Testbericht

Lufthansa FlyNet im Test - Internet im Flugzeug

Mit dem Notebook oder Smartphone in 10.600 Metern Höhe im Internet surfen? Mit dem FlyNet von Lufthansa ist das jetzt auf ausgewählten Interkontinental-Strecken möglich. Wir haben das Projekt auf dem FlyNet-Jungfernflug nach New York auf die Probe gestellt.

Flugzeug© spooh / iStockphoto.com

Es herrscht Hektik am Frankfurter Flughafen als Lufthansa am vergangenen Dienstag den offiziellen Startschuss für die Reaktivierung seines Internetzugangs an Bord von Langstrecken-Flugzeugen, das so genannte FlyNet, geben möchte. Ein unerwartet heftiger Wintereinbruch hat schon am Vortag zu zahlreichen Flugstreichungen und Verspätungen geführt. Die Folge: Menschenmassen knubbeln sich in den Terminals an den Schaltern sämtlicher Airlines. Jeder am Flughafen Rhein-Main gestrandete Passagier hofft, möglichst bald zum gewünschten Zielort abheben zu können. Das trifft auch auf all jene Lufthansa-Kunden zu, die an diesem Morgen mit Flug LH 400 nach New York starten wollen. Mit an Bord: einige ausgewählte Journalisten, die das FlyNet zur Premiere auf die Probe stellen möchten. Auch onlinekosten.de war mit an Bord des Airbus A330-300 "Witten" (D-AIKF), um sich ein Bild vom Highspeed-Internet in 10.600 Metern Höhe zu machen.

FlyNet startet problemlos

Zweifelsohne ist die Erwartung an den neuen Service, den Lufthansa seit dem 1. Dezember gemeinsam mit den Partnern Panasonic Avionics und der Deutschen Telekom auf ausgewählten Nordatlantik-Strecken anbietet, groß. Schon wenige Minuten nach dem Start des Großraumjets werden die ersten Smartphones gezückt, um bei aktiviertem Flug-Modus über die WLAN-Schnittstelle des Telefons Internetinhalte auf das Handydisplay zu zaubern. Und tatsächlich: das Lufthansa FlyNet legt einen störungsfreien Start hin und besteht nach Erreichen der Reiseflughöhe auch erste Belastungstests unter Verwendung von mehreren Note- und Netbooks. In der Spitze sind während des Fluges über den Atlantik rund 50 WLAN-fähige Endgeräte parallel online ohne dass es zu Ausfällen kommt. Lediglich die Stromversorgung der Steckdosen macht im letzten Drittel des Fluges unerwartet schlapp. Insgesamt wurden 7,7 Gigabyte an Daten übertragen - allein 6,6 Gigabyte wurden empfangen.

Skype-Nutzung ist verboten - zumindest teilweise

Doch was lässt sich an Bord der ausgerüsteten Maschinen überhaupt konkret nutzen? Die Antwort auf diese Frage ist simpel: praktisch alles, was das Internet hergibt. Und doch gibt es die eine oder andere Ausnahme. Beispiel Skype: die Nutzung der Voice over IP-Software wird an Bord zwar geduldet, allerdings nur, solange die Chat-Funktion genutzt wird. Gleiches gilt für andere Instant Messenger wie ICQ. "Sprach-Verbindungen sind an Bord unserer Maschinen strikt verboten", sagt Lufthansas Leiter Produktmanagement und Innovationen, Christian Körfgen. "Wir wollen das Ruhebedürfnis unserer Passagiere respektieren und unsere Kabinenbesatzungen sind angewiesen, die Nutzung von Voice over IP an Bord umgehend zu untersagen." Deswegen wird es auch nicht möglich sein, mit Handys in FlyNet-tauglichen Lufthansa-Maschinen zu telefonieren, wenn im Frühjahr nächsten Jahres GSM-Funktionen zugeschaltet werden. Lediglich der Versand und Empfang von SMS und MMS und der mobile Datenaustausch – zum Beispiel über einen BlackBerry - ist dann möglich.

YouTube-Nutzung ist kein Problem

Technisch keine Probleme macht der Abruf von Video- und Audio-Streams. Sie laufen in der Regel ohne große Aussetzer. Lediglich wenn zwischen den einzelnen Satelliten gewechselt wird, mit deren Hilfe das Internetsignal vom Flugzeug zur Erde und in die umgekehrte Richtung geschickt wird, kann es zu kurzen Aussetzern kommen. Auf einem Flug nach New York passiert eine solche Verbindungsübergabe, ein so genanntes Handover, je nach gewählter Flugroute bis zu vier Mal.

Weil sich zum Neustart des FlyNet alle Passagiere einen Downstream zwischen 5 und 10 Megabit pro Sekunde teilen müssen, kann es hier und da zu etwas längeren Ladezeiten beim virtuellen Surfen kommen. Auch der Upstream ist derzeit noch begrenzt. An Bord von Lufthansa-Maschinen auf maximal 500 Kilobit pro Sekunde. "Wir planen die Bandbreite Schritt für Schritt auf bis zu 50 Megabit pro Sekunde im Downstream zu steigern. Wann es soweit sein wird, hängt auch davon ab, wie schnell andere Airlines unseren Internet-Dienst nutzen werden", sagt Paul Margis, Chef von Panasonic Avionics.

