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LG G2 im Test - So sieht ein Premium-Smartphone aus

Mit dem LG G2 ist in Kürze ein neues Android-Smartphone erhältlich, das nahezu rundum überzeugen kann. Wir konnten das Gerät schon vor dem offiziellen Verkaufsstart unter die Lupe nehmen.

LG G2© LG Electronics

Lange wurde LG vielerorts für die eigenen Smartphones belächelt. Nun sind die Südkoreaner endgültig zurück in der Top-Liga der Smartphone-Hersteller. Denn nach dem von unserer Redaktion schon als gut eingestuften Optimus G Pro ist in Kürze auch das (noch bessere) G2 erhältlich. Wir hatten die Möglichkeit, das neue Premium-Smartphone aus dem Hause LG vor dem offiziellen Verkaufsstart auf die Probe zu stellen. Und eines sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Vor allem Display und Performance sind richtig überzeugend.

Ein Telefon, das anders sein will

Auf den ersten Blick präsentiert sich das G2 wie viele andere Smartphones der neuesten Generation. Schwarzes Kunststoff-Gehäuse, großer Bildschirm, hochwertige Kamera auf der Rück- und eine zweite Digicam für Videotelefonate und Selbstportraits auf der Vorderseite. Doch wer etwas genauer hinsieht, wird schnell feststellen, dass sich das neue LG-Smartphone in einigen Punkten von seinen unmittelbaren Konkurrenten unterscheidet.

So hat LG zum Beispiel darauf verzichtet, unter dem Display eine physische Home-Taste zu integrieren. Stattdessen schmückt ein nahezu randloser Riesen-Bildschirm mit einer diagonalen Abmessung von 5,2 Zoll (13,2 Zentimeter) die Front. Das Display liefert nicht nur eine Full-HD-Auflösung mit 1.920 x 1.080 Pixeln und 423 ppi, sondern auch eine erfreulich starke Leuchkraft. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung sind Inhalte bei voller Display-Beleuchtung noch gut ablesbar.

Starke Akkulaufzeiten

Wer nun denkt, das hell erleuchtete Display im 16:9-Format habe eine kurze Akkulaufzeit zur Folge, der irrt. Tatsächlich ist es LG gelungen, das Telefon mit einem 3.000 mAh fassenden Energiespeicher auszustatten, der im Alltag auch bei dauerhaft aktivierter Datenschnittstelle und gelegentlicher App-Nutzung zwei bis drei Tage ohne größere Probleme durchhält. Geschuldet ist das der so genannten SIO+-Technologie mit einer neuartigen Schicht-Bauweise. Selbst Heavy-User sollten den Akku frühestens am zweiten Nutzungstag an seine Grenzen bringen können. Kleiner Nachteil: Der Akku ist fest verbaut, lässt sich bei einem möglichen Defekt also nicht einfach austauschen.



Praktisch keine Vorwürfe kann man LG in Bezug auf die Verarbeitung machen. Sicher, mit einem Gehäuse aus Polycarbonat und abgerundeten Kanten wurde das Rad nicht neu erfunden und die Akkuabdeckung ist durch die glatte Oberfläche auch nicht sonderlich griffig. Umso erstaunlicher ist es, dass das Smartphone trotz seiner recht sperrigen Abmessungen von 139 x 71 x 9 Millimetern und einem Gewicht von 140 Gramm noch recht gut in der Hand liegt.

Ein Alleinstellungsmerkmal hat das LG G2 auch vorzuweisen – mit dem so genannten Rear Key auf der Rückseite. Genau genommen handelt es sich hierbei um ein Tasten-Trio, das Power-Taste und Lautstärke-Wippe vereint. LG selbst verspricht eine intuitive Bedienung, tatsächlich bedarf es aber einer gewissen Eingewöhnungszeit, ehe der Rear Key bei der Bedienung nicht mehr als eine Art Fremdkörper wahrgenommen wird.

Innovativer Rear Key

Das soll aber nicht heißen, dass die LG-Innovation nicht auch Vorteile mit sich bringen würde. Denn es erweist sich zum Beispiel als ungemein praktisch, während eines Telefonats die Lautstärke zu ändern, da sich der Zeigefinger währenddessen natürlicherweise ohnehin an genau jener Stelle befindet, wo auch der Rear Key zu finden ist. Zudem dienen die beiden Lautstärke-Tasten im Kameramodus als Auslöser. Auch das ist mit ein bisschen Übung durchaus sinnvoll.

