Testbericht

Test: Touchscreen-Handy LG GD510 Pop

Mit einem neuen Mittelklasse-Handy versucht LG, insbesondere eine jugendliche Zielgruppe anzusprechen. Ob das klappen kann, haben wir untersucht.

LG© LG Electronics

Wird heutzutage ein neues Handy gekauft, muss es in der Regel mehr bieten können als einfache Telefon- und SMS-Funktionalität. Mobiles Internet und andere Multimedia-Funktionen rücken immer stärker in den Fokus des Bewusstseins von fast jedem Handynutzer. Trotzdem wird in manchen Fällen immer noch darauf verzichtet, Mobiltelefone mit High-End-Extras auszustatten. Stattdessen wird auf elegantes Design gepaart mit den wichtigsten Mobilfunk-Basics gesetzt. Aktuelles Beispiel: das GD510 Pop von LG Electronics. Unsere Redaktion hatte die Möglichkeit, das kleine Touchscreen-Handy einem mehrwöchigen Test zu unterziehen.

Hülle aus Aluminium

Wer das Telefon aus seiner äußerst kompakten Verpackung befreit, stellt schnell fest, dass Schein und Sein bei diesem Modell sehr dicht beieinander liegen. Dem hochwertigen Rahmen aus gebürstetem Aluminium wurde eine billige Akku-Plastikabdeckung zur Seite gestellt. Sie lässt sich zwar leicht abschieben, um den Akku und die SIM-Karte einlegen zu können, macht aber keinen sonderlich robusten Eindruck. Allerdings: wer nicht regelmäßig die SIM- oder microSD-Karte zur Speichererweiterung tauschen muss, wird von diesem Manko nicht sonderlich viel merken.

Unmittelbar nach dem ersten Einschalten wird der Nutzer aufgefordert, eine Kalibrierung des Bildschirms durchzuführen. Auf diese Weise soll unter anderem der bestmögliche Druckpunkt für die Bedienung des Touchscreens realisiert werden. Sehr nutzerfreundlich: in einem zweiten Schritt werden Nutzer des G510 Pop über kleine Animationen in die Grundfunktionen des Handys eingeführt und es besteht die Möglichkeit, Datum und Uhrzeit einzustellen.

Menünavigation braucht Zeit zur Eingewöhnung

Die Navigation durch das Standard-Menü erweist sich über den berührungsempfindlichen Bildschirm als gewöhnungsbedürftig. Gerade während der ersten Nutzungstage kommt es immer wieder vor, dass ein nicht gewünschter Menüpunkt ausgewählt wird. Anders als beispielsweise beim iPhone von Apple reicht es nämlich nicht aus, einfach über das Display zu streichen, um zu Menüpunkten zu navigieren, die außerhalb des sichtbaren Bereichs liegen. Vielmehr ist es notwendig, mit Daumen oder Zeigefinger ordentlich Druck auf den Bildschirm auszuüben, um die Menüleisten nach links oder rechts zu schieben. Hat man sich als Nutzer daran aber erst einmal gewöhnt, steht einer zügigen Navigation nichts mehr im Weg.

Ergänzend zur gewöhnlichen Menüstruktur hat LG dem GD510 Pop drei zusätzliche Start-Bildschirme spendiert, die individuell an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. So lassen sich zum Beispiel auf eine der Oberflächen verschiedene Widgets laden; beispielsweise eine analoge Uhr, ein Notizzettel oder eine Wetter-App. Auf der zweiten Oberfläche werden verpasste Anrufe zusammengefasst und der dritte Start-Screen bietet die Möglichkeit, bis zu acht Kontakte zu hinterlegen, die per Kurzwahl kontaktiert werden können. Zwei Tipper auf den Touchscreen reichen aus, um eine Verbindung zum Wunsch-Gesprächspartner aufzubauen.

Fast lupenreine Touchscreen-Navigation

Auffällig ist: nahezu die komplette Navigation erfolgt über den Bildschirm. Ein so genannter Smart Key unterhalb des Displays dient lediglich dazu, Gespräche anzunehmen oder zu beenden beziehungsweise zum zuletzt verwendeten Start-Bildschirm zurückzukehren. An der linken Seite findet sich die Möglichkeit, Rufton- und Touch-Lautstärke anzupassen, auf der rechten Seite wartet ein weiterer Knopf darauf, seine Aufgabe als Kamera-Auslöser zu übernehmen. Eine Taste zum Ein- und Ausschalten des Telefons wurde - wie von vielen Nokia-Handys bekannt - am Kopfende integriert.

Technisch hat das GD510 Pop eine Quadband-Antenne für die Nutzung in GSM-Netzen rund um den Erdball zu bieten, verzichtet aber auf UMTS- und HSDPA-Unterstützung. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund verwunderlich, dass das Handy etwa über die integrierten Widgets für Facebook und Twitter eine junge Zielgruppe ansprechen soll, die verstärkt das mobile Internet nutzt. Für beschleunigten Seitenaufbau steht lediglich EDGE (vierfache ISDN-Geschwindigkeit) zur Verfügung. Auch eine WLAN-Schnittstelle suchen Nutzer vergeblich.

