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LG KG320S: Scheckkartenhandy im Test

Mit einem neuen Kompakthandy, das nicht viel größer als eine Scheckkarte ist, geht LG Electronics auf Kundenfang. Wir haben das neue Telefon mit MP3-Player und 1,3-Megapixel-Kamera getestet.

LG KG320S
Klein, flach, leicht und nicht viel größer als eine Scheckkarte. So präsentiert sich einer der neuesten Handy-Streiche des südkoreanischen Elektronikkonzerns LG Electronics. onlinekosten.de hatte die Möglichkeit, das KG320S, ein Mittelklassehandy im Kompaktdesign, einem umfangreichen Test zu unterziehen.

Frisch ausgepackt

Geliefert wird das LG KG320S in einer schwarz-weiß-roten Pappbox, die auf die wichtigsten Funktionen des Handys aufmerksam macht. So bietet das Telefon neben kompakten Maßen auch einen MP3-Player, Bluetooth ein farbenfrohes Display und eine integrierte Digitalkamera mit einer maximalen Auflösung von 1,3 Megapixeln.

Öffnet der Nutzer den Karton, erwartet ihn neben dem Endgerät auch eine achtseitige Kurzanleitung, auf der die grundlegenden Funktionen des Handys erklärt werden. Wer es ausführlicher mag, kann einen Blick in das insgesamt 200 Seiten starke Benutzerhandbuch (112 Seiten deutsch, 88 Seiten englisch) werfen. Außerdem in der Box zu finden: ein Stereo-Headset, ein USB-Datenkabel, eine CD-ROM mit einer Synchronidstionddoftware, ein Ladegerät und – Überraschung – eine Leder-Schutzhülle.

Die ersten Schritte

Die nächste Überraschung folgt sogleich: wird das Mobiltelefon aus der Schutztasche herausgenommen, folgt ein leichtes Gefühl der Verunsicherung. Fehlt da nicht etwas? So chic die Front des KG320S designt wurde, bei der Rückseite hat LG wenig Überzeugendes geleistet. Um die Linse der Digitalkamera vor Schmutz und Staub zu schützen, wurde eine doch recht klobig wirkende Schutzklappe aufgesetzt. Die ragt so stark aus dem eigentlichen Gehäuse heraus, dass der Nutzer das Gefühl bekommen kann, es müsse noch eine zusätzliche Oberschale aufgesetzt werden. Erfreulich unkompliziert gestaltet sich das Einlegen von SIM-Karte und Akku. Anders als bei vielen anderen Handys wird die SIM-Karte nämlich nicht zuerst eingelegt und der Akku direkt darüber gelegt. Vielmehr erfolgt die Installation nebeneinander. Das erleichtert auch einen möglichen Wechsel der SIM-Karte.

Eingeschaltet und losgelegt

Eingeschaltet wird das Handy über die Taste, mit der Gespräche beendet werden. Nachdem ein LG-Logo den Nutzer begrüßt hat und die PIN eingegeben wurde, folgt eine Java-Animation, das Handy beginnt kurz zu vibrieren und kurze Zeit später sieht der Nutzer den Standard-Bildschirm. Hier werden – wie bei allen Handys üblich - neben dem Netzbetreiberlogo auch die aktuelle Netzstärke und die verbleibende Akkukapazität angezeigt. Außerdem kann sich der Nutzer in großen Ziffern die Uhrzeit und – deutlich kleiner – das aktuelle Datum anzeigen lassen.

Um das Menü aufzurufen, reicht es aus, die runde Bestätigungstaste in der Mitte oder die linke Schnellstarttaste zu drücken. Das Menü selber ist durch animierte Grafiken intuitiv zu bedienen. Insgesamt stehen zwölf Auswahlpunkte zur Verfügung.
  • Spiele & Profile
  • Kontakte
  • Organizer
  • Multimedia (u.a. Kamera & MP3-Player)
  • Nachrichten (u.a. SMS & MMS)
  • Eigene Dateien (u.a. Fotos und MP3s)
  • Anzeige (div. Einstellungen)
  • Profile
  • Extras (u.a. Wecker und Bluetooth)
  • Browser
  • Anruflisten
  • Einstellungen
Insbesondere für technisch weniger versierte Nutzer wird es allerdings etwas komplizierter, bewegt man sich in den einzelnen Untermenüs der Menüpunkte. Die Vielzahl an verschiedenen Unterpunkten macht es doch schwieriger, den Überblick zu behalten.

