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LG Optimus Speed im Test - Doppelkern-Brummer

Ausgestattet mit einem Dual Core Prozessor, 8 Megapixel Kamera und einem 4 Zoll großes Display kann das LG Optimus Speed durchaus überzeugen. Der Akku versagte im Test allerdings auf ganzer Linie.

LG© LG Electronics

Es waren harte Zeiten für LG Electronics. Quartal für Quartal musste der südkoreanische Elektronikkonzern in den vergangenen zwei Jahren mit ansehen, wie die Konkurrenz aus dem eigenen Land eine Art Vormachtstellung auf dem europäischen Mobilfunkmarkt einnahm. Ausgerechnet Samsung Mobile machte vor, wie man mit technisch ausgereiften und optisch ansehnlichen Smartphones in Europa punkten kann. LG hat länger gebraucht, um die Füße auf den Boden zu bekommen. Erst auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona wurden erste Geräte gezeigt, die tatsächlich das Zeug haben sollten, auf dem immer wichtiger werdenden Markt für Multimedia-Telefone in Angriffsstellung zu gehen. Eines der Geräte, das Optimus Speed (P990), haben wir einem umfangreichen Test unterziehen können.

Was wird geliefert?

Der erste Blick sei an dieser Stelle dem Lieferumfang gewidmet. LG bringt das auf Googles Betriebssystem Android basierende Smartphone mit einer Standard-Ausrüstung auf den Markt. Das heißt, Käufer des Optimus Speed dürfen sich über ein Benutzerhandbuch (Deutsch / Englisch), ein kabelgebundenes Stereo-Headset und ein USB-Datenkabel freuen. Das Datenkabel lässt sich mit einem ebenfalls beiliegenden "Travel Adapter" verbinden und so zu einem Ladegerät erweitern. Akku-Aufladungen sind auch ohne diesen Adapter möglich, dauern dann aber unter Anschluss an einen Computer deutlich länger. Nicht im Lieferumfang inklusive ist eine microSD-Karte zur Speichererweiterung. Wer mit dem internen Speicher (5,51 Gigabyte nutzbarer SD-Speicher plus rund 1 Gigabyte Telefonspeicher) nicht auskommt, muss demnach eine microSD-Karte nachkaufen.

Bei der Inbetriebnahme fällt auf, dass ein SIM-Kartenwechsel nur dann möglich ist, wenn der Akku aus dem Gerät genommen wird. Anders sieht es bei einer microSD-Karte aus. Der passende Slot ist so angeordnet, dass ein Speicherkartentausch möglich ist, ohne dem erfreulich fest sitzenden Akku an den Leib zu rücken. Und noch etwas wird deutlich: das Optimus Speed macht ganz im Gegensatz zu Samsungs neuem Flaggschiff Galaxy S II einen sehr werthaltigen Eindruck. Mit seiner gläsernen Front bringt das LG-Handy satte 147 Gramm auf die Waage, beim Galaxy S II sind es ganze 31 Gramm, beim iPhone 4 immerhin 7 Gramm weniger.

Rückseite: Griffig aber mit Makel

Hervorzuheben ist an dieser Stelle auch, dass sich die LG-Designer durchaus Gedanken über die Smartphone-Rückseite gemacht haben. Es wurde abgesehen von einem mittig angeordneten, schmalen Streifen aus gebürstetem Aluminium eine durchgängig gummierte Fläche verarbeitet, die für eine ordentliche Griffigkeit sorgt. Einen Minuspunkt gibt es an dieser Stelle aber auch. Denn die Rückseite ist nicht eben. Dort, wo die Digitalkamera integriert wurde, ist eine eher weniger schöne Erhebung auszumachen. Folge: Wer sein Handy gerne auf Tischen ablegt, muss zwangsläufig damit rechnen, dass möglicherweise irgendwann Kratzer auf der Kameralinse zu finden sind. Abhilfe kann nur eine optional erhältliche Schutzhülle schaffen.