Das Telefon über den Power-Button auf der Rückseite aus dem Standby-Modus zu wecken, ist hingegen weniger komfortabel. Wird der Daumen nicht gleichzeitig gegen das Display gedrückt, macht das Handling einen extrem instabilen Eindruck und es droht stets die Gefahr, dass das Telefon aus der Hand fällt. Aber auch dafür hat LG eine passende Alternative parat. So reicht es nämlich aus, zweimal auf das ausgeschaltete Display zu tippen (Knock On) und schon aktiviert sich der Bildschirm, um den Sperrbildschirm mit seinen fünf frei konfigurierbaren Schnellstart-Icons anzuzeigen. Mit der gleichen Geste lässt sich das Display auch wieder ausschalten. Dafür muss nur zweimal auf eine leere Stelle eines Homescreens getippt werden.

Volle Power durch Snapdragon 800-Prozessor

Rundum überzeugend präsentiert sich das G2 in Bezug auf die integrierte Hardware. Alles ist nahezu perfekt aufeinander abgestimmt und sorgte im Rahmen unseres Tests für ein rundum gelungenes Nutzererlebnis. Ruckler konnten wir weder beim mobilen Websurfen beobachten noch bei der Navigation durch das Android-Menü. Apps öffnen sich zügig und selbst die integrierte Kamera steht binnen weniger Augenblicke zur Nutzung bereit. Dafür verantwortlich ist neben 2 Gigabyte Arbeitsspeicher ein Quad-Core Prozessor von Qualcomm, dessen vier Kerne mit je 2,3 Gigahertz getaktet sind. Keine Frage, das LG G2 setzt in Sachen Leistung neue Maßstäbe am Smartphone-Firmament.

Erfreulich ist auch, dass dem Mobiltelefon eine Vollausstattung in Bezug auf die integrierte Antennentechnik spendiert wurde. Denn das G2 funkt auf allen hierzulande nutzbaren GSM-, UMTS- und LTE-Frequenzen. Ergänzend dazu sind Downloads per HSDPA+ mit bis zu 42 Mbit/s möglich und es steht eine WLAN-Schnittstelle zur Verfügung. Bluetooth 4.0, GPS-Empfänger und NFC-Chip runden das Angebot an Extras nach oben ab.

Und natürlich hat LG nicht darauf verzichtet, sein neues Flaggschiff im Smartphone-Portfolio mit einer Kamera auszustatten. Nur gut und nicht sehr gut fällt das Urteil an dieser Stelle aus, weil die Kamera mit ihrem 13 Megapixel starken Sensor insbesondere mit schnellen Bewegungen unübersehbare Probleme hat. Es sei denn, es wird der Sport-Modus aktiviert. Ordentlich punkten kann die Kamera hingegen mit ihrem optischen Bildstabilisator und dem so genannten Multi-Point-Autofokus. Letzterer fokussiert nicht nur einen einzelnen Punkt, sondern gleich mehrere Objekte. Im Display, das als Sucher dient, wird das durch viele verschiedene grüne Quadrate sichtbar. Insgesamt machen Fotos bei guten Lichtverhältnissen einen schärferen Gesamteindruck als bei vielen Modellen der Konkurrenz.

Auch Videos möglich

Wer mehr auf sich bewegende Bilder steht, kann die Kamera auch in einen kleinen Camcorder verwandeln. Videos können in Full HD (1.080p) aufgenommen werden – auf Wunsch sogar nicht nur mit standardmäßig 30 sondern sogar 60 Bildern pro Sekunde. Insgesamt unterstützt die Kamera des G2 zwölf verschiedene Foto- und immerhin vier Video-Modi. Jederzeit ist es möglich, neben der Hauptkamera auch die Front-Kamera im Prallelbetrieb zuzuschalten. Dann wird nicht nur dokumentiert, was sich vor der Hauptkamera abspielt, sondern bestenfalls auch Mimik des/der Filmenden.

