Testbericht

LG IPS235V im Test: Günstiger IPS-Monitor

Mit der neuen IPS5V-Monitorserie zielt LG auf Hobbyfotografen ab: Statt TN-Panel und einknickende Farben gibt es einen blickwinkelstabilen S-IPS-Bildschirm, der schön hell ist - ab 179 Euro.

Mit der neuen IPS5V-Monitorserie zielt LG auf Hobbyfotografen ab: Statt TN-Panel und einknickende Farben gibt es einen blickwinkelstabilen S-IPS-Bildschirm, der schön hell ist - ab 179 Euro.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Mit der neuen TFT-Monitor-Serie IPS5V hat es LG auf Nutzer abgesehen, die ein besseres Bild wünschen, dafür aber nicht unbedingt tief in die Taschen greifen möchten. Die Displays integrieren ein IPS-Panel anstelle eines TN-Exemplars, sind aber trotzdem schon zu Preisen ab 179 Euro erhältlich – falls 21,5 Zoll ausreichen. So teuer wie noch vor einigen Jahren sind die IPS-Monitore demnach nicht mehr. Wir haben den Bildschirm in der 23-Zoll-Version IPS235V ausprobiert.

LG IPS235V Test – Inhalt

  • Seite 1: Paneltypen, Aufbau und Lieferumfang
  • Seite 2: Design, Ergonomie, Schnittstellen, Farben und Einstellungen
  • Seite 3: Blickwinkel, Software, Fazit und Info-Tabelle

Vorzüge von TN und IPS

Vorweg einige Informationen zu den Panel-Typen. Viele Monitore, insbesondere die besonders günstigen Modelle, verwenden TN-Panel. TN steht für Twisted Nematic, was den Aufbau der Flüssigkeitskristalle des Displays bezeichnet, die gedreht angeordnet sind. TN-Bildschirme weisen kurze Reaktionszeiten auf, liegen aber bezüglich der Farbwiedergabe und der Blickwinkel hinter anderen Techniken zurück. Hochwertiger und zumindest bis vor einiger Zeit noch merklich teurer ist ein IPS-Monitor (In-Plane Switching) mit parallel ausgerichteten Flüssigkristallen. Diese Technik erreicht eine bessere Farbwiedergabe und größere Blickwinkel, was aber in der Regel zu Lasten der Reaktionszeit geht. Mit S-IPS (Super In-Plane Switching) sind wiederum etwas kürzere Reaktionszeiten möglich, auch der LG IPS235V basiert darauf. Die Reaktionszeit beschreibt die Zeitspanne, die die Bildpunkte für einen Farbwechsel benötigen, und ist insbesondere für Computerspieler eine wichtige Größe. Filmfans, Hobbyfotografen und Office-Anwender können die Angabe eher vernachlässigen. LG gibt sie mit durchschnittlich 14 Millisekunden (ms) für einen Wechsel von Grau zu Grau an – für Spieler zu langsam.

Der südkoreanische Elektronikkonzern stellt bei der neuen IPS5-Serie vor allem die Farbtreue heraus und bewirbt die Monitore daher explizit für Anwender, die sich für Fotografie begeistern. Ein mitgeliefertes Farbkalibrierungsprotokoll, das den Gamma-Wert (2.2), die Farbtemperatur und den Farbabstand festhält, soll sicherstellen, dass der Monitor Farben originalgetreu anzeigt. In der Verpackung befinden sich außerdem neben Display und Standfuß eine kurze Aufbauanleitung, ein Strom-, DVI- und ein VGA-Kabel. Auf der CD sind die Treiber, eine Software namens Dual Package und Handbücher in verschiedenen Sprachen gespeichert. Die deutsche Version liest sich stellenweise wie eine automatische Übersetzung, ist aber dennoch verständlich.

