Testbericht

LG Optimus 3D im Test - 3D ohne Brille sehen

Bisher war es bei 3D-Inhalten notwendig, auf eine passende Brille zu setzen. Beim Optimus 3D sind 3D-Videos und -Spiele auch ohne Last auf der Nase zu sehen. Wir haben das neue Smartphone getestet.

LG P920 Optimus 3D

Wenn es darum geht, neue Smartphones zu entwickeln, sind die etablierten Handyhersteller sehr einfallsreich. Nicht nur was das Design angeht, sondern auch in Sachen neuer Funktionen. Auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona hatte beispielsweise LG Electronics das Optimus 3D angekündigt. Das Besondere daran: auf der Rückseite sind zwei Kameras zu finden, mit denen die Aufnahme von 3D-Videos möglich ist. Die können ganz ohne zusätzliche Brille auf dem Bildschirm betrachtet werden. Wir haben uns das Optimus 3D mit installiertem Android-Betriebssystem der Version 2.2.2 genauer angesehen.

Was wird geliefert?

Um es vorweg zu nehmen: wer das Optimus 3D kauft, muss damit rechnen alles andere als ein Leichtgewicht durch den Alltag zu tragen. Fast 170 Gramm bringt das Smartphone auf die Waage und gehört damit zu den derzeit schwersten Modellen am Markt. Geschuldet ist das vor allem der großen Glas-Front. Neben dem eigentlichen Handykörper liefert LG sein 3D-Handy mit einem 1.500 mAh starken Akku, Ladegerät, USB-Datenkabel und einem kabelgebundenen Stereo-Headset aus. Nicht im Lieferumfang enthalten ist eine microSD-Karte zur Speichererweiterung. Sie müsste bei Bedarf nachgekauft werden und in den dafür vorgesehenen Slot unter der Akku-Abdeckung geschoben werden. Das Herausnehmen des Akkus ist dafür (anders als bei der SIM-Karte) nicht notwendig.

Insgesamt macht das Optimus 3D einen sehr werthaltigen Eindruck. Anders als beispielsweise beim Galaxy S II von Samsung, das rund 50 Gramm leichter ist, hat man beim neuen LG-Telefon nicht den Eindruck, eine reine Plastik-Flunder in den Händen zu halten. Die Display-Größe ist verglichen mit Samsungs Flaggschiff identisch und bringt es in der diagonalen Abmessung auf 4,3 Zoll (10,9 Zentimeter). Das wiederum hat Auswirkungen auf die Abmessungen: mit 128 Millimetern Länge, 68 Millimetern Breite und einer Tiefe von 12 Millimetern ist es insbesondere für kleine Hände (fast) eine Nummer zu sperrig.

SMS-Schreiben komplikationslos möglich

Andererseits hat der große Bildschirm den Vorteil, dass insbesondere das Betrachten von Multimedia-Inhalten richtig Spaß machen kann. Seien es nun Fotos, Videos oder einfache Internet-Inhalte. Auch das Schreiben von SMS oder anderen Nachrichten geht leicht von der Hand. Sowohl im Hoch- als auch im Querformat steht eine virtuelle QWERTZ-Tastatur zur Nutzung bereit. Erfreulich ist, dass auch im Hochformat die einzelnen Buchstaben so groß gehalten wurden, dass ein nahezu fehlerfreies Treffen möglich ist. Nutzer des X7 von Nokia werden an dieser Stelle neidvoll erblassen.

Eine Nutzung des Optimus 3D ist nicht nur in GSM-Netzen rund um den Erdball möglich, sondern auch überall dort, wo ein UMTS-Netz aufgebaut wurde. Wer im Internet surfen möchte, kann im Downstream bis zu 14,4 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) nutzen, im Upstream 5,76 Mbit/s. Ergänzend dazu wurde dem Telefon eine WLAN-Schnittstelle spendiert.

Wer sich das Optimus 3D zulegt, wird aber den Fokus des eigenen Interesses vor allem auf die 3D-Funktionen des Telefons legen. Und die sind auf der einen Seite zwar vielfältig, können in der Praxis aber nur in Ansätzen überzeugen. Auf der Rückseite des Telefons hat LG gleich zwei 5-Megapixel-Kameras untergebracht, mit deren Hilfe die Aufnahme von 3D-Videos und -Fotos möglich ist. Alternativ erlaubt die Kamera auch 2D-Aufnahmen mit bis zu 1.920x1.080 Pixeln Auflösung (1080p) im Video- und 2.592x1.944 Pixeln (5 Megapixel) im Foto-Modus.

3D-Inhalte als Belastungsprobe

Doch zurück zum 3D-Modus: wer die selbst aufgenommenen 3D-Schnappschüsse direkt auf dem Handy betrachten möchte, braucht dazu keine zusätzliche Brille oder andere Hardware-Ergänzungen. Das spezielle 3D Stereoscopic-Display allein reicht aus, um 3D-Effekte mit bloßem Auge sehen zu können. Und die kommen in der Tat gut zur Geltung, werden aber nur dann wirklich sichtbar, wenn das Display aus einem ganz speziellen Winkel betrachtet wird. Andernfalls ist nicht mehr als ein unscharfer Bewegtbild-Mix zu erkennen. Hinzu kommt, dass insbesondere das Betrachten von 3D-Videos die Augen ziemlich anstrengt. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass jeder Mensch anders auf 3D-Darstellungen reagiert.

