Testbericht

Mein erster Mac: Das Ding aus einer anderen Welt

Klein und stark: Der Mac Mini. Doch wie kommt ein ganz normaler Windows-User mit dem Apfel zurecht? Ein Selbstversuch mit gar nicht so überraschendem Ergebnis.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Die Marke Apple führte lange Zeit ein Leben in der Nische. Trotz teurer und aufwändiger Werbekampagnen haben sich nur eingefleischte Fans oder bestimmte Berufsgruppen mit Apple angefreundet. Für Wintel-Normalos wirkten das oft als gering empfundene Softwareangebot, die fehlende Kompatibilität und hohe Preise abschreckend. Mit dem Erfolg von iPod, iTunes und dem iMac kam die Wende. Davon profitiert auch der jüngste Apfel im Produktkorb: Der Mac Mini.

Kein eBay-Schnäppchen

Der Boom hat jetzt auch mich infiziert. Was genau steckt eigentlich hinter dem Phänomen Apple und was macht die Rechner so einzigartig? Die Neugierde trieb mich zuerst zu eBay. Da lässt sich doch bestimmt ein Schnäppchen machen. Falsch! Im Gegensatz zu einem 0815-Windows-Rechner sind die Äpfel überaus preisstabil. Macht nichts, nehmen wir zunächst ein Testgerät. Nach ein paar Telefonaten war die Sache in die Wege geleitet und der Mini auf dem Weg in die Redaktion.

Das Äpfelchen ist einer der kleinsten Rechner auf dem Markt und kann es doch mit den großen seiner Zunft aufnehmen. Unser Testgerät ist mit einer 1,42 Gigahertz G4 CPU, 512 Megabyte Arbeitsspeicher und einer 80 Gigabyte großen Festplatte ausgerüstet. Als optisches Laufwerk verrichtet ein kombiniertes DVD-ROM/CD-RW seinen Dienst. In der Grafikabteilung werkelt eine Radeon 9200, die allerdings mit nur 32 Megabyte Speicher auskommen muss. Neben der Kommunikation über eine 10/100 MBit Netzwerkkarte kann der Mac auch über W-LAN und Bluetooth mit seiner Umwelt Kontakt aufnehmen.

Mein erster Mac

Die Aufregung war groß als der Mac auf dem Weg in die Redaktion war. Was würde mich erwarten? Würde ich als Windows-Knecht überhaupt mit dem Mini und MacOS zurechtkommen? Als der Kleine dann endlich eingetroffen war, staunte ich nicht schlecht. In einem großen braunen Karton, mit viel Schaumstoff bedeckt, verstecken sich drei kleine Päckchen, in einem davon hat der Mini die lange Reise hinter sich gebracht. In dem Kistchen soll der Rechner stecken? Da lass ich mich doch mal einfach überraschen. Also auspacken und anschließen.

Fotos: onlinekosten.de

Der knapp 1.300 Kubikzentimeter große Mac bringt es auf nur 1,32 Kilogramm. Schon erstaunlich, wie klein das Gerät ist und dabei sieht es verdammt gut aus. Selbstverständlich braucht der Mini ein externes Netzteil zur Stromversorgung, aber auch das trübt den ersten positiven Eindruck kaum. In dem zweiten und dritten Paket versteckten sich Maus und Tastatur. Beide gehören aber leider nicht zur Grundausstattung, sind selbstverständlich kabellos und ebenfalls erstaunlich kompakt.

Nachdem alles verkabelt ist kann endlich der erste Testlauf starten. Aber wo waren die Empfänger für Maus und Tastatur? Nach einigem hin und her wird schnell klar: die Geräte kommunizieren via Bluetooth mit dem Rechner. Wie praktisch. Dann kann es ja losgehen.

Tadaaaaaam!

Als erstes dröhnt eine Fanfare aus dem internen Lautsprecher, die mich fast vom Stuhl fegt. Nachdem ich mich ein wenig erholt habe, muss ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass MacOS 10.4 in nur 35 Sekunden vollständig geladen und einsatzbereit ist. Da ist er nun. Der Tiger. Auf den ersten Blick macht die Oberfläche einen sehr aufgeräumten Eindruck. Ein einzelnes Icon zeigt den Weg zur 80 Gigabyte Festplatte. Auffällig ist die Symbolleiste, bei Apple heißt sie "Dock". Das Dock ist das Equivalent zum Windows-Startmenü.

Obwohl die futuristisch gestaltete Oberfläche des Minis nicht viel mit der von Windows XP gemeinsam hat, habe ich mich schnell zurecht gefunden und den Zeiger mit der weißen Bluetooth-Maus zielsicher über den Bildschirm bewegt. Apropos Maus. Wer bei einer Apple-Maus die rechte Maustaste sucht, wird enttäuscht. Die Mac-Maus kommt mit nur einer Taste aus, auch ein Scroll-Rad suche ich vergeblich. Für Windows-User wie mich eine mächtige Umstellung, die einige Zeit in Anspruch genommen hat. Dank der zwei USB-Schnittstellen lassen sich aber auch ganz normale Eingabegeräte anschließen. USB-Maus und -Tastatur zusammen blockieren dann wiederum beide USB-Anschlüsse, was nicht unbedingt von Vorteil ist.