Wer sich vom G2 musikalisch unterhalten lassen möchte, sollte tunlichst auf ein Headset setzen. Denn der integrierte Mono-Lautsprecher, der wie der Kopfhörereingang an der Fußseite zu finden ist, kann überhaupt nicht überzeugen. Die Audio-Ausgabe ist extrem blechern und bereitet keine wirkliche Freude. Mit an Bord sind auch ein UKW-Radio inklusive RDS-Unterstützung und ein Medien-Player. Praktisch: Sobald ein Kopfhörer in den Audioausgang gesteckt wird, öffnet sich am unteren Bildschirmrand eine kleine Schnellstartleiste, aus der zum Beispiel unmittelbar YouTube-App, MP3-Player oder auch das Radio direkt gestartet werden können.

Fazit: LG liefert ab - und zwar mehr als ordentlich

Wer LG in Bezug auf einen möglichen Smartphone-Kauf bisher links liegen gelassen hat, weil die Mobiltelefone möglicherweise eher billig wirkten, sollte diese Denkweise schnellstmöglich ad acta legen. Denn mit dem G2 präsentieren die Südkoreaner ein Smartphone-Schlachtschiff, das sich im Kampf um Marktanteile gegen Konkurrenten wie das Samsung Galaxy S4 oder das HTC One nicht nur behaupten kann, sondern zum Teil sogar noch besser abschneidet. Performance, Display und Akkulaufzeit sind rundum überzeugend. Hübsch ist auch die in die Front integrierte Status-LED, die zuverlässig über verpasste Anrufe und Nachrichten informiert.

Gibt es etwas zu kritisieren? Nun, an den Rear Key muss man sich sicherlich gewöhnen und auch das Plastikgehäuse trifft nicht jedermanns Geschmack. Schade ist zudem, dass der 16 bzw. 32 Gigabyte große Flash-Speicher nicht über eine MicroSD-Karte erweitert werden kann. Dennoch überwiegen die positiven Eindrücke, die das LG G2 zu einem fast schon perfekten Smartphone machen.

Erhältlich ist das Optimus G2 ab Ende September. Vorbestellungen sind schon jetzt möglich, für knapp 500 Euro für die 16-GB-Variante und für etwa 100 Euro mehr für das 32-GB-Modell. Alternativen sind das Optimus G Pro – ebenfalls aus dem Hause LG – oder das Samsung Galaxy Note 2.

Name: G Pro
Hersteller: LG
Preis: ab 599 Euro
Technische Daten:
Betriebssystem: Google Android 4.2.2
Prozessor: 2,3 GHz Quad Core
Arbeitsspeicher: 2 Gigabyte
SIM: Micro-SIM
Antenne: GSM (850, 900, 1.800, 1.900 Mhz.)
UMTS (850, 900, 1.900, 2.100 Mhz.)
LTE (800, 1.800, 2.600 Mhz.)
Abmessungen: 139 x 71 x 9 Millimeter
Gewicht: 140 Gramm
Display: 5,2 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel, 16,7 Millionen Farben
Speicher: 16 / 32 GB intern (nicht über MicroSD erweiterbar)
Schnittstellen: Bluetooth, WLAN, NFC, USB
Digitalkamera: 13 Megapixel Kamera, Digitalzoom, Autofokus, HD-Videofunktion (1.080p), Frontkamera mit
2,1 Megapixel-Auflösung
Lieferumfang: Akku, Ladegerät, Stereo-Headset mit Ohrstöpseln in verschiedenen Größen, USB-Datenkabel
Extras: MP3- und Videoplayer, Bluetooth (Version 4.0), GPS, WLAN, HD-Unterstützung, NFC, UKW-Radio
Akkulaufzeit im Test: 24-36 Stunden Bereitschaftszeit (bei normaler Smartphone-Nutzung)
Pro & Contra:
starke Performance
brillantes Display
gute Akku-Laufzeit
große Status-LED
Kunststoff-Gehäuse
Rear Key ist gewöhnungsbedürftig
Speicher nicht erweiterbar
Akku nicht austauschbar
Bewertung:
Bedienung (30%): gut
Ausstattung (20%): sehr gut
Verarbeitung (20%): sehr gut
Akkulaufzeit (20%): gut
Telefonfunktion (10%): sehr gut
Gesamtnote gut (1,5)
Preis-Leistung: gut

(Hayo Lücke)

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