Testbericht

Lufthansa FlyNet – Bis zu 5 Mbit/s Downstream im Test

Nach dem Start im Jahr 2010 haben wir das satellitengestützte Breitband-Internet an Bord eines Airbus A340-300 von Lufthansa noch einmal intensiv im Regelbetrieb auf die Probe gestellt.

Lufthansa FlyNetFlyNet-Test von onlinekosten.de an Bord eines A340 über dem Atlantik in Richtung New York.© onlinekosten.de

Mit Höchstgeschwindigkeit im Internet surfen, obwohl der Boden unter den Füßen längst verloren gegangen ist. Was vor einigen Jahren noch unmöglich erschien, ist in Langstrecken-Jets der Lufthansa längst keine Zukunftsvision mehr. Das Lufthansa FlyNet, ein satellitengestützter Breitband-Zugang, steht in aktuell knapp 90 Maschinen der Kranich-Airline zur Verfügung und erfreut sich zumindest bei Geschäftsreisenden reger Nutzung. Ausnahmen in der Lufthansa-Flotte stellen nur einige Boeing 747-8 und Airbus A380 dar. Aber auch in diesen Flugzeugen soll im Laufe des kommenden Jahres ein WLAN-Hotspot in Betrieb gehen, der von der Deutschen Telekom bereitgestellt wird. Das Bonner Unternehmen ist darüber hinaus auch für die Abrechnung zuständig.

Online (nur) auf Langstrecken

Schon zum Start im Jahr 2010 hatte onlinekosten.de die Möglichkeit, das FlyNet auf die Probe zu stellen. Nun, rund zwei Jahre später, haben wir uns das Highspeed-Internet in zehn Kilometern Höhe ein weiteres Mal aus nächster Nähe angesehen. Einen Langstreckenflug nach New York zur Vorstellung des Samsung Galaxy S4 haben wir genutzt, um an Bord eines Airbus A340-300 mobil zu arbeiten und verschiedene Online-Dienste zu testen.

Die wichtigste Botschaft vorweg: auch im Regelbetrieb überzeugt die mit Panasonic Avionics realisierte Internetverbindung durch Stabilität und bietet zumindest im Download eine ausreichend hohe Geschwindigkeit. Das Ziel der Telekom, ein Nutzererlebnis wie am Boden zu ermöglichen, darf als gelungen bezeichnet werden. In der Spitze konnten wir 5,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream messen. Im Schnitt waren es 3 bis 4 Mbit/s. Weit weniger erfreulich: der Upload schwankte stets zwischen 0,1 und 0,2 Mbit/s und es dauerte seine Zeit, um beispielsweise E-Mails über einen IMAP-Server zu verschicken. Der Versand einer 5 Megabyte großen Nachricht samt Fotoanhang scheiterte sogar kontinuierlich - über mehrere Server.

Pingzeiten bereiten keine Freude

Weil es sich bei der Internetverbindung um eine satellitenbasierte Variante handelt, sind auch die Pingzeiten weit von jenen Werten entfernt, die bei klassischen Breitbandnetzen erreicht werden können. Sind in DSL- oder Kabelnetzen etwa 20 Millisekunden (ms) normal, liegen sie beim Lufthansa Flynet weit höher: zwischen 770 und 1.060 ms konnten wir auf unserem Flug nach New York beobachten. Beispielsweise Online-Gamer werden mit dem FlyNet also keine Freude haben. Um es aber auf den Punkt zu bringen: für diese Zielgruppe wurde der Hotspot im Flugzeug ohnehin nicht entwickelt.

Wer hingegen einfach nur im Internet surfen oder andere Online-Dienste nutzen möchte, muss nur geringe Einschränkungen in Kauf nehmen. Gleichwohl funktioniert der Seitenaufbau nicht ganz so flink wie man es vom heimischen Internetanschluss gewohnt ist. Es vergehen in der Regel vier, fünf Sekunden, ehe eine Webseite komplett geladen ist. Das Abspielen von YouTube-Videos funktioniert hingegen problemlos und ebenso ruckelfrei wie das Betrachten eines Spielfilms in hoher Auflösung über Sky Go. Zu beachten ist: je mehr Passagiere datenhungrige Dienste nutzen, desto schlechter fällt die Qualität aus. TV-Livestreams – etwa über Zattoo – werden durch ständiges Zwischenspeichern (Buffern) alle paar Sekunden unterbrochen.

Internettelefonie möglich, aber nicht gestattet

Theoretisch nutzbar wäre auch Internettelefonie über Skype. Allerdings legt Lufthansa viel Wert darauf, dass andere Passagiere nicht gestört oder gar belästigt werden und deswegen sind VoIP-Verbindungen an Bord nicht erlaubt. Darauf macht die Airline nicht nur im Bordmagazin, sondern auch über Ansagen durch das Kabinenpersonal aufmerksam. Alternative: Chat-Sessions über Instant Messenger a la ICQ funktionieren ohne Unterbrechungen.

Um das Lufthansa FlyNet nutzen zu können, ist ein WLAN-fähiges Endgerät Voraussetzung; etwa ein Notebook, Smartphone oder Tablet PC. An Bord der Lufthansa-Maschinen muss nach Erreichen der Reiseflughöhe nur eine Verbindung zum Telekom-Hotspot (SSID: Telekom_SkyNet) aufgebaut werden und schon kann der rasante Internetspaß in luftiger Höhe losgehen. Vorausgesetzt, der Nutzer ist bereit, Geld für den Internetzugang zu bezahlen. Für eine Stunde werden 10,95 Euro fällig, ein 24-stündiger Zugang kostet 19,95 Euro. Alternativ ist eine Bezahlung auch über Prämienmeilen des Bonussystems Miles & More möglich. Dann werden je nach gebuchtem HotSpot Pass 3.500 bzw. 7.000 Meilen vom Konto abgebucht. Wer zu Hause einen Telekom-Anschluss nutzt, kann auch für nur zehn Minuten online gehen und muss dafür 1,79 Euro zahlen.

Keine Steckdosen in der Economy Class

Wichtig auch: Steckdosen – etwa für die Stromversorgung eines Notebooks - stehen nur in der First und Business Class zur Verfügung. In der Economy Class muss die Akkukapazität des genutzten Endgeräts reichen. Allerdings macht hier die Verwendung eines Notebooks aus Platzgründen ohnehin nur eingeschränkt Sinn. Ob ein Flugzeug mit einem WLAN-Hotspot ausgestattet ist, wird durch auffällige Schilder an den Trennwänden der Bordkabine signalisiert. Nutzbar ist das FlyNet inzwischen fast rund um den Erdball. Lediglich im chinesischen Luftraum steht die notwendige Lizenzierung noch aus.

(Hayo Lücke)

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