.938
Creative Conventional: 2.639
3DMark 11: P996
Cinebench 11.5: OpenGL: 22 Bps, CPU: 2.51 Punkte
Cinebench R15: Grafik: 19,89 fps, 228 Punkte
FurMark v.1.11: 720p: 503, 1080p: 519
7-Zip: 164 JPG-Fotos (400 MB) ins .zip-Format:
12 Sek.
Bildschirm: 10,6 Zoll IPS (1.920 x 1.080 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 4 GB RAM bei 64 GB Speicherplatz
Akku: Herstellerangabe: 7 bis 15 Tage Ruhezustand;
gemessen: 7,5 Stunden YouTube (WLAN),
10 Stunden HD-Videos (offline),
5,5 bis 6 Stunden Surfen
Kommunikation: WLAN 802.11a/b/g/n, Bluetooth 4.0
Betriebssystem: Windows 8.1
Abmessungen: HxBxT: 274,6 x 172,5 x 13,5 Millimeter;
900 Gramm
Anschlüsse: USB 3.0, Mini-DisplayPort, Kopfhörer
(3,5 mm Klinke), microSDXC-Kartenleser
Sonstiges: Umgebungslichtsensor, Beschleunigungssensor,
Gyroskop, Magnetometer, zwei 720p-Kameras
Pro & Contra
Robustes Gehäuse, sehr gute Verarbeitung
praktischer Standfuß
farbstarkes, scharfes IPS-Display
gute Leistung
Zusatznutzen durch Eingabestift und Tastaturen
Akkulaufzeit
als Tablet zu dick und schwer
Kamera ohne Blitzlicht und Autofokus
kein GPS
noch keine 3G-/4G-Version wählbar
Preis-Leistung: befriedigend

(Saskia Brintrup)

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