Testbericht

Lovefilm vier Wochen lang im Dauertest: Was taugt die Film-Flatrate?

Unbegrenzt Filme streamen und auf Wunsch noch die Blu-ray nach Hause geliefert bekommen? Klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Wir haben Lovefilm vier Wochen lang getestet.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Vor rund eineinhalb Jahren ist Amazon mit dem Dienst Lovefilm in das Filmverleihgeschäft eingestiegen und hatte so mittlerweile genug Zeit, das Filmangebot gehörig aufzustocken und die Abläufe zu optimieren. Also Grund genug, dem Branchenriesen einmal genau auf den Zahn zu fühlen: Vier Wochen lang hat unsere Redaktion Lovefilm getestet.

Video-on-Demand-Flatrate - Unbegrenzt Filme auf Abruf

Im Gegensatz zu Videoload, iTunes und Maxdome bietet Lovefilm eine echte Video-on-Demand-Flatrate ab 6,99 Monat (Digital Flatrate). Derzeit umfasst das Angebot knapp 2.400 Filme und Serienfolgen und wird stetig erweitert. Während unserer bislang vierwöchigen Testphase kamen gut 100 Einträge hinzu. Bei der Auswahl der Filme müssen natürlich Abstriche gemacht werden, ganz aktuelle DVDs oder Blu-ray-Filme sucht man vergebens. Der Rest rekrutiert sich aber keinesfalls nur aus B- und C-Movies von der Resterampe, sondern besteht aus einer recht ausgewogenen Mischung aus Mainstream und Anspruch, wobei das natürlich stark vom eigenen Geschmack abhängt. Das komplette Lovefilm-Angebot lässt sich übrigens auch ohne Anmeldung einsehen, so lässt sich schon im Vorfeld abschätzen, ob einem die Filmauswahl zusagt.

Einen Teil der Videos bietet Lovefilm auch in HD an. Die Auflösung ist dabei abhängig von der Geschwindigkeit des Internetanschluss. Für 720p-Material sind mindestens 4 Mbps nötig, für 1.080p gibt Lovefilm 12 Megabit pro Sekunde als Minimum an. Der Player skaliert automatisch, das "Erzwingen" einer höheren Auflösung durch längeres Vorpuffern ist also nicht möglich. Rund 10 Gigabyte soll ein 120 Minuten langer Film in 1.080p nach Lovefilm-Angaben groß sein. Die Full-HD-Auflösung ist bislang jedoch auf Desktop-Rechner beschränkt. Auf der Xbox 360 oder einem Smart TV mit Lovefilm-Plugin steht maximal die 720p-Auflösung zur Verfügung. Ebenfalls möglich ist die Wiedergabe mit den entsprechenden Apps auf dem iPhone, iPad, dem Kindle Fire HD, der Playstation 3 und Android-Geräten. Die Apps für iPhone und Android erlauben aber lediglich das Stöbern im Filmkatalog und kein Streaming.

Der Sound wird nur in Stereo ausgegeben, laut Lovefilm-Blog prüft das Unternehmen aber die Einführung von 5.1.

Für die Videowiedergabe verwendet das Unternehmen Silverlight (früher noch Flash). Bei unserem Test konnten wir anfangs keinen Film auf Anfrage starten, mit dem Hinweis, dass die Streaming-Server gerade Probleme hätten. Auch nach längerem Warten verschwand der Fehler nicht. Nach einer Google-Recherche entpuppten  sich Inkonsistenzen im PlayReady-Cache als Übeltäter: Erst das Löschen aller Dateien unter "Systemlaufwerk:\\ProgramData\\Microsoft\\PlayReady" brachte Abhilfe.

Videoqualität nur ausreichend

Die Videoqualität konnte im Test leider nicht vollends überzeugen. Gerade zu Beginn des Streams zeigen sich immer wieder deutliche Artefakte, vor allem in der SD-Auflösung. Besser schaut das Bild in 720p aus, dennoch kommt es auch hier hin und wieder zu Verpixelungen. Trotz ausreichend schneller Internetverbindung (DSL 16.000) war während unseres Tests keine Auflösung jenseits der 720p möglich. Störender sind allerdings deutlich erkennbare Ruckler, besonders bei langsamen Kameraschwenks. Für "Zwischendurch" reicht das Gebotene, echtes Kino-Feeling mag aber nicht aufkommen, hier sollte Lovefilm nochmal nachbessern.

Getestet haben wir den Service auf einem Desktop-PC mit Windows 7 Pro, Firefox, Chrome und dem Internet Explorer, einem Mac mit Mountain Lion, einem Laptop mit Windows 8 Pro via LAN und einem iPad der dritten Generation. Nur auf dem iPad war die Wiedergabe stets flüssig, was nahelegt, dass Silverlight noch Probleme macht.

Lovefilm erlaubt übrigens mehrere Streams parallel. Ärgerlich für Kunden, die viel Unterwegs sind: Für die Verwendung der VoD-Funktion ist eine deutsche IP-Adresse Voraussetzung. Was sonst noch negativ auffiel: Einige Filme sind als Stream nur in englischer Sprache ohne Untertitel verfügbar (zum Beispiel: "Paranormal Investigations"), andere Titel wie "Hip Hop Hood - Don't Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood" hingegen bieten wiederum (nicht abschaltbare) deutsche Untertitel zur englischen Tonspur.

