Testbericht

LG GT540 Optimus im Test - Komplizierter Android

Mit dem GT540 Optimus hat LG zwar einen schönen Namen für sein Android-Smartphone gefunden, aber bei Weitem nicht das Maximum des theoretisch Möglichen herausgeholt. Wir zeigen die Schwächen des Telefons.

LG GT540 Optimus

Kaum ein Handy-Betriebssystem sorgt derzeit für mehr Aufsehen als das von Google entwickelte OS Android. Immer mehr Smartphones basieren auf der sich zügig weiterentwickelnden Firmware. Beispielsweise das Samsung Galaxy S (Test) oder das Sony Ericsson Xperia X10 (Test). Auch LG Electronics ist mit einem Android-Handy am deutschen Markt präsent. Klingt gut, hat aber entscheidende Nachteile. Zum einen ist das LG-Telefon unnötig kompliziert zu bedienen und darüber hinaus wird es (aktuell) nur mit Android-Version 1.6 ausgeliefert. Und das, obwohl Version 2.1 eigentlich Standard sein sollte und viele Geräte sogar schon ein Update auf die Android-Edition 2.2 erhalten. Wir haben genauer unter die Lupe genommen, welche Vor- und Nachteile das GT540 sonst noch zu bieten hat.

Handy mit langer Bootzeit

Zunächst ein Blick auf das Äußerliche: 102 Millimeter lang, 48 Millimeter breit und knapp elf Millimeter dick präsentiert sich das silber-graue Optimus-Smartphone seinem Nutzer - bei einem Gewicht von 118 Gramm. Die Akku-Abdeckung aus Plastik lässt sich per Daumendruck nach oben schieben, um Akku und SIM-Karte einzusetzen. Während die SIM unter dem Akku einzusetzen ist, wurde der microSD-Karte zur Speichererweiterung ein separater Steckplatz oberhalb des Energiespeichers spendiert. Ein Wechsel des Speichermediums ist möglich, ohne den Akku herausnehmen zu müssen. Schwach: bis die PIN nach Betätigung der Start-Taste eingegeben werden kann, vergehen während des Bootvorgangs satte 45 Sekunden.

Ist das Telefon erst einmal betriebsbereit, folgt für viele flinke Finger der nächste irritierende Moment. LG hat sein Smartphone mit zwei Sensortasten direkt unter dem Display und drei weiteren physischen Tasten ausgestattet. Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen. Problematisch erweist sich jedoch die Tatsache, dass die rechte der "echten" Tasten nicht nur dazu dient, ein Telefonat zu beenden, sondern auch dazu, die Tastensperre des Telefons zu aktivieren. Das ist - vorsichtig ausgedrückt - nervig und hindert immer wieder an einer zügigen Navigation durch das Menü des Handys. Praktisch ist hingegen die mittig integrierte Home-Taste, die es dem Nutzer erlaubt, aus allen Menü-Unterpunkten schnell und unkompliziert auf den zuletzt verwendeten Homescreen zu gelangen.

Homescreens individuell anpassbar

Wie bei allen gängigen Smartphones ist es auch beim GT540 möglich, persönliche, individuell eingerichtete Startbildschirme einzurichten. Hier lassen sich Widgets und Menüpunkte ablegen, die besonders häufig verwendet werden. Die Menü-Icons werden dafür einfach mit dem Finger aus dem Menü auf den Startscreen gezogen und können ebenso einfach vom jeweiligen Start-Bildschirm in den virtuellen Papierkorb befördert werden. Allerdings: die Zahl der Homescreens ist auf maximal sieben beschränkt.

Die Navigation durch das Standard-Menü ist ohne größere Missverständnisse möglich. Alle Menüpunkte werden aber anders als bei iPhone und Co - auf einer Seite untereinander angeordnet. Am Ende der Menü-Startseite sind all jene Icons in einer eigenen Kategorie namens "Downloads" zu finden, die über den Android App Store auf das Handy geladen wurden. Wer mag, kann die kleinen Grafiken aber jederzeit an die persönlich favorisierte Stelle im Haupt-Menü verschieben. Um mehr Übersicht zu schaffen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, weitere Kategorien einzurichten. Beispielsweise für "Spiele", "Soziale Netzwerke" oder "Fun Apps".