Netzwerk und co.

Nach einer kurzen Orientierungsphase will ich so schnell wie möglich ins Internet. Also den Mac mit dem Router verbunden und ab zu den Systemeinstellungen für das Netzwerk. Hier offenbart der Tiger zum ersten mal seine Stärken. Die Systemsteuerung ist erstaunlich übersichtlich gestaltet und lässt kaum Fragen offen. Ein kurzer Klick auf Netzwerk und sowohl die W-LAN- als auch die LAN-Verbindung sind aktiviert. Schnell noch den DHCP einschalten, die IP des Routers eingeben und ich war online. Das ging schnell.

Foto: onlinekosten.de

Als erstes Programm will ich ICQ installieren, man will ja schließlich mit den Kollegen fachsimpeln. Aber schon war die erste Hürde zu meistern. Wo zum Teufel ist die Mac-Version? Oder muss man als Mini-Surfer auf ICQ verzichten? Nein, klar gibt es den Messenger auch für den Mac. Nach einigen Minuten bin ich um eine Erfahrung und der Mini um ein paar Megabyte reicher. Die Installation ist reine Formsache. Niemand online, also mal sehen was der Kleine noch so zu bieten hat. Im "Finder", dem Apple-Explorer, ist mein Blick direkt auf das Schachspiel gefallen. Eine Partie kann nicht schaden. Nach etwa sechs Zügen ist der Spass auch schon wieder vorbei und Langeweile macht sich breit. Ich bin halt kein Kasparow. Schnell mal das Programm in alter Windows-Manier mit einem Klick auf das x geschlossen. Doch so wirklich beendet ist es damit nicht.

Der Kampf mit der Software

Jetzt befindet sich das Programm in der Symbolleiste und ist selbst mit altbekannten Windows-Shortcuts nicht zu beenden. Tja, was nun, die Maus hat nun mal nur eine Taste und den Rechner einfach neu starten ist auch keine Lösung. Irgendwie muss das doch klappen. Nach weiteren fünf Minuten wilder Klickerei fällt mir die Kommandozeile auf. Da ist unter dem Symbol in fetter Schrift "Chess" zu lesen. Schnell dem Cursor drüber, ein Klick und es erscheint die Option "Quit Chess". Ich nehme dankend an und weg ist das Spiel.

Genug für einen Tag. Die analoge Uhr oben rechts zeigt schon 0:20 Uhr. Der Apple und ich haben uns jetzt ein wenig Schlaf verdient. Immerhin bleibt der Apfel noch eine knappe Woche hier, während der ich mich in der Welt von Apple und dem Tiger umsehen kann.

Der zweite Tag

Den ganzen Tag habe ich mich schon darauf gefreut, den kleinen Apfel wieder zum Leben zu erwecken. Nach einem kurzen Besuch auf diversen Webseiten und einigen Gesprächen mit Freunden und Kollegen via ICQ will ich mal ein die weiteren Funktionen des kleinen Macs testen. Als erstes brauche ich dafür ein bisschen Musik. iTunes ist schnell gefunden und der passende Radiosender nach kurzer Suche auch. Tja, was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Abend. Mal sehen was es in der Symbolleiste so alles gibt.

Apples Standardbrowser "Safari" kenne ich ja bereits, iTunes ist auch in Bills Welt ein alter Bekannter und an den Finder habe ich mich auch schon gewöhnt. Aber was zum Teufel ist das Dashboard? Ein Klick und schon fliegen zahlreiche und überflüssige Informationen wie gelbe Notizzettel auf den Desktop. "Track your flight by airline or city". Was soll ich denn damit? Mal sehen, wann der nächste Flieger von Amsterdam nach Miami geht. Sieh an, eine Maschine der KLM ist grade auf dem Weg. Gut zu wissen.

Widget Mania

Das Wetter in Köln und die aktuellen Börsenkurse von Google und Amazon haben mich auch nicht wirklich vom Hocker gerissen, aber die Idee ist gut. Auf dem Dashboard lassen sich kleine nützliche oder spaßige Programme für die schnelle Benutzung parken. Schnell mal dem Link in den Einstellungen gefolgt und siehe da, weitere 190 Applikationen warten nur darauf, als Freeware geladen zu werden.

Ich entscheide mich prompt für den "Lyric Tracker" und den "StarGate Counter 0.3". Die "Widgets", wie die Miniprogramme bei Apple heißen, brauchen keine Installation und stehen in den Einstellungen des Dashboards direkt nach dem Download zur Auswahl. Den "StarGate Counter 0.3" braucht kein Mensch, aber manche Leute interessiert es offenbar schon, wann in den USA die neuen "Stargate"-Episoden ausgestrahlt werden. Der Lyric Tracker hat dagegen meine ganze Aufmerksamkeit. Hier braucht man nur einen Interpreten oder Songtitel einzugeben, um direkt zum Songtext bei www.sing365.com zu gelangen. Hilft nur nicht viel, wenn man weder Interpret noch Titel eines Tracks kennt.