Panasonic Avionics ist der neue Partner von Lufthansa, nachdem das FlyNet Ende 2006 nach drei Jahren Betrieb eingestellt werden musste. Der damalige Partner, Connexion by Boeing, konnte kein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Panasonic will es nun besser machen und zu diesem Zweck auch die von Boeing verbaute Technik in Lufthansa-Maschinen weiter nutzen. Das sei günstiger als überall komplett neue Hardware zu installieren, meint Margis. In allen Maschinen wurde aber die Modem-Technik ausgetauscht, um schnelle(re) Internet-Verbindungen anbieten zu können.

Zum Neustart des FlyNet sind elf Maschinen von Lufthansa mit der notwendigen Technik bereits ausgestattet. Zunächst schickt die Fluggesellschaft aber nur vier bis sechs Maschinen im Parallelbetrieb in den interkontinentalen Luftraum. Und zwar nur auf Verbindungen über den Atlantik in die USA – nach New York (LH 400 / LH 401), nach Detroit (LH 442 / LH 443) und bei Verfügbarkeit des passenden Flugeräts auch nach Atlanta (LH 444 / LH 445). Weitere Strecken sollen zeitnah folgen. Bis Ende Februar 2011 will Lufthansa 20 Maschinen für das FlyNet fit gemacht haben, Ende des kommenden Jahres soll nahezu die komplette Langstrecken-Flotte mit der notwendigen Technik ausgestattet sein.

Noch kein FlyNet innerhalb Europas

Ob eine Maschine mit einsatzfähiger FlyNet-Technik zum Einsatz kommt, ist für Passagiere an Hinweis-Schildern mit der Aufschrift "Hotspot" zu erkennen, die in der Kabine an den Küchen und Toiletten angebracht wurden. Wer hofft, dass fliegende Hotspots schon bald auch auf Euro-Verbindungen von Lufthansa zum Einsatz kommen, wird allerdings enttäuscht. Denn: neben technischen Hürden, die es zu überbrücken gibt, sind die auf Europa-Strecken eingesetzten kleineren Maschinen schlicht noch nicht für die auf dem Dach installierten Satellitenantennen zertifiziert. Doch die Hoffnungen aufgeben sollte niemand. "Wir sind dabei, eine möglichst zeitnahe Einführung im Interesse unserer Kunden zu prüfen", sagt Lufthansa-Manager Körfgen.

Und was kostet die Nutzung des WLAN-Zugangs in luftiger Höhe? Wer eine Stunde das FlyNet nutzen möchte, muss dafür 10,95 Euro zahlen. Ein 24-Stunden-Zugang, der auch in Lufthansa Lounges genutzt werden kann, kostet 19,95 Euro. Und wer Mobilfunk-Kunde der Telekom ist, kann auch für 1,80 Euro pro 10 Minuten online gehen. Während Geschäftskunden wohl bereit sein werden, über die Firmenkreditkarte entsprechende Preise zu zahlen – auch, weil sie VPN-Tunnel nutzen können -, dürften die Konditionen für Privatkunden zu hoch sein.

Das weiß man offenbar auch bei den beteiligten Partnern, verweist aber im gleichen Atemzug darauf, dass die eingesetzte Technik irgendwie finanziert werden muss. "Letztlich ist das FlyNet ein zusätzliches Angebot an unsere Kunden, um die Zeit an Bord sinnvoll zu nutzen", so Körfgen. "Wir haben hart daran gearbeitet, das FlyNet zurückzubringen und wir glauben dass es ein extrem wichtiger Service für unsere Kunden ist."

FlyNet-Portal liefert kostenlose Nachrichten aus aller Welt

Sowohl der Stunden- als auch der Tages-Zugang können auf Wunsch auch über Bonusmeilen von Miles & More genutzt werden. Dafür werden 3.500 bzw. 7.500 Meilen vom Meilenkonto abgezogen. Aber auch die kostenlose Nutzung ist möglich. Einerseits ist das komplette FlyNet-System bis Ende Januar auf den Lufthansa-Flügen ohne Login-Verfahren freigeschaltet, auf der anderen Seite steht während aller FlyNet-Flüge ein gratis nutzbares Nachrichtenportal zur Verfügung. Die Nachrichtenagentur AFP informiert an dieser Stelle regelmäßig aktualisiert in verschiedenen Ressorts über das aktuelle Geschehen in der Welt.

Fazit: Das FlyNet kann überzeugen, ist aber kein billiges Vergnügen

Was bleibt? Technisch gesehen macht das FlyNet absolut Spaß. Zwar ist die nutzbare Geschwindigkeit noch recht stark begrenzt und wir mussten auf unserem Rückflug nach Frankfurt auch feststellen, dass es (mindestens) zweimal zu längeren Verbindungsabbrüchen kam, insgesamt bleibt aber ein rundum positiver Gesamteindruck. Wichtige E-Mails auch in 10.600 Metern Höhe senden und empfangen zu können, zur Not über einen Instant Messenger kommunizieren zu dürfen und das quasi komplett verfügbare World Wide Web machen Lufthansas FlyNet zu einer rundum zukunftsweisenden Angelegenheit.

Trotzdem gibt es auch Mankos. Zum einen die recht hohen Nutzungspreise, aber auch die Tatsache, dass in der Economy Class die Notebook-Nutzung nur eingeschränkt möglich ist. Nicht nur aufgrund des geringen Sitzabstandes, sondern auch, weil es derzeit noch keine Stromversorgung am Platz gibt. Das soll sich erst mit der Boeing 747-8 ändern. Das erste Modell des Nachfolgers der Boeing 747-400 wird allerdings nach derzeitigem Stand erst Ende 2011 in die Lufthansa-Flotte integriert werden können.

(Hayo Lücke)

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