Testbericht

LG G Pad 8.3 im Test: LG bringt sich gegen Apple und Google in Stellung

Wenn sich LG schon so lange Zeit lässt, um mit einem neuen Tablet den Flachrechnermarkt zu erobern, dann muss das Gerät auch richtig zünden - und das G Pad 8.3 macht genau das: Display, Leistung und Bedienung sind top. Wir haben es getestet (mit Video).

LG G Pad 8.3© LG

Im Sommer 2012 kündigte LG noch an, zunächst keine Tablets mehr entwickeln zu wollen. Stattdessen sollte der Fokus in Richtung Optimus-Smartphones rücken. Gut, dass der südkoreanische Konzern diesen Schritt noch einmal überdacht hat, denn das neue LG G Pad 8.3 ist nicht einfach nur noch irgendein Android-Tablet. Vielmehr hat es durchaus das Potenzial, LG nach dem wenig erfolgreichen Versuch mit dem Optimus Pad als ernstzunehmenden Konkurrenten auf dem TabletMarkt zu positionieren. Wir zeigen, was der Tablet PC mit 8,3 Zoll großem Full-HD-Bildschirm zu bieten hat.

Gut sieht es aus!

Rein optisch kann das LG G Pad 8.3 mit einer dünnen und leichten Bauweise überzeugen. Mit 216,8 x 126,5 x 8,3 Millimetern Größe und 338 Gramm Gewicht lässt es sich bequem in einer Hand festhalten. Zum Vergleich: Das neue Apple iPad mini mit Retina-Display ist mit 200 x 135 x 7,5 Millimetern und 331 Gramm kaum dünner und leichter - trotz kleineren 7,9-Zoll-Displays. Wie das Mini-iPad und das LG G2 (Test) hat auch das G Pad 8.3 hochkant gehalten an den Seiten einen sehr schmalen Rahmen. Dieser misst nur etwa einen halben Zentimeter in der Breite, was dem Tablet ein schlankes und modernes Aussehen verleiht. Als kleiner Nachteil erweisen kann sich diese Form je nach Lage und App dadurch, dass zur Bedienung von Android typischerweise keinerlei physische Tasten vorhanden sind, sondern ausschließlich eingeblendete Bildschirmtasten. Wird das G Pad 8.3 beispielsweise zum Spielen quer festgehalten, kann es passieren, dass versehentlich mit dem Daumen der Zurück-Button betätigt wird. Im Videoplayer lässt sich das Display per Klick auf ein Schloss-Symbol gegen ungewollte Eingaben sperren.


LG hält das kleine Tablet wahlweise in der Farbe Weiß oder Schwarz bereit, bei beiden Versionen zieht sich die fast nahtlose Touch-Abdeckung bis zum Rand über den Bildschirm, der weiße oder schwarze Rahmen befindet sich darunter. Unser Testgerät entspricht der schwarzen Ausführung, auf deren Rückseite sich matt-schwarzer Kunststoff und eine gebürstete Metall-Oberfläche abwechseln. Vor Fingerabdrücken schützt diese aber offenbar gar nicht, denn das Tablet war bereits nach einem Tag ein Fall für den Putzlappen.

Kartenleser: ja, SIM-Kartenschacht: nein

Neben einem Kopfhöreranschluss und einen microSD-Kartenleser zum Erweitern des internen Speichers von 16 Gigabyte (GB) um bis zu 64 GB bietet das G Pad 8.3 nur Micro-USB. Allerdings lässt sich daran nicht nur das Netzteil oder USB-Kabel zum Datentransfer anschließen, sondern aufgrund der HDMI-Slimport-Funktion über einen passenden Adapter auch ein Flachbildfernseher mit HDMI. Ein solches Verbindungsstück müsste aber separat angeschafft werden, dann LG liefert keines mit. Eine Internet- oder Heimnetzwerkverbindung lässt sich via WLAN 802.11 a/b/g/n herstellen, davon abgesehen befinden sich DLNA-Support zum Streamen von Inhalten, Miracast-Unterstützung und Bluetooth 4.0 an Bord. Eine Mobilfunkversion hatte LG zwar zur Ankündigung ebenfalls erwähnt, bislang ist aber keine in Sichtweite.

Aufwecken und Schlafenlegen durch Klopfzeichen

Bedienknöpfe sind - so wie es bei Android-Tablets meistens der Fall ist - zum Verstellen der Lautstärke und natürlich zum Ein- und Ausschalten angebracht. Beide hinterlassen einen soliden Eindruck und sind sehr gut auch ohne hinzusehen aufzuspüren. Trotzdem ist es gar nicht nötig, jedes mal nach dem Power-Schalter zu tasten, um das G Pad aus dem Standby-Schlaf zu holen. Dank der KnockOn-Funktion genügt es, zweimal leicht mit der Fingerspitze auf das Display zu klopfen. Das ist insbesondere dann eine Erleichterung, wenn nur kurz die Uhrzeit geprüft oder aber der Download-Status einer großen App gecheckt werden soll. Auf die gleiche Weise kann das Gerät auch wieder in den Ruhezustand geschickt werden.

