Testbericht

Yoga Tablet im Test: Lenovo erfindet das Tablet neu

Wie das Surface bietet auch das Yoga Tablet einen ausklappbaren Ständer. Nebenbei gestattet die ungewöhnliche Keilform einen stärkeren Akku für mehr als zehn Stunden Laufzeit - bei einem Preis von unter 300 Euro. Fakt ist: Lenovo hat ein sehr gelungenes Tablet auf den Markt gebracht.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Yoga ist nicht mehr alleine eine Bezeichnung für aus Indien stammende Körper- und Geistesübungen, sondern auch eine Produktreihe von Lenovo: Unter IdeaPad Yoga brachte der Hersteller zunächst Ultrabooks auf den Markt, die sich durch ihre Flexibilität auszeichnen - ganz wie ein fleißiger Yoga-Schüler. Jetzt gibt es auch einen Tablet PC aus der Gerätefamilie. Das Lenovo Yoga Tablet kommt in den Größen 8 und 10 Zoll und verspricht, "ein Tablet wie kein anderes" zu sein. Der Grund dafür ist der integrierte Klappständer, ein Feature, das bislang nur das Microsoft Surface mit Windows 8 beziehungsweise Windows RT zu bieten hatte. Wir haben das vielseitige Tablet in der Version Yoga Tablet 10 für 299 Euro (UVP) getestet.

Keilform und Metallständer zum Ausklappen

Das Yoga Tablet ist für einen Flachrechner ungewöhnlich geformt - nämlich wie eine Art Keil. So ragt aus dem etwa 261 x 180 x 3 bis 8 Millimeter (mm) großen und 605 Gramm schweren Tablet-PC an einer Seite ein röhrenförmiger Griff hervor, für den Lenovo drei Nutzungsmodi vorgesehen hat: Im Hold Mode hält der Besitzer sein Yoga Tablet hochkant mit einer Hand an der breiten Seite fest. Im Prinzip ist das eine gute Idee, um mit der anderen Hand durch Webseiten scrollen zu können oder ein E-Book oder digitale Magazine zu lesen. Beim 10-Zoll-Yoga stört dann aber das recht hohe Eigengewicht, denn ein Tablet dieser Größe möchte man ungern für längere Zeit auf diese Weise festhalten. Beim kleineren und leichteren 8-Zoll-Bruder sieht das ganz anders aus.

Der Röhrengriff lässt sich mit der Hand drehen und anschließend ein ordentlich stabiler Standfuß aus Metall ausklappen. Mit diesem wird das IdeaPad Yoga dann in den Stand Mode gebracht, der es für Videochats, Bildergalerien oder Videos aufstellt. Der wohl am häufigsten verwende Modus dürfte der Tilt Mode sein, der das Tablet für den Einsatz auf Tisch oder Schoß ein Stückchen anhebt. Auch ohne ausgeklappten Ständer steht beziehungsweise liegt das Gerät bereits leicht schräg, was auch beim Tippen auf der Bildschirmtastatur sehr angenehm ist. Leider steht gerade in dieser Position der silberfarbene Lenovo-Schriftzug auf dem Display auf dem Kopf. Auch etwas unglücklich: Für die einzelnen Modi gibt es separate Einstellungen bezüglich der Farbtemperatur. Offenbar wollte Lenovo unter anderem zum Lesen Hilfestellung bieten, doch wirklich gelungen ist die Optik mit rötlicher Färbung nicht.

Kräftiger Akku für lange Laufzeit

Dass das Design des Lenovo Yoga Tablets etwas an das Sony Vaio TZ erinnert, liegt nicht nur daran, dass der zylinderförmige Rand mit dem Power-Schalter abschließt (gegenüber sitzt übrigens der Kopfhörerausgang), sondern auch daran, dass dort der Akku untergebracht wurde. Ihn so weit an den Rand zu verfrachten führt dazu, dass sich auch der Schwerpunkt entsprechend verlagert. Einem sicheren Stand kommt das entgegen und auch in der Hand liegt das Yoga dadurch gut. Der Akku soll laut Lenovo eine Laufzeit von bis zu 18 Stunden ermöglichen. Das ist verglichen mit anderen Tablets mehr als beachtlich. In unserem Test konnten wir die vorgegebene Marke im Dauerbetrieb allerdings nicht erreichen, auch wenn die Werte insgesamt durchweg überzeugen. Bei 50-prozentiger Display-Helligkeit ließen sich etwa 10,5 Stunden lang YouTube-Videos abspielen, im Flugzeugmodus liefen HD-Videos sogar mehr als 13 Stunden am Stück. Um das Ganze weiter auszudehnen, lässt sich ein Energie-Manager nutzen. Leider geht mit der recht tüchtigen Ausdauer auch eine langwierige Ladeprozedur einher. Nach acht Stunden an der Steckdose war der Energiespeicher erst knapp zur Hälfte wieder aufgefüllt.

