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LG Mini im Test - Design top, Bedienung teils ein Flop

Dass viele Extras und ein richtig schönes Design nicht ausreichen, um ein richtig gutes Smartphone am Markt zu platzieren, beweist LG mit dem Modell Mini GD880. Wir haben einige Schwächen entdeckt.

LG© LG Electronics

Wenn nach einem Handyhersteller gesucht wird, der in den zurückliegenden Jahren durch Lifestyle-Handys auf sich aufmerksam gemacht hat, dann führt an LG kein Weg vorbei. Sei es die elegante Chocolate-Reihe mit Sensor-Tasten, ein Handy mit transparentem Touchpad (GD900) oder ein Smartphone im Design einer Armbanduhr (GD910), LG war immer wieder für eine Überraschung gut. So auch auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona. Auf der weltgrößten Mobilfunk-Messe wurde das LG Mini (GD880) vorgestellt, das als eines der kompaktesten Smartphones überhaupt gilt. Wir haben überprüft, was das Telefon im Detail zu bieten hat.

Inhalt:

  1. Elegantes Design
  2. Das Display und die virtuelle Tastatur
  3. Kamera mit Schwächen
  4. Fazit zum LG Mini und Info-Tabelle

Kompaktes, schnörkelloses Design

Der erste Eindruck ist eine echte Überraschung. Das Handy präsentiert sich mit kompakten Maßen von 102 Millimeter Höhe, 48 Millimeter Breite und knapp 11 Millimeter Tiefe. Dabei wiegt es inklusive des eingelegten Akkus nicht mehr als eine Tafel Schokolade: gerade einmal 102 Gramm. Ganz im Gegensatz zum Samsung Galaxy S (Test) wirkt es aber deutlich schwerer.

Bemerkenswert ist die nahezu perfekte Verarbeitung des Handys. Das kantige Gehäuse wirkt wie aus einem Guss gefertigt, der Nutzer hat sozusagen das Gefühl, einen kleinen Aluminium-Barren in den Händen zu halten. Und das, obwohl das Aluminium nur an den geriffelten Flanken und auf der glatt designten Kopfseite zum Vorschein kommt.

Die Front wird nahezu komplett durch das Glas-Display in Anspruch genommen, auf der Rückseite findet eine Akku-Abdeckung aus Kunststoff Platz, die mit einer gummiartigen Schicht überzogen ist. Sie sorgt dafür, dass das Handy in praktisch allen Situationen gut in der Hand liegt und nicht hin und her rutscht.

Das Design ist eine Augenweide

Das alles führt dazu, dass LG beim Mini in Sachen Design einmal mehr ein echter Hingucker gelungen ist. Würde man ein Handy nur auf das Äußere reduzieren, hätte LG mit dem Mini-Smartphone einen echten Volltreffer gelandet. Doch zu einem Mobiltelefon gehört bekanntlich mehr. Auch das Innenleben muss überzeugen. Und da gibt es deutliche Abzüge in der B-Note.

Dabei ist gar nicht einmal an den integrierten Extras Kritik zu üben. Vielmehr ist es das teilweise nicht nach den Vorstellungen des Nutzers arbeitende Betriebssystem, das für Verwirrung sorgt. In verschiedenen Punkten präsentiert sich das LG Mini in der Tat minimal und alles andere als nutzerfreundlich.

Beispiel: wer eine SMS schreiben möchte, kann das Handy problemlos im Hoch- und Querformat nutzen. Im Hochformat kommt auf dem 3,2 Zoll großen Display eine virtuelle Tastatur zum Einsatz, wie man sie in physischer Form von Bartype-Handys kennt.

Inhalt:

  1. Ein Elegantes Design
  2. Das Display und virtuelle Tastatur
  3. Kamera mit Schwächen
  4. Fazit zum LG Mini und Info-Tabelle

QWERTZ-Tastatur mit (zu) kleinen Tasten

Wird das Telefon um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht, kommt automatisch eine QWERTZ-Tastatur zum Vorschein, die sogar eigene Tasten für Umlaute anzeigt. Praktisch auch: der "Senden"-Button wurde so integriert, dass es praktisch unmöglich ist, die Kurznachricht unbeabsichtigt vorzeitig auf die Reise zu schicken. Probleme wie beim Samsung Wave (Test) sind beim LG Mini zumindest in diesem Bereich nicht zu erwarten. Allerdings fallen die Tasten der virtuellen Tastatur ziemlich klein aus. Und das hat wiederum zur Folge, dass es immer mal wieder vorkommt, dass beim Schreiben einer SMS oder E-Mail mit dem Finger der falsche Buchstabe getroffen wird. Alternativ lässt sich auch eine Handschrifterkennung nutzen und die funktioniert erstaunlich gut.