Rein technisch kann das Optimus Speed durchaus überzeugen. Es liefert (fast) alles, was das Smartphone-Herz sich heutzutage wünschen kann. Zum Beispiel einen Dual Core Prozessor aus dem Hause NVIDIA, der zügiges Internetsurfen und Navigieren durch das Android-Menü sowie das Spielen von grafisch anspruchsvollen Handy-Games gestattet. Erstaunlicherweise kommt es aber insbesondere bei der Navigation durch den Android App Market immer mal wieder zur spürbaren Rucklern.

Rund um den Erdball nutzbar

Seine Einsatzgebiete findet das LG-Smartphone praktisch global. Eine Quadband-GSM-Antenne erlaubt eine Nutzung in klassischen Mobilfunknetzen, wer schnelle Datenverbindungen wünscht, kann auch auf UMTS- und HSDPA-Unterstützung zählen - im Frequenzbereich 900 und 2.100 Megahertz. Allerdings: die maximal mögliche Download-Geschwindigkeit ist in Mobilfunknetzen auf 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) begrenzt und damit zum Beispiel in Vergleich zu diversen neuen Nokia-Handys nicht mehr ganz zeitgemäß. Bis zu 14,4 Mbit/s sind heutzutage bei vielen Smartphones durchaus üblich. Positiv: wer das LG-Telefon an einem WLAN-Hotspot nutzen möchte, kann auch das problemlos tun. Die Einrichtung von WLAN-Profilen geht leicht von der Hand.

Durch das gewohnt übersichtliche Android-Menü wird über ein großes TFT-Display navigiert. Es kann mit einer diagonalen Abmessung von 10,16 Zentimetern (4,0 Zoll) überzeugen, was insbesondere beim Internetsurfen ein echter Vorteil ist. Die Auflösung liegt bei 800x480 Pixeln und es können 16,7 Millionen Farben dargestellt werden. Auffällig ist, dass insbesondere weiße Farben einen Rotstich vorweisen. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn die farbliche Darstellung beispielsweise mit dem Optimus Black (ebenfalls aus dem Hause LG) verglichen wird.

Übersichtliches Menü

Abgesehen von diesem kleinen Manko macht die Bedienung des Optimus Speed aber richtig Spaß. Schnelle Reaktionszeiten des Touchscreens und ordentliche Kontraste verdienen ebenso eine lobende Erwähnung wie die Möglichkeit, schnell SMS schreiben zu können. Insbesondere im Querformat mit der virtuellen QWERTZ-Tastatur gehen auch längere Texte leicht von der Hand. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass heruntergeladene Apps nicht alphabetisch in das Hauptmenü integriert werden, sondern in einer Liste unterhalb des Menüs zusammengefasst werden. Wer mag, kann eigene Ordner anlegen oder die Lieblings-Apps auf mehreren individuell anpassbaren Start-Bildschirmen speichern.

Zu beachten ist zudem, dass das Optimus Speed derzeit "nur" mit der schon etwas verstaubten Android-Version 2.2.2 genutzt werden kann. Standardmäßig werden viele neue Google-Handys schon mit Version 2.3.3 ausgeliefert. LG hat aber versprochen, demnächst eine Upgrade-Möglichkeit zu schaffen. Wann genau es soweit sein wird, ist derzeit aber noch nicht klar. Ein manuelles Update über die Geräteeinstellungen schlug im Rahmen unseres Tests fehl.

Besondere Aufmerksamkeit haben wir auch der integrierten Digitalkamera geschenkt. Sie löst im Fotomodus mit bis zu 8 Megapixeln auf, ist mit einem achtfachen Digitalzoom ausgestattet und erlaubt auch die Aufnahme von Videos in HD-Qualität - sogar mit 1080p. Zumindest auf dem Papier ist das im Videomodus das derzeit maximal Mögliche.