Einstellungen für Datenverbindungen beachten

Apropos Apps: davon gibt es im Android Market Tausende. Die einen mehr hilfreich, die anderen weniger. Und doch macht das Stöbern im virtuellen App-Katalog richtig Spaß. Doch Vorsicht: das Herunterladen und Verwenden von Apps kann eine kostspielige Angelegenheit werden. Dann nämlich, wenn die kleinen Programme über das Mobilfunknetz auf das Handy geladen werden. Es ist dringend zu empfehlen, für den App-Download ein WLAN-Netz zu nutzen.

Auch sollten sich alle Nutzer eines Android-Handys darüber im Klaren sein, dass ihr Smartphone darauf ausgelegt ist, das mobile Internet zu nutzen. Das heißt, viele Apps und Anwendungen nehmen (auch ungefragt) Verbindung mit dem Internet auf, um zum Beispiel Daten zu synchronisieren. Wer das vermeiden will, sollte in den Einstellungen nicht nur die automatische Synchronisierung deaktivieren, sondern auch die Übertragung von Hintergrunddaten. Als Alternative ist es zu empfehlen, eine mobile Daten-Flatrate zu buchen, die bei vielen Mobilfunk-Anbietern bereits ab 10 Euro monatlich zu haben ist.

Praktisch und durchaus sinnvoll sind zwei Schnellstart-Tasten, die an der rechten Seite des Handys zu finden sind. Einerseits lässt sich mit nur einem Tastendruck das Handy nach installierten Dateien durchsuchen, andererseits die integrierte Digitalkamera starten. Auf der entgegengesetzten Seite finden sich zwei Tasten zur Regulierung der Lautstärke, am Kopfende eine 3,5-Millimeter-Klinken-Anschluss. Geladen wird das Handy über einen Mini-USB-Anschluss. Entweder über den beiliegenden Stromstecker oder im Rahmen einer Verbindung mit einem Computer.

Vergleichsweise schwache Digitalkamera

Für Schnappschüsse ausreichend, aber kein besonders großer Wurf, ist die integrierte Digitalkamera. Sie löst im Foto-Modus je nach Einstellung mit bis zu 2.048x1.536 Pixeln (3 Megapixel) auf. Die Qualität der Bilder ist in der höchsten Auflösungsstufe bei voller Größe aber nicht erfreulich. Trotz Autofokus überwiegt eine Unschärfe, die sich wie ein Schleier über das gesamte Bild zieht. Da bringt es auch wenig, dass die Kamera mit Extras wie Selbstauslöser, Blinzel- und Gesichtserkennung sowie verschiedenen Bild-Modi ausgestattet ist. Videos werden maximal in VGA-Qualität (640x480 Pixel) aufgenommen. Beiläufig sei an dieser Stelle auch angemerkt: ein Kameralicht liefert das LG GT540 Optimus nicht.

Sollen Bilder vom Handy auf einen Computer übertragen werden, wartet bereits der nächste Kniff auf den Nutzer. Es reicht standardmäßig nicht aus, das Handy per Datenkabel mit einem Rechner zu verbinden. Die Speicherkarte des Handys wird erst erkannt, wenn in den Benachrichtigungen des Handy-Menüs die USB-Verbindung bestätigt wird. Umständlich und insbesondere für technisch nicht allzu bewanderte Menschen ein echtes Hindernis bei der ersten Verbindung mit dem PC. Auch, weil die Benachrichtigungen auf dem LG-Handy nicht wirklich intuitiv zu finden sind.