Neben der bereits erwähnten Kopfhörerbuchse kann das Yoga 10 einen Micro-USB-Anschluss und einen microSD-Kartenleser für Speicher mit bis zu 64 Gigabyte (GB) vorweisen, um die interne Kapazität von 16 GB zu ergänzen. Der Steckplatz befindet sich unter dem Ständer, so dass dieser unbedingt ausgeklappt werden muss, um ihn zu erreichen. In den Mobilfunkversionen steht daneben ein Micro-SIM-Einschub bereit, um per HSPA+ mobiles Internet nutzen zu können. Bluetooth und WLAN runden die Schnittstellenausstattung ab.

Das gefällt: Sehr helles HD-Display

Das 10,1 Zoll große Display löst mit 1.280 x 800 Bildpunkten auf und bietet damit nur eine HD-Auflösung. Bei Videos und Fotos stört das nicht weiter. Texte und Symbole lassen aber deutlich werden, dass hier keine Full-HD- oder Retina-Schärfe erwartet werden kann. Gerade beim Lesen kann das negativ auffallen. Doch auch wenn das 10-Zoll-Yoga hochkant als E-Book-Reader genutzt werden könnte, werden viele Lesefreunde sicher eher zur 8-Zoll-Version tendieren. Diese bietet die gleiche Auflösung, aufgrund des kleineren Displays aber trotzdem die schärfere Anzeige. Da der Touchscreen jeweils auf einem IPS-Panel fußt, sind große Blickwinkel gewährleistet. Sitzt man zu zweit vor dem Tablet, können also beide den Bildschirminhalt gut erkennen. Auch in der Disziplin Helligkeit kann das Display überzeugen. Spiegelungen lassen sich bei den glänzenden Touch-Oberflächen naturgemäß nicht ganz vermeiden, doch das Yoga-Tablet schneidet hier gut ab.

Gute Leistung, aber nichts für anspruchsvolle Spieler

Im keilförmigen Gehäuse werkelt ein Mediatek MTK Quad-Core-Prozessor, riesige Reserven kann er mit 1,2 Gigahertz Taktrate und 1 GB Arbeitsspeicher aber nicht vorweisen. Und so reicht es an dieser Stelle auch nicht für eine völlig verzögerungsfreie Navigation. So sind beim Aus- und Einklappen von Menüleisten beispielsweise leichte Ruckler in der Benutzeroberfläche zu sehen. Auch bei aufwendigen Spielen wird klar, dass der Flachrechner leistungstechnisch nicht an der Spitze steht. Iron Man 3 läuft zwar größtenteils flüssig, spart aber an Details. Nicht verzögerungsfrei spielbar sind Asphalt 8 und Minion Rush. Für alle anderen Anwendungsfälle reicht die gebotene Leistung aber locker aus: YouTube in HD, Videos in HD- oder sogar Full-HD-Qualität abspielen, zügig surfen und schnell zwischen verschiedenen Apps hin und her springen - das ist mit dem Yoga absolut möglich.

Lautsprecherklang stimmt zufrieden, Kameraqualität nicht

Die Lautsprecher befinden sich bei diesem Tablet auf der Vorderseite und das ist durchaus erwähnenswert, weil sie bei anderen, besonders flachen Geräten gerne mal auf die Rückseite rutschen. Am Sound gibt es jedenfalls nichts auszusetzen, für einen Tablet-PC klingen die Lautsprecher laut und kräftig genug. Optimierungsmöglichkeiten für Film-Sound oder Musik stehen ebenfalls bereit.

Kameras hat Lenovo auf Vorder- und Rückseite für Fotos mit einer Auflösung von bis zu 5,0 beziehungsweise 1,6 Megapixel spendiert. Auf Zückerchen wie einen Blitz muss der Nutzer verzichten. Insgesamt ist die Bildqualität auch eher verrauscht als berauschend. Fotos wirken leicht milchig und zu den Rändern hin unscharf, so dass es an dieser Stelle nur für gelegentliches Festhalten von Infos reicht. Die Videofunktion zeichnet wahlweise in 720p- oder auch 1080p-Qualität auf.