HD-Kamera inklusive

Und zweifelsohne macht insbesondere das Filmen mit dem Optimus Speed richtig Spaß. Videos mit HD-Qualität aufzunehmen und zur Auffrischung der persönlichen Erlebnisse noch einmal auf dem Handybildschirm anzuschauen, ist bei diesem Smartphone ein echtes Highlight. Ein Bildruckeln, das nach einem YouTube-Upload auf dem PC- oder Notebook-Monitor zu sehen ist, liefert die Originalaufnahme nicht. Weiterer Vorteil: wer einen Fernseher mit HDMI-Eingang besitzt, kann Fotos und Videos vom Handy direkt auf den TV-Bildschirm zaubern - dann ebenfalls weitestgehend ohne auffällige Ruckler. Das passende Kabel muss allerdings nachgekauft werden.

Die Auflösung lässt sich im Videomodus von maximal 1.920x1.088 Pixel in insgesamt sechs Stufen auf bis zu 176x144 Pixel herunterschrauben. Praktisch: über die Lautstärke-Tasten an der Seite lässt sich während der Videoaufnahme der integrierte Digitalzoom individuell einstellen. Vor Aufnahmestart kann zudem das Kameralicht zugeschaltet werden. Ein Nachteil ist, dass schnell der Mittelfinger vor die Linse rutscht, wenn das Handy im Querformat gehalten wird.



Das passiert bei entsprechender Handhabung selbstredend auch im Fotomodus. Hier gestattet LG die Wahl aus sieben Auflösungsstufen zwischen 3.264x2.448 (8 Megapixel) und 320x240 Pixeln. Hinzu gesellen sich diverse Bild- (zum Beispiel: Landschaft, Sonnenuntergang oder Nacht) und Aufnahme-Modi (zum Beipsiel: Panoramaaufnahme, Smile Shot oder ein Serienbild), vier manuell einstellbare ISO-Stufen sowie ein dreistufiger Selbstauslöser (3, 5 oder 10 Sekunden). Die Bildqualität lässt sich dreistufig regulieren, eine Bildstabilisierungsfunktion ist automatisch voreingestellt. Qualitativ liefern die aufgenommenen Fotos eine akzeptable Qualität, verlieren aber leider durch ein Grundrauschen häufig an Schärfe. Für Schnappschüsse ist die integrierte Kamera aber trotzdem sehr gut zu gebrauchen. Auf der Vorderseite steht zudem eine weitere Kamera für Videotelefonate zur Verfügung. Sie löst mit maximal 1.280x960 Pixeln im Foto- und 640x480 Pixeln im Videomodus auf.

Dolby-Unterstützung fehlt

Natürlich ist auch musikalische Unterhaltung mit dem Optimus Speed möglich. Spendiert wurde dem Telefon nicht nur ein umfangreicher Medienplayer, der alle gängigen Formate abspielen kann, sondern auch ein UKW-Radio. Letzteres allerdings leider ohne RDS-Unterstützung. Etwas überraschend ist, dass LG seine Partnerschaft mit Dolby nicht auf das Optimus Speed ausgedehnt hat. Für Otto-Normal-Nutzer steht über die beiliegenden Kopfhörer aber trotzdem eine rundum zufriedenstellende Audio-Qualität bereit. Wer mag, kann sogar mit dem Handy im Bett einschlafen, in dem ein Sleep-Timer aktiviert wird. Irritierend ist, dass es im MP3-Player-Modus beim Abspielen einzelner Songs immer mal wieder zur Rucklern kommen kann - ziemlich störend.

Ein echter Graus ist der beiliegender Akku - zumindest beim uns vorliegenden Testmodell. Hier mussten wir während unseres vierwöchigen Testlaufs Höhen und Tiefen wie bei keinem anderen Smartphone zuvor durchleben. Immer wieder, auch während unserer abschließenden Betrachtung einzelner Grundfunktionen, mussten wir feststellen, dass das Handy ohne Vorwarnung den Dienst quittierte. Und das, obwohl wenige Augenblicke zuvor noch ein grünes Akku-Signal auf ausreichend Energie hinwies.