Dennoch ist die QWERTZ-Tastatur mit ein bisschen Eingewöhnungszeit einigermaßen gut zu bedienen. Auch wenn der Bildschirm nicht immer richtig schnell reagiert. Und man könnte meinen, dass sie auch in den vorinstallierten Widgets für Twitter und Facebook zum Einsatz kommt. Doch weit gefehlt. Wer mit seinen Freunden über die Web 2.0-Plattformen kommunizieren möchte, muss sich damit abfinden, dass eine Bedienung nur im Hochformat und nur über eine klassische T9-Tastatur möglich ist. Enttäuschend und eines Smartphones nicht wirklich würdig.

Minimalistisch präsentieren sich darüber hinaus die nutzbaren Widgets. Schon der Umfang vorinstallierter Applikationen fällt sehr überschaubar aus und über die LG Widget Gallery sind aktuell (Stand: Juli 2010) gerade einmal sechs zusätzliche Apps downloadbar - unter anderem von Amazon, eBay, und CNN. Im Vergleich mit Apples App Store, dem Android Market und anderen Download-Plattformen fällt LG in diesem boomenden Segment noch glatt durch.

Leichte Einrichtung von E-Mail-Konten

Wiederum gute Noten dürfte das LG Mini von all jenen erhalten, die auf ihrem Handy auch E-Mails empfangen möchten. Denn die Einrichtung geht extrem leicht von der Hand. Besonders dann, wenn ein Account von T-Online, GMX, Web.de, Freenet, Yahoo, Hotmail oder Microsoft Exchange genutzt werden soll. E-Mail-Adresse, Kennwort und Mailbox-Typ (IMAP4, POP3, Push) auswählen, fertig.

Nutzbar ist das LG Mini praktisch rund um den Erdball. Möglich macht es eine integrierte Quadband-Antenne. Wer das mobile Internet nutzen möchte, kann auf UMTS- und HSDPA-Verbindungen ebenso zählen, wie auf eine WLAN-Schnittstelle. Ergänzend dazu steht ein A-GPS-Empfänger zur Verfügung. Für die multimediale Unterhaltung hat LG ein UKW-Radio und einen Media-Player integriert. Letzterer kann nicht nur gängige Audio-Dateien abspielen, sondern unter anderem auch MPEG4- und 3GP-Videos. Außerdem ist das LG Mini mit Dolby Mobile-Technologie für einen kraftvollen Sound versehen worden. Bemerkbar macht sich das vor allem bei Nutzung der mitgelieferten Stereo-Ohrhörer.

Inhalt:

  1. Ein Elegantes Design
  2. Das Display und die virtuelle Tastatur
  3. Kamera mit Schwächen
  4. Fazit zum LG Mini und Info-Tabelle

Kamera ohne HD-Unterstützung

Mit an Bord ist auch eine Digitalkamera, die mit einer maximalen Auflösung von 2.560x1.920 Pixeln auflöst (5 Megapixel) und einen neunfachen Digitalzoom vorweisen kann. In insgesamt sieben Stufen ist die Auflösung bis auf QVGA-Qualität (320x240) Pixel regulierbar. Etwas schwach auf der Brust präsentiert sich die Digicam bei der Videofunktion. Lediglich drei Auflösungsstufen stehen zur Verfügung - maximal VGA-Qualität mit 640x480 Pixeln. Von Videos in HD-Qualität können Nutzer des LG Mini demnach nur träumen.

Dafür liefert die Kamera im Foto-Modus immerhin fünf Fotomodi (Automatisch, Nacht, Landschaft, Porträt und Sport), vier ISO-Filmempfindlichkeitsstufen (100, 200, 400 und 800) einen Autofokus mit Gesichtserkennung sowie einen Selbstauslöser (3, 5 oder 10 Sekunden). Auch auf eine Smile-Shot- oder Serienbildfunktion muss beim LG Mini niemand verzichten. Aber, und das ist das nächste Manko, der Speicher ist mit gerade einmal 50 Megabyte sehr knapp bemessen. Eine Erweiterung um bis zu 32 Gigabyte ist über eine microSD-Karte zwar möglich, im Lieferumfang ist aber keine Mini-Speicherkarte enthalten. Zusätzliche Kosten sind demnach vorprogrammiert.

Qualitativ macht auch die Kamera des LG Mini durchaus Spaß - zumindest so lange die Lichtverhältnisse gut sind. Dann wirken die Bilder kraftvoll und gut belichtet. Hier und da allerdings ein wenig unscharf. Ihren Reiz verliert die Digicam bei einsetzender Dunkelheit. Selbst Porträts von Freunden sind dann praktisch nicht mehr möglich, weil das Handy ohne Kameralicht ausgeliefert wird. Weniger gut gefallen zudem die aufgenommenen Videos. Sie vermitteln einen unscharfen, zum Teil stark verpixelten Eindruck. Wer schon einmal mit einer Handykamera hantiert hat, die mit HD-Qualität überzeugen kann, wird von LG Mini enttäuscht sein.


