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LG Optimus Black im Test: Hosentaschen-Panther

Das pechschwarze Mittelklasse-Smartphone auf Basis von Android 2.2.2 kann durch eine sehr gute Verarbeitung und einen ordentliche Performance überzeugen. Es gibt aber auch Kritikpunkte. Wir haben das LG-Handy auf die Probe gestellt.

LG Optimus Black

Muss ein Smartphone immer teuer sein? Nein, muss es nicht. Sicher, wer ein halbwegs solide ausgestattetes Touchscreen-Handy besitzen will, muss bereit sein, dafür rund 300 Euro auf den Tisch legen. Eine Alternative ist, einen Laufzeitvertrag bei einem Mobilfunk-Provider abzuschließen und darauf zu hoffen, dass ein preislich subventioniertes Telefon mit angeboten wird. Zum Beispiel bei 1&1 ist in Verbindung mit der All-Net-Flatrate das Optimus Black (P970) von LG erhältlich. Wir haben das kleine Schwarze auf die Probe gestellt.

Was wird geliefert?

Wer sich für das das Optimus Black entscheidet, darf sich nicht nur über ein flaches Smartphone freuen, sondern auch über einen mobilen Begleiter, der seinem Namen wahrlich gerecht wird. Insbesondere auf der Vorderseite ist das Gerät schwarz wie die Nacht. Selbst das oberhalb des Displays platzierte LG-Logo kommt kaum zur Geltung, weil es genau dort geparkt wurde, wo geschwärzten Displayglas zum Einsatz kommt. Insbesondere dieser schwarze Glasrahmen macht das 122 Millimeter lange, 64 Millimeter breite und 9 Millimeter flache Optimus Black zu einer Art schwarzen Panther in der Hosentasche.

Speicherkarte im Lieferumfang enthalten

Im Lieferumfang enthalten sind neben einem gedruckten Benutzerhandbuch (sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache) ein kabelgebundenes Stereo-Headset, ein USB-Datenkabel und ein zugehöriger Adapter mit dem das Datenkabel zum Ladegerät mutiert. Außerdem dürfen sich Käufer zur Speichererweiterung über eine microSD-Karte mit einer Kapazität von 2 Gigabyte freuen. Vorteil: ein Wechsel der microSD-Karte ist möglich, ohne den 1.500 mAh-Akku aus dem Gerät nehmen zu müssen. Sollte mal die SIM-Karte getauscht werden müssen, ist auch ein Herausnehmen des sehr festsitzenden Akkus notwendig. Nebenbei bemerkt: um Akku, SIM- oder microSD-Karte wechseln zu können, muss die Rückseite der Gehäusehülle vom eigentlichen Handykörper getrennt werden und das ist eine echte Gefahr für brüchige Fingernägel.

Daten in der Cloud speichern und überall nutzen

Die Einrichtung des Android-Smartphones geht denkbar leicht von der Hand. Ein Einrichtungsassistent führt den Nutzer durch mehrere Installations-Abschnitte. Um die vielen Funktionen des Telefons nutzen zu können, ist die Einrichtung eines Google-Kontos notwendig. Das hat den Vorteil das zum Beispiel E-Mails, Kalender- oder Kontaktdaten in der so genannten Cloud gespeichert werden und sowohl auf dem Telefon als auch im Internet gespeichert und bearbeitet werden können. Zu empfehlen ist während der ersten Nutzungsstunden außerdem ein WLAN-Zugang, um möglicherweise knapp bemessenes oder teures Datenvolumen nicht in Anspruch nehmen zu müssen.

Ein Highlight des Optimus Black ist zweifelsohne das integrierte Nova-Display. Es ist mit einer diagonalen Abmessung von 4 Zoll (10,16 Zentimeter) nicht nur erfreulich groß, sondern kann auch dahingehend überzeugen, dass es besonders hell leuchtet und Farben in einem beeindruckenden Kontrast darstellt. Zwar ist ein leichter Gelbstich unübersehbar, insgesamt macht die Nutzung des Bildschirms aber selbst bei kräftiger Sonneneinstrahlung richtig Spaß. Nicht nur, weil das Display (480x800 Pixel Auflösung) in der Regel schnell und zuverlässig reagiert, sondern auch, weil der integrierte Lichtsensor zuverlässig arbeitet.

