Testbericht

LTE im Test - Highspeed in Köln!?

Mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Internet surfen? Das verspricht die Telekom ihren Kunden unter anderem in Köln. Wir haben das LTE-Netz des rosa Riesen auf die Probe gestellt.

Mobiles Internet 5G© Sikov / Fotolia.com

Um schnell im Internet surfen zu können, muss heutzutage längst nicht mehr ein DSL- oder Kabel-Internet-Anschluss aktiviert werden. Mobiles Internet, das mit Hilfe eines kleinen USB-Sticks realisiert wird, ist stark im Kommen und gestattet immer schnellere Downloadraten. War bisher die UMTS-Technik mit ihrem Datenbeschleuniger HSDPA das Maß aller Dinge, soll nun mit Hilfe von LTE (Long Term Evolution) der nächste große Schritt gemacht werden. In der Theorie versprechen die großen deutschen Netzbetreiber Downloadraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Mit von der Partie ist auch die Deutsche Telekom. Sie hat Anfang Juli in Köln ihr erstes LTE-Netz in einer deutschen Großstadt aktiviert. Unsere Redaktion hat das zum Anlass genommen, sich in der Rhein-Metropole auf die Suche zu machen. Auf die Suche nach neuen Geschwindigkeitsrekorden im mobilen Internet.

Einfache Installation

Weil es momentan noch keine Smartphones gibt, die LTE unterstützen, wurde uns für unseren LTE-Testlauf der so genannte LTE Surfstick (Modell: E398) zur Verfügung gestellt. Die von Huawei gefertigte Hardware wird wie alle Surfsticks an einen USB-Anschluss angeschlossen, lässt sich aber über ein Gelenk im Gegensatz zu klassischen UMTS-Sticks um 90 Grad senkrecht aufrichten. Die Installation selbst geht sehr leicht von der Hand. Nachdem die notwendige SIM-Karte eingelegt und der Stick mit dem Notebook (oder PC) verbunden wurde, wird automatisch eine spezielle Software installiert, mit der Verbindungen zum Mobilfunknetz der Telekom hergestellt werden können: der Internet Manager. Ist die Installation abgeschlossen, fehlt nur noch die Eingabe einer PIN, ein Klick auf einen "Verbinden"-Button und es kann losgehen. Sinnvoll ist in einem letzten Schritt ein Software-Update. Das sollte nach Möglichkeit aufgrund seiner Größe aber über eine WLAN-Verbindung durchgeführt werden.

Aus technischer Sicht ist der LTE Surfstick der Telekom ein echtes Multitalent. Er funkt auf Windows- und Mac-Rechnern in klassischen GSM-Netzen, unterstützt dort auch EDGE, lässt sich aber auch in UMTS-Netzen nutzen und erlaubt mobile Internetverbindungen auf Basis von HSPA+ mit bis zu 21 Mbit/s; nach einem Software-Update sind sogar bis zu 42 Mbit/s möglich. Und dann wäre da noch die LTE-Unterstützung. Der Huawei-Stick ist fit, um eine Abdeckung der LTE-Frequenzbänder von 800, 1.800 und 2.600 Megahertz abzudecken. Allerdings gilt auch für das Frequenzspektrum von 800 Megahertz, dass zunächst ein Update der Firmware vorgenommen werden muss. Notwendig ist dieses Update aber nur, wenn der Stick auch außerhalb von Köln genutzt werden soll. In der Millionenstadt selbst wird nämlich auf der 1.800er Frequenz gefunkt.

Verbindungs-Manager und Status-LED informieren über LTE-Verfügbarkeit

Ob nun eine Internetverbindung in einem LTE-, UMTS- oder GSM-Netz aufgebaut wird, lässt sich anhand von zwei Indikatoren klären. Informationen in Schriftform liefert der Internet Manager auf dem Computerbildschirm, indem er die Verfügbarkeit eines GSM- (2G), UMTS- (3G) oder LTE-Netzes (4G) signalisiert. Darüber hinaus leuchtet eine kleine Status-LED am Stick selbst. In Grün bei einer GSM- oder UMTS-Verbindung, in Türkis-Blau wenn HSDPA oder LTE nutzbar ist.

Doch wie schnell sind LTE-Verbindungen nun wirklich? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, haben wir an verschiedenen Punkten in Köln eine 200 Megabyte große Datei von einem Testserver heruntergeladen - mit überraschendem Ergebnis: Die versprochenen 100 Mbit/s konnten wir selbst in bester Innenstadtlage bei Weitem nicht erreichen.

Testfahrt quer durch Köln

Zwar war es uns praktisch stadtweit von Lindenthal über Ehrenfeld und Vogelsang bis Junkersdorf und Sülz möglich, das LTE-Netz zu nutzen, die Downloadraten waren aber gemessen an den theoretisch möglichen Bestwerten sehr überschaubar. Selbst unweit des Kölner Doms mit vier von fünf Balken in der LTE-Netzstärke-Anzeige im Internet Manager erreichten wir im besten Fall im Schnitt rund 11 Mbit/s bei Downloads. Das belegten nicht nur die gemessenen Werte der Portale speedtest.net, myspeedtest.de, speedmeter.de und speed.io, sondern auch die Log-Dateien unseres Testservers. Meist pendelten sich die Download-Geschwindigkeiten bei Werten zwischen 7,5 und 9 Mbit/s ein, im Upload waren 2 bis 2,5 Mbit/s die Regel. Der Download unserer 200 Megabyte großen Test-Datei war an fünf unterschiedlichen Messpunkten im Stadtgebiet im besten Fall nach rund drei Minuten abgeschlossen.

