Testbericht

Luxus-Cowon Q5W im Test: Schwerer Hingucker

Das 700-Euro-Technikschmuckstück aus Korea ist Stereoanlage, Video-Player, externe Festplatte, Internetsurfer, Bürorechner und VoIP-Telefon in einem. onlinekosten.de hat den neuen Q5W auf seine Alltagstauglichkeit getestet.

Das 700-Euro-Technikschmuckstück aus Korea ist Stereoanlage, Video-Player, externe Festplatte, Internetsurfer, Bürorechner und VoIP-Telefon in einem. onlinekosten.de hat den neuen Q5W auf seine Alltagstauglichkeit getestet.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com
Der jüngste Streich des koreanischen Consumer Electronics-Herstellers Cowon ist der lang erwartete Portable Media Player (PMP) Q5W, ein Taschenunterhalter, in dem mehr steckt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist: Er ist Stereoanlage, Video-Player, externe Festplatte, Internetsurfer, Bürorechner und VoIP-Telefon in einem. Die Redaktion von onlinekosten.de hatte Gelegenheit, das gewichtige Multitalent im Praxistest näher unter die Lupe zu nehmen.

Die Äußerlichkeiten

Das haptische Erlebnis fällt beim QW5 eher zweideutig aus: Sicher, der minimalistische Metallrahmen, durch den der Fünf-Zoll-Touchscreen im Breitbildformat noch größer erscheint, hinterlässt beim Betrachter den Eindruck eines soliden Gerätes – und das ist er auch. Nichts knarrt oder hakelt, das Gehäuse wirkt wie aus einem Guss und ist sauber und sorgfältig verarbeitet. Doch liegt der Player mit seiner 138,8x88,5x20 Millimeter großen Erscheinung und seinen knapp 400 Gramm auch schwer in den Händen – er spielt in einer Gewichtsklasse, bei der man sich fragt, warum Cowon den Pfundskerl mit einer filigranen Handschlaufe am unteren Seitenrad ausgestattet hat.

Am oberen Rand befindet sich der für Cowon mittlerweile typische Einschalthebel, der per Seitenbewegung nach links das Gerät anwirft und nach rechts die Hold-Funktion aktiviert. Daneben zeigen zwei dezente Gitter im Gehäuse die Position der beiden Lautsprecher an, die es im Betrieb auf je einen Watt bringen können – eine ordentliche Leistung, die man durch Justierungen des Klangs (beispielsweise des virtuellen 3D Surround-Sounds) noch verbessern kann. Zwischen den Miniboxen befindet sich das eingebaute Mikrofon für die Diktierfunktion, wiederum daneben zwei Knöpfe für die manuelle Veränderung der Lautstärke – praktisch, wenn man das Gerät einmal "blind" in der Jackentasche bedienen möchte. Am rechten äußeren Rand steckt im Gehäuse ein Bedienstift, der sich im Teleskopverfahren um zwei Zentimeter verlängern lässt. Ein unverzichtbares Utensil, wie wir später erfahren werden. Auf der linken Seite befindet sich eine ausziehbare WLAN-Antenne. Darunter liegen die Anschlussmöglichkeiten für Headset und Kopfhörer, sowie der Reset-Knopf und der Eingang für das Ladekabel.

Schneller Anschlussfinder

Unter einer kleinen Klappe verstecken sich zudem zwei flotte USB 2.0-Anschlüsse: Einer kann das Gerät mit dem Rechner verbinden, der zweite verleiht dem Q5W die Funktion eines USB-Hosts, was vor allem Digitalfotografen schätzen dürften, die aus Platzgründen geschossene Bilder von der Speicherkarte der Kamera auf den Player verschieben wollen. In allen Verbindungsfragen erweist sich der Cowon übrigens als ungemein unkompliziert – im Test kommunizierte er anstandslos mit diverser Hardware, was unter anderem daran liegt, dass er auf Zwangssoftware wie iTunes gänzlich verzichtet. Der unscheinbare Schlitz am unteren Rand macht aus dem Player einen vollwertigen und wohnzimmertauglichen Video-Player. Dank des mitgelieferten AV-Kabels lässt sich der Q5W von dieser Stelle aus mit jedem Fernseher verbinden, für den nötigen Komfort beim Heimkino-Event sorgt die ebenfalls mitgelieferte Fernbedienung. Noch ein praktisches Extra hat der Player an Bord: Eine integrierte Bluetooth-Schnittstelle sendet die Audiosignale drahtlos an einen empfangsbereiten Kopfhörer, sodass der lästige aber sonst übliche Kabelsalat bei Musikhörern der Vergangenheit angehört.