Unterhaltung am Mac Mini

Nachdem ich für den Tag genug Radio gehört habe, will ich mich von einer DVD berieseln lassen. Insgesamt 95 Minuten geballte Anspannung dank "Heavenly Creatures". DVD ins Slot-In-Laufwerk, der Mini macht Geräusche wie der Häcksler in "Fargo", und schon startet der Film. Nach mehr als einer Stunde ist klar: Bild und Ton sehr gut, Film geht so.

Nach einem überaus durchschnittlichen Film habe ich das Bedürfnis nach Sommer, Sonne, Strand und Meer. Urlaubsvideo ins Laufwerk und weitere 65 Minuten in bester Qualität bis mitten in die Nacht. Auch Tag zwei seit Ankunft des Apples war wie eine Reise in ein fernes Land. Mit einem Lächeln im Gesicht schalte ich den Rechner aus und stürze mich ins Nachtleben.

Zwischenbilanz: Super

Samstagmorgen, halb Elf, und ich höre den Mini im Schlaf rufen. Also raus aus den Federn und ran an den Rechner. Nach circa fünf Minuten finde ich dann auch endlich den Texteditor, um meine ersten Eindrücke in die Tastatur zu hauen. Wer viel schreibt, wird auch bedient. Natürlich gibt es die ganze Office-Suite auch für OS X. Das Urteil bis hierher: Einfach super, das Gerät. Ich will unbedingt so einen Mac Mini haben.

Nach eineinhalb Stunden konzentrierter Arbeit will ich aber auch wieder was anderes ausprobieren. Schnell mal ein paar fingierte Termine mit iCal geplant, bevor ich mich an meine erste E-Mail wage. Das Mail-Konto ist schnell und unkompliziert eingerichtet und siehe da, auch der Mac schützt mich nicht automatisch vor Spam. Das Postfach muss erst lernen, gewisse Mails zu filtern. Das ist aber praktisch, ich kann meinem Postfach beibringen, die Mails direkt zu löschen.

Junkfresser

Nachdem ich circa 126 Mails als "Werbung" markiert habe will ich selbst mal einen elektronischen Brief verfassen. Ein Opfer ist schnell gefunden. "Hallo ich bins, sitzte grade vorm Mac. Bla bla bla..." Erstaunlich, wie einfach das Programm wirkt und dabei alle wichtigen Features bietet. Aber das soll ja eben die Philosophie von Apple sein. Mit einer Träne im Knopfloch trete ich meinen letzten Tag mit dem kleinen Apfel an. Noch einmal alles Wichtige ausprobieren. Die letzten sieben Tage sind wie im Flug vergangen. Internet, Mails, DVD und Radio haben mich begleitet und der Mini meine Erwartungen mehr als erfüllt. Noch eben die CD aus dem Laufwerk nehmen, wichtige gesammelte Daten auf den Windows-Rechner schieben und den Mac zum letzten Mal abschalten.

Abschied

Rein mit dem Kleinen in den Karton und ab damit zur Post. Ein paar Schwierigkeiten macht mir das schon. Knapp fünf Minuten später sind der Mac, das Netzteil und das Handbuch, in das ich in den letzten sieben Tagen nicht einen Blick werfen musste, in dem kleinen und handlichen Karton verstaut in dem sie gekommen waren. Ab damit zur Post und direkt die nächste Überraschung. Mehr als 14 Euro kostet ein Paket von A nach B inzwischen, wenn es dabei versichert sein soll. Die Firma zahlt.

Nach nur sieben Tagen zusammen mit dem kleinen Mac bin ich jetzt mit dem Virus Apple infiziert. In den kommenden Monaten wird jeder Cent auf die Seite gelegt, um für einen Mac zu sparen. Mal sehen, vielleicht gebe ich auch endlich das Rauchen auf, dann sollte es um einiges schneller gehen. Bereits jetzt habe ich die ersten 40 Euro zusammen, denn Apple gewährt jedem Studenten einen Rabatt. Der mini kostet dann in der Basiskonfiguration nur 460 anstelle von 499 Euro.

Switch

Bis auch ich in die Apple-Community einsteige, wird sich sicherlich noch einiges verändern. Zum Beispiel der Plattformwechsel von IBMs PowerPC zu Intel. Vielleicht werden die Systeme auch noch kleiner oder der Mini noch leistungsfähiger. In den letzten Tagen habe ich zumindest niemals das Gefühl gehabt, an einem langsamen oder veralteten Rechner zu sitzen.

MacOS hat ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Ich kann jedem PC-User nur empfehlen, schaut euch die Geräte mit dem Apfel mal etwas genauer an, es könnte sich lohnen. Ich für mich hab meine Entscheidung getroffen. Mein nächster Rechner wird ein Apple. Ich switche.

(Patrick Neubert)

Mehr aus dem Web

Zum Seitenanfang