Weil wir uns aber nicht nur auf reine Messwerte beschränken wollten, haben wir auch den typischen Nutzertest gemacht. Und der verlief überaus erfreulich. Videos auf dem Portal von YouTube oder MyVideo wurden zügig geladen und ruckelfrei abgespielt, Webseiten luden flott, selbst TV-Streamings über die Plattform von Zattoo verliefen störungsfrei. Mehr noch: der TV-Stream war im LTE-Netz sogar in einem fahrenden Auto und einer Straßenbahn ohne Unterbrechungen möglich. Das ist ein echter Meilenstein im Vergleich zu UMTS-Netzen, wo es häufig(er) zu Zwischenspeicherungen und damit verbundenen Streaming-Abbrüchen kommen kann.

Selbst eine ultimative Belastungsprobe konnte das LTE-Netz der Telekom im Rahmen unseres Tests problemlos bewältigen. Parallel ließen wir auf einem Notebook die folgenden Dienste ohne nennenswerte Probleme laufen:

  • Zattoo-TV-Stream in High Quality
  • Radio-Stream von 1Live in MP3-Qualität
  • Download einer 200 Megabyte großen Testdatei
  • YouTube-Video in HD-Qualität (720p)

Abgesehen von einem natürlich nicht mehr zu verstehenden Geräuschmix lief der TV-Stream fehlerfrei, der Radio-Stream ohne Aussetzer und auch das YouTube-Video musste nur zweimal ganz kurz zwischengespeichert werden. Auffällig aber auch: die Download-Geschwindigkeit unserer Test-Datei ging spürbar zurück und dauerte fast dreimal so lange. Ganz nebenbei sei erwähnt: selbst das Internetsurfen war während der Parallelnutzung von Zattoo, YouTube und Co. möglich; wenn auch mit etwas langsamerem Seitenaufbau.

Fazit: Von 100 Mbit/s ist das LTE-Netz in Köln noch weit entfernt

Festzuhalten ist: Einen echten Geschwindigkeitsrausch konnten wir im Rahmen unseres LTE-Tests in Köln nicht erleben. Heiß lief höchstens - und das im wahrsten Sinne des Wortes - die Hardware selbst. Insgesamt macht das mobile Internet aber trotzdem Spaß, sofern Downloads mit knapp 10 Mbit/s möglich sind. Für Otto-Normal-Nutzer werden die von uns gemessenen Werte ohnehin absolut ausreichen, um das Internet mit all seinen Möglichkeiten und in vollem Umfang zu nutzen. Abzuwarten bleibt, wie sich die Netzstabilität in den kommenden Monaten entwickeln wird. Wenn sich mehrere Personen gleichzeitig in eine LTE-Zelle einbuchen, könnte es zu Einschränkungen bei den Down- und Upload-Raten kommen. Unsere Redaktion wird die Performance des Kölner LTE-Netzes während der nächsten Wochen weiter im Blick behalten und die Beobachtungen je nach örtlicher Verfügbarkeit auch auf weitere Städte ausdehnen.

Ein Blick auf die Kosten

Bleibt abschließend noch, einen Blick auf die anfallenden Kosten für die LTE-Nutzung zu werfen. Voraussetzung ist ein spezieller Mobilfunktarif aus der Produktfamilie web'n'walk Connect. Nachteil im Vergleich zu einem Breitband-Anschluss im Festnetz: eine echte Datenflatrate gibt es auf Basis eines LTE-Angebots nicht. In allen erhältlichen Tarifen wird die Surfgeschwindigkeit nach Erreichen eines bestimmten Volumenlimits deutlich reduziert.

Ergänzend dazu steht für 5 Euro monatlich der Tarif Connect S zur Verfügung. Damit kann eine Flatrate für 3,95 Euro extra pro Tag gebucht werden - mit 500 Megabyte Highspeed-Volumen pro Nutzungstag. Der LTE-Stick kostet mit diesem Angebot einmalig 69,95 Euro. Im Tarif Connect M werden für 24,95 Euro monatlich 300 Megabyte Datenvolumen zur Verfügung gestellt, jedes weitere Megabyte kostet 49 Cent extra. Die Kosten für den Stick betragen in diesem Fall 9,95 Euro. Für den kommenden Herbst hat die Telekom darüber hinaus einen weiteren Premium-Tarif mit 50 Gigabyte LTE-Volumen angekündigt - für 89,95 Euro monatlich. Die Mobilfunktechnik der vierten Generation ist also vieles, aber momentan sicher kein Schnäppchen.

(Hayo Lücke)

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