Die multimediale Schaltzentrale

Nach dem Einschalten fährt der Cowon erfreulich schnell hoch, kurz blitzt die Oberfläche von Windows CE 5.0 Professional auf, dann verschwindet alles unter der Design-Fassade des Cowon-Launchers. Die Koreaner haben aus Gründen der Übersicht und Bedienbarkeit das Multimedia-Programm als Betriebszentrale dem Microsoft-Betriebssystem aufgepflanzt. Man ist allerdings nicht daran gebunden und kann mit wenigen Befehlen Windows CE wieder auf den Schirm holen. Doch vorerst zurück zum Launcher: Hier kann der Benutzer durch die Menüs "Media", "Office", "Network" und "Utility" springen und einzelne Funktionen aufrufen. Ein kleines Icon am oberen Bildschirmrand vergrößert die Ansicht, sodass man beim Blättern im Dateimanager auf den Stift verzichten kann.

Klassenbester in Sachen Musik

Um zum Wesentlichen zu kommen: Ruft man die Musikkonsole auf, wird einem schnell klar, dass hier Sound-Profis am Werk waren. Cowon hat in der Player-Szene mittlerweile einen akustischen Standard etabliert, den keiner den Koreanern so schnell nachmacht. Das "JetEffect" getaufte Tonstudio befindet sich zwar auf vielen MP3-Playern des Herstellers, doch erst der Q5W reizt mit seiner großen Bedienfläche das Tool richtig aus. Der 5-Band-Equalizer, die BBE-Klangoptimierung, der MP3-Aufmotzer MP-Enhance, der kräftige Bassbooster Mach3Bass und der virtuelle 3D-Surround machen aus dem Player ein vollwertiges Wiedergabemischpult, mit dem sich auch die subtilsten Veränderungen in der Tonqualität herbeiführen lassen.

Der Sound ist satt, ausgeglichen und knackig. Während der Song läuft, zeigt der Player die ID3-Tags der Datei an, auf Wunsch wird zudem das Album-Cover eingeblendet. Auch in Sachen Kompatibilität braucht sich der Nutzer keine Sorgen zu machen: der Cowon Q5W spielt außer MP3 auch WMA, ASF, OGG, WAV, FLAC, APE, MPC und unterstützt DRM 10. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass das Gerät darüber hinaus auch zum Radioempfang bereit ist.

Vollwertiger Video-Player

Ein Fingertippen ruft die Videofunktion auf. Auch hier entpuppt sich der Player als ausgesprochen genügsam: Egal ob die Dateiendung AVI, ASF, WMV, MPG oder OGM lautet, es wird anstandslos und auch ohne vorherige Konvertierung abgespielt. Auf Wunsch mit umgebenden Bedienelementen, als Vollbild oder auf dem Fernseher – mit oder ohne Untertiteln. 16 Millionen Farben lassen die Filme im brillanten, leuchtenden Licht erscheinen, was zum einen dem ausgewogenen Kontrastverhältnis von 500:1 und der Helligkeit von 200 Candela pro Quadratmeter zu verdanken ist. Zur Kinotauglichkeit trägt auch die Größe des Bildschirms bei, der sich durchaus auch zum Genuss längerer Streifen eignet.


Wer es eher ruhig mag, kann sich alternativ den Bildbetrachter auf den Schirm holen, ein Angebot, das sich vor allem an die Fotofans richtet, die ihre Bilder per USB zur Lagerung und Kontrolle auf den Q5W laden können. Erlaubte Dateiformate sind hier JPG, BMP, PNG und NEF – jeweils bis zu einer Größe von zehn Megabyte (MB). Doch aller Euphorie zum Trotz gibt es auch Abzüge in der Bewertungsliste. Da wäre zum einen die gewöhnungsbedürftige Menüführung, die unachtsame Benutzer schon einmal in den Tiefen der Festplatte verirren lässt. Auch gestaltet sich die eigentlich vorgesehene Finger-Navigation nicht immer als praktikabel, sodass der Stift nach kurzer Zeit wieder in die Hand genommen werden muss.