Touchscreen reagiert sehr träge

Ein allenfalls befriedigendes Zeugnis kann dem LG-Handy in Sachen SMS-Funktionalität ausgestattet werden. Die Eingabe von Texten erfolgt vollständig über den 3 Zoll großen Touchscreen, der sich aber in vielen Phasen als recht träge erweist. Hinzu kommt, dass der Nutzer bei der SMS-Eingabe im Hochformat komplett auf eine QWERTZ-Tastatur verzichten muss und sich im Querformat mit recht kleinen Tasten anfreunden muss. Wer das Handy in beiden Händen hält und im Querformat mit beiden Daumen eine SMS schreibt, landet fast zwangsläufig immer wieder auf einem falschen Buchstaben. Die einfachste Möglichkeit, eine Kurzmitteilung zu schreiben: Handy auf den Tisch legen und mit einem oder zwei Zeigefingern schreiben. Ob das allerdings der Sinn und Zweck einer Handy-Bedienung ist, darf in Frage gestellt werden. Hinzu kommt, dass im Querformat nicht angezeigt wird, wie viele Restzeichen für eine SMS noch zur Verfügung stehen. Positiv: der Senden-Button wurde weit ab von sich eventuell verirrenden Fingern integriert. Das verhindert ungewolltes, vorzeitiges Versenden von Kurzmitteilungen oder E-Mails.

Fazit: Es gibt Nachbesserungsbedarf

Zweifelsohne ist es von LG eine gute Idee gewesen, auf den Android-Zug aufzuspringen. Denn das OS von Google entwickelt sich im Express-Tempo zu einem Selbstläufer, der nur schwer zu stoppen sein wird. Umso enttäuschender ist es, dass LG seinem GT540 nicht nur die veraltete Android-Version 1.6 spendiert hat, sondern darüber hinaus auch einen vergleichsweise schwachen Prozessor, der das Handy an verschiedenen Stellen immer wieder ausbremst. Nachbesserung ist erwünscht, nein, Pflicht, wenn man im Wettbewerb mit der Konkurrenz nicht zurückfallen will.

Das gilt im Übrigen auch für die installierten Extras. Zwar liefert das Smartphone mit Optimus einen markanten Namen, das Optimum hat LG aber bei Weitem nicht präsentiert. Zu den oben genannten Schwächen kommen eine langweilige Plastik-Metall-Hülle, eine schwache Kamera ohne Fotolicht und ein nicht immer präzise reagierender Touchscreen hinzu. Kurzum: Nachbessern LG, aber schnell. Denn wer auf dem deutschen Markt erfolgreich sein will, sollte nicht nur richtig schicke Design-Handys wie das LG Mini (Test) präsentieren, sondern auch die passende (hochwertige) Technik liefern.

Beim LG GT540 hat das nicht geklappt. Zwar liegt der Fokus des Handys nach Herstellerangaben auf dem Zugang zu sozialen Netzwerken, doch LG hat dabei eine wichtige Kleinigkeit nicht beachtet. Twitter, Facebook, meinVZ und Co. werden vorrangig von einer eher jugendlichen Zielgruppe genutzt. Und genau die erwartet von einem Handy heutzutage weit mehr als nur vorzügliche Telefon-Funktionen, die das kleine Optimus-Smartphone durchaus vorzuweisen hat. Zu beachten ist auch: ohne Vertrag kostet das Handy immerhin 185 Euro. Ein Schnäppchen sieht anders aus.

Name: GT540 Optimus
Hersteller: LG Electronics
Internet: de.lge.com
Preis: ca. 180 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, EDGE, UMTS, HSDPA
Abmessungen: 102x48x11 Millimeter
Gewicht: 118 Gramm
Display: 3,0 Zoll, 320x480 Pixel, 262.000 Farben
Speicher: 116 MB intern
über microSD auf 32 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth, WLAN
Digitalkamera: 3 Megapixel mit vierfachem Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth 2.1, Flugzeugmodus, GPS
Akkulaufzeit im Test: ca. vier Stunden Sprechzeit
ca. acht Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
Quadband-Antenne
HSDPA-kompatibel
WLAN-Schnittstelle
viele Apps im Android Market
nervige Tastensperre-Taste
 SMS-Eingabe teils zu kompliziert
billige Verarbeitung
schwache Kamera (ohne Fotolicht)
keine Videos in HD-Qualität
Bewertung:
Bedienung (30%): ausreichend
Ausstattung (20%): gut
Verarbeitung (20%): befriedigend
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote befriedigend (2,7)
Preis-Leistung: befriedigend

(Hayo Lücke)

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