Standfuß etwas wackelig

Um den Bildschirm aufzustellen, muss lediglich der Standfuß an das Verbindungsstück geschraubt werden. Ein Schraubenzieher ist nicht nötig, eine Münze genügt – genau wie beim LG D2342P (Test). Bei unserem Testgerät lässt sich allerdings die Schraube nicht richtig festziehen, weshalb der Monitor letztendlich wackelig steht. Im Normalfall müsste der etwa 19 x 25,5 Zentimeter messende Fuß eine ausreichend große Fläche bieten, um das 3,7 Kilogramm schwere Display mit Abmessungen von 54,7x33,2x5,9 Zentimetern in fester Position zu halten. Hundertprozentig starr dürfte der Monitor aber auch dann nicht stehen, da er sich schon im Bereich des Verbindungsstücks bewegen lässt.

Inklusive Stand ergibt sich eine Höhe von 41,7 Zentimetern – und zwar fix; höhenverstellbar ist der IPS235V nämlich nicht. Auch eine Pivotfunktion, um das Display um 90 Grad hochkant zu drehen, lässt der feste Standfuß nicht zu, wobei das aufgrund der Auflösung von 1.920x1.080 Bildpunkten im Breitbildformat 16:9 nicht unpraktisch wäre. Ergonomisches Ausrichten auf dem Schreibtisch beschränkt sich auf Neigen um bis zu 5 Grad nach vorn und maximal 15 Grad nach hinten. Wer den Bildschirm an die Wand schrauben möchte, findet auf der Rückseite die übliche Vorrichtung für VESA-Halterungen. Weitere Flexibilität bleibt der Version IPS5P vorbehalten, die zum Jahresende erhältlich sein soll. Die P-Geräte sind um bis zu 13 Zentimeter in der Höhe verstellbar und lassen sich auch in den Portraitmodus drehen.

LG IPS235V Test – Inhalt

  • Seite 1: Paneltypen, Aufbau und Lieferumfang
  • Seite 2: Design, Ergonomie, Schnittstellen, Farben und Einstellungen
  • Seite 3: Blickwinkel, Software, Fazit und Info-Tabelle

Mattes Display, glänzender Fuß

Optisch ist der Monitor überwiegend bürotauglich. Zwar sind der Standfuß und die Seiten des Rahmens aus hochglänzendem Kunststoff, auf dem schon nach kurzer Zeit Fingerabdrücke sichtbar werden, der vordere Teil des Rahmens und die Display-Oberfläche hat LG aber glücklicherweise mattiert. Anschließen lässt sich der IPS-Monitor über HDMI, DVI-D oder analog via D-Sub (VGA). Wer sich für HDMI entscheidet, kann außerdem von einem Kopfhöreranschluss profitieren, andernfalls bleibt der Monitor stumm – Lautsprecher sind nicht integriert.

Wir haben den Monitor über die digitale DVI-Schnittstelle mit einem Windows-7-PC verbunden. Anschließend wird das Gerät automatisch erkannt und der Nutzer kann sich mit dem OSD-Menü auseinandersetzen. Alle Tasten befinden sich an der Unterseite, die genauen Positionen sind durch dezente Striche auf dem Rahmen gekennzeichnet. Da es sich nicht um Sensortasten ohne Feedback, sondern physische Tasten handelt, lassen sich Einstellungen sicher vornehmen. Weniger zurückhaltend ist die blaue Zustandsleuchte. Da sie durch die Abdeckung wie gedimmt wirkt, stört das aber nicht sonderlich; jedenfalls weniger als das penetrant leuchtende Exemplar des LG D2342P.

Helle Anzeige

Im Auslieferungszustand ist die Helligkeit des Monitors auf 100 Prozent eingestellt, was zeigt, wie hoch die Leuchtkraft der Hintergrund-LEDs ist. Im direkten Vergleich mit einem älteren TFT-Monitor mit Kaltkathodenröhren (CCFL) ist der IPS5P deutlich heller, sodass weiße Flächen auch auf dem Bildschirm auch weiß und nicht tief-beige oder gräulich erscheinen. Je nach Farbtemperatur kann das Weiß dennoch einen leichten Grau- oder Orange-Stich bekommen, das beste Ergebnis erreicht die Einstellung "mittel". Für die Textverarbeitung oder das Surfen auf Nachrichtenseiten ist die volle Helligkeit zu viel des Guten. Regelt man sie auf rund 60 Prozent herunter, werden weißlastige Anwendungen angenehmer. Ein komplett schwarzes Bild, das in einem abgedunkeltem Raum bildschirmfüllend angezeigt wird, lässt eine nicht ganz gleichmäßige Beleuchtung durchscheinen: An allen vier Ecken ist der Monitor heller als in der Mitte. Das fällt uns aber nur in dieser praxisfernen Situation und nicht bei Tageslicht oder auf Fotos auf.