Mankos bei Bedienung, Akkuleistung und Ladezeit

Zu häufig sollte man aber sowieso nicht zwischen den Funktionen wechseln, denn dann macht sich die Neigung des Q5W zur Schrecksekunde bemerkbar: In solchen Fällen ruht der Launcher zwei, drei Herzschläge lang und das Arbeiten auf der 1,8-Zoll großen Festplatte ist leise zu vernehmen, ehe der Befehl ausgeführt wird. Apropos Festplatte: Der Q5W ist beim Stromverbrauch nicht gerade zimperlich. Die Akkulaufzeit betrug im Praxistest rund zehn Stunden für das Abspielen von Audio-Dateien, für etwas mehr als fünf Stunden reichte es im Videomodus. Nicht gerade viel, vor allem, wenn man bedenkt, dass der erschöpfte Akku für seine Wiederherstellung wieder für 5,5 Stunden ans Ladekabel muss.

Vorteile durch Windows CE

Wie versprochen noch ein paar Worte über das von Cowon verwendete Microsoft Windows CE – das dem Nutzer unzweifelhaft einige Vorteile zusätzlich zum Launcher bietet. Zum einen kann das Betriebssystem mit seinen Tools für die Büroarbeit eingesetzt werden. Auf dem Testgerät war dafür der Office-Viewer bereits vorinstalliert - wer also nicht darauf verzichten möchte, kann das Paket für rund 20 Euro später hinzukaufen. Dann stehen Anzeigeprogramme für Word-, Excel-, Powerpoint und PDF-Dateien zu Verfügung. Per Wordpad lassen sich auch Textdateien erstellen, was jedoch trotz zweistufig vergrößerbarer Tastatur nicht immer leicht von der Hand geht. Zu guter Letzt sorgt der Kartenschieber Solitär für den entspannten Zeitvertreib in der Mittagspause. Zum anderen erlaubt Windows CE das nachträgliche Hinzufügen eigener Programme, sodass es bei der potenziellen Funktionspalette des Gerätes seitens der Software zu keinen Einschränkungen kommt. Dabei muss jedoch erwähnt werden, dass es sich beim Q5W tatsächlich in erster Linie um einen Portable Media Player handelt, nicht um einen Pocket PC: Der Touchscreen gibt scharfe Bilder wieder, stößt aber bei filigraner Tabellenarbeit in Excel an seine Grenzen. Der Druckpunkt ist zu grob justiert, ein Doppelklick per Stift erfordert Erfahrung und vor allem jede Menge Ausdauer. Ein regelmäßiges Ärgernis, dem der Nutzer spätestens im Internetbetrieb begegnen wird.

Internetfunktionen: Surfen, chatten, mailen und telefonieren

Der Cowon Q5W trägt ein integriertes WLAN-Modul in seinem Bauch, das in den Standards IEEE 802.11b/g funkt. Für den optimalen Signalempfang hat Cowon eine ausziehbare Gelenkantenne an der Seite des Gerätes angebracht – zweifelsohne praktisch, sie verleiht dem Player jedoch auch den Charme eines in die Jahre gekommenen UKW-Radios. Die drahtlose Verbindung mit dem Router ist schnell eingerichtet, sofern man es nicht versäumt, vor jedem Netzausflug die WLAN-Funktion im Cowon-Launcher manuell zu aktivieren. Wie bei einem Windows-System nicht anders zu erwarten, ist der Internet Explorer bereits vorinstalliert, sodass es dann auch sofort losgehen kann. Dank der hohen Auflösung von 800x480 Pixel hat es der Q5W nicht nötig, Websites speziell für den Bildschirm aufzubereiten, dennoch kann das Spiel mit den Rollbalken schon einmal die Geduld herausfordern. Der Seitenaufbau geschieht schnell und gleichmäßig, doch gerade die von Cowon herausgehobene Adobe Flash-Unterstützung erweist sich in der Praxis nicht immer als förderlich – besonders wenn werbende Rich-Media-Elemente die Überhand gewinnen und dabei der integrierte RMI Alchemy AU1250 Prozessor mit seiner 600 Megahertz-Taktfrequenz merklich in die Knie geht. Youtube-Videos beispielsweise lassen sich zwar aufrufen, doch gleichzeitig gibt der Nutzer die Kontrolle über die Seitennavigation auf. Eine bessere Figur macht der Q5W bei kleinen Online-Games oder Radio- und TV-Streams, die über den Windows Media Player je nach Internetanbindung ruckelfrei und anstandslos abgespielt werden.