Blu-rays und DVDs per Post

Das zweite Standbein von Lovefilm ist die "klassische" Online-Videothek, wie sie auch Verleihshop.de oder Videobuster.de praktizieren. Der Kunde wählt einige Filme aus, je nach Verfügbarkeit und Priorität werden diese anschließend per Post nach Hause geliefert. Für unseren Test haben wir uns an die Lovefilm-Empfehlung gehalten und zwischen 10 und 20 Filme zur Leihliste hinzugefügt, um Engpässe möglichst zu vermeiden. Hin- und Rückversand sind kostenlos. Die Auswahl ist in diesem Bereich natürlích ungleich größer als das Video-on-Demand-Angebot: Über 51.000 DVDs und mehr als 6.600 Blu-rays stehen zum Anschauen bereit.

Auch hier kostet das günstigste Paket 6,99 und erlaubt drei Discs im Monat, wobei maximal immer ein Titel zu Hause sein darf (entspricht 2,33 Euro pro Titel). Mehr Flexibilität ermöglichen die Pakete für 9,99 Euro (Ultimativ) beziehungsweise 11,99 Euro (Flatrate 1) im Monat, die unbegrenzt VoD erlauben und zusätzlich den Versand per Post kombinieren. Mit Ultimate 1 können bis zu vier Filme im Monat ausgeliehen werden, davon dürfen zwei gleichzeitig zu Hause sein. Bei Flatrate 1 kann der Kunde unbegrenzt viele Discs im Monat bestellen, ist dafür aber auf jeweils einen Film beschränkt. Wer zwei Filme gleichzeitig haben möchte, muss auf den dem teuersten und letzten Tarif Flatrate 2 für 17,99 Euro zurückgreifen. In unserem Test haben wir uns für die Flatrate 1 entschieden.

Eine Leihfrist oder ähnliches gibt es nicht, es gilt der Grundsatz "Zug um Zug", somit ist auch keine Überziehung und damit verbundene Extrakosten möglich. Apropos Extrakosten: Amazon behält sich vor, im Falle einer verlorenen oder beschädigten Disc eine happige Pauschale von 25 Euro für eine DVD beziehungsweise 35 Euro für eine Blu-ray zu berechnen.

Das System funktioniert - meistens

Das Lovefilm-System funktionierte im Test bis auf einen Mangel soweit zufriedenstellend. Einen Tag nach der Anmeldung und der Zusammenstellung war auch bereits der erste Film zu uns unterwegs und am darauffolgenden Tag im Briefkasten. Aber schon die zweite Blu-ray, die wir erhielten, war defekt. Trotz optischer Unversehrtheit weigerten sich zwei Blu-ray-Player, hartnäckig die Disc fehlerfrei abzuspielen. Für diesen Fall hat Lovefilm aber vorgesorgt: Wer über das Kundenkonto die Disc als defekt meldet, bekommt auf Wunsch umgehend Ersatz und zusätzlich den nächsten verfügbaren Titel der Leihliste zugeschickt - unabhängig davon, wie viele Discs man gleichzeitig zu Hause haben darf.

Die gelieferte Ersatz-Disc war allerdings alles andere als in gutem Zustand, der Aufdruck wies erhebliche Beschädigungen auf, trotzdem spielte unser Blu-ray-Player den Film ohne Murren ab.

Beide Filme wurden anschließend an einem Sonntag wieder zurückgeschickt, drei Tage später konnte Lovefilm den Eingang noch nicht bestätigen. Zwar waren die Filme erst einen Tag "überfällig", trotzdem haben wir bei Lovefilm das Problem gemeldet. Ungefähr eine Stunde später war die nächste Blu-ray-Disc wieder zu uns unterwegs. Die nächsten vier Film-Lieferungen verliefen wieder problemlos.

Je nach "Disziplin" beim Schauen und Zurückbringen der Filme und dem heimischen Postboten sind so sechs bis acht Filme im Monat möglich. Das entspricht bei unserem gewählten Tarif zwischen 1,50 und 2 Euro pro Film – ein fairer Preis, zumal noch die komplette Video-on-Demand-Auswahl zur Verfügung steht. Ein großer Nachteil ist die Verfügbarkeit einzelner Titel, wenn diese gerade neu erschienen sind. Ein Titel trudelte trotz hoher Priorität erst drei Wochen nach dem Release bei uns ein.

Filme ab 18

Lovefilm bietet sowohl VoD- als auch als Versand-Disc-Filme ab 18 Jahren, wer diese freischalten will, muss mittels Postident-Verfahren seine Volljährigkeit bestätigen und kann anschließend eine vierstellige Pin festlegen, die bei jedem VoD-Titel ab FSK-18 abgefragt wird. In unserem Fall dauerte die Freischaltung nur einen Tag, die Gebühren von 5 Euro muss der Kunde allerdings selbst tragen.

Fazit: Empfehlenswert für geduldige Filmfreunde

Das VoD-Angebot von Lovefilm ist noch ausbaufähig, aber definitiv ein großer Schritt in dem erfahrungsgemäß schwierigen deutschen Markt für Online-Film-Content. Neben der größeren Auswahl wären eine bessere Qualität, flächendeckendes HD und Mehrkanal-Sound wünschenswert. Der Versand von DVDs oder Blu-rays verläuft hingegen zügig und die gelieferten Disc waren in unserem Test bis auf einen Fall in Ordnung.

Um das Maximale aus Lovefilm herauszuholen, bedarf es allerdings einer gewissen Eigeninitiative bei der Erstellung und Aktualisierung der persönlichen Leihlisten und natürlich den regelmäßigen Gang zur Post respektive Briefkasten. Für ungeduldige Naturen, die jeden Tag bis zum nächsten Blockbuster-Release zählen, ist Lovefilm natürlich weniger empfehlenswert.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Lovefilm bietet derzeit eine 30-tägige kostenlose Testphase an und ist gerade großzügig im Verteilen von Gutscheinen.

(Marcel Petritz)

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