Ergänzend zu den eigenen 3D-Aufnahmen hat LG verschiedene 3D-Spiele vorinstalliert: zum Beispiel das Autorennspiel "Asphalt 6" oder die Golf-Simulation "Lets Golf 2". Weitere Spiele können über einen verlinkten Online-Shop auf das Handy geladen werden. Aktuell zum Sonderpreis in Höhe von 99 Cent pro Game. Auch dabei gilt: wer nicht im richtigen Winkel auf das Display schaut, kann einen echten Spielspaß vergessen. Über das so genannte "3D Space"-Widget ist ein direkter Zugriff auf den 3D-Kanal von YouTube möglich. Die 3D Space-Oberfläche und die 3D-Galerie wurden ebenfalls in 3D programmiert und beeindrucken mit einer imposanten Tiefe.

Bildqualität im 2D-Modus ordentlich

Positiv hervorzuheben ist, dass die Bildqualität im 2D-Modus bei guten Lichtverhältnissen rundum zufriedenstellend ist. Und auch wenn es etwa zwei Sekunden dauert, bis die Aufnahme nach Betätigung des Touch-Auslösers auf dem Bildschirm "im Kasten" ist, kommt es selbst bei Fußballspielen zu keinen Schlieren im Bild. Und doch gibt es Einschränkungen: denn die gute Bildqualität hält nur, solange nicht mit dem integrierten Digitalzoom gearbeitet wird. Wer ihn doch nutzt, muss damit rechnen, dass die Aufnahmen unscharf werden. Auch mit Gegenlicht kommt die kleine Kameralinse nicht wirklich gut zurecht. Die Videoqualität ist in der höchsten Auflösungsstufe ebenfalls sehr ordentlich. Der Autofokus sorgt dafür, dass sich das Bild stets automatisch scharf stellt.

Wer auf Videochats und -telefonate steht, kann sich darüber hinaus über eine zusätzliche Kamera auf der Vorderseite freuen. Allerdings ist die höchste Auslösungsstufe auf VGA-Qualität (640x480 Pixel) beschränkt.

Wer viele Fotos, Videos, Spiele, Musikdateien und Apps auf dem Telefon speichert, braucht zwangsläufig viel Speicherplatz. Und den hat das Optimus 3D erfreulicherweise zu bieten: der interne Speicher hat eine Kapazität von 8 Gigabyte und ist über eine microSD-Karte um bis zu 32 weitere Gigabyte erweiterbar.

Auswülstung auf der Rückseite

Leichte Abzüge müssen wir für die Verarbeitung verteilen. Denn auch wenn das Telefon abgerundete Kanten vorweisen kann und ohne nennenswerte Rillen auskommt, gibt es einen kleinen Schönheitsfehler auf der Rückseite. Das Telefon liegt nicht etwa flach auf seinem Rücken auf, sondern muss mit einem kleinen Buckel leben - nämlich dort, wo die beiden Kameralinsen leicht aus dem Gehäuse herausragen. Positiv: durch eine gummierte Schicht auf der Akku-Abdeckung liegt das Telefon schön griffig in der Hand.

Einmal mehr eine Enttäuschung ist der mitgelieferte Akku. Er macht mit einer Kapazität von 1.500 mAh auf dem Papier zwar eine gute Figur, wer das Telefon jedoch intensiv nutzt - zum Beispiel die integrierte Kamera, den MP3-Player, das Radio oder die WLAN-Schnittstelle - muss damit rechnen, dass schon nach 12 Stunden eine Energiezufuhr notwendig wird. Das ist schwach und insbesondere auf Reisen ärgerlich. Einen Teil zum hohen Akkuverbrauch steuert sicherlich auch der verbaute Dual-Core-Prozessor (1Ghz) bei. Keine nennenswerten Aussetzer konnten wir bei der Gesprächsqualität feststellen.

Fazit: 3D ohne Brille kann Spaß machen, ist aber (noch) kein Must-Have

Wieder eine neue Spielerei für Handy-Fans. Ab sofort können Smartphones auch 3D-Fotos und -Videos aufnehmen. Nicht nur das Optimus 3D von LG ist dazu in der Lage, sondern auch das HTC Evo 3D, das voraussichtlich Anfang August in den Handel kommen wird. Ob man das wirklich braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: das Optimus 3D ist abgesehen vom schwachen Akku ein rundum solides Smartphone, das insbesondere durch sein großes Display und die gute Kameratechnik punkten kann. Kleiner Fauxpas: die WLAN-Verbindung wird immer dann unterbrochen, wenn die Bildschirm-Sperre aktiviert wird.

Erhältlich ist das in Korea gefertigte 3D-Telefon bei namhaften Online-Händlern ab circa 430 Euro. Wer bei amazon.de zuschlagen möchte, muss derzeit (Stand Mitte Juli 2011) rund 490 Euro auf den Tisch legen. Noch sind Handys mit integrierter 3D-Technologie wahre Premium-Produkte und das lassen sich die Hersteller auch entsprechend bezahlen. Für das HTC Evo 3D soll zur Produkteinführung eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 700 Euro gelten.

(Hayo Lücke)

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