Farben einzeln verstellbar

Um eine automatische Anpassung verschiedener Parameter kümmern sich die vier vorab gespeicherten Modi Film, Text, Foto und sRGB, für eine persönliche Abstufung ist ein fünfter Platz reserviert. Über die benutzerdefinierte Einstellung lassen sich die Farbanteile von Rot, Grün und Blau einzeln und auch der Gamma-Wert verstellen. Wer sich weiter mit der Farbanzeige beschäftigen möchte, findet im nächsten Schritt eine Möglichkeit, den genauen Farbtons und die Sättigung der Farben Rot, Grün, Blau, Zyan, Gelb und Magenta separat zu justieren, sodass beispielsweise nur Rottöne kräftiger erscheinen und nicht das gesamt Bild rotstichig wird. Von Haus aus liefert der Monitor natürliche Farben, die weder zu kalt noch zu grell erscheinen. Der Kontrast ist gut, dennoch zeigte im Vergleichstest ein hochwertiger TN-Monitor ein noch tieferes Schwarz an. Was sich noch regeln lässt, ist die Schärfe. Als Standard ist die goldene Mitte gesetzt. Wer den zehnstufigen Regler Richtung 0 oder 10 schiebt, bemerkt bei Fotos einen Effekt, der dem Weich- oder Scharfzeichner ähnelt. Deutlicher ist das natürlich bei Texten spürbar, die bei Werten unter 5 leicht verschwommen wirken und ansonsten scharf lesbar sind.

Während bei TN-Monitoren für gewöhnlich die Anzeige nur bis zu horizontalen und vertikalen Einfallswinkeln von 160 Grad stabil bleibt und zu dunkle oder zu helle Töne anzeigt, sobald der Blick über diese Grenzen hinausgeht, beziffert LG die Blickwinkel des IPS5V auf 178 Grad. In der Theorie hat der Nutzer daher mehr Spielraum und blickt auch von oben, unten oder von der Seite auf fehlerfreie Bilder beziehungsweise auf die gleichen Farbtöne wie bei frontaler Sicht. In der Praxis gibt es natürlich gute und schlechte TN-Displays, nicht alle knicken bei Farbe und Kontrast schon bei leichten Kopfbewegungen ein. Je nach Modell ist es auch bei TN-Bildschirmen problemlos möglich, zu zweit ohne große Qualitätseinbußen einen Film anzuschauen. Dass LGs IPS-Modell über größere Blickwinkel verfügt, fällt besonders bei vertikaler Probe auf. Wir haben einen TN-Monitor neben den IPS5V auf den Schreibtisch gestellt und die Bildveränderungen verglichen. Blickt man von oben auf die Monitore, zeigt das TN-Display ein viel zu helles Bild an, von unten betrachtet erscheinen Fotos oder Videos hingegen stark verdunkelt. Auf dem LG Bildschirm bleiben Farben und Helligkeit stabil. Höchstens diagonal ist eine ganz dezente Verdunkelung zu sehen.

LG IPS235V Test – Inhalt

  • Seite 1: Paneltypen, Aufbau und Lieferumfang
  • Seite 2: Design, Ergonomie, Schnittstellen, Farben und Einstellungen
  • Seite 3: Blickwinkel, Software, Fazit und Info-Tabelle

Die Dual Package Software ist interessant, wenn der Monitor unter Windows Vista oder XP betrieben wird, Windows 7 integriert die entsprechenden Funktionen bereits: Ist der LG Monitor über DVI oder D-Sub angeschlossen, kann das Dual Package nach der Installation über das OSD aufgerufen werden, um die Zusammenarbeit mit einem zweiten Display zu regeln. Genau wie innerhalb von Windows 7 über die Tastenkombination Windows+P kann der Anwender auf diese Weise die Anzeige auf dem zweiten Monitor klonen oder erweitern. Über die Auswahl Dual-Web lässt sich der Bildschirm in der Mitte teilen, um zwei Fenster oder Programme parallel anzuzeigen. Auch das unterstützt Windows 7 von Haus aus, weshalb das Handling über das aktuelle Microsoft-Betriebssystem schneller vonstatten geht als über das OSD.