Desaströser Akku kostet Topwertung

Mehr noch: mehrere Male signalisierte das Telefon im Anschluss an einen über Nacht durchgeführten Ladevorgang nur eine spärliche Aufladung von knapp 20 Prozent. Erst nach einem Handy-Neustart wurde die vollständige Aufladung signalisiert. Zwischenzeitlich war es uns über mehrere Tage auch möglich, das Handy ganz normal zu nutzen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass ein Software-Fehler oder defekter Akku für die Probleme bei der Stromversorgung verantwortlich war. An einer negativen Gesamtbewertung kommen wir in diesem Punkt aber nicht vorbei.

Grundsätzlich lässt sich festhalten: wer das Optimus Speed als typisches Smartphone nutzt, in diesem Zusammenhang eine Datenverbindung aufrecht erhält, WLAN-Schnittstelle, GPS-Funktion und MP3-Player nutzt, muss damit rechnen, dass bei normal arbeitendem Akku nach 12 bis 18 Stunden ein Aufladevorgang in die Wege geleitet werden muss. Viel länger hält der Akku des Telefons einfach nicht durch und stellt sich damit auf eine Stufe mit vergleichbaren Handy-Modellen.

Fazit: LG greift an - ohne richtig zu punkten

Mit dem Optimus Speed zeigt LG, dass es den Südkoreanern möglich ist, nicht nur designtechnisch schöne, sondern auch technisch gut aufgestellte Handys auf den Markt bringen zu können. Eine in weiten Teilen hochwertige, schnörkellose Verarbeitung, ein großes, kontraststarkes Display und eine breite Palette an Extras machen das Telefon zu einer echten Alternative zu iPhone und Co. Da macht es auch wenig aus, dass zum Beispiel ein NFC-Chip für das bargeldlose Bezahlen noch fehlt und die Kamera im Fotomodus mit Schwächen zu kämpfen hat. Ein Ärgernis ist wie so oft der Akku. Wer mehrere Tage abseits der heimischen Pfade unterwegs ist, tut gut daran, stets das Ladegerät in die Tasche zu packen - unabhängig der von uns beobachteten Probleme.

Trotz vieler kleiner Makel kann das Optimus Speed im Ganzen durchaus überzeugen. Allerdings sollte sich jeder genau überlegen, ob er bereit ist, die an vielen Stellen (noch) nicht ausgereifte Technik teuer zu bezahlen. Im Fachhandel ist das Gerät nämlich aktuell (Mitte Juni 2011) ab 370 Euro zu haben. Bei Amazon kostet es ohne zusätzliche Versandkosten rund 409 Euro.

Name: Optimus Speed / P990
Hersteller: LG
Internet: www.lg.com/de
Preis: ab ca. 370 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.2 (Froyo)
Prozessor: Nvidia Tegra 2 Dual Core 1 Ghz.
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 126x64x11 Millimeter
Gewicht: 147 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 800x480 Pixel, 16,78 Mio. Farben
Speicher: 8 GB intern (ca. 5,5 GB frei)
über microSD um max. 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth, HDMI, WLAN
Digitalkamera: 8,0 Megapixel Kamera, 8x Digitalzoom, HD-Videofunktion (1.080p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 0,55 W/kg (gering)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, HDMI-Ausgang, WLAN, Full-HD-Unterstützung,
Akkulaufzeit im Test: Herstellerangaben: 6-7 Stunden Sprechzeit
12 - 18 Stunden Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
umfangreiche Ausstattung
schöne Verarbeitung
WLAN und HSDPA
Full-HD-Unterstützung
HDMI-Anschluss
großes, kontrastreiches Display
schwacher Akku
Kamera im Fotomodus nicht überzeugend
Kamera-Auswülstung auf der Rückseite
leichte Aussetzer im MP3-Player-Modus
aktuell "nur" mit Android 2.2 erhältlich
kein NFC
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): mangelhaft
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,1)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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