SMS-Schreiben funktioniert grundsätzlich gut

Ein Ärgernis, das praktisch jedes Touchscreen-Handy teilt, ist aber die Anfälligkeit für Fingerabdrücke. Regelmäßiges Polieren des Bildschirms gehört vom ersten Nutzungstag an zum Alltag. Das Schreiben von SMS klappt sowohl im Quer- als auch im Hochformat mit einer virtuellen QWERTZ-Tastatur zuverlässig. Selbst im Hochformat hat LG den Tasten erfreulich große Abmessungen spendiert. Ausgerechnet beim Treffen der Leerzeichen-Taste mussten wir in Rahmen unseres mehrwöchigen Tests aber immer wieder Aussetzer feststellen.

Herzstück des Telefons ist ein 1 Gigahertz-Prozessor (kein Dual-Core!), der eine flüssige Navigation durch das Menü und den üppig bestückten Android-Market erlaubt. Alle Apps, die aus dem App Store auf das Telefon geladen werden, sind im Menü standardmäßig in einem Download-Bereich unterhalb der Hauptmenüpunkte zu finden. Selbstverständlich ist es auch möglich, die App-Verknüpfungen auf diversen, individuell einzurichtenden Startbildschirmen abzulegen und eigene Ordner anzulegen. Der interne Speicher kann 1 Gigabyte an Daten aufnehmen und ist auf Wunsch über eine microSD-Karte auf bis zu 32 Gigabyte erweiterbar. Unser Testgerät, das uns von 1&1 zur Verfügung gestellt wurde, basierte auf der Android-Version 2.2.2. Ein Update auf Version 2.3 ist für die kommenden Wochen angekündigt.

Telefon unterstützt Gestensteuerung

Die Menünavigation selbst erfolgt fast ausschließlich über das Display und insgesamt vier unterhalb des TFT-Bildschirms integrierte Sensortasten. Auf der Kopfseite ist die Taste zum Ein- und Ausschalten zu finden. Darüber sind hier der microUSB-Anschluss und der Anschluss für Kopfhörer (3,5 Millimeter) in das Gehäuse integriert worden. Auf der linken Seite findet sich eine Lautstärke-Wippe, unterhalb davon hat LG eine kleine Innovation platziert: eine Taste mit aufgedrucktem "G".

Der so genannte G-Key erlaubt es, verschiedene Funktionen des Telefons mit einer bestimmten Bewegung zu aktivieren. Wer sein Handy dreht, schüttelt oder kippt (und dabei den G Key drückt), kann zum Beispiel einen eingehenden Anruf auf stumm schalten, ein Video pausieren oder einen Anruf annehmen bzw. beenden. Das ist alles sicher gewöhnungsbedürftig, kann die Nutzung des Telefons in diversen Situationen aber erleichtern. Standardmäßig ist die Gestensteuerung deaktiviert.

Mit an Bord ist beim LG Optimus Black natürlich auch eine Kamera. Und die kann nicht nur Fotos mit einer Auflösung von bis zu 2.592x1.944 Pixel (5 Megapixel) aufnehmen, sondern erlaubt auch das Drehen von Videos in HD-Qualität (1.280x720 Pixel). Auf Wunsch lässt sich die Auflösung im Fotomodus in sechs Stufen nach unten regulieren, im Videomodus in fünf Stufen. Ergänzend dazu steht auf der Vorderseite eine zusätzliche Kamera zur Verfügung, die zum Beispiel für Videochats genutzt werden kann. Sie löst im Videomodus maximal in VGA-Qualität auf (640x480 Pixel), im Fotomodus stehen 2 Megapixel zur Verfügung.

Qualitativ überzeugt die Kamera nicht

Auf dem Papier sind das überzeugende Werte, in der Praxis spielt die Hauptkamera aber keinesfalls in der Champions League der Handykameras. Testaufnahmen wirken auch bei guten Lichtverhältnissen in vielen Fällen unscharf. Und das trotz diversen Einstellungsmöglichkeiten, die in der Praxis normalerweise aber kaum ein Handynnutzer wirklich alle auswählen dürfte. Ähnliches gilt für Video-Aufnahmen. Insgesamt ist die Kamera für Schnappschüsse gut geeignet. Nicht für mehr, aber auch nicht für weniger.

