Testbericht

LG KG920: Kamerawunder im Test

Dass Handys nicht nur noch zum Telefonieren da sind, beweist LG Electronics mit einem neuen Multimediatelefon. Es umfasst nicht nur die gängigsten Standards, sondern auch eine 5-Megapixel-Kamera. Wir haben das silberfarbene Telefon getestet.

LG KG920

Man sollte eigentlich meinen, Handys sind hauptsächlich zum Telefonieren da. Immer mehr werden die Alltagsbegleiter aber auch zu schmucken Statussymbolen, die weit mehr bieten als reine Telefon-Funktionen. Ein passendes Beispiel ist das KG920 von LG Electronics. Das Telefon hat nicht nur viele bunte Extras, die in Handys heutzutage Standard sind, sondern auch eine Digitalkamera mit einer maximalen Auflösung von sage und schreibe fünf Megapixeln. onlinekosten.de hat den Silberling einem umfangreichen Test unterzogen.

Komplizierter Pappkarton

Geliefert wird das KG920 in einer durchsichtigen Kunststoffverpackung, die in einen schwarz-silbernen Pappkarton verpackt wurde. Auf der Rück- und rechten Außenseite informiert LG über die wichtigsten Handy-Funktionen, auf der Vorderseite ist das silberfarbene Handy durch die nicht komplett geschlossene Verpackungshülle bereits sichtbar. Bis der Nutzer sein Schmuckstück in den Händen halten darf, vergehen allerdings noch einige Minuten. LG hat sich nämlich Mühe gegeben, das Telefon samt Zubehör ordentlich zu verschließen.

Umfangreich ist das dem Handy beiliegende Zubehör. So finden sich in einer separaten Pappbox nicht nur ein Ladekabel und ein Stereoheadset, sondern auch ein USB-Datenkabel, eine Trageschlaufe und eine miniSD-Speicherkarte. Ferner wurden ein externer Akkulader sowie ein Zusatzakku und ein Reinigungsstift für die Kameralinse beigelegt. Die grundlegenden Funktionen des KG920 werden über eine achtseitige Kurzanleitung erklärt, mehr Infos können im 117 Seiten starken Benutzerhandbuch nachgeschlagen werden.

Akkutausch kompliziert

Unkompliziert und schnell sind Akku und SIM-Karte eingelegt. Während die SIM-Karte wie von anderen Handys gewohnt einfach in den dafür vorgesehenen Schacht unter dem Akku geschoben wird, muss der Akku ungewöhnlicherweise aufgesteckt werden. Das geht zwar leicht von der Hand, etwas komplizierter gestaltet sind hingegen das Abnehmen des Akkus – etwa bei einem Wechsel. Fingerspitzengefühl ist auch beim Einlegen der miniSD-Karte gefragt, da sie sehr tief in den vorgesehenen Schacht eingedrückt werden muss. Nichts für Menschen mit etwas dickeren Fingern.

Sind alle Karten eingelegt und der Akku aufgesteckt, kann der Nutzer erstmals das komplette Telefon in den Händen halten – und wird überrascht sein. Es ist nämlich nicht nur vergleichsweise schwer (130 Gramm), sondern auch recht klobig. Das macht sich nicht einmal in der Länge (108 Millimeter) oder der Dicke (18 Millimeter), sondern vielmehr in der Breite (50 Millimeter) bemerkbar. Für Personen, die ihr Handy häufig in der Hosen- oder Hemdtasche tragen ist das KG920 daher nicht zu empfehlen.

Tasten mangelhaft

Extrem gewöhnungsbedürftig ist auch die Anordnung und Bedienung der vielen - häufig deutlich zu klein geratenen - Tasten. Die Vier-Wege-Steuerungstaste befindet sich nicht etwa mittig unterhalb des Displays, sondern rechts neben den Zifferntasten. Auch eine große Menütaste, die sich deutlich von den anderen Tasten abgrenzt, sucht man vergeblich.

Vielmehr wird das Hauptmenü über einen von drei kreisrunden extrem kleinen Druckknöpfen aufgerufen. Und wer noch nicht genug von der mangelhaften Tastaturbelegung hat, sollte mal versuchen, eine SMS zu schreiben. Der Druckpunkt der einzelnen Zifferntasten passt aufgrund der zu schmalen Abmessungen nur unzureichend. Hinzu kommt, dass man mit dem Daumen auch aufgrund der glatten Oberfläche schnell eine benachbarte und damit die falsche Taste trifft.

Übersichtliches Menü

Deutlich übersichtlicher präsentiert sich die Menüführung mit insgesamt zwölf Unterpunkten. Neben grundlegenden Änderungen der Telefon- und Sicherheits-Einstellungen lassen sich beispielsweise auch Spiele, das Adressbuch, SMS und MMS oder der Organizer mit Kalender und digitalem Notizbuch aufrufen. Abzüge gibt es jedoch für den Wecker. Der klingelt nämlich überhaupt nicht wenn das Telefon ausgeschaltet oder das Lautlos-Profil aktiviert wird. Für Multimedia-Feeling soll ein integrierter MP3-Player mit sechs Lautstärkestufen sorgen, auch Sprachaufzeichnungen sind möglich.