Das LG G Pad 8.3 läuft mit Android 4.2 Jelly Bean, das der Hersteller um diverse nützliche Funktionen und Gesten erweitert hat. Angefangen vom Tool Slide Aside, das geöffnete Apps wie überlappende Fenster für einen schnelleren Wechsel anzeigt, bis zur Multitasking-App QSlide, um bis zu vier Fenster mit verschiedenen Anwendungen wie Videoplayer und Notizen parallel auf dem Display anzuordnen. Über einen Regler können die Fenster transparent dargestellt werden, sodass darunterliegende Schaltflächen bedienbar bleiben, ohne die Fenster verschieben zu müssen. Die Videowiedergabe pausiert übrigens, wenn der Blick nicht mehr auf das Display gerichtet ist. Schaut man wieder auf den Bildschirm, wird der Film automatisch fortgesetzt.

Mit QPair ein Smartphone als Hotspot nutzen

Über die QPair-App wiederum lassen sich SMS, Anrufe, Chat-Nachrichten und Status-Updates aus sozialen Netzwerken, die auf dem Handy eingehen, auch auf dem Tablet-PC anschauen. So kann der Nutzer mit dem G Pad auf der Couch sitzend das Handy-Klingeln in der Jackentasche im Flur abstellen, um später in Ruhe zurückzurufen. Für das Smartphone steht QPair für Android-Geräte ab Version 4.1 Jelly Bean über den Google Play Store zur Verfügung. Wir konnten die letztendlich über Bluetooth abgewickelte Funktion mit einem Huawei Ascend G615 problemlos testen. Ebenfalls möglich: Tethering, um ein Handy als mobilen Hotspot zu nutzen.

Fernbedienung, Notizfunktion und weitere Apps

Nebenbei dient das G Pad 8.3 dank Quickremote auch noch als Universalfernbedienung für Flachbildfernseher oder DVD-Player - in nur drei Schritten. Die neue Benutzerkontensteuerung von Android, mit der sich beispielsweise Apps für die Kinder oder Gäste sperren lassen, ist ebenfalls nutzbar. LG hat sie allerdings auf ein Zusatzkonto beschnitten und unterscheidet per Muster in der Bildschirmsperre, ob nun der Voll- oder Teilzugriff geboten wird. Quickmemo erinnert an die Note-Funktionen von Samsung; hiermit lassen sich Screenshots beschriften und versenden. An weiteren Apps stehen Polaris Office 5, QTranslator, ein kostenloses DioDict Wörterbuch, LG Smartworld, ein Video Editor und Voice Mate auf dem Tablet zur Verfügung. Letztere dient zum Ausführen bestimmter Funktionen wie Wecker, Kalendereintrag oder Internetsuche per Spracheingabe. Leider ist die Funktion bis dato nur in englischer Sprache nutzbar. Life Square wiederum ist eine Art Monitoring-App, die fast die komplette Nutzung aufzeichnet: Sie dokumentiert beispielsweise mit dem Tablet aufgenommene Fotos sowie Videos und auch Postings bei Facebook und Twitter.

So viele Funktion zu bieten, mag kompliziert klingen, doch LG hat das Anlernen des Nutzers gut gelöst. Wie Hersteller Samsung beim ausgesprochen funktionslastigen Samsung Galaxy Note 10.1 2014 (Test) lässt auch LG immer mal wieder Info-Fenster aufpoppen, die den Kunden mit den Features und Gesten vertraut machen. Darüber hinaus wurden die Hauptmerkmale auf einer hübsch zurechtgemachten Seite auf dem Tablet gesammelt, die zu entsprechenden YouTube-Videos führt.

Die verschiedenen Funktionen des G Pad 8.3 zu nutzen, macht auch deshalb Spaß, weil der diagonal 8,3 Zoll messende IPS-Bildschirm mit stabilen Blickwinkeln nicht nur hell genug leuchtet, sondern auch knackig scharf ist. Die 1.920 x 1.200 Bildpunkte entsprechen einer Pixeldichte von 273 Pixel pro Zoll und bereiten pixeligen Sybolen und ausgefranster Schrift ein Ende. Dadurch kommen nicht nur hochauflösende Videos und Fotos gut zur Geltung, auch digitale Bücher und Zeitschriften sowie Internetseiten sind besser lesbar.

Per Snapdragon zum Spiele-Tablet

Als Antriebsmotor dient dem G Pad ein Qualcomm Snapdragon 600 Quad-Core-Prozessor mit 1,7 Gigahertz, unterstützt von 2 GB Arbeitsspeicher. Dieses Gespann bietet ausreichend Leistung, um den Flachrechner in verschiedensten Situationen einzusetzen. Full-HD-Videos laufen ebenso verzögerungsfrei wie das Springen zwischen Apps vonstatten geht.

