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LG Optimus G Pro im Test - Ein echtes Kraftpaket

Mit dem Optimus G Pro zeigt LG, was in der Klasse der so genannten Smartlets möglich ist. Großartiges Display, starke Performance und gute Akkulaufzeit. Nur die Kamera spielt nicht in der Oberklasse mit.

LG Optimus G Pro© LG Electronics

Ein Smartphone sein Eigen nennen zu können, das mit einem möglichst stattlichen Display ausgestattet ist, spielt für eine immer größer werdende Zielgruppe eine entscheidende Rolle. Und weil bei 4,5 oder 4,7 Zoll längst nicht Schluss sein muss, gehen vor allem die asiatischen Smartphone-Hersteller gerne noch einen Schritt weiter. Auch LG bietet mit dem Optimus G Pro ein so genanntes Smartlet an, das mit einem 5,5 Zoll großen Bildschirm ausgestattet ist. Wir haben uns den koreanischen Riesen genauer angesehen.

Pikant: Der Nachfolger ist schon fertig

Die vielleicht wichtigste Botschaft vorweg: Das LG Optimus G Pro ist ein richtig tolles Mobiltelefon - oder Mini-Tablet, ganz wie man es sehen möchte. Aber leider hat LG – und das muss ebenso deutlich unterstrichen werden – wenig Mut bei dem Design bewiesen. Darüber hinaus steht mit dem G2 der (bessere) Nachfolger des Geräts schon jetzt in den Startlöchern. Man kann das Optimus G Pro also so viel loben wie man möchte, das Telefon wird vermutlich schneller an Attraktivität einbüßen, als man sich vorstellen möchte. Gleichwohl könnte genau das in den kommenden Wochen mit einem spürbaren Preisrutsch verbunden sein.

Doch das ist Theorie. Wenden wir uns den Fakten zu. Und die sind, wie eingangs erwähnt, in weiten Teilen wahrlich beeindruckend. Denn das Optimus G Pro kann gemessen an der integrierten Hardware fast durch die Bank überzeugen. Das fängt schon beim verwendeten Snapdragon Prozessor von Qualcomm mit seinen vier Kernen (Quad-Core) mit einer Taktrate von 1,7 Gigahertz an. Ergänzend wurden satte 2 Gigabyte Arbeitsspeicher verbaut. Schwachstellen in der Performance konnten wir während unseres Tests nicht ausmachen, aktuelle Benchmark-Ergebnisse bescheinigen dem LG-Smartlet ähnlich gute Werte wie sie das Samsung Galaxy S4 und das HTC One erreichen konnten.

Ebenfalls keine Abstriche müssen Smartphone-Fans bei der integrierten Antennentechnik machen. Denn das Optimus G Pro funkt überall dort, wo GSM-, UMTS- oder sogar LTE-Netze zur Verfügung stehen. Wer keinen LTE-Tarif gebucht hat, kann über HSPA+ trotzdem flink im weltweiten Datennetz unterwegs sein – mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde im Downstream. Aber auch hier gilt natürlich als Voraussetzung, dass ein Mobilfunktarif verwendet wird, der entsprechend hohe Downloadraten überhaupt ermöglicht. Unter der Haube ebenfalls integriert: WLAN-Schnittstelle, NFC und Bluetooth 4.0. Darüber hinaus eine Infrarot-Schnittstelle, über die das Telefon zum Beispiel als Fernbedienung für den Fernseher verwendet werden kann.


Speicher etwas knapp bemessen

Vielleicht etwas knapp bemessen ist der interne Speicher. Er fasst 16 Gigabyte an Daten und einem Gerät dieser Klasse hätten 32 Gigabyte sicherlich besser zu Gesicht gestanden. Zumal nur rund 10 Gigabyte zur freien Verwendung nutzbar sind. Immerhin ist aber eine Speichererweiterung per MicroSD-Karte möglich. Der entsprechende Slot ist unter der Akkuabdeckung zu finden und ein Kartenwechsel ist möglich, ohne den Akku aus dem Gerät nehmen zu müssen. Für die SIM-Karte im Micro-Format trifft das übrigens nicht zu. Sie wird durch den austauschbaren Akku vor einem Herausrutschen blockiert.

Solide präsentiert sich das Optimus G Pro in Sachen Verarbeitung. Das 150 x 76 x 9 Millimeter kleine und mit 172 Gramm ziemlich schwere Smartphone wurde in ein Plastik-Gehäuse gepackt, das zwar keinen Grund zur Beanstandung gibt, aber wenig werthaltig, ja, irgendwie langweilig wirkt. Daran können auch die schimmernden und glitzernden Quadrate auf der Akku-Abdeckung nichts ändern. Zudem ragt die Linse der integrierten Digitalkamera auf der Rückseite leicht aus dem Gehäuse heraus.