Nutzbar ist das LG-Smartphone in allen GSM-Netzen der Welt (Quadband), ist aber auch für die Nutzung in UMTS-Netzen (2.100 / 900 Megahertz) ausgelegt. Mobile Internetverbindungen sind auf Basis von HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream möglich, der Upstream ist bei Verfügbarkeit von HSUPA auf 5,76 Mbit/s beschränkt. Ergänzend dazu steht eine WLAN-Schnittstelle zur Nutzung bereit. Negativ fiel uns während des Tests auf, dass das Handy insbesondere im Ausland vergleichsweise lange braucht, um sich im Mobilfunknetz anzumelden.

Sehr gute Verarbeitung

Pluspunkte kann das Optimus Black durch eine rundum solide Verarbeitung sammeln. Und das obwohl bei den genutzten Materialien von der Glas-Front abgesehen durchgehend auf Plastik gesetzt wurde. Abgerundete Kanten und praktisch keine Rillen, in denen sich Staub- und Schmutzpartikel absetzen können sorgen für einen gelungenen Gesamteindruck. Etwa störend ist die glatte Gehäuse-Rückseite, durch die das Telefon etwas schwammig in der Hand liegt. Auf die Waage bringt das Gerät gerade einmal knapp 110 Gramm.

Nicht mehr als Durchschnitt ist der mitgelieferte Akku. Intensive Smartphone-Nutzung mit WLAN-, GPS- und Internet-Funktionen bedeuten auch bei diesem Telefon nach 12 bis 18 Stunden: Ladegerät anschließen. Wer das mobile Internet sparsamer einsetzt, kommt auch schon mal zwei bis drei Tage ohne Energienachschub aus. Länger in der Regel nicht.

Fazit: Ein optisch schönes Mittelklasse-Telefon

Insgesamt stellt das LG Optimus Black ein solides Mittelklasse-Smartphone dar. Es ist eine echte Alternative für all diejenigen, die nicht bereit sind, 500 Euro oder mehr für ein Multimedia-Touchscreen-Handy auf den Tisch zu legen. Kleinere Schwächen sind dem Telefon aufgrund der insgesamt ordentlichen Performance zu verzeihen. Richtig schade ist allerdings, dass LG darauf verzichtet hat, sein Telefon mit einer Status-LED auszustatten. Verpasste Anrufe oder eingegangene SMS werden entsprechend nicht zur eine blinkende LED signalisiert.

Ab 340 Euro ohne Vertrag zu haben

Aktuell (Stand: Juli 2011) ist das Smartphone im Fachhandel ohne Vertrag für knapp 340 Euro zu haben. Bei Amazon kostet es versandkostenfrei 369 Euro, 1&1 hat es in Verbindung mit der All-Net-Flatrate und einer 24-monatigen Vertragsbindung zu knapp 40 Euro monatlich für einmalig 99,99 Euro im Angebot.

Überzeugend ist vor allem das schnittige, elegante Design, das auf den ersten Blick stark an das iPhone von Apple erinnert. Bei der Klangqualität konnten wir während unseres Tests keine nennenswerten Probleme feststellen.

Name: Optimus Black / P970
Hersteller: LG
Internet: www.lg.com/de
Preis: ab ca. 340 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 2.2 (Froyo)
Prozessor: Single Core 1 Ghz.
Antenne: GSM Quadband, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 122x64x9 Millimeter
Gewicht: 109 Gramm
Display: 4,0 Zoll, 800x480 Pixel, 16,7 Mio. Farben
Speicher: 1 GB intern
über microSD um max. 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5,0 Megapixel Kamera, 3x Digitalzoom, HD-Videofunktion (720p)
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Headset, USB-Kabel
SAR-Wert: 1,18 W/kg (hoch)
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth, Radio, GPS, WLAN, HD-Unterstützung, Gestensteuerung
Akkulaufzeit im Test: 6-7 Stunden Sprechzeit
1-2 Tage Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
ordentliche Ausstattung
sehr gute Verarbeitung
WLAN und HSDPA
HD-Videos
helles, kontrastreiches Display
kein HDMI-Anschluss
Kamera mit Schwächen
keine Status-LED
aktuell "nur" mit Android 2.2 erhältlich
kein NFC
Bewertung:
Bedienung (30%): sehr gut
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): befrieidgend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (1,7)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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