Als Spiele-Tablet taugt das G Pad 8.3 ebenfalls und muss sich dabei nicht vor den Tegra-Gegnern verstecken. Nicht nur bei Spielen mittleren Anspruchs wie Minion Rush, sondern auch bei fordernden Titeln wie Iron Man 3, Asphalt 8 oder Dungeon Hunter 4 erfreuen sich Spieler an einer flüssigen und detailreichen Darstellung. Die Benchmark-Ergebnisse (siehe Seite 4) sprechen auch für sich; nur der im Galaxy Note 10.1 2014 untergebrachte Snapdragon 800 mit höherer Taktrate läuft dem 600er Modell davon. Je nachdem, wofür das Tablet gerade eingesetzt wird, hält der Akku etwa fünf bis acht Stunden im Dauerbetrieb durch. Damit kann es nicht mit dem neuen Nexus 7 von Google oder den Apple iPads mithalten. Gemessen wurde dieser Wert bei 50-prozentiger Display-Helligkeit.

Guter Sound, maue Fots

Für die musikalische Beschallung ohne Kopfhörer sorgen zwei Lautsprecher. Zwar sind sie auf der Rückseite angebracht, über die Audioeinstellungen lässt sich der Sound durch den Surround-Filter aber akustisch ein Stück weit nach vorne holen. Angesichts des flachen Gehäuses ist das Paar ganz schön laut und kräftig.

Fotos und Videos lassen sich mit der rückwärtigen 5-Megapixel-Kamera aufzeichnen. Diese liefert aber leider keinen LED-Blitz und macht daher bei Dunkelheit schlapp. Einige Funktionen wie eine Gesichtserkennung und Beauty-Shots zum nachträglichen Auflegen von Make-Up hat sie sich von den stärkeren Kollegen aus den Optimus-Smartphones abgeschaut, auch Panorama-Aufnahmen, Serienbilder sowie HDR-Aufhübschen ist möglich. Bezüglich der Bildqualität ist die Tablet-Kamera aber kein Knaller, stattdessen hat sie mit Bildrauschen, leichter Unschärfe und etwas flauen Farben zu kämpfen. Dennoch ist sie für ab und an brauchbar. Die Videos können sich hingegen durchaus sehen lassen und sind absolut flüssig. Ergänzt wird die Kameraausrüstung um eine 1,3-Megapixel-Webcam.

Fazit: Überzeugendes Gesamtpaket

Wenn sich LG schon so lange Zeit lässt, um mit einem neuen Tablet-PC den prall gefüllten Flachrechnermarkt zu erobern, dann muss das Gerät auch richtig zünden - halbgar reicht da nicht. Mit dem G Pad 8.3 ist das LG auch definitv gelungen. Nicht nur ein knackscharfes Display mit flottem Prozessor und ein schlankes und hübsches Gehäuse sind an dieser Stelle zu erwähnen, sondern auch die gut bedienbare Oberfläche mit ihren nützlichen Tools. Die durch den Hersteller vorgenommenen Anpassungen hinterlassen einen ausgereiften Eindruck, sodass LG mit seinem Gesamtpaket Apple oder Google Paroli bieten kann. Lediglich die Fotoqualität der Kamera und die Akkulaufzeit könnten etwas besser ausfallen.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: G Pad 8.3 (LG-V500)
Hersteller: LG
Internet: www.lg.com/de
Preis: ca. 300 Euro

bei Amazon:

ab 290 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: Qualcomm Snapdragon 600 Quad-Core-Prozessor mit 1,7 GHz

Benchmarks:
3DMark Score:
Ice Storm: Maxed Out,
Ice Storm
Extreme: 6.174 Punkte
Ice Storm
Unlimited: 9.595 Punkte

AnTutu 4: 25.988 Punkte
SunSpider 1.0.2: Chrome: 1.172 ms
Bildschirm: 8,3 Zoll IPS (1.920 x 1.200 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 2 GB RAM, 16 GB Speicher
Akku: Akku mit 4.600 mAh; Herstellerangabe:
bis 29 Tage Standby

gemessen: 7,5 Stunden YouTube (WLAN),
5 Stunden HD-Videos (offline)
Kommunikation: WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0 (Miracast)
Betriebssystem: Android 4.2 Jelly Bean
Abmessungen: HxBxT: 217 x 126,5 x 8,3 Millimeter;
338 Gramm
Anschlüsse: Micro-USB (HDMI Slimport), MicroSD-Kartenleser
(bis 64 GB), Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Sonstiges: Lagesensor, GPS, DLNA,
5-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz,
1,3-Megapixel-Webcam
knackscharfes, helles Display
gute Leistung
Kartenleser
viele praktische Features wie Fernbedienung
keine 3G-/4G-Version verfügbar
Kameraquailtät könnte besser sein
Akkulaufzeit ausbaufähig
Bewertung:
Gesamt: 4 von 5 Sternen
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

Zum Seitenanfang