Testbericht

Medion E54009 im Test: Günstiger Multitouch-TFT

Den Computer zuhause zum Multitouch-PC aufrüsten? Man nehme Windows 7 und einen neuen Monitor. Wir haben den Medion Full HD TFT mit Touch-Oberfläche für 250 Euro getestet.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Windows 7 bringt im Vergleich zum Vorgänger Vista einige neue Features mit. Eins davon lässt sich erst mit der passenden Hardware nutzen: die Steuerung per Berührung. Wer noch kein Touchscreen-Notebook oder einen All-in-one-PC mit berührungsempfindlichem Bildschirm hat und daher seinen herkömmlichen PC-Arbeitsplatz in eine Multitouch-Zentrale verwandeln möchte, benötigt einen neuen Monitor. Nach und nach platzieren die Hersteller vereinzelt entsprechende TFT-Bildschirme auf den Markt – auch Medion. Der Essener Computer-Hersteller bietet seit einigen Wochen den Medion Akoya E54009 (MD 20125) Multitouch Monitor zum Einsteigerpreis von 250 Euro an, den unsere Redaktion jetzt getestet hat.

Inhalt:

  1. Multitouch im Hochglanz-Outfit
  2. Installation, technische Details & Reaktionszeit
  3. Praxis-Eindrücke: Die Touch-Vorteile
  4. Fazit zum Akoya E54009 und Info-Tabelle

Der Akoya E54009 (MD 20125) misst in der Diagonalen 21,5 Zoll beziehungsweise 54,61 Zentimeter (cm) und verteilt 1920x1080 Bildpunkte für Videos in Full High Definition (HD) und 16:9 auf der berührungsempfindlichen Oberfläche. Besonders dünn ist das rund 37x52 Zentimeter (cm) große Gerät nicht. Mit der Tiefe von knapp 8 cm ohne Aufsteller und den oben eingelassenen Lüftungsschlitzen wirkt der Monitor wie ein kleiner Flachbildfernseher. Unten rechts im Gehäuse versteckt sich der Touchpen, alternativ kann der Anwender aber auch die Finger zur Steuerung nutzen. Unter dem Gehäuse hat Medion fünf Tasten zur Bedienung des On-Screen-Menüs und für den Standby-Betrieb angebracht. Der Power-Schalter, heutzutage ein seltener Gast im TFT-Bereich, befindet sich rückwärtig.

Neigbarer Fuß mit Kabelführung

Die Kabel für den TFT sind von vorne nicht sichtbar und können durch die Öffnung im Fuß hindurchgeführt werden. Als Halterung dient ein transparenter Kunststoff-Unterbau, der auf den ersten Blick wie ein Rahmen ausschaut, auf dem der Monitor zu schweben scheint. Nach genauerer Betrachtung lässt sich aber die durchsichtige Plastikscheibe erkennen, die der Konstruktion die nötige Stabilität verleiht, aber gleichzeitig die Möglichkeit aussperrt, die Kabel von Maus und Tastatur unter dem Monitor her zu verlegen. Ob man die Gestaltung des Standrahmens nun als eher günstig oder - genau umgekehrt - als raffiniert bezeichnen mag, ist eine Geschmacksfrage. Die übrige Gestaltung, eine matt-schwarze Rückseite und die Akoya-typische Front mit schwarzem Hochglanz-Anstrich, dürfte optisch alle Geschmäcker treffen. Den unteren Teil des Display-Rahmens hat Medion mit einer weißen Linie verziert, den einzigen Farbtupfer liefert ein kleines blaues Lämpchen, wenn der Monitor eingeschaltet wird.

Zunächst will der Akoya E54009 aber aufgestellt werden. Eine Installationsbeschreibung liefert das bebilderte Handbuch, das zusammen mit vier Kabeln den Lieferumfang bildet. Neben dem Stromkabel gibt es eine USB-Leine, um die Touch-Funktion abzurufen, und ein Audiokabel, das die von der Soundkarte erzeugten Klänge an die beiden integrierten Lautsprecher weiterleitet. Diese klingen für ihre kleine 1-Watt-Leistung unerwartet gut, einen blechernen Netbook- oder Handy-Sound muss niemand befürchten.

Neigbarer Fuß mit Kabelführung

Das Bindeglied zwischen PC und Monitor bildet ein D-Sub-Kabel (VGA). Dass sich Medion für den analogen Eingang entschieden hat, macht stutzig. Zunächst stammen Touchscreen-Steuerung und Windows 7 aus einem Zeitraum, in dem schon viele Nutzer ihre Bildschirme via digitalem DVI oder zum Teil auch HDMI anschließen, darüber hinaus schreit die HD-Wiedergabe im 16:9-Format nach einer digitalen Signalübertragung, um Verluste zu vermeiden. Schuld ist offenbar der niedrige Preis.