Ein starkes Display

Wie bei einem modernen Smartphone üblich, erfolgt die eigentliche Bedienung in weiten Teilen über den 5,5 Zoll (13,9 Zentimeter) großen TFT-Bildschirm. Zwei Sensortasten und ein Home-Button stehen ergänzend zur Verfügung. Auf eine Stylus-Unterstützung, also auf eine Bedienung über einen kleinen Eingabestift, hat LG allerdings verzichtet. Es liegt sicherlich im Auge des Betrachters, ob ein solcher Stylus wirklich notwendig ist, beim LG Optimus G Pro haben wir ihn in mancher Situation durchaus vermisst. Denn die Bedienung des Smartlets überzeugt von der ersten Minute an durch einen ohne Fehler und schnell reagierenden Touchscreen, auf dem Ziffern und Buchstaben sowohl im Hoch- als auch im Querformat prima abgelesen und bedient werden können.

Gleichwohl muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass das Telefon mit seinen üppigen Abmessungen für eine einhändige Bedienung zu groß ausfällt. Gerade im Hochformat ist es ein ziemlicher Balance-Akt, das Telefon mit dem Daumen zu steuern. Als Nutzer ist man stetig bemüht, das Telefon mit der zweiten Hand zu sichern, damit es nicht zu Boden fällt. Auf der anderen Seite machen viele Multimedia-Inhalte gerade mit einem großen Bildschirm erst so richtig Spaß und auf Internetseiten muss deutlich weniger gescrollt werden. Es hat also alles seine Vor- und Nachteile.

Praktische QuickMemo-Taste

An zusätzlichen Tasten stehen ein Power-Knopf an der rechten und eine Lautstärkewippe an der linken Seite zur Nutzung bereit. Ferner hat LG an der linken Seite eine Taste integriert, mit der über die Werkeinstellung das so genannte QuickMemo gestartet werden kann. Über den Startbildschirm legt sich dann ein virtueller Notizblock, auf dem wichtige Informationen schnell eingetragen werden können. Praktisch ist, dass diese Taste über die Telefoneinstellungen frei programmierbar ist. So besteht die Möglichkeit, die so genannte "Schnelltaste" zum Beispiel mit einer App nach Wahl zu belegen.

Gerade bei der Memo-Funktion wäre die Integration eines Stylus allerdings sinnvoll gewesen. Denn mit dem Finger lässt es sich nun einmal deutlich schlechter schreiben. Dennoch fertiggestellte Notizen können entweder auf dem Telefon oder in der Cloud (zum Beispiel bei Google Drive) abgespeichert oder direkt per Bluetooth oder E-Mail verschickt werden. Im Fotomodus dient die QuickMemo-Taste einerseits als Auslöser, aber auch an dieser Stelle wieder als Notizblock. Denn auf dem aufgenommenen Foto können direkt wichtige Notizen hinterlegt werden.

Klug designte Software-Oberfläche

Softwareseitig setzt LG beim Optimus G Pro auf Android in der Version 4.1.2 und stülpt die modifizierte Optimus UI-Oberfläche darüber. Und die kann sich sehen lassen. Schon der Lockscreen mit seiner überdimensionalen Digitaluhr, Datum und fünf Schnellstart-Icons macht richtig was her. Auf insgesamt sieben Startbildschirmen können Apps, Ordner und Widgets abgelegt werden, ein Hauptmenü listet neben installierten Anwendungen auch Downloads und alle verfügbaren Widgets auf. Das sieht alles hübsch aus und erlaubt eine intuitive Bedienung.

Selbstverständlich hat LG seinem Telefon auch zwei Kameras spendiert. Neben einer 2,1-Megapixel-Frontkamera, steht auf der Rückseite eine Linse mit einer Auflösung von bis zu 13 Megapixeln zur Verfügung. An Extras liefert die Hauptkamera unter anderem einen vierfachen Digitalzoom, LED-Blitz, Serien- und Panorama-Aufnahme sowie eine Dual-Kamera-Funktion, bei der beide Kameras gleichzeitig verwendet werden. Im Videomodus sind Aufnahmen in Full HD (1.080) möglich.