VoIP aus der WLAN-Zone

Auch an Interaktivität lässt es Cowon nicht mangeln. Neben dem Internet Explorer findet sich die mobile Version des Windows Messengers an Bord. Der kleine Instant Messenger (IM) beherrscht nicht nur das Chatten und Mailen mit anderen Nutzern, sondern bietet eine komplette Telefoniefunktion für Gespräche aus der WLAN-Zone. Dies ist auch der Grund, weshalb sich direkt neben dem Kopfhörerausgang der Anschluss für ein Headset befindet.

Fazit: Eine schwere Entscheidung

Was bleibt über den Q5W zu sagen? Sicherlich viel Gutes. In Sachen Audio-Qualität bleibt er ungeschlagener Sieger seiner Klasse und auch die Videoanzeige muss keinen Vergleich mit den Besten der Konkurrenz scheuen. Die Internetfunktion erwies sich im Test nach einer einfachen Einrichtung als durchaus praxistauglich, gleiches lässt sich über die Bedienung des IM-Clients Windows Messenger sagen. Soviel Leistung hat aber auch seinen Preis. Satte 700 Euro schlägt Cowon für die 60 GB-Variante vor, wer mit 20 GB weniger auskommen kann, muss immer noch 650 Euro auf die Ladentheke legen. Doch nicht alleine der Preis versetzt in Grübellaune, dazu kommen noch ein oder zwei Punkte, über die man sich vor dem Griff zum Portemonnaie klar sein sollte: Sicherlich sind sein Gewicht und die zugegebenermaßen nicht überragende Akku-Leistung bei einem mobilen Einsatz wenig erfreulich. Zudem wird der Q5W – trotz seiner Office-Tauglichkeit – niemals den Komfort eines Notebooks ersetzen. Die Bedienung über das Touchpad verlangt dafür zu viele Kompromisse, ist eher träge und so kommt der Bedienstift häufiger zum Einsatz als ursprünglich geplant.

Name: Q5W
Hersteller: Cowon
Internet: www.cowon-germany.com
Preis: 40 GB: 650 Euro, 60 GB: 700 Euro
Technische Daten:
Schnittstelle: USB 2.0, USB 1.1
Speicher: 40, 60 GB HD
Abmessungen: 13,9 x 8,6 x 2 Zentimeter
Gewicht: ca. 400 Gramm
Dateiformate: MP3, WMA, ASF, OGG, WAV, FLAC, APE, MPC, AVI, ASF, WMV, MPG, OGM, JPG, BMP, PNG, NEF
Lieferumfang: Player, Ohrhörer, Fernbedienung, USB-Kabel, AV-Kabel, Netzteil, Software-CD, Kurzanleitung
Besonderheiten: WLAN, AV-Ausgang für den Anschluss an den Fernseher
Pro & Contra:
brilliante Tonqualität
umfangreiche Formatunterstützung
einfacher Internetzugang per WLAN
Windows CE 5.0 Professional
sehr gute Verarbeitung
hohes Gewicht
gewöhnungsbedürftige Bedienung
relativ kurze Akku-Laufzeit
hohe Anschaffungskosten
Bewertung:
Klang (30%): sehr gut
Laufzeit (20%): befriedigend
Funktionsumfang (15%): sehr gut
Bedienung (15%): befriedigend
Formatunterstützung (10%): gut
Gewicht/Maße (10%): ausreichend
Gesamtnote: gut (2,1)
Preis-Leistung: befriedigend

(André Vatter)

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