Analog-Anschluss vs. HD & Reaktionszeit

Ein Adapter liegt zwar nicht bei, aber sollte das Gerät trotzdem an den DVI- oder HDMI-Ausgang der Grafikkarte angeschlossen werden, hebelt die analoge Ausgabe den besseren Effekt wieder aus. Wie die Bildqualität bei digitaler Übertragung aussehen würde, lässt sich daher nicht beurteilen. Dennoch muss festgestellt werden, dass für den Einsatzzweck des Monitors die analoge Technik noch ausreicht. Echte Film-Enthusiasten werden ihre Hollywood-Highlights wohl kaum auf einem Touchscreen und erst recht nicht auf einem PC-Monitor anschauen. Eine Videowiedergabe in der Pixelfülle, die Full HD bietet, bereitet erst auf noch mehr Zentimetern wahre Freude. Auch passionierte Computerspieler werden lieber zu besonders reaktionsschnellen Gaming-Modellen und weniger zu Touchscreens im Allgemeinen greifen. Passend dazu ein kleiner Exkurs zur Reaktionszeit, die Medion auf fünf Millisekunden (ms) beziffert. Theoretisch reicht dies für alle möglichen Anwendungen aus - Computerspiele mit extrem hohen Frame-Raten ausgenommen. Im direkten Vergleich mit einem LCD-Bildschirm mit einer kürzeren Schaltzeit von zwei ms ließen sich bei dem Medion Gerät mit einem Schlierentestprogramm bei 75 Bildern pro Sekunde die von passionierten Gamern gefürchteten Verwischungen erkennen. So bleibt als Zielgruppe der "Gemischtwaren"-Nutzer, der seine Fotos, Videos und Office-Tools mit einer Priese Multitouch würzen möchte.

Technische Daten

Da das Bild auf der TFT-Technik beruht, sind Werte wie die Blickwinkel quasi fest vorgegeben. Medion listet diese daher mit den üblichen 170 Grad horizontal und 160 Grad vertikal auf. Das Kontrastverhältnis liegt bei 1000:1, die dynamische Regelung verschafft den schwarzen und weißen Pixeln je nach Spiel- oder Filmszene auch einen Hell-Dunkel-Abstand von bis zu 60.000:1, verspricht das Datenblatt. Einen Spielraum ermöglicht die Helligkeit, die der Hersteller auf 300 Candela pro Quadratmeter beziffert. Moderne LEDs, die die Ausleuchtung und leider auch den Preis nach oben schrauben würden, sind noch nicht verbaut.

Nun wollen wir den Blick auf die Performance in der Praxis richten. Der Akoya E54009 spielt seine Touch-Fähigkeiten nur aus, wenn Windows 7 in den Editionen Home Premium, Ultimate oder Professional als Betriebssystem installiert ist. Er wird über die USB-Verbindung automatisch als Touch-Gerät erkannt und kann direkt mit dem Finger oder Stift gesteuert werden. Wo der Zeiger genau auftrifft, zeigt ein dynamischer Kreis an, bei länger andauernder Berührung erscheint ein Ring – das Zeichen für den Rechtsklick. Das Stichwort Multitouch steht für Gesten mit mehreren Fingern, auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Fotos heran- oder wegzoomen, verschieben oder drehen. Wie Microsoft auf der Windows Touch Website mitteilt, verschmilzt auch das hauseigene Zeichenprogramm Paint mit der berührungsempfindlichen Steuerung und ermöglicht das Malen und Schreiben direkt am Bildschirm. Wer seine Eingabegeräte komplett verbannen möchte, kann auch die einblendbare Microsoft Tastatur und den Schreibblock mit Handschriftenerkennung nutzen. Dies klappte im Test sehr gut.

Mediensteuerung per Finger

Darüber hinaus wurde das Windows Media Center in den Windows 7 Editionen Home Premium und Ultimate auf Widescreen-Displays und Touchscreens optimiert. Das Stöbern durch die gespeicherten Fotos, Musikdateien und Videos wird so auf intuitive Weise ermöglicht. Die Touch-Funktionen machen Spaß und können auch die Arbeit mit Maus und Tastatur sinnvoll und zeitsparend ergänzen. Zwar ist es durch die sehr hohe Auflösung und die daraus resultierenden kleinen Symbole nicht für jeden einfach, das Gewünschte mit dem Finger zu treffen, der Stift ist aber präzise genug. Besonders leicht gehen das Scrollen in Dokumenten oder Websites, das Verschieben von Fenstern und das Streifen durch die Windows-Taskleiste mit den Miniaturen der Programme von der Hand. Volle Unterstützung beim Browsen liefert nur der Internet Explorer – dann trifft der Nutzer mit der Vergrößerungsfunktion auch die Links exakt. Schade, dass Microsoft das angekündigte Touch Pack noch nicht zum Download anbietet. Sobald dieses veröffentlicht wird, dürften noch ein paar kleine Spiele und praktische Anwendungen, die bereits durch den Touch-Tisch Surface bekannt geworden sind, für Auflockerung sorgen.

Display im All-in-one-Look

Da der Monitor eher wie ein All-in-one-PC auf dem Schreibtisch thront, muss der Nutzer auf Bequemlichkeitsfunktionen wie eine Dreh- und Höhenverstellbarkeit verzichten. Diese gehören aber auch bei herkömmlichen TFTs nur ab einer gewissen Preisklasse oder bei Büromodellen zum Repertoire. Zur Anpassung ist eine Neigung um bis zu 20 Grad möglich, kleine Gummifüße halten das Display währenddessen auch auf Glasplatten fest.