Für Multimedia-Freunde steht neben einem MP3-Player auch ein Radio zur Verfügung. Die integrierte Kamera (maximal 2.048x1.536 Pixel / 3 Megapixel; in sechs Stufen regulierbar) ist mit einem vierfachen Digitalzoom ausgestattet und erlaubt auch die Aufnahme von Videos. Dann aber nur mit einer maximalen Auflösung von 320x240 Pixeln. Schade ist, dass eine Autofokus-Funktion fehlt. Bei weniger guten Lichtverhältnissen wirkt sich das auch auf die Bildqualität aus. Im Allgemeinen liefern die Bilder aber eine sehr ordentliche Qualität, die für Schnappschüsse absolut ausreichend ist.

Eine immer wichtiger werdende Frage ist bei Anschaffung eines Handys auch, ob ausreichend Speicherplatz zur Verfügung steht. Beim GD510 Pop muss diese Frage mit einem Nein beantwortet werden. Gerade einmal 40 Megabyte dynamischer Speicher wurden dem Telefon spendiert. Das reicht zum Beispiel gerade einmal aus, um 40 Fotos in der höchsten Auflösung abzuspeichern. Über eine optional zu erwerbende microSD-Karte ist es aber möglich, eine Speichererweiterung auf bis zu 8 Gigabyte vorzunehmen

Ein Mittelklasse-Handy

Alles in allem bietet das 95x50x11 Millimeter kleine und 90 Gramm schwere Pop-Handy vieles, was sich Handynutzer wünschen. Ein echtes Manko ist aber in Zeiten des boomenden mobilen Internets die fehlende UMTS-Unterstützung. Da kann auch das TFT-Display mit seinen 262.000 Farben und 240x400 Pixeln Auflösung kaum etwas retten.

Akku sorgt für Verwirrung

Erstaunlich ist, dass wir während unseres Testlaufs wie beim LG GW300 beobachten mussten, dass nicht immer auf die Anzeige zur Akku-Kapazität Verlass ist. Sie springt gerne mal zwischen den einzelnen Kapazitätsstufen hin und her, um dann aus dem Nichts zu signalisieren, dass möglichst sofort neue Energie zugeführt werden sollte. Die Bereitschaftszeit liegt bei normaler Nutzung bei etwa fünf Tagen (maximale Stand-by-Zeit laut Hersteller: zwei Wochen), die maximale Sprechzeit erreicht etwas mehr als 2,5 Stunden.

Apropos sprechen: die Telefon-Funktionen des Handys sind erfreulich einfach und übersichtlich gehalten. Das Adressbuch lässt sich intuitiv bedienen, Kontakte sind zügig abgespeichert. Ein wahrer Genuss ist zudem die virtuelle Tastatur. Die einzelnen Zifferntasten werden auf dem Display nicht nur erfreulich groß dargestellt, sondern der Bildschirm reagiert beim Tippen der Nummern auch sehr präzise. Hier hat LG richtig ordentliche Arbeit geleistet. Auch an der Sprachqualität ist kaum etwas auszusetzen. Nur bei schlechter Funkversorgung sind immer wieder mal blecherne Echos zu vernehmen.

Im Lieferumfang enthalten sind ein USB-Kabel, das über einen Adapter auch als Ladegerät genutzt wird und ein Stereo-Headset. Außerdem ein 72-seitiges Benutzerhandbuch, das auch aufgrund vieler Bilder leicht verständlich ist. Praktisch: das Handy wird als USB-Wechseldatenträger erkannt, wenn es über das beiliegende Kabel mit einem PC oder Notebook verbunden wird. Trotz aller Mankos durchaus überzeugend ist der Preis: rund 110 Euro erwartet LG für sein Multimedia-Telefon im eleganten Silber-Kleid. (Stand: März 2010).

Name: GD 510 Pop
Hersteller: LG Electronics
Internet: de.lge.com
Preis: ca. 110 Euro
Technische Daten:
Antenne: GSM Quadband, EDGE
Abmessungen: 95x50x11 Millimeter
Gewicht: 90 Gramm
Display: 3,0 Zoll, 240x400 Pixel, 262.144 Farben
Speicher: 40 MB intern
über microSD auf 8 GB erweiterbar
Schnittstellen: USB, Bluetooth
Digitalkamera: 3 Megapixel mit vierfachem Digitalzoom
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset, Datenkabel
Extras: MP3-Player, Bluetooth 2.1, Flugzeugmodus
Akkulaufzeit im Test: ca. 2,5 Stunden Sprechzeit
ca. fünf Tage Bereitschaftszeit
Pro & Contra:
Quadband-Antenne
Gehäuse aus Aluminium
edler Look
ordentliche Fotoqualität
schwacher Akku
kein UMTS / HSDPA
kein WLAN

Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): ausreichend
Verarbeitung (20%): gut
Akkulaufzeit (20%): ausreichend
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote befriedigend (2,7)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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