Keine Mängel konnten wir während unseres mehrwöchigen Praxistests bei der Gesprächsqualität ausmachen. Der Gesprächspartner ist bei ausreichender Netzstärke gut und klar zu verstehen. Etwas verspielt wirken beim Gesprächsaufbau die Comic-Köpfe, die im Display erscheinen. Diese können auch durch Fotos der Gesprächspartner ersetzt werden, die dann auch bei eingehenden Anrufen auf dem Handydisplay erscheinen. Allerdings nur dann, wenn der Anrufer die Rufnummernübermittlung aktiviert hat.

Farbenfrohes Display

Ein echter Clou ist das zwei Zoll große Display. Es kann nicht nur bei einer Auflösung von 320 mal 240 Pixeln 262.000 Farben darstellen, es lässt sich zudem um bis zu 180 Grad drehen. Das ist im Kamera-Modus zum Beispiel praktisch für Selbstportraits. Die aber wohl spannendste Funktion des Handys ist die integrierte Digitalkamera. Ihr haben wir wie bei jedem unserer Tests besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Gemessen an der versprochenen Leistung kann sie locker mit Kompaktkameras mithalten, die als Stand-Alone-Variante im Fachhandel erhältlich sind. Fünf Megapixel-Linse, Autofocus, und Blitzlicht sprechen für sich. Nur der digitale Zoom fällt mit gerade einmal vierfacher Vergrößerung etwas mau aus.

Viele Einstellungsmöglichkeiten

Um Fotos aufnehmen zu können, muss über eine Schiebeklappe der Linsenschutz geöffnet und der Kameramodus über zweifaches Drücken der Kamerataste aktiviert werden. Bevor das gewünschte Foto geschossen wird, hat der Nutzer Auswahl zwischen vielen Einstellungsmöglichkeiten. So stehen beispielsweise sechs verschiedene Kameramodi von Detail- über Panorama- bis hin zu Nachtaufnahmen zur Verfügung. Die Bildqualität kann über drei Stufen geregelt werden, auf Wunsch sind auch Schwarzweiß-Aufnahmen möglich. Wer mag, kann seinen Fotos auch einen Datumsstempel spendieren.

Die Auflösung der Fotos kann wahlweise 2592 mal 1944 Pixel, 2048 mal 1536 Pixel, 1600 mal 1200 Pixel oder 640 mal 480 Pixel betragen. Wer ein Foto per MMS verschicken möchte, kann auch ein für diese Funktion optimiertes Foto schießen. Das leistungsstarke Blitzlicht wird entweder automatisch oder manuell zugeschaltet. Um den auf Fotos ungeliebten Rote-Augen-Effekt zu vermeiden kann bei Bedarf auch eine Kameraleuchte vorgeschaltet werden.

Fotos teilweise unscharf

In der Praxis wirken die mit der Kamera aufgenommenen Fotos bei größter Auflösung häufig nicht optimal belichtet und zum Teil unscharf. Anders sieht es bei Detailaufnahmen und bei weniger großer Auflösung aus. Dann kann die Kamera überzeugen und liefert mehr als ansprechende Ergebnisse. Soll es statt eines Fotos mal ein Video sein, können Bewegtbilder mit einer Auflösung von 320 mal 240 Bildpunkten aufgenommen werden.

Als äußerst praktisch erweist sich - wie bei vielen anderen Handys von LG auch - die Tatsache, dass das Handy über ein USB-Kabel mit dem PC verbunden werden kann und von Windows sofort als Wechseldatenträger erkannt wird. Umständliches Installieren von Synchronisations-Software entfällt. Wahlweise ist eine Übertragung von Fotos auch kabellos per Bluetooth möglich. Ein Handy soll Spaß machen und leicht zu bedienen sein, so wünscht es sich die konsumfreudige Zielgruppe. Das KG920 von LG kann diese Wünsche nicht vollständig, teilweise sogar gar nicht erfüllen.

Fazit: Kamera top, Tasten flop

Positiv hervorzuheben ist die leistungsstarke 5-Megapixel-Kamera, die alles in allem überzeugende Aufnahmen liefert sieht man von leichten Schwächen bei der höchsten Auflösungsstufe ab. Deutliche Abstriche müssen Nutzer aufgrund zu klein geratener und schlecht angeordneter Tasten hinnehmen. Auch die doch eher klobigen Abmessungen und das hohe Gewicht lassen das Handy sicher keinen Design-Preis gewinnen.

Positiv hervorzuheben ist der umfangreiche Lieferumfang, der beispielsweise nicht nur ein USB-Datenkabel beinhaltet, sondern auch eine Tischladestation und einen zweiten Akku.

Die Bereitschaftszeit von bis zu einer Woche ist in Ordnung, die maximale Sprechzeit von drei Stunden ebenfalls Standard.

Nicht günstig

Ein Blick auf den Preis lässt potenzielle Neukunden sicherlich schlucken. Aktuell (Stand: November 2006) werden für das Handy in namhaften Online-Shops mindestens 515 Euro fällig. Als teuer erweist sich insbesondere die integrierte Kameratechnik, UMTS ist nicht einmal an Bord.

(Hayo Lücke)

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