USB-Verbindung versagt im Test

Nicht nachvollziehbar ist zudem, dass das kleine Smartphone von LG sich nicht in der Lage sieht, über die USB-Schnittstelle mit einem PC oder Notebook zu kommunizieren. Weder Windows XP noch Windows Vista oder gar Windows 7 konnten den internen Speicher des Telefons auslesen, um Videos oder Fotos auf den Rechner zu übertragen.

Etwas enttäuschend ist auch der integrierte Akku. Die Bereitschaftszeit liegt nach Herstellerangaben bei 13 Tagen, erreicht bei normaler Nutzung aber nicht einmal eine Woche. Insbesondere bei intensiver Nutzung von WLAN, A-GPS und Kamera verlangt der Akku häufig schon nach acht bis zwölf Stunden nach neuer Energie. Ein Problem das schon beim LG GD510 Pop (Test) zu bemängeln war.

Mehr Spaß macht das 3,2 Zoll große TFT-Display, das diagonal umgerechnet 8,13 Zentimeter misst. Es löst mit 854x480 Pixeln auf und kann 16,7 Millionen Farben darstellen. Trotzdem wirken Fotos und Menü nicht ganz so kraftvoll wie beispielsweise beim Samsung Wave oder iPhone 4 (Test). Otto-Normal-Nutzer dürften sich mit dem Display aber dennoch sehr einverstanden zeigen. Wer allerdings häufiger das mobile Internet nutzen möchte, könnte schnell sein Unbehagen über die doch etwas kleinen Display-Abmessungen bekunden.

Inhalt:

  1. Ein Elegantes Design
  2. Das Display und die virtuelle Tastatur
  3. Kamera mit Schwächen
  4. Fazit zum LG Mini und Info-Tabelle

Fazit: Das LG Mini punktet bei Design und Funktionsumfang

Kaum ein Handy kann rein äußerlich so überzeugen wie das LG Mini. Es wirkt nicht nur kompakt und handlich, sondern trotz seiner kantigen Form auch edel und markant. So macht ein Handy Spaß. Punkten kann LG auch mit der integrierten WLAN-Schnittstelle, HSDPA-Unterstützung und der integrierten 5-Megapixel-Kamera. Umso erstaunlicher ist es, dass in diesem Zusammenhang auf HD-Unterstützung im Video-Modus verzichtet wurde. Außerdem gibt es Abzüge für den nur eingeschränkt nutzbaren Bewegungssensor. In der einen Anwendung funktioniert das LG Mini nur im Hochformat (Twitter & Facebook App), in der nächsten nur im Querformat (Kamera-Modus), beim Schreiben von SMS und E-Mails wiederum in beiden Ebenen. Auch die Menüführung ist nicht an allen Stellen intuitiv.

Spaß machen aber die zahlreichen Multimedia-Extras, die das kleine Telefon vorweisen kann. Außerdem ist es als erstes Handy aus dem Hause LG mit einer so genannten Air Sync Schnittstelle ausgestattet ist. Der Vorteil darin: Fotos, Kalendereinträge, Notizen, der Browserverlauf und Kontakte werden zwischen Handy und heimischen PC über die Internetseite lgairsync.com abgeglichen. Das heißt, es ist kein Kabel mehr für eine Synchronisation notwendig.

Insgesamt reicht es in der Endabrechnung zu einem knappen "gut". Trotz des schwachen Akkus und Einschränkungen in der Bedienung kann das LG Mini mit der umfangreichen Palette an Extras punkten. Und der Preis? Nicht wirklich ein Schnäppchen. Ohne Vertrag wird das Smartphone in namhaften Online-Shops für etwa 230 Euro angeboten. Eine microSD-Karte mit 8 Gigabyte Speicherplatz kostet knapp 20 Euro extra. Zum Vergleich: für 70 Euro mehr gibt es das Samsung Wave, das im Test von onlinekosten.de in fast allen Punkten überzeugen konnte.

Name: GD880 Mini
Hersteller: LG Electronics
Internet: de.lge.com
Preis: ca. 230 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 102x48x11 Millimeter
Gewicht: 102 Gramm
Display: 3,2 Zoll, 854x480 Pixel, 16,7 Mio. Farben
Speicher: 50 MB intern
über microSD auf 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 5 Megapixel mit neunfachem Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth 2.1, Flugzeugmodus
Akkulaufzeit im Test: ca. vier Stunden Sprechzeit
ca. sechs Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
Quadband-Antenne
tolles Design
WLAN-Schnittstelle
HSDPA mit bis zu 7,2 Mbit/s
schwacher Akku
Menüführung nicht immer intuitiv
kaum zusätzlich nutzbare Apps
Kamera mit Schwächen
keine USB-Verbindung zum Handy-Speicher
keine Videos in HD-Qualität
Bewertung:
Bedienung (30%): befriedigend
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): gut
Gesamtnote gut (2,3)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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