Fazit: Gut, aber nicht perfekt

Mit der neuen IPS5V-Monitorserie zielt LG auf Hobbyfotografen ab – und hat daher auch nur einige Punkte berücksichtigt, auf die Anwender bei der Suche nach einem Display für die Bildbearbeitung achten. Einen erweiterten Farbraum bietet der IPS235V nicht; für besonders farbkritische Arbeiten in einem solchen Farbraum ist das Display daher nicht geeignet. Wer ohnehin bevorzugt im JPG-Format fotografiert und bearbeitet, dürfte sich daran nicht stören. Vielleicht aber am 16:9-Format: Für die Filmwiedergabe oder das Anordnen von zwei Fenstern nebeneinander mag das Breitbildformat praktisch sein, beim Anzeigen einzelner Fotos, Websites oder Dokumente ergibt sich jedoch in der Höhe kaum mehr Platz als auf einem 19-Zoll-Monitor mit 4:3-Seitenverhältnis, sondern lediglich mehr ungenutzter Weißraum an den Seiten.

Das stärkste Argument des IPS235V ist sein helles, blickwinkel- und farbstabiles IPS-Display für unter 200 Euro. Wer weitere Profi-Features, ergonomische Flexibilität und Extras wie einen USB-Hub erwartet, muss mehr ausgeben.

Weitere Hardware Testberichte sowie einen Ratgeber zum TFT-Kauf liefert unser Hintergrundbereich.

Name: IPS235V
Hersteller: LG
Internet: www.lg.com/de
Preis: UVP: 199 Euro
Technische Daten
Bildschirmdiagonale: 23 Zoll S-IPS-Panel
mit LED-Hintergrundbeleuchtung; entspiegelt
Auflösung: 1.920 x 1.080 Bildpunkte (16:9)
Anschlüsse: HDMI, D-Sub, DVI-D, Kopfhörerausgang
Helligkeit: 250 cd/m² (Herstellerangabe)
Kontrast: statisch 1.000:1, dynamisch bis zu 5.000.000:1
Schaltzeiten: durchschnittlich 14 ms (Herstellerangabe)
Blickwinkel: 178° horizontal / 178° vertikal
Ergonomie: 5 - 15° neigbar
Strombedarf: Herstellerangaben:
aus: < 0,3 Watt, Standby: < 0,3 Watt,
Betrieb: < 35 Watt

gemessen:
aus: 0,1 Watt, Standby: 0,2 Watt, eingeschaltet: 25 Watt (Modus Foto, Helligkeit 50%) / 33 Watt (Helligkeit 100%), Super Energy Saving: 22 Watt
Abmessungen: mit Standfuß, B x H x T: 547 x 417 x 191 mm
Gewicht: 4,0 kg ( mit Standfuß)
Lieferumfang: Netzkabel, VGA-Kabel, DVI-Kabel, Kurzanleitung, CD mit Treibern und Bedienungsanleitung
Garantie: zwei Jahre LG Garantie, auch auf die Hintergrundbeleuchtung, Vor-Ort-Service
Pro & Contra
gute Bildqualität
Full-HD-IPS-Panel
helle LED-Beleuchtung
matte Display-Oberfläche
große Blickwinkel
HDMI und Kopfhöreranschluss
niedriger Energieverbrauch
günstiger Preis
nicht höhenverstellbar, keine Pivotfunktion
steht etwas wackelig
keine Lautsprecher
kein erweiterter Farbraum
Bewertung:
Helligkeit (25%): gut
Blickwinkel (25%): sehr gut
Kontrast (20%): gut
Ergonomie (20%): befriedigend
Verarbeitung (10%): befriedigend
Gesamt: gut (2,1)
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

Weiterführende Infos zum Thema:
Zum Seitenanfang