Die üblichen Stellschrauben kann der Nutzer über das On-Screen-Menü ansteuern und dort zum Beispiel auf vorab eingestellte Modi mit warmen oder kalten Farben zurückgreifen oder alle Variablen manuell abändern. Wurde alles zur Zufriedenheit eingestellt, zeigt sich das Bild scharf und auch ausreichend kontraststark. Helligkeitsunterschiede sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, lediglich im komplett abgedunkeltem Raum und mit einem schwarzen, bildschirmfüllenden Testbild sind oben und unten hellere Ränder durch die Beleuchtung zu sehen. Beim Anzeigen von Videos oder Fotos und auch im Office-Betrieb wirkt das Bild gleichmäßig beleuchtet. Die Blickwinkel sind groß genug, sodass auch mehrere Personen vor dem Bildschirm sitzen können. Da Medion sich für einen Hochglanz-Bildschirm entschieden hat, sind aber je nach Lichteinfall – vor allem bei seitlichem Blick – Spiegelungen erkennbar.

Wie wir auch bereits anhand anderer Breitbild-Displays beurteilt haben, liefert auch der Akoya E54009 bei verschiedenen Anwendungen Vorteile. Die Textverarbeitung profitiert von einer mehrseitigen Anzeige und packt zwei Seiten nebeneinander und auch die verschiedenen Windows 7 Features zur Anordnung von Fenstern kommen dank der hohen Auflösung und des 16:9 Formats voll auf ihre Kosten. Übersicht schafft das Format außerdem bei Internetsitzungen mit besonders vielen Tabs oder Browsern mit einer Vielzahl dynamischer Lesezeichen – es ist einfach mehr Platz

Fazit: Multitouch für jedermann

Der Akoya E54009 Monitor vereint mehrere aktuelle Hardware-Trends in einem Gerät, das 16:9 Format, eine HD-Auflösung und sogar eine Touch-Oberfläche. Der veraltete Analog-Anschluss fällt aus der Reihe. Schlussendlich sorgt er aber für den mit knapp 250 Euro besonders niedrigen Preis und Medion erreicht, was die Pressemitteilung zum Marktstart versprach: "eine günstige Variante für jeden, der Multitouch nutzen möchte." So ergeht es dem Medion Monitor ein bisschen wie dem Apple iPad: Theoretisch könnte der Hersteller viel mehr unterbringen, für den Basis-Nutzen kann das Gerät aber genug. Gamer sollten sich erwartungsgemäß woanders umschauen.

Alternativen: Ohne Multitouch-Funktion kosten Monitore mit Full HD Auflösung in dieser Größenklasse 120 Euro aufwärts. In der Kategorie der berührungsempfindlichen Geräte tummelt sich weitaus weniger Konkurrenz. Zu einem ähnlichen Preis wird der Iiyama ProLite T2250MTS mit DVI-Schnittstelle verkauft, der Packard Bell Viseo 200T Touch Edition ist günstiger, aber auch kleiner und mit weniger Bildpunkten bestückt. Der Acer T230 in der Multitouch-Version ist mit 23 Zoll größer und spendiert sogar einen HDMI-Anschluss, kostet aber wiederum knapp 30 Prozent mehr.

Weitere Hardware Testberichte, Infos und Tipps zu Windows 7 sowie einen Ratgeber zum TFT-Kauf liefert unser Hintergrundbereich.

Name: Akoya E54009 (MD 20125)
Hersteller: Medion
Internet: www.medion.com
Preis: 249 Euro (UVP)
Technische Daten
Bildschirmdiagonale: 21,5 Zoll Breitbild im 16:9 Format; TN-Panel; glänzend
Auflösung: 1.920 x 1.080 Bildpunkte
Eingänge: D-Sub, Audio in, USB
Helligkeit: 300 cd/m² (Herstellerangabe)
Kontrast: 1000:1 (Herstellerangabe), dynamisch bis zu 60.000:1
Schaltzeiten: 5 ms (Herstellerangabe)
Blickwinkel: 170° horizontal/160° vertikal (Herstellerangabe)
Strombedarf: gemessen:
Netzschalter aus: 0 Watt
Standby: 0,5 Watt
eingeschaltet: 36,7 Watt
Abmessungen: H x B x T: 373 x 516 x 320 mm (maximal ( 75 mm (ohne Fuß)
Gewicht: 5,5 kg
Garantie: zwei Jahre Medion Garantie
Pro & Contra
gute Bildqualität
Touch-Funktion
hohe Auflösung
Breitbildformat
gute Lautsprecher
günstiger Preis
mit Netzschalter
noch keine LED-Technik
Spiegel-Oberfläche (Geschmackssache)
nur Analog-Anschluss
Bewertung:
Helligkeit (25%): gut
Blickwinkel (25%): gut
Kontrast (20%): gut
Ergonomie (20%): befriedigend
Verarbeitung (10%): gut
Gesamt: gut (2,2)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

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