Das Handling

Keine Frage, das KG320S liegt gut in der Hand und auch der Druckpunkt der weiß beleuchteten Tasten stimmt. Die Navigation durch das Menü erfolgt über einen Vier-Wege-Navigationskey in dessen Mitte eine kreisrunde Bestätigungstaste integriert wurde. Ein Manko: die Lautstärke des Hörers ist standardmäßig viel zu leise eingestellt. Insgesamt bietet das Telefon fünf Lautstärke-Stufen, die voreingestellte Stufe 2 sorgt schon bei wenigen Außengeräuschen dafür, dass der Gesprächspartner kaum mehr verstanden werden kann. Das nächste Problem: wie regelt man die Lautstärke auf eine höhere Stufe? Wer an den Seiten eine Lautstärke-Taste sucht, hält vergeblich Ausschau. Die gibt es nämlich nicht. Stattdessen muss die Navigationstaste betätigt werden, um die Lautstärke zu ändern. Leider sehr ungewöhnlich und auch umständlich. Aber: hat man die für sich passende Hörerlautstärke gefunden, ist die Gesprächsqualität sehr gut – von Funklöchern und schlechter GSM-Versorgung einmal abgesehen. Richtig Spaß macht Bildschirm. Zwar ist er mit einer Größe von 1,8 Zoll bei einer Auflösung von 176 mal 144 Pixeln nicht sonderlich groß, aber er bietet kontrastreiche, satte Farben – bis zu 262.144 Stück. Seine Stärken ausspielen kann das Display vor allem dann, wenn es darum geht, mit der integrierten Kamera aufgenommene Bilder anzuschauen.

Die Kamera unter der Lupe

Nutzer des KG320S können auf eine 1,3-Megapixel-Kamera zurückgreifen, die mit einem vierfachen Digitalzoom ausgestattet ist. Für Hobbyfotografen reicht das in der Regel aus. Ein wenig Frust kommt eigentlich nur dann auf, wenn das, was fotografisch festgehalten werden soll, in weiterer Entfernung zu finden ist. Dann ist der Digitalzoom schlicht zu schwach bemessen. Hinzu kommt, dass die Zoom-Funktion nicht bei der höchsten Auflösungsstufe genutzt werden kann.

Die Qualität ist für Schnappschüsse und kleine Erinnerungsfotos aber trotzdem ausreichend. Ein Autofocus fehlt leider, daher können Bilder schon mal etwas unscharf und verwaschen wirken. Vor jeder Aufnahme kann aus einem breiten Spektrum an Einstellungsmöglichkeiten ausgewählt werden. So lassen sich etwa der Weißabgleich und die Helligkeit individuell einstellen oder die Qualität der Fotos bestimmen. Neben einem LED-Fotolicht steht auch ein Selbstauslöser zur Verfügung, der nach drei, fünf oder zehn Sekunden auslöst.

Auch die Auflösung kann ganz nach den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Zur Auswahl stehen 72 mal 72 Pixel, 220 mal 176 Pixel, 320 mal 240 Pixel, 640 mal 480 Pixel und 1280 mal 980 Pixel. Dabei gilt: je geringer sie ausfällt, desto mehr Bilder lassen sich auf dem Handy speichern. Zu beachten ist aber auch: je geringer die Auflösung, desto kleiner sind am Ende die Aufnahmen. Videos lassen sich auch drehen, allerdings mit maximal 176 mal 144 Bildpunkten.

Handy als USB-Stick

Praktisch: die geschossenen Fotos können entweder per Bluetooth kabellos auf einen ebenfalls mit Bluetooth ausgestatteten PC übertragen werden oder das Handy wird einfach per Datenkabel mit dem PC-USB-Anschluss verbunden. Der PC erkennt das Handy dann als Wechseldatenträger und es können alle eigenen Dateien - wie zum Beispiel auch MP3-Dateien - praktisch vom Handy auf den PC oder umgekehrt verschoben werden. Fazit: Solides Scheckkarten-Handy

Handys, die Spaß machen, darauf hat sich LG Electronics in den vergangenen Monaten zunehmend spezialisiert. Insbesondere was das Design betrifft hat der südkoreanische Konzern enorme Fortschritte gegenüber früheren Modellen gemacht. Schwarz ist bei LG Trumpf.

Auch das KG320S macht da keine Ausnahme. Kompakte Abmessungen und ein schlankes Design sorgen für optischen Genuss – wenn da der Schönheitsfehler mit der breiten Schiebeklappe vor der Kameralinse auf der Rückseite nicht wäre. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen. Wer das kleine Scheckkarten-Handy in den Händen halten darf, wird zudem schnell feststellen, dass es überaus robust wirkt. Statt auf ein Plastikgehäuse setzt LG nämlich auf ein Äußeres aus Aluminium.

Gemessen an der Gesprächsqualität und der Menüführung kann man dem kleinen Schwarzen nur leichte Abzüge erteilen. Dank Triband-Technik lässt es sich zum Beispiel auch im weiten Teilen von Nordamerika nutzen. Abstriche muss der Nutzer aber beim Speicher machen. Er kann nicht erweitert werden. Das fällt zumindest dann schwer ins Gewicht, wenn das Telefon gleichzeitig als Digitalkamera und MP3-Player genutzt wird.

Zu empfehlen

Trotzdem: das KG320S ist ein attraktiver Alltagsbegleiter, der durchaus neidvolle Blicke auf sich ziehen kann. Aktuell ist das Handy für etwa 260 Euro ohne Vertrag erhältlich. Kein Schnäppchen, aber ein fairer Preis. Schade ist die schwache Akkulaufzeit. Unserem Testgerät ging bei geringer Nutzung schon nach knapp einer Woche der Saft aus. Die maximale Gesprächszeit liegt nach Herstellerangaben bei nur 2,5 Stunden.

(Hayo Lücke)

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