Ausgeliefert wird das Lenovo Yoga mit der Android-Version 4.2, der der Hersteller seine eigene Oberfläche aufgelegt hat. Ähnlich wie bei Huaweis Variante fehlt hier die android-typische Übersicht aller installierten Apps und Optionen, stattdessen sind ab Werk drei Bildschirme vorhanden, die Anwendungen und Widgets enthalten. Weitere Screens lassen sich über eine Bildschirmtaste hinzufügen und bestücken. Die neu von Android eingeführte Benutzerkontensteuerung entfällt. Zusätzlich zu den Google-Apps erhält der Nutzer unter anderem Zugriff auf einen Datei-Manager, eine Aufnahmefunktion, die Navigations-App Navigate 6, die kostenlose App Kingsoft Office und einen gut bedienbaren Videoplayer. Da sich dessen Fensteransicht verkleinern lässt, kann auch nebenher im Internet gesurft werden.

Fazit: Sehr gelungenes Tablet zum günstigen Preis

Mit dem praktischen Ständer zum Ausklappen bringt das Lenovo IdeaTab Yoga eine Eigenschaft mit, die bei anderen Tablet-PCs nur durch den Kauf von Zubehör wie eines Covers nachrüstbar ist. Da der Standfuß fest verbaut ist, hat das Tablet zusätzlich den Vorteil, dabei viel stabiler zu stehen. Gerade für zuhause ist das sehr praktisch, aber auch unterwegs in ruckeligen Zugabteilen und Flugzeugen. Punkten kann das Yoga Tablet dann zudem mit seiner Top-Akkulaufzeit. Wer ein besonders leichtes Tablet sucht, kann alternativ zum 70 Euro günstigeren Yoga Tablet 8 greifen, das außerdem das schärfere Display liefert. Mehr Pixel würden auch dem Yoga Tablet 10 gut tun, das sollte Lenovo für die kommende Generation berücksichtigen. Alles in allem hat der Hersteller definitiv ein interessantes und dabei günstiges Tablet vorgelegt, nur eben keines für sehr anspruchsvolle Spieler.

Weitere Tablet PCs im Test, einen Tablet PC Vergleich und eine Kaufberatung zum Thema Tablet PC liefert unser Hintergrundbereich.

Name: IdeaTab Yoga Tablet 10
Hersteller: Lenovo
Internet: www.lenovo.com/de
Preis: UVP: 299,99 Euro mit WLAN /
349,99 Euro mit 3G

bei Amazon:

mit WLAN für 290 Euro
Technische Daten
Chipsatz/Prozessor: MTK Quad-Core-Prozessor mit 1,2 GHz

Benchmarks:
3DMark Score:
Ice Storm: 3.177 Punkte,
Ice Storm
Extreme: 1.584 Punkte
Ice Storm
Unlimited: 2.584 Punkte

AnTutu 4: 13.515 Punkte
SunSpider 1.0.2: Chrome: 1.421 ms
Bildschirm: 10,1 Zoll IPS (1.280 x 800 Pixel)
Touchscreen, glänzend
Speicher: 1 GB LPDDR2-RAM, 16 GB eMMC
Akku: Herstellerangabe:
bis 18 Stunden

gemessen: 10,5 Stunden YouTube (WLAN),
13 Stunden HD-Videos (offline)
Kommunikation: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 3.0 (4.0 ab Update auf Android 4.3), optional HSPA+
Betriebssystem: Android 4.2.2
Abmessungen: HxBxT: 261 x 180 x 3 bis 8 Millimeter;
605 Gramm
Anschlüsse: Micro-USB, MicroSD-Kartenleser (bis 64 GB),
Kopfhörer (3,5 mm Klinke)
Sonstiges: Lagesensor, GPS, Helligkeitssensor,
5-Megapixel-Kamera, 1,6-Megapixel-Webcam
helles, blickwinkelstabiles Display
eingebauter, stabiler Ständer
Kartenleser
Akkulaufzeit
optional als 3G-Modell erhältlich
günstiger Preis
"nur" HD-Auflösung
Bildquailtät der Hauptkamera
Benutzerkontensteuerung von Android
nicht nutzbar
Bewertung:
Gesamt: 4 von 5 Sternen
Preis-Leistung: gut

(Saskia Brintrup)

Zum Seitenanfang