Qualitativ nicht ganz so überzeugend

Auf dem Papier hören sich all diese Funktionen richtig klasse an, in der Praxis haben wir aber schon deutlich bessere Kamerasensoren in den Händen halten dürfen. Selbst wenn mit einer hohen Auflösung fotografiert wird, fallen in den Aufnahmen Unschärfen und eine nicht ganz so hohe Detailverliebtheit auf. Daran kann auch der zuverlässig arbeitende und sich selbständig scharfstellende Autofokus wenig ändern. Positiv hervorzuheben ist aber, dass der Kamerasensor es erfreulich genau mit der Farbtreue nimmt. Wiederum ist es schade, dass das Bildrauschen überdurchschnittlich hoch ausfällt, sobald nicht mehr unter freiem Himmel bzw. bei suboptimalen Lichtverhältnissen fotografiert wird.

Als sinnvolles und hübsch integriertes Extras hat LG dem Optimus G Pro auch eine Status-LED spendiert. Allerdings ist die nicht etwa über dem Display zu finden, sondern verläuft rund um die Home-Taste. Verpasste Anrufe und SMS werden über ein dezentes, farbiges Pulsieren signalisiert, das ein wenig an einen Herzschlag erinnert.

Fazit: Das beste LG-Smartphone, das es je gab

Um es auf den Punkt zu bringen: Wer sich trotz der üppigen Abmessungen für das LG Optimus G Pro entscheidet, erhält das beste LG-Smartphone, das es jemals gegeben hat. Gerne würde man LG dazu beglückwünschen, es bleibt aber der etwas störende Beigeschmack, dass mit dem G2 bereits der Nachfolger bereitsteht und das G Pro mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit übertrumpfen wird.

Positiv hervorzuheben ist nicht nur die störungsfrei und übersichtlich angeordnete Software, sondern auch die starke Performance und der angenehm schnell reagierende Bildschirm. Auch der Akku, der uns im Rahmen unseres Tests bei normaler Nutzung locker zwei Tage durch den Alltag begleitete, ist mehr als ordentlich. Abzüge gibt es für die eher mäßige Kamera, den recht knapp bemessenen Speicher und den nicht im Lieferumfang inkludierten Eingabe-Stift.

An weiteren Extras liefert das Telefon verschiedene Funktionen, die man vor allem von Samsungs S4-Familie schon kennt. So lässt sich zum Beispiel der "intelligente Bildschirm" aktivieren, bei dem die Frontkamera die Augen scannt und den Bildschirm so lange eingeschaltet lässt, wie auf das Display geschaut wird. Über "Smart Video" werden Videos automatisch gestoppt, wenn die Augen während der Wiedergabe nicht mehr auf das Display blicken. Praktisch auch: Über die QSlide-Funktion können zum Beispiel Browser und Kalender in zwei Fenstern parallel geöffnet werden.

Die Alternativen

Zu einem Preis von 499 Euro ist das Optimus G Pro aktuell im Fachhandel erhältlich. Amazon verkauft es für für 529 Euro in Schwarz und für 599 Euro in Weiß (Stand: Ende August 2013), die weiße Variante ist dort aber derzeit noch nicht verfügbar. Wie eingangs erwähnt, dürfte sich das Preisniveau in den kommenden Wochen jedoch spürbar nach unten bewegen. Alternativen sind für 399 Euro das Samsung Galaxy Note 2 mit Stylus-Eingabe und ebenfalls 5,5 Zoll großem Display, aber ohne LTE. Mit LTE-Unterstützung werden für das Samsung-Smartlet Stand heute etwa 470 Euro fällig. Wer es mit einem noch größeren Display aufnehmen möchte, kann sich für das Huawei Ascend Mate entscheiden und darf sich dann über einen 6,1 Zoll großen Bildschirm freuen. Kostenpunkt: 355 Euro, aber auch hier keine LTE-Unterstützung.

Name: Optimus G Pro (E986)
Hersteller: LG
Preis: ab 499 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 4.1.2
Prozessor: 1,7 GHz Quad Core
Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM (850, 900, 1.800, 1.900 Mhz.)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Mhz.)
LTE (800, 1.800, 2.600 Mhz.)
Abmessungen: 150 x 76 x 9 Millimeter
Gewicht: 172 Gramm
Display: 5,5 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel, 16,7 Millionen Farben
Speicher: 16 GB intern (über MicroSD erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, NFC, USB
Digitalkamera: 13 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera mit
2,1 Megapixel-Auflösung
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset mit Ohrstöpseln in verschiedenen Größen, USB-Datenkabel
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth (Version 4.0), GPS, WLAN, HD-Unterstützung, NFC, QuickMemo-Funktion
Akkulaufzeit im Test: 10-12 Stunden Sprechzeit
24-36 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
starke Performance
gute Akustik
sehr gutes Display
große Status-LED
Verarbeitung aus Plastik recht einfallslos
ziemlich unhandlich
Kamera mit Schwächen
kein UKW-